greulich,
2
gräulich,
Adj.;
im Gegensatz zu und zu sind beim
Adjektiv
die Bedeutungskomponenten ›Angst‹ und ›Ekel‹ nur bedingt voneinander unterscheidbar, da z. B. das äußerliche Erscheinungsbild immer auch als Abbild der inneren Verfassung und damit des Charakters angesehen wurde, d. h. als Indiz für Gut und Böse, für Freund und Feind.
1.
›angst-, furchteinflößend, schrecklich, bedrohlich‹; speziell zur abwertenden Charakterisierung von Personen, Gegenständen, Sachverhalten gebraucht, dann z. B.: ›grausam, unbarmherzig, gnadenlos, brutal; verbrecherisch (von Schaden verursachenden Handlungen und deren Tätern)‹; ›sündhaft, böse, unmoralisch, frevelhaft, schändlich (von Eigenschaften und Handlungen in einem religiösen oder moralischen Sinne); ketzerisch, verdammungswürdig (von theologisch relevanten Sachverhalten und Handlungen)‹; ›kampflustig, wild, zornig‹; ›verhängnisvoll, verheerend (in Bezug auf die erwarteten Folgen einer Handlung)‹;
vgl.  1.
Gegensätze:
, .
Wortbildungen:
greulichen
›schaudern‹ (a. 1534).

