grindig,
Adj.
1.
›aussätzig, schorfig, hautkrank (vom Menschen); mit der Reude befallen (von Tieren)‹; ütr.: ›sündhaft, schlecht (von Menschen, deren Handlungen und Werken); sozial elend, arm, verwahrlost‹; häufig abwertend gebraucht.
Zur Sache: Hwb. dt. Abergl.
1, 728
; Lex. d. Mal.
1, 1249
-1257 s. v.
Aussatz
.
Gegensätze:
.
Wortbildungen:
grindigkeit
.

Belegblock:

Schöpper
51a
(
Dortm.
1550
):
Scabiosus. Reudig grindecht schebig.
Mieder, Lehmann. Flor.
561, 16
f. (
Lübeck
1639
):
Wenn der Kopff Grindig ist / haben die Haͤnd Freyheit zu kratzen vnd zu saubern [...]. Wenn das Haupt Grindig vnd Schaͤbig ist / so hawt mans doch nicht ab.
Ebd.
801, 29
:
Man muß dem grindigen gar leiß trawen. Schebiger Gaul wil kein Striegel leyden.
Luther, WA
15, 435, 18
(
1524
):
Communis hauff Christianorum ist grindig und schebig.
Ebd.
16, 110, 22
(
1524
):
Was sol ich mit deinen grindigen kretzigen schebigen und stinckenden wercken machen?
Ebd.
36, 498, 28
(
1532
):
Denn die mutter wirfft darumb jr kind nicht weg, das es schwach und grindig ist.
Ebd.
38, 156, 2
(
1533
):
wir garstigen, lausigen, grindiche Muͤnche wollen durch unser werck [...] heilig sein.
Ebd.
45, 166, 11
(
1537
):
Gott, qui sich freundlich zu uns thut, ad nos jemerlich, bose, kranke, an im bleiben, wie ein grindig, gnetzig, stinckend.
Ebd.
45, 180, 4
(
1537
):
Si Cesar eim betler ex hospitali, magna res. Ego grindig, kein hembd, da mit bein.
Schade, Sat. u. Pasqu.
2, 76, 21
(
um 1520
/
30
):
ich lacht schier gern, daß ein grindiger dem andern so sanft krauelt.
Ebd.
3, 48, 24
(
wmd.
1521
):
wider aller fromen schefern und hirten brauch behelst du die bösen grintigen schaf uber jar, als doctor Geckius, doctor Murnar.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
7537
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Dann als das gryndige diere | Hasset die scherre schiere | Und das grynte heubt den strel.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
2, 49, 6
(
Frankf.
1545
):
sagt selber, wie er den grindigen Bůben gehenckt hett.
Strauss, A. v. Villanova dt.
159v, 7
(
obd.
, Hs.
1421
):
daz sy [veigen] boß blut machen vnd darumb, wer yr vil yßet, der wirt gryndig vnd vol luße.
Rupprich, Dürer
1, 44, 59
(
nobd.
,
1506
):
Wan mein hend sind so grindig gewest, daz jch nit erbetten hab kunen.
Fastnachtsp.
384, 12
(
nobd.
,
v. 1494
):
Als ein grintiger kopf vol leus.
Deinhardt, Ross Artzney
161
(
oobd.
,
1598
):
Wann ain roß grindig an den bainen ist.
Dasypodius
339r
(
Straßb.
1536
):
Grindigkeyt. Scabies Grindig. Scabiosus.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
210
(
Genf
1636
):
Ein [grindig] Schaaff stecket die gantze herde an.
Henisch
1746
(
Augsb.
1616
):
Wer lausig ist der wirdt bald grindig. [...] Ein gründiger bock ist einer gulden zügen werth. [...] Auff ein grindigen kopff gehoͤrt ein scharpffe lauge. Ein schoͤn angesicht verkaufft wol einen gründigen Leib.
Reithmeier, B. v. Chiemsee Vorr.
6, 30
(
München
1528
):
sonnder sy werden durch gueetig ermanung, in jren hertten nack nür desztstaerrer vnd gryntiger.
Kummer, Erlauer Sp. 
3, 366
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Gukkukspital, | grintiger zwifal, | lausiger archan, | rocziger taterman.
Luther WA
16, 451, 19
;
29, 334, 17
;
47, 491, 3
;
51, 176, 24
f.;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
82, 8
;
Bell, G. Hager
624, 10, 2
;
Follan, Ortolf. Arzneib.
75, 10
;
Voc. Teut.-Lat. m vijv; m viijr; r iijv; ii iijr;
Alberus P iijr;
Maaler
192v
;
Martin/Lienhart
1, 278
;
Schweiz. Id.
2, 769
;
Schwäb. Wb.
3, 840
;
Holmberg, Die dt. Synonymik für ‚aussätzig‘ und ‚Aussatz‘. In:
Nd. Mitt.
26, 1970, 25
-71.
Vgl. ferner s. v. .
2.
›fleckig, schorfig, borkig (von Pflanzen, z. B. Obst und Bäumen); abgeschabt, verschlissen (z. B. von einer Decke)‹.

Belegblock:

Löffler, Columella/Österreicher
1, 165, 23
(
schwäb.
,
1491
):
die selbig [wurtzen] nit bitter, noch gesaltzen, das es nit schmack des wins zer stoͤr und die zů legung der grůnungen glich als mit grindigem rǒst zwing.
Ebd.
202, 17
:
so stǒnd doch gewonlich starck, froͤlich und schwer frúchten da von. Wann wir die sechend nit dúrr, noch grindig, aber licht, glatt, lang und fruchtbar, verstond wir das selbig ertrich sin zwigig.
Henisch
1746
(
Augsb.
1616
):
Grindige / schwache / oder vnnütze kotzen leben lang.
Rechn. Kronstadt
3, 308, 38
(
siebenb.
,
1551
):
Mer hann ÿch Jocobenn gebenn, dÿ denn graÿndigenn holcz firt.