grim,
grimlich,
Adj.;
zur Einheit des Wortes s. (
der
).
1.
›aufgrund eines vorangegangenen Ereignisses erregt; zornentbrannt, wütend, erzürnt, haßerfüllt, gewalttätig; jm. feindlich gesonnen; entschlossen zu einer Tat‹; ütr.: ›sauer, vergoren (vom Wein)‹;
vgl. (
der
1.
Phraseme:
jm. einen grimmen zan zeigen
›jm. hart entgegentreten, jm. die Zähne zeigen‹.
Wortbildungen:
grimhaftig
,
grimmütig
,
grimwütig
,
grimzornig
.

Belegblock:

Palmer, Tondolus
818
(
Speyer
um 1483
):
[Der selb volant] ward dan so grim vnd so bose / vnd griff vmsich mit sinen vilen henden.
Voc. Teut.-Lat. m viijr (
Nürnb.
1482
):
Grymhafftiger od’ grymiger.
Gille u. a., M. Beheim
56a, 19
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
,das wer mir leit.‘ | aus grimem czorn | er [leb] czu dem esel jach: [...].
Sachs
15, 489, 19
(
Nürnb.
1562
):
Und haben grimm-zornig zu rach | Nacket außzogen an den enden, | Ihn creutzweiß mit füssen und henden | Außgespannet.
Ebd.
17, 188, 24
(
1557
):
O weh, wer hat uns nur verschwatzt, Daß mich der meßner also dratzt? | Er ist zornig, wüetig und grimm; | Ich muß mich wol hüten wor im.
Ebd.
20, 148, 7
(
1560
):
[Rhea] ist im kloster schwanger worn, | Deß ist in grimm-wütigem zorn | Der könig und wil sie lassen tödten.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
456, 6
(
els.
,
1362
):
Do der kunig daz grimme antlit sant Cristosori ane sach, von schrecken fiel er uf sime stůle.
Ebd.
737, 2
:
Noch waz das folk so grime uber in daz su in uf dem bistdůme furtribent.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
8, 61, 10
(
Straßb.
1466
):
Nit bis ein freunt des zornigen menschen noch engee mit dem tobigen
[Var. Augsb. 1477f.:
grymmuͤtigen
;
Froschauer
:
wuͤtenden
; Luther
1545
:
grymigen
;
Eck
:
vnsinnigen
]
mann.
Kurz, Murner. Luth. Narr
1866
(
Straßb.
1522
):
so wir sie woͤln widerfechten | Ein grimen zan den tempelknechten, | Den gugelbůben gleißner zoͤgen.
Adrian, Saelden Hort
2076
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
sich hůp ain grimmes schallen | von den vrehtern allen.
Bachmann u. a., Volksb.
285, 25
(
alem.
,
15. Jh.
):
sachend daz grim louffen des volks unnd horttend auch das geschrey.
Menge, Laufenb. Reg.
2841
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Wir hand ouch wol entpfunden | Das aller trüber wine schatt | Dem magen vnd gebläste hatt | Den suren vnd den grymen | Vermyde / wann er machet das krymen.
Päpke, Marienl. Wernher
3385
(
halem.
,
v. 1382
):
[Herodes] Erschrak von disem wunder | Und wart betrůbet und grim.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
528
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Und sprach zů in die goͤttlich stimme | Mit suͤsszen worten und nit grimme.
Ebd.
1543
:
Das er doch grÿmmlich dar nach | Gerochen hat mitt strenger rach.
Koller, Ref. Siegmunds
95, 32
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
und wart der kayser Constantinus als grim über die, die wider Christum waren.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Grim vnd hoͤn gegen einem sein. Crudelitatem in aliquem adhibere.
Chron. Augsb.
3, 427, 31
(
schwäb.
, zu
1477
):
dann sovil yedes gewissen der gerechtigkayt dem menschen die zäher auß den augen, mit betruepten seufftzen und grimmen angesicht ainander stilschweygend zůerkhennen geben haben.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
405, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Hector was grimmes muetes - | dem künig thet er sein haupt inn mitten spalten.
Munz, Füetrer. Persibein
198, 3
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Der valannd vil seins plúetes | zer erden fliessen sach, | des ward er grymmes múetes.
Ebd.
265, 2
:
Das schwerdt zw paiden hennden | er nam im grymmen zorn.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 131, 8
;
Päpke, a. a. O.
10668
;
Chron. Augsb.
9, 90, 23
;
Maaler
192v
;
Schweiz. Id.
2, 733
.
Vgl. ferner s. v.
1
 1.
2.
›streng, hart, grausam, bösartig, gefährlich; sündig (als Eigenschaft von Personen und Sachen)‹;
vgl. (
der
2.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  2,  2, , .
Wortbildungen:
(am ehesten hier anschließbar)
grimsichtig
,
grimsichtigkeit
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
16734
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Wen do sich Got ane schult | Vor unser schult geruchte geben, | [...] | Wie grimme sie gebarten, | Daz duldete der riche | Dem tummen lamme gliche.
Schöpper
21a
(
Dortm.
1550
):
Crudelis. Grausam grimmig storrisch fraißlich vngehewr grimmsichtig.
Palmer, Tondolus
220
(
Speyer
um 1483
):
vber den grymmen tal von einem berg zu dem andern gieng ein steg der was tusent schriet lang.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
4, 32
(
hess.
,
14. Jh.
):
Sie sal zeugen irn grimmen willen als du meisteren, irn senften willen also du muder, und sal die unzochtigen und die ungeduldigen scherpliche berespen.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
48, 3
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
allso warendt die apostl / die vnmildt seindt / gellt begern / zehend begern / sein nit apostll / dann sie seindt nit milt / sonnder durr vnd grob / vnd wunderberlich / vnd grimm.
Gerhardt, Meister v. Prag
230, 21
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
der gute mensch von dem reinen schacz seines hertzen der bringt das gut. der vbel mensch von dem grymmen schacz pringt das vbel.
Voc. Teut.-Lat. ll iijv (
Nürnb.
1482
):
Unmenschlich grymlich. crudeliter.
Chron. Strassb.
1, 35, 18
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
dise zwene Otten worent so grimme und so wunderlich, daz der eine genennet wart ,blutiger tot‘ oder ,bleicher tot der heiden‘.
Ebd.
622, 19
:
wan sü nun grym und starg worent, do woltent sü keynen zins geben und erslůgent des keysers botten.
Dasypodius
241r
(
Straßb.
1536
):
Torvitas, Grimsichtigkeyt / scheützlicheyt des angesichts.
Kurz, Murner. Luth. Narr
2164
(
Straßb.
1522
):
Wan got im [babst] nit entrunnen wer, | In himel gestigen also fer, | Er het in selber griffen an, | Der grim zinck vnd dapffer man.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 27, 308
(
schwäb.
,
1471
):
Sein helle stymm | Ist mir ze grymm.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
121, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der eber bedäut uns die grimmen läut, die kain lêr guoter werch wellent nemen.
Sievers, a. a. O.
36, 6
;
Maaler
336v
;
Hulsius G ivv; R ijr.
Vgl. ferner s. v.
1
 11.
3.
›(in Ausmaß und Konsequenz für den Betroffenen) schrecklich, fürchterlich, grausam, entsetzlich; schmerzlich, schmerzhaft‹.
Wortbildungen:
grimsälig
.