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
81
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Ires gruwelichen lutes | Den wynden du gebutes.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
97, 1
(
Hamburg
1646
):
Neben ihr [schoͤne Jungfrau] ersahen wier einen graͤulichen Kriegs⸗beamten / welcher sie gleich izund angebunden hatte / sie zu noht⸗zuͤchtigen.
Oorschot, Spee/Seifert. Proc.
457, 7
(
Bremen
1647
):
Ewer Excell. wollen ja gebetten bleiben: vnd von diesen grewlichen secretioribus vnd entsetzlichen dingen eher nicht vrtheilen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
397, 26
(
Wolfenb.
1594
):
[Nero] reisset das Wambs auff, vnd brüllet grewlich wie ein Ochß.
Ebd.
399, 35
:
Die Teuffel kommen mit grossem grewlichen geschrey, vnd führen jhn hinweg.
Luther, WA
30, 3, 293, 12
(
1531
):
welche [lere] sie doch, zuuor mit liegen vnd Neiden allenthalben durch schrifft, predigen vnd affterreden, so grewlich gemacht haben.
Ebd.
52, 482, 26
(
1544
):
es ist ein grewliche barmhertzigkeit, ruthen auff die haut legen.
Ebd.
52, 528, 19
(
1544
):
er werde weyt herter und grewlicher die sünde an deinem Mitknecht straffen, denn du ymmer gedencken kanst.
Ziesemer, Proph. Cranc Jes.
18, 2
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
get, ir snellen boten, zu deme [...] gruelichen
[
Froschauer
:
grausam
;
Eck
:
erschrockenlich
]
volke.
Ebd. Jer.
18, 13
:
wer hat sogetane grueliche ding gehort, dy do dy juncvrowe Israhel getan hat alzu vil?
Chron. Köln
2, 149, 10
(
rib.
,
15. Jh.
):
also zogen vil princen ind heren [...] ind gruwelich volk uisser allen steden.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 271, 6
(
Köln
1582
):
Der suͤnder weg abschewlich | Wirt er vmkeren grewlich.
Wyss, Limb. Chron.
46, 22
(
mfrk.
,
2. H. 16. Jh.
):
da geschan gar große gruweliche donerslege.
Palmer, Tondolus
263
(
Speyer
um 1483
):
Vor dem tier stundent vil tufel die triebent vnd iagtent vil selen zu den drien porten in den hals des grulichen tieres.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
19, 23
(
Frankf./M.
1563
):
Den forchtsamen / und unglaubigen / und grewlichen / und Totschlaͤgern / und hůrern / und Zauberern [...] deren theyl wird sein in dem teich der mit Fewer und mit Schweffel brennet.
Perez, Dietzin
1, 406, 17
(
Frankf.
1626
):
ließ sich [...] ein gewaltig Hauptschwein mit einem grossen weissen Bart [...] vnd grewlichen Waffen sehen.
Mone, Adt. Schausp.
3, 113
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
er sach grewlich an | mich armen sundigen man.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
15, 17
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
herre, [...] vertilge den greulichen Tot.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
933
(
Eisleben
1565
):
[der Tod] Hie bin ich bereit heiliger Gott / | Vnd wil gern halten dein gebot / | Wenn ich bin greulich vnd grausam.
Ebd.
963
:
[Tod] Ich wercke grewlich.
Thür. Chron.
16r, 1
(
Mühlh.
1599
):
[Arius] Ward aber von Gott greulich gestrafft.
Henschel u. a., Heidin
489
(
nobd.
,
um 1300
):
Der heide [...] | Stach vf den kristen grevlich.
Chron. Nürnb.
3, 91, 4
(
nobd.
,
1488
):
der het ein grewelichen mort gethan.
Franck, Klagbr.
231, 30
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
das er der greulichest Tyrann ist / der von der lieb weiter ye gewesen ist.
Franck, Decl.
337, 35
(
Nürnb.
1531
):
Demnach tobt der buler offt mit grewlicher kunheyt.
Ebd.
352, 9
(
Nürnb.
1531
):
das die trunckenheit greulicher vnkeuscheit in Lot ein vrsach gewesen sey / der sein aigen toͤchter beschlief.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
117, 17
(
Nürnb.
1548
):
sie fluchen / schwere͂ / liege͂ / stelen / Zu solcher grewlichen vnart helffen die eltern selb.
Ebd.
128, 24
:
Solchem grewlichem vrteil / seid jr / Got lob nu entloffen.
Strauch, Schürebrand
5, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
[die jungfrouwelin] erschrockent ouch nút in keiner abelessigen vorhten oder verzagende abe dem vientlichen gruwelichen trouwende und scheltende der strengen grimmen zornmuͤtigen wuͤteriche.
