gruft
(obd., vor allem wobd. auch
grunft
),
die
;
zur etymologischen Problematik s. Kluge/S.
2002, 376
.
1.
›künstlich hergestellte Vertiefung in der Erde, Grube, Loch; Abgrund, Tiefe; Höhle, Höhlung‹; speziell: ›Erdvertiefung für einen Grenzstein‹; ›Grenzgraben‹; ›Kellergewölbe‹; ütr.: ›Gefängnis‹; ›Hölle‹.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1.

Belegblock:

Lappenberg, Fleming. Ged.
20, 173
(
1632
):
Du mörderischer Schelm, in Plutos Gruft erzogen, | du hast beim Phlegeton Erynnis Brust gesogen, | die blaue Neidesmilch.
Luther. Hl. Schrifft. Jes.
51, 1
(
Wittenb.
1545
):
Schawet den fels an / dauon jr gehawen seid / vnd des Brunnen grufft
[
Wormser Proph.
:
hol
; ˹
Cranc
:
steingruft
; Froschauer
1530
:
gruͦb
; Dietenberger
1534
:
brunnen gruͦb
, jeweils
des Brunnen
˺]
/ daraus jr gegraben seid.
Hübner, Buch Daniel
8139
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
ez trat | [...] | Uf Danyelis clage | Neben die gruft der kunic | Werfende hin sinen blic | Nach im.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 26
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
aus der muter leib in der erden gruft selbmügender geleiter; [...]; gruntfeste aller guten werke.
Jahr, H. v. Mügeln
126, 1860
(
omd.
, Hs.
1463
):
das mer got in mir hat geschaft, | [...] | die engel und der helle gruft.
Stackmann u. a., Frauenlob
8, 23, 5
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
den vogel jaget durch den luft | kein visch, nie in beger besaz des wages gruft
(›Meerestiefe‹)
| tierlach gemeit.
Sachs
2, 70, 6
(
Nürnb.
1555
):
So gieng denn vom geyst auff ein blast | [...] | Auß der grufft und ir sinn verrucket.
Ebd.
17, 30, 20
(
1553
):
Du sichst doch wol, daß ichs nicht kan; | Ich lig samb gfencklich in einr grufft.
Henisch
1760
(
Augsb.
1616
):
Grufft / ist so vil als grub / scrobs [...]. Grufft / bodenlose tieffe / barathrum, abyssus, vorago, immensæ profunditatis locus.
Klein, Oswald
104, 60
(
oobd.
,
1429
):
der mir den staffel geren zuckt | tieff in des meres grufft.
Niewöhner, Teichner
435, 73
(
moobd.
,
1360
/
70
):
ein iegleich pach | der ist aller pest gesmach | wann er fleuset aus der gruft.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
3328
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
dy affen [...] | chachitzten ob der gruft, | alz si sich frewten sigenüft.
Winter, Nöst. Weist.
1, 49, 34
(
moobd.
,
17. Jh.
):
[sie] sollen gemeltem stain wider sezen an den orth und auf die stell da er zuvorn gestanten in die alte grüften.
Ebd.
2, 43, 38
(
16. Jh.
):
ob ainer auswurf ain markstain [...], den soll man nemen und soll den setzen in die grüft wie der marichstain gestanden ist.
Hübner, a. a. O.
8085
;
Stackmann u. a., a. a. O.
2, 12, 6
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
11, 126
;
Winter, a. a. O.
2, 107, 27
;
Dasypodius
363v
;
Rwb
4, 1147
;
Schwäb. Wb.
3, 866
.
2.
›Grabstätte; Krypta‹; Spezialisierung zu 1; metonymisch dazu: ›Tod‹.
Phraseme:
bis in js. gruft
›bis zu js. Tod‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2,
1
.
Wortbildungen:
grufthaus
›Leichenhaus‹ (a. 1578),
gruftherre
›Kryptaverwalter‹ (a. 1453),
gruftmesse
›Messe auf dem Altar in der Krypta‹.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 486, 13
(
Köln
1499
):
Beatrix liggit unden in der cruft.
Voc. inc. teut. k iiijr (
Speyer
um 1483
/
4
):
Gruft Cripta Critta [...] catacu͂be.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
14, 24
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
wir wellen dir wünschen [...], das dein sele mit der iren dort in himelischer wonung, [...], alhie in der erden gruft wesen solten.
Voc. Teut.-Lat. n ijr (
Nürnb.
1482
):
Grufft vnter einer kirchen. crita. cripta idez. od’ schrein.
Gille u. a., M. Beheim
169, 64
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
in der grufft schau die toten pein.
Hulsius K iijv (
Nürnb.
1596
):
Krufft / gewoͤlb vnter der erden.
Morrall, Mandev. Reiseb.
60, 3
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
In ainer krufft in der selben kirchen [...] lyt Joachim, unser frowen vatter, in ainem staininen grab.
Chron. Augsb.
1, 304, 10
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
der truͦg sant Uͦlrich selb dritt auß seiner grunfft herauff ob seiner grunfft in ain sarch hinder seinem altar.
Ebd.
4, 345, 11
(
schwäb.
,
v. 1536
):
da ist ain weber [...], der hat sein scham aus dem latz than [...] und hat in sant Urlichs grunft hinab wellen saichen.
Thiel, Urk. Weltenb.
207, 18
(
moobd.
,
1422
):
haben Ottilia [...] vnd ihr sohn Fridrich [...] zur grufftmess [...] verschafft ihr gut zu Hart.
Chron. Nürnb.
3, 155, 7
;
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
153, 22
;
Chron. Augsb.
1, 295, 19
;
304, 10
;
3, 82, 12
;
Voc. Teut.-Lat. cc viijr;
Rwb
4, 1147
;
Schwäb. Wb.
3, 866
.