grien,
das
;
-(e)s/–
.
– Wmd./wobd.
1.
›Sandkorn, Kieskorn, kleiner Stein‹; metonymisch dazu als Kollektivum: ›Sand, Kies; Geröll‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1.
Wortbildungen:
grienig
›sandig‹.

Belegblock:

Chron. Strassb.
306, 15
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
der do also vil ist also des grünes in dem mere. do ist ouch goldes also vil.
Bihlmeyer, Seuse
28, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
lob und graz dez ertrichs und daz unzallich grien in dem mere.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 135, 8
(
alem.
,
1530
):
sachen an, das man das grien im Birszeck vom Rhyn an bisz an Steynenthor [...] uszfuͤren solt. [...] Dann das wasser vil grien in die statt gefuͤrt hat.
Bartsch, Reinfrid
19558
(
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
wie Alexander sî beslôz | mit berge und mit mûren grôz | und ouch mit dem grienigen mer
(›Sandmeer, Wüste‹)
| daz âne wazzer sunder wer.
Merz, Urk. Lenzb.
53, 17
(
halem.
,
1467
):
Berner bestreitet die Klage, er habe nur sin matten gerumpt, das grien vnd die stein dar ab.
Rennefahrt, Gebiet Bern
491, 24
(
halem.
,
1531
):
wo in kuͥnftigem das wasser mer griens und ertrichs da zůhin tragen und werfen wurd.
Ebd.
509, 36
:
[das vilgedachte von Allmendigen] die Thunstraß mit velsen und gryen, wo es die notdurft ervordert, erschütten und verbessern söllent.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
154
;
Martin/Lienhart
1, 275
;
Schweiz. Id.
2, 747
;
Schwäb. Wb.
3, 830
.
Vgl. ferner s. v.  3,  6.
2.
›Sandbank oder kleine Insel in einem Fluß; Sand-, Kiesfläche am Ufer‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
111, 13
(
mfrk.
,
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
daz Wıͤndeßbecher cloister off deme grient odder wert genante ane der itzunt genanten brugken gelegen hait.
Chron. Strassb.
689, 30
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
do fůgete es sich, also der Ryn kleyne was, das die floͤsse gestundent uf eime griene obewendig der brucken, und wart zů den vigenden die uffe dem flosse worent und woltent abe den griene schalten, geschossen, das sü derabe entwichent und liessent die floͤsse ligen.
Bernoulli, Basler Chron.
6, 219, 17
(
alem.
,
1540
):
der Rin ward so gar klein, das er [...] ein grosz lang grien uberkam, daruff man mit der buchssen zům zill schosz; [...]. Item by sant Johans [...], was ouch ein grosz grien, wasz lenger und breitter [...]. Und blippen die beide grien ob dry monaͤt lang stand.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 513, 17
(
halem.
,
1508
/
16
):
dar uf si [...] ir leger für den Jenower berg, im tal und uff dem grien des um, schlůgend.
Pfälz. Wb.
3, 438
;
Schweiz. Id.
2, 747
.
3.
›Eingeweide des menschlichen Körpers (seltener von Tieren)‹; auch: ›Blasengries, Harngries, Nierenstein‹; hier anschließbar: ›äußere Genitalien‹; Ütr. zu 1.
Wortbildungen:
grienig
2,
grienkraut
›aufrechtes Glas- oder Wandkraut (benannt nach seinem bevorzugten Standort, dem Schutthaufen, und der angeblichen Heilwirkung gegen Blasensteine)‹,
grienstein
.

Belegblock:

Apherdianus
41
(
Köln
1575
):
Calculus, [...], stein / grien / reisend stein.
Dasypodius
484v
(
Straßb.
1536
):
Grien / Gehenck. Exta.
Sudhoff, Paracelsus
14, 509
(
um 1570
):
sie haben auch macht den harn zu bringen und das grien, grieß, sant und den reißenden stein gewaltiglich von dem menschen zu treiben, durch den harn.
Menge, Laufenb. Reg.
1557
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
[der scorpion] hat den ars vnd blater | Die schamen vnd den stein hatt er | Das grien vnd was zů vallend ist.
Ebd.
3779
:
die öbrest auder rechte | Die da stat by der gemächte | Fúr krampf geswulst der selben sol | Man sú lossen / vnd tůt wol | Fúr das gryen vnd ouch den stein.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
569
(
ohalem.
,
1538
):
Boz südloch, darm und ochsen grien!
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Grien / Eingeweid. Exta. Das Grien / ein kranckheit. Calculi [...]. Grienig / dem Grien vnd stein vnderworffen. Calculosus homo. Grienkraut (das) Perdicium. Grienstein mit vil zingglinen. Calculi spinosi.
Henisch
1747
(
Augsb.
1616
):
Grienich / der gebrechen am stein / am lenden oder blase stein.
Menge, a. a. O.
3809
;
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 48, 23
;
Martin/Lienhart
1, 275
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
154
f.;
Schweiz. Id.
2, 747
;
3, 894
;
Schwäb. Wb.
3, 830
.
4.
›kleine Gewichtseinheit zum Bestimmen des Goldgehaltes, ungefähr der 12. Teil eines Karats bzw. der dritte eines Grans‹.

Belegblock:

Müller, Welthandelsbr.
335, 5
(
schwäb.
,
1535
/
40
):
1 gran ist 3 grien und 12 grien ist 1 krat. Also rechnet man es zu Wien.