Ebd.
18, 2
:
aller uwer gebreste wurt vürgehebt in gruwelicher grosser swermůtikeit eins verzwifelndes.
Chron. Strassb.
113, 32
(
els.
,
1362
):
ich wil uber üch wisen ein gruwelich volk die üch schlahent.
Vetter, Pred. Taulers
14, 14
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
denne vallent sú in gruweliche irrunge.
Ebd.
86, 14
:
die gruwelichen sturmwinde koment.
Ebd.
138, 2
; 28:
[Der] warnete si dis grúwelichen angstes in dem si lebent. [...] si sin gevallen [...] in manige grúweliche totsúnde.
Goldammer, Paracelsus
5, 179, 19
(
1530
):
du Jordan, warumb stoßt ihn nit überhaufen, nun bistu doch greulich und mechtig und ein großer fluß?
Schorer, Sprachposaun
71, 15
(o. O.
1648
):
wird der Teuffel dir das Cambyses grewliche Gericht fuͤr Augen mahlen.
Bihlmeyer, Seuse
79, 2
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz ander waz ein vil grúlicher langer man mit einem spiesse.
Matthaei, Minner. I,
2, 3
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
daß ich sach zwai aldo | gegen ain ander grůlich schlichen | uͤber ain steg; yegklichs hieß wichen | nun daß ander mit geding.
Stammler, Berner Weltger.
13
(
ohalem.
,
1465
):
Denne wirt der grülichoste tag, | Der je kam oder noch komen mag.
Ebd.
130
:
So kumpt jemer das grülich horn | Vsser minen sündigen oren, | Das da toͤnet vnmassen grimme | Vnd spricht mit grülicher stimme.
Ebd.
963
:
Ein grülich sper dur mich gie.
Maaler
192r
(
Zürich
1561
):
Greuwlich / Grausamlich. [...] Greuwliche vnd erschrockenliche gesicht in d’ nacht.
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 14, 3
([
Augsb.
]
1523
):
dz er [got] nit greülicher in den hauffen schlecht
(auch zu 4 stellbar).
Chron. Augsb.
7, 251, 6
(
schwäb.
, zu
1552
):
[daß] nichts ernstlichers und greulichers erfolgt ist, weder vertruckung und ausreutung Gottes worts.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
158, 22
(
Ulm
1486
):
die forchtsamen kneht den kain künftige verhaissung greülich oder schwer ist.
Völker, Antichrist
336
(
wschwäb.
,
15. Jh.
):
wann er wirt die leut [...] mit maniger vnd grúlicher marter töttend.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
254, 12
(
oobd.
,
1349
/
50
):
er izt auch ainen andern hecht, alsô gräuleich ist er [hecht] von nâtûr.
Ebd.
282, 20
:
daz etleich scorpen zwuo spitz haben an dem zagel. ez sint die ern under in gräuleicher wan die sien.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
26, 6
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
nach der sunn undergangk | kumpt grewleich laster drank.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
839
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
der wer ain grewleicher vater der seinen sun liez kemphen vnd weste vor hin daz er vnder lëg.
Luther, WA
8, 538, 3
;
10, 3, 157, 12
;
36, 346, 32
;
47, 251, 34
;
52, 803, 3
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
110, 2076
;
Follan, Ortolf. Arzneib.
82, 7
;
Sermon Thauleri
12va, 15
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
146r, 16
ff;
Böhme, Morg.R.
154, 9
;
Gille u. a., M. Beheim
117b, 40
;
Reichmann, a. a. O.
105, 27
;
248, 24
;
Bell, G. Hager
241, 3, 15
;
Lauchert, Merswin
16, 8
;
Vetter, a. a. O.
226, 17
;
342, 19
;
395, 14
;
399, 16
;
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
454, 2
;
Anderson u. a., a. a. O.
23, 10, 31
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
24, 7
;
Bauer, Geiler. Pred.
90, 5
;
92, 23
;
Barack, Zim. Chron.
4, 173, 33
;
Pfeiffer, a. a. O.
286, 9
;
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 187, 15;
Klein, Oswald
32, 44
;
Niewöhner, Teichner
311, 26
;
Kummer, Erlauer Sp. 
3, 883
;
Schöpper
21a
;
Maaler
350r
;
Volkmar
552
;
Henisch
1742
;
Dietz, Wb. Luther
2, 165
f.;
Schweiz. Id.
2, 835
;
Schwäb. Wb.
3, 811
.
2.
›abscheulich, ekelerregend, widerwärtig (von Gegenständen und Sachverhalten); beim Betrachter oder Hörer Abscheu verursachend (von sinnlichen Wahrnehmungen); scheußlich, häßlich, gräßlich, Widerwillen und furchteinflößend (vom Anblick eines Menschen oder einer Sache)‹;
vgl.  23.
Gegensätze:
.

