1
graus,
der
,
vereinzelt
die
;
zu
mhd.
grûs
›Grausen‹
(Lexer
1, 1106
).
1.
›Angst, Furcht; Schrecken, Entsetzen als plötzlich eintretende Gemütsverfassung‹.
Phraseme:
jm. komt ein graus; jn. komt ein graus an
u. ä.;
einen graus für sich nemen
›in Angst und Schrecken geraten‹.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 223, 6
(
Bautzen
1567
):
Zum Grab sie giengen schnell hinaus, | Es kam sie an ein furcht und graus.
Gille u. a., M. Beheim
278, 12
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
da kam sein hercz in grauss.
Adomatis u. a., J. Murer. Hest.
687
(o. O.
1567
):
Mir gadt durch all min lyb ein gruß.
Goedeke, Fischart Flöh haz,
1828
(
Straßb.
1594
):
Nun als ich kommen war hinaus, | Da kam mich erst an der recht graus.
Adrian, Saelden Hort
4252
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
[der elter sun] im kam ain michel grus.
Bartsch, Reinfrid
9742
(
halem.
, Hs.
14. Jh.
):
der grûse wart unmâzen breit | von dem kamphe den er dort | erfohten hatte.
Sappler, H. Kaufringer
2, 54
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
da kam im für ain vorchtlich grauß, | das er nachet verzaget was.
Ebd.
5, 325
:
herr, ich suoch ritterschaft | und aubentür oun allen graus.
Ebd.
16, 90
:
die in der statt komen heraus | gar küenlich oun allen graus | und stritten mit den veinden sider.
Ebd.
16, 681
:
und machten im den grauß so gros, | das er die tugent rain verlos.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 166, 35 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
werten sich die von Prug so lang, uncz das herczog Ott [...] und der von Salczburg ain graws für sich namen und vliehund über den Tawren entrunnen.
Niewöhner, Teichner
564, 2294
(
moobd.
,
n. 1400
):
ist ein mensch in eim schachen | [...] | da enphecht er dikch einn graws | daz im schawtzund wirt so vest | sam ob er tewfel und morder west.
Gille u. a., a. a. O.
451, 321
;
Sappler, a. a. O.
2, 184
;
16, 112
;
16, 708
;
18, 175
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
1, 14
;
Schwäb. Wb.
3, 813
.
2.
›Ereignis oder Verhalten, das einen Menschen in Angst und Schrecken versetzt‹; speziell: ›furchteinflößender Lärm, wildes Gehabe‹; offen zu 3.

Belegblock:

Mayer, Folz. Meisterl.
8, 17
(
nobd.
,
v. 1496
):
Vor sulcher pen, | Die dort so swer gemessen | Den selen wirt, ob er dem grauß | Hie möcht entgen mit wiczen.
Sappler, H. Kaufringer
2, 73
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
[Lucifer] und mit im drei vinster schar | seiner diener komen dar | gar vorchtlich mit wildem graus.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 149, 4 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Graf Haug [...] riet dem herczogen besunderleich, er solt da nicht lenger beleiben; der im auch gross grauz besunderleich vil vor zelet.
3.
›Grausamkeit, Unausweichlichkeit, Schrecklichkeit, Not, Pein (von Sachverhalten, Zuständen); Schlechtigkeit (als Charaktereigenschaft eines Menschen, die anderen schadet)‹.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
4120
(
preuß.
,
1331
):
Si verterben Gotes hus | Wo si varn in sulcher grus.
Gille u. a., M. Beheim
99, 91
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sein reigement furt er mit grauss.
Ebd.
216, 44
:
Das ist diser geczwanknüs graus, | dar inn ir seit und nicht chumt aus.
Mayer, Folz. Meisterl.
15, 47
(
nobd.
,
v. 1496
):
Merck, mit steter betrachtung dein, | Auff das dir fort an hang der graus.
Bell, G. Hager
64, 3, 66
(
nobd.
,
1594
):
das der tempel vnd stat mit graus | wurten brend aus.
Menge, Laufenb. Reg.
466
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Mit wúrsten fleisch vnd braten | Soltu fúllen din huse | Das du vor des winters gruse | Mögest sicher nů gesin.
Sappler, H. Kaufringer
1, 136
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
[Si komen] in ains frummen mannes haus. | da lebten si oun allen graus.
Ebd.
3, 380
:
[ein gottloser Bauer]
hat gesprochen offenbar, | wie er hab in seinem haus | den himel und der helle graus.
Niewöhner, Teichner
428, 128
(
moobd.
,
1360
/
70
):
ich pin ein graus.
Kummer, Erlauer Sp