Belegblock:

Jahr, H. v. Mügeln
105, 299
(
omd.
, Hs.
1463
):
wo aber schult genaden gert, | zu wachse wirt sins zornes swert: | das vor sneit grimmer dann ein für. | das gibet schult genaden stür.
Henschel u. a., Heidin
577
(
nobd.
,
um 1300
):
Si mvste liden den tot | Oder svst vil groze not | Die vil grimme were.
Fischer, Folz. Reimp.
41, 277
(
Bamb.
1485
):
When die plutspeyung zu ser mü | Und wer ein grimen pauchflus hab.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
264, 2
(
els.
,
1362
):
Also schiere in der keiser in dem rocke an sach, do fúrgas er alles sines grimmen zornes.
Roloff, Brant. Tsp.
283
(
Straßb.
1554
):
Es ist ein grymm unmenschlich gtaht | Das man dich also verwundet hatt.
Thiele, Minner. II,
1, 28
(Hs. ˹
nalem.
/
sfrk.
,
1470
/
90
˺):
mynn dut bywilen lieb und leit, | mynn ist grym so lieb von lieb scheit.
Bihlmeyer, Seuse
542, 9
(
alem.
,
14. Jh.
):
da us wielen die blůtgiessenden brunnen von den grimmen dornstichen.
Adrian, Saelden Hort
233
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
er giht nit grimmer stund si | den dú lip tůt der sele vri.
Stammler, Berner Weltger.
247
(
ohalem.
,
1465
):
Was meinet anders das grülich horn | Wann des grimmen gottes zorn, | Da mit er hüt wil richten.
Päpke, Marienl. Wernher
2156
(
halem.
,
v. 1382
):
Als sich Got wolt erbarmen | Úber úns [...] | Und komen uf dis erden, | Mensche wolte werden: | So minnekliche wart verkorn | Sin lang werender grimer zorn.
V. Anshelm. Berner Chron.
1, 36, 17
(
halem.
,
n. 1529
):
die ruchen Behem [...] vom Bechamer wald an, durch Beiern, Schwaben [...] ein grime wuͤstung getan haben.
Ebd.
4, 146, 6
:
krieg, der nun 7 jar mit unzaͤlichem schaden und blůtvergiessen [...] land und luͤt hat grim durchechtet.
Sappler, H. Kaufringer
16, 48
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ich main die grimmen hellepein.
Bauer, Geiler. Pred.
90, 30
(
Augsb.
1508
):
als ain mensche / den grimmen zoren der strengen gerechtigkait gotes / in sich bildet / darvon kommpt er in ain hertzliche forcht / ob er sich schon selber kainer missetat schuldig waißt.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 10, 25
([
Augsb.
]
1523
):
dz auch die allr grim͂istñ feind die mir den tod schwůrñ [...] mir nit ain har vermochten krym͂en.
Klein, Oswald
20, 41
(
oobd.
,
1415
):
das mich dein zärtlich vmbefarn | in grimmer rache hie began | erschreken ser.
Karnein, de amore dt.
88, 58
(
moobd.
,
v. 1440
):
Wär nit vil pesser vnd endtlicher den tod mit willigkait einzügeen, dann alltzeit mit vnleidenlicher, grymsaliger pein vnd marter [...] gelaidigt werden?
Weber, Füetrer. Poyt.
260, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
des erschray der ris vil laut vor grimmen schmertzen.
Leidinger, V. Arnpeck
454, 32
(
moobd.
,
v. 1495
):
di zben herren Detricus und Martinus stritten ainen grimen streit mit den Hunen.
Roloff, Brant. Tsp.
296
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
415
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
155
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 310
.
Vgl. ferner s. v. .
4.
›nicht vom Menschen abzuwenden, unerbittlich, gnadenlos, erbarmungslos (zumeist vom Tod gesagt)‹.

Belegblock:

Karnein, Salm. u. Morolf
378, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
din silber und din golt so rot, | das wiset manigen künen recken | in den ferch grimen dot.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
463
(
mrhein.
,
um 1335
):
ich habe die suht, | von der ich liden groze not. | Ich vohte, ez si der grimme dot.
Froning, Alsf. Passionssp.
6157
(
ohess.
,
1501ff.
):
wo sijt er hen, her grymme thoit, | das er mich nit wollet toden, | das ich komme uß mynen nodenn!
Jahr, H. v. Mügeln
111, 702
(
omd.
, Hs.
1463
):
sust rette er sin wares kint | von grimmes todes bunde sint.
Ukena, Kremsm. Sp. 
163
(
schles.
,
um 1350
):
Swester wir sullen vurcten dy not. | Dy do brennet den grimmyn tot.
Henschel u. a., Heidin
966
(
nobd.
,
um 1300
):
ich bin dir holt | Vnd wil gerne min leben | Dvrch evch dem grimmen tode geben.
Stammler, Berner Weltger.
24
(
ohalem.
,
1465
):
Herre, richt ab dem sünder grimme!
Wyss, Luz. Ostersp.
7291
(
Luzern
1545
):
er würt willig lyden | den grimen, hertten, bittern todt.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
19420
;
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
288, 12
;
Schützeichel, a. a. O.
704
;
Leidinger, V. Arnpeck
581, 32
.
Vgl. ferner s. v.  7,  3,  1.
5.
›wild, unbändig, ungebändigt; unberechenbar, gefährlich (von Tieren)‹.

