gubernieren,
V.;
aus
lat.
gubernāre
›lenken‹
(Georges
1, 2981
).
1.
›regieren, über Land und Leute herrschen, die Geschicke eines Landes bestimmen und lenken‹; nicht immer klar trennbar: ›ein Herrschaftsgebiet im Auftrag verwalten‹; auch ütr., dann: ›in etw. walten; etw. / jn. beherrschen‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 2,  4, , , , , .
Wortbildungen:
gubernier
,
gubernierer
jeweils: ›Statthalter‹,
gubernierung
1 ›Herrschaft, Art und Weise, wie regiert wird‹ (dazu bdv.: ,
2
 5, , , ); 2 ›Regierungszeit eines Herrschers‹.

Belegblock:

Schöpper
2a
(
Dortm.
1550
):
Gubernare. Gubernieren herschen walten regieren vorstehen verwesen.
Ebd.
66b
:
Gubernatio. Regierung herschafft herschung gubernierung regiment.
Mannack, Rist. Pers.
167, 15
(
Hamburg
1634
):
hiedurch wird [E. Durchl.] [...] das Koͤnigreich Macedonia alß ein eintziger vnd gewaltiger Monarch [...] wol regieren vnd gubernieren koͤnnen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
5135
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Gots Gnade, durch die sich regieren | Sollen alle konnige und gubernyeren, | An Recht Verstenteniße.
Sachs
1, 220, 11
(
Nürnb.
1531
):
Glückselig wirt all dein regierung, | Standhafft dein gwalt und gubernierung.
Ebd.
3, 220, 34
(
1531
):
Was hilfft zepter, kron, | Das du must land und leut regieren, | Mit grossen sorgen gubernieren.
Ebd.
3, 567, 17
(
1539
):
Ließ sie bleyben inn ir regierung, | Und hernach, als inn gubernierung | Alexander, der groß, erobert, | Schier alle reich der welt erkobert.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
5, 26
(
Straßb.
1520
):
das ein solche pollitzey vnd regiment mit der file zuͦ gubernieren nie hat moͤgen die lenge beston.
Sudhoff, Paracelsus
12, 14, 26
(
1537
/
38
):
was der geist sei, der da gubernir in den creaturen, und was der geist sei, der den menschen regiret. von solchem guberniren, wie ie eins das ander herschete.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 129, 19
(
halem.
,
n. 1529
):
der marschalk und gubernier in Burgun, La Tremoly, des kuͤngs grandscutier.
Ukena, Luz. Sp.
653
(
halem.
,
1575
):
Das by v̈ch nyd vnd haß regiert / | Der v̈wern gantzen Rath guberniert.
Chron. Augsb.
5, 311, 6
(
schwäb.
, Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
da kamen zwen menschen von des türckischen kaissers herr, die waren etwan kristen gewesen zuͦ Huniienisch, dem gubernierer zuͦ Ungern.
Rot
315
(
Augsb.
1571
):
Gubernation, Gubernament, Gubernirung. Gwalt / Herschung / Regiment / Regierung [...]. Gubernirn, Verwalten / leyten / regieren / herschen.
Haszler, Kiechels Reisen
316, 18
(
schwäb.
,
n. 1589
):
haben düe patres de sanct Francisco zu gouverniren erstlichen das heilige grab.
Sachs
2, 93, 25
;
20, 161, 17
;
Chron. Augsb.
7, 277, 31
.
2.
›sich beherrschen, zusammenreißen; etw. zügeln, im Zaum halten‹.

Belegblock:

Menge, Laufenb. Reg.
2325
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Von sechs stúklin [...] | Die man In sunderheit gar wol | In diser lere behalten sol | Ich mein der sich wil gubernieren | Vnd gesuntheit wol regieren.
Wedler, W. Burley. Liber
96r
(
moobd.
,
v. 1452
):
Wann ainer sein aigne sel nicht mag gubernyern, wie wil er sein ain gubernierer
(zu 1)
vnd ain reigierer vil menschen?