Belegblock:

Schöpper
21a
(
Dortm.
1550
):
scheutzlich greulich greußlich erschrockenlich.
v. Ingen, Zesen. Rosenw.
47, 12
(
Hamburg
1642
):
Die Parcen waren mir immer greulicher anzusehen.
Pfefferl, Weigel. Ges.
42, 26
(
Hamburg
1646
):
Ein Spiegel machet dich weder schön noch grewlich.
Ziesemer, Proph. Cranc Dan.
2, 31
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
sin angesichte was grulichen
[Luther
1545
:
schrecklich
].
Hübner, Buch Daniel
980
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Gruelich und ungestalt | Was sie uns vil manche zit.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
2, 19
(
thür.
,
1421
):
die weile wart ir schonde yn eyne grewliche eisslichkeit gewandelt.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
26, 27
(
omd.
,
1487
):
App ein man ein weÿpp habe dye vnfruchtbar, grewlich vngeschaffenn am leÿbe, [...] alt und kalt seÿ.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
39
(
Eisleben
1565
):
[Rimo] Warstu ein Engel schone / | [...] | Nu bistu ein Teufel grewlich.
Mathesius, Passionale
44r, 22
(
Leipzig
1587
):
er ist grewlicher vnd heßlicher / als jrgend der aller geringsten oder ergsten.
Bihlmeyer, Seuse
229, 30
(
alem.
,
14. Jh.
):
wie soͤlti denn min herz din grúwliches antlút iemer erliden!
Maaler
192r
(
Zürich
1561
):
Greüwlich / Wol waͤrt zů verfluͤchen. [...] Ein Greüwlich vnnd schätzlich angesicht.
Chron. Strassb.
434, 27
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
sü noment dicke dem priester daz heilge sacramente us der hende und drotent deruf mit den fuͤssen, und vil andere ding das gruweliche were zů sagende.
Morrall, Mandev. Reiseb.
125, 3
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
da sind rysen inn, und die sind gar grúlichen ze senhen.
Ebd.
160, 9
:
aines túfels antlit, das grúlichest und des schúßlichest das ieman in der welt gesenhen hab.
Sappler, H. Kaufringer
16, 417
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Die tritt laug in der andern huot, | das ist unrecht lieb auf guot. | das ist ain grülich laug fürwar.
Niewöhner, Teichner
284, 32
(
moobd.
,
1360
/
70
):
es ist dw genad vor im verdekcht | als vor ainem der grauͤleich smecht
(möglicherweise auch zu
gräulich
2 stellbar).
Peil, Rollenhagen. Froschm.
114, 2214
;
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
120, 13
;
Hübner, a. a. O.
5758
;
Heidegger. Mythoscopia
9, 1
;
Morrall, a. a. O.
17, 4
;
Maaler
360r
;
Volkmar
429
;
Schweiz. Id.
2, 835
.
Vgl. ferner s. v. , .
3.
›jämmerlich, erbarmungswürdig‹.

Belegblock:

Palmer, Tondolus
263
(
Speyer
um 1483
):
in dem tier horte ich gruliche schreien. hulen. vnd weinen von frawen.
Matthaei, Minner. I,
8, 27
(Hs.
15. Jh.
):
jamer hub sie an | und klagt gruͤlich ir leit. | [...] | wie we ist diesem wibe!
Lauchert, Merswin
11, 13
(
els.
,
1352
/
70
):
vnd was der an allen sime libe also gar verwundet [...], daz es eine also gar gru̇welich iemerliche gesihte was.
4.
›grauenerregend groß, extrem, unermeßlich, über alle Maßen‹.

Belegblock:

Luther, WA
45, 37, 36
(
1537
):
ist das nicht ein greulicher jrthum.
Alberus, Barf.
65, 12
(
Wittenb.
,
1542
):
Es wird gewislich ein Kind geboren sein / welchs vns grewlich schaden thun / vnd die Helle bewegen vnd zurstoren wird.
Gropper. Gegenw.
12r, 16
(
Köln
1556
):
Wann der Herr solche sein wort vff die weise hette verstandenn [...] / so hettenn ye die Capernaiter darab kein vrsach nemmenn moͤgen / sich darann so wunder grewlich zustossenn vnnd zu ergerenn.
Mone, Adt. Schausp.
1, 2632
(Hs. ˹
omd.
,
1391
˺):
daz dye sint cristen glouben leren, | dye muͤwet ez gruwelich sere.
Thür. Chron.
18r, 12
(
Mühlh.
1599
):
alles [...] ist verhert / [...] / Straßburgk Erobert vnnd Zerrissen worden / vnnd allenthalben greulicher Schade geschehen.
Vetter, Pred. Taulers
45, 32
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
[ich arme creature] valle rechte in din urteil [...], ob du mich in diser grundeloser
[Var.:
gruwelicher
]
helscher pine eweklichen wellest haben.
Heidegger. Mythoscopia
62, 8
;
Dasypodius
299r
.
5.
›schnell; heimlich‹.

Belegblock:

Schmitt, Ordo rerum
460, 31
(
salem.
,
2. Dr. 15. Jh.
):
Subitaneus [...] snel [...] grúlich.
Österley, Steinhöwels Äsop
330, 23
(
Ulm
1474
/
82
):
verdeket sie ierem manne daz gesund ouge und huchtzet im so lang dar yn, uncz daz iere buol grüwlich on alle irrung uß der kamer hinweg kame.