Belegblock:

Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
169, 14
(
rhfrk.
,
um 1435
):
der konnig hait ein antlitz / als eyn grymmer lewe.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 69, 58
(
Frankf.
1557
):
Jch sprech, du werst ein wunder grimm, | Die man bringt auß Taprobana.
Gille u. a., M. Beheim
286, 109
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
sie hat gevangen und erjeit | den grymmen ainhorn unverzeit, | gezemet auff der wilden heit.
Sachs
16, 497, 2
(
Nürnb.
1563
):
Die [junckfrawe] singet denn mit süeser stimm. | Wenn das gsang hört das einhorn grimm, | Schwind laufft es der junckfrawen zu, | Bey ir zu suchen fried und rhu.
Ebd.
504, 21
:
Weil er [der jeger] das thier sieht also grimm, | Fleucht er.
Chron. Strassb.
302, 27
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
wart dem künige Phylippo ein gůt jung ros geschicket [...], das was also grym daz men es bynden můste.
Koller, Ref. Siegmunds
340, 13
(Hs.
um 1474
):
dye lewen haben feurin flammen, grimlich und zornlich gestalt.
Päpke, Marienl. Wernher
3648
(
halem.
,
v. 1382
):
Kament sú do fúr ain hol | Grosser, grimmer draken vol.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
133, 16
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Duran ist ain tier grimme und scharpf und snel und gar starch.
Ebd.
156, 21
:
der pard siht krums und gar scharpf. er ist auch gar ungestüem und grimm seins muotes.
Ebd.
158, 25
:
[der aff] ist unmæzig mit ezzen, grimm mit peizen und gar unsänft.
Ebd.
190, 4
:
der [greif] ist auzdermâzen grimme und übele und ist des leibes sô starch, daz er ainen gewâpenten man überwindet und in tœtt.
Dreckmann, H. Mair. Troja
31, 5
;
Pfeiffer, a. a. O.
146, 6
;
24
;
Maaler
193v
.
Vgl. ferner s. v.  1.
6.
die über das Normalmaß hinausgehende Intensität eines Sachverhaltes unterstreichend: ›schlimm, arg, heftig, groß‹; speziell: ›bitter (von Kälte)‹; ›brütend (von Hitze)‹; ›heftig (vom Wind)‹; anschließbar an 3.
Wortbildungen:
grimkalt
.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 395, 12
(
nobd.
,
1420
/
41
):
auch die nacht waren grimm kalt.
Ebd.
4, 244, 10
(
15. Jh.
):
es was gar ein grim kalte nacht.
Gille u. a., M. Beheim
453, 1863
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Nun waz der wind unmasse | grymmlichen unde grasse.
Sachs
21, 292, 2
(
Nürnb.
1548
):
Wenn es im winter ist grimm-kalt.
Bihlmeyer, Seuse
69, 5
(
alem.
,
14. Jh.
):
Do er [...] dez nahtes von noͤten des grimmen siechtagen nit mohte schlafen.
Ebd.,
452, 4
:
[vier widerwertig winde] Under dien ist einer, heisset aquilo und ist grimmer denne die andern.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Die grim͂ hitz. [...] Vngestuͤme vnd Grim͂e wind.
Chron. Augsb.
2, 180, 12
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also grime und tief was der schnee und was so unwegsam, daß sich niemant gerüeren kund.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
146, 7
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Verr scherpfer und grimmer sint unser prêlâten, pischöff [...], die irn undertânen daz gaistlich prôt [...] niht pietent.
Ebd.
167, 32
:
der vogel hât ainen grimmen hunger und wirt nümmer sat.
Chron. baier. Städte. Regensb.
164, 20
(
noobd.
,
1541
):
es was ein grim kalt tag.
Chron. Nürnb.
4, 221, 11
;
Schweiz. Id.
2, 733
.