grieche,
der
;
–/-n
.
1.
Name für den Bewohner Griechenlands: ›Grieche‹, wobei die implizierten geographischen Grenzen jeweils variieren (in Bezug auf die Zeit Karls des Großen z. B. auch für die Bewohner des Byzantinischen Reiches bzw. Ostroms; zumeist jedoch für die antiken bzw. spätantiken Bewohner Griechenlands); auch Bezeichnung für eine des Griechischen mächtige Person, ›Griechischkenner‹; ütr. auch: Kurzform für ›Griechenland‹.
Wortbildungen:
griechin
.

Belegblock:

Luther, WA
54, 228, 25
(
1545
):
obs war sey, das er habe das Roͤmische Reich von den Griechen auff uns Deudschen bracht.
Froning, Alsf. Passionssp.
3810
(
ohess.
,
1501ff.
):
du bist ein Kriche geborne: | wye magistu ire stymme gehoren, | die sie an hebrayscher zcungen | vor Hiesu hayn gesungen?
Chron. Nürnb.
4, 245, 6
(
nobd.
,
15. Jh.
):
rait zu Nürmberg ein cardinal ein, was ein kriech und het ein part, was von Constantinopel.
Franck, Klagbr.
224, 23
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
Die kriechen hetten die Troianer nymer außgeloͤscht / wo sich solich nichtig einwoner zu hoff hetten behalten.
Chron. Strassb.
1, 16, 14
(
els.
,
1362
):
Evaristus von Krichen waz babest 10 jor.
Ebd.
1, 30, 8
(
1362
):
[Constantinus] fůr [...] gen Constantinopel gen Kriechen. sus kam daz rich an die Kriechen und bleib an in untz an den großen Karlen.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
9, 2, 24
(
Straßb.
1466
):
Dorumb die ordenung seiner gesicht vnd seiner weissagung die bey den kriechen vnd lateinischen ist gar verborgen [...] die haben wir gerechtuertigt zů dem ersten gelauben das ist nach der warheit der hebreyschen schriffte.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 260, 8
(
Straßb.
1522
):
Da was der weisest Kriech, [...], der hieß Ulixes.
Bachmann, Morgant
2, 20
(
halem.
,
1530
):
durch disse gstalt kam das keysserthuom von den Kriechen inn der Frantzossen händ, und das mit gerechter ursach, wann die Krystenheyt hat vyl [...] erlitten, und sy die Kriechen nǔt beschirmpt hattend.
Chron. Augsb.
3, 111, 7
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
[1453] ward Constantinopel gewunnen, die hauptstat zů Kriechen.
Haszler, Kiechels Reisen
329, 2
(
schwäb.
,
n. 1589
):
[ein thürcküsch carmosal] dössen patron ein Christ wahr und der nation ein Grüech.
Ebd.
332, 9
:
wüe süe dann düe arme innwoner düser insul, den Griechen, das marck aus den beinen saugen.
Henisch
1742
/3 (
Augsb.
1616
):
Griech / der auß Griechenland ist [...]. Die griechen seind von Natur verstendig / vnd haben ein runde Sprach. [...] Die Griechen seind von vilen Kinsten. [...] Die Griechen seind vntrew. [...] Den Roͤmern wachsen die wort im hertzen / den Griechen im Munde. Die Ebreer trincken auß den brůnnen / die Grieche͂ auß den waͤsserlin / die Lateinischen auß den pfützen.
Moscouia C,
2v, 22
(
Wien
1557
):
Solches hat sein weib die Griechin hart beschmertzt.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
414, 2
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Der Chriech mit thioste valle | bedeckt den grüenen wasen.
Turmair
4, 262, 2
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Diser zeit hat bei den Kriechen erfunden mas, ellen gewicht Phidon.
Luther, WA
12, 692, 9
;
51, 154, 36
;
51, 156, 30
ff.;
Stoltzius, Chym. Lustg.
18, 1
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
180, 3
;
Bell, G. Hager
387, 1, 26
;
Kurrelmeyer, a. a. O.
1, 191, 16
;
2, 278, 18
;
2, 370, 9
;
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 198, 20
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
74, 5
;
Dasypodius
338v
;
Dietz, Wb. Luther
2, 166
;
Schwäb. Wb.
3, 830
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  3, ,  2, , , , ,  1,  1.
2.
›Heide, Person, die (noch) nicht der christlichen, monotheistischen Religion angehört, sondern anderen, z. B. den antiken oder alttestamentlichen Traditionen verpflichtet ist‹.

Belegblock:

zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
72
(
Nürnb.
1517
):
Der jud ,ergert sich‘, der krich verspotet, der gloubig freuet sich.
Ebd.
73
:
Darumb predigen wir Christum den gekreuzigten, den juden ein ergerung, den heiden ein torheit, aber inen, den geforderten, juden und krichen, Christum die kraft und weißheit gots.
3.
›Angehöriger der griechisch-orthodoxen Kirche‹.

Belegblock:

Luther, WA
54, 276, 29
(
1545
):
Denn in Christo sind alle Kirchen gleich. Hie ist kein Grieche noch Ungrieche, kein Man, kein Weib, kein Roͤmer noch Antiocher [...]. Wir sind allzumal Einer in Christo.
Haszler, Kiechels Reisen
308, 10
(
schwäb.
,
n. 1589
):
[templ] dorinnen aus bewilligung des gardians zu Jherusalem düe Grüechen cölebriren.
Ebd.
316, 12
:
In gemeltem tempel wohnen stäts sübnerley nationen, wölche alle Christen sein wollen, als Franciscanermünch, Grüechen, Georgianer, Armenier, Syrianer, Coffti und Habessini.
Ebd.
329, 31
:
das wür das heilige fest der ostern aldo hüeltten, wölches dem alten stilo nach denn 8 Aprillis wahr und nach dem neyen den 18, das es auf einen tag zugleich gehalten wurde, dann düe Grüechen den neyen stilum nüemals annemmen wollen.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
15, 4
(
München
1528
):
Deszgleichs seinn die kriechen vor langen zeiten in etlichen artickeln wider lateinische kirch aufgestanden vnnd vil sondrung jmm glawb gemacht. zuo lesst gar von Cristenlichem glawb gefallen, vnd noch hewt hayden vnd türcken seinn.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1934
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Nu lawgen die Chriechen daz der heylig geist auch von dem sun aus ge.
Haszler, a. a. O.
309, 30
.
4.
›Betrüger‹; anschließbar an 1.

Belegblock:

Henisch
1742
(
Augsb.
1616
):
Griech / Græcus, ein betrieger / fallax, [...]. id est, deceptores dicuntur. Aeoles fraudulenti semper habiti.