1
griffel,
der
;
zur Schwundstufe von
greifen
, mit Einfluß von
ahd.
graf
, dies über
afrz.
grafe
letztlich aus
spätlat.
graphium
und dies aus
griech.
grapheı͂on
(Kluge/S.
1995, 338
).
1.
›spitz zulaufendes Werkzeug‹ mit unterschiedlichen, schwer voneinander abgrenzbaren Funktionen; speziell: ›Stift aus Eisen, meißelartiges Instrument, Stichel, mit dem der Schreiber etw. (z. B. Buchstaben oder Verzierungen) in eine Wachstafel, auf eine Blei- oder Steintafel einritzte‹; ›Stahlfeder, die in Tinte getunkt und zum Schreiben auf Papier oder Pergament benutzt wurde‹; ›Zeigestab‹; ›spitzige Waffe, Stilett‹; zu medizinischen Zwecken: ›Skalpell‹; metonymisch zur erstgenannten Spezialisierung: ›Amt des Schreibers‹.
Bedeutungsverwandte:
(s. v.  5), , (
der
5, , , , , , (
der/die/das
).
Wortbildungen:
˹
griffelfutter
,
griffelgehaltnis
›Futteral zum Aufbewahren von Schreibwerkzeugen‹˺,
griffellade
,
griffelmeister
,
griffelschmied
,
griffelschreiben
.

Belegblock:

Luther, WA
22, 214, 3
(
1544
):
Das ist die tinten oder die schrifft, ja auch der Schreiber selbs, Der griffel aber oder die feder und die hand des Schreibers ist das Predigampt.
Ebd.
27, 155, 2
(
1528
):
Qui Ihesum Christum pure praedicat, illius lingua ist ein griffel, quo scribit in corda hominum.
Ders. Hl. Schrifft. Ps.
45, 2
(
Wittenb.
1545
):
Jch wil singen von eim Könige / Meine zunge ist ein griffel
[
Mentel
,
Froschauer
:
feder
;
Dietenberger
:
schreibfeder
]
eins guten Schreibers.
Ziesemer, Proph. Cranc Jer.
8, 8
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
der logenhaftige griffil der schribherren hat logene gewurcht.
Voc. inc. teut. k ijv (
Speyer
um 1483
/
4
):
Griffel wl stil da mit mã schrib.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
19, 4
(
hess.
,
14. Jh.
):
daz keine suster it neme oder gebe ane gebot der ebedissen, obe it eigendummis habe in keiner hande dink, noch buch noch tafole noch griffel.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7795
(
omd.
,
1338
):
Di mine rede man schribe, | Also das sy stete blibe, | Mit eynem gryffel yserin | In eyn blyen blechelin.
Gille u. a., M. Beheim
226, 47
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Jeremias tut pekant, | wie euer sund geschriben standt | in dem stain, haisset Adamant, | mit einem eisnein griffel, | Die dann niemant periffel | oder ymer vertilg davon.
Voc. Teut.-Lat. m viijr (
Nürnb.
1482
):
Gryffelfuter. stilaiu͂.
Ebd. vv jr:
Schreibampt. stilus vl’ ingentu͂ synne. vl’ sawlfuß. oder griffel oder steyler.
Trunz, Meyfart. Tub. Nov.
37, 1
(
Coburg
1626
):
Wolte Gott / daß meine Zunge were ein Grieffel eines guten Schreibers.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 440, 5
(
Straßb.
1466
):
Vertilgent bekere ich sy; vnd ich fúr gechlichen den gewalt
[Var. 1. H. 15. Jh.:
griffel
]
auff ir antlútz.
Ebd.
7, 187, 14
:
Wer gibt mir daz sy [meine wort] werden aufgeert mit eim eysrin griffel | in dem bůch oder mit dem blech des bleys: oder das sy werden ergraben mit eim eysen in den kysling.
Ebd.
8, 376, 8
:
nym dir ein groses bůch: vnd schreib in im mit dem griffel des menschen
[Luther
1545
:
menschengriffel
].
Dasypodius
87r
(
Straßb.
1536
):
Graphiarium, Ein griffel gehaltnuß / ein schreib zeüg.
Ebd.
273r
:
Graphiarium, ein gryffel lædlin.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
2193, 3
(Hs.
A. 15. Jh.
):
Die griffel sie faste triben die edel brüder gut, | die dinte, domit sie schriben, daz was daz rote blut.
Bihlmeyer, Seuse
16, 6
(
alem.
,
14. Jh.
):
er
[Seuse]
nam einen grifel in die hand und sach sin herz an und sprach: „ach, gewaltiger got, nu gib mir hút kraft und macht ze volbringen min begirde, wan du můst hút in den grund mins herzen gesmelzet werden.“ Und vie an und stach dar mit dem grifel in daz flaisch ob dem herzen die richti, und stach also hin und her und uf und ab, unz er den namen IHS eben uf sin herz gezeichent.
Ebd.
19, 43, 6
:
Er hat im selber ein geisel gemachet uss einem riemen; den schǔf er ime beschlahen mit moͤschinen spizzigen steften, die waren scharpf als ein grifel.
Schmidt, Rud. v. Biberach
19, 15
(
whalem.
,
1349
/
60
):
wafen, die [...] in vns sint, als der sel krefte vnd des libes gelider, als die vernvnft vnd hende vnd zvngen [...], vnd beweiget och dv́ waffen, die nút in vns sint als griffel vnd achse.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
513, 40
(
halem.
,
1431
):
kramer mugend wol zinin geschier, [...] griffel, alisen [...], messer und soͤlichs wol veil haben.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Griffel (der) darmit man in ein taͤfele schrybet.
Rot
353
(
Augsb.
1571
):
Stylus, Ein styl / ein griffel / damit man in ein Tafel schreibt.
Henisch
1743
(
Augsb.
1616
):
Griffel / grabeisen / schroteisen / cælum, instrumentum stylus opificis qvo opifices aliquid sculpunt in ære, ligno, saxo. Mit einem eissern griffel gehawen [...]. Grieffel / zayger / stylus, quo pueri monstrant literas.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
359, 32
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wer in [balsem] vorn an ainen griffel tuo und in anzünd, sô prinn er.
Steinberger u. a., Urk. Hochst. Eichst.
117, 2
(
noobd.
,
1316
):
[Diettrich der]
griffelmeister.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 388, 14
(
moobd.
,
1456
):
Hanns Schreiner, der griffelsmid, [...], und Barbara, sein hausfrau,
[verkaufen ihre]
prantstat.
Kummer, Erlauer Sp. 
4, 604
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
Iͤr griffelschreiben liebet mıͤr.
Sievers, a. a. O.
30, 23
;
Luther, WA
20, 294, 22
;
41, 417, 13
;
49, 168, 15
;
18
;
ders. Hl. Schrifft. 2. Mose
32, 4
; Hiob
19, 23
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4456, 7
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
305, 32
;
Schmitt, Ordo rerum
161, 30
;
Bremer, Voc. opt.
278
;
Voc. Teut.-Lat. m vijv;
Dasypodius
87v
;
Hulsius G ivv;
Henisch
1743
;
Schwäb. Wb.
3, 834
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›Setzling, Setzreis; Pfropfreis‹.

Belegblock:

Henisch
1743
(
Augsb.
1616
):
Griffel / Loß / zweigschoß / calamus arborum ac vitium, teres particula ac virga, apta ad ferendum in terra. plin. vel qvæ ramo alicuius arboris inferitur.
3.
›kleiner Topf mit Henkeln‹.

Belegblock:

Voc. inc. teut. k ijv (
Speyer
um 1483
/
4
):
Griffel Ollula est diminutm͂ ab olla wl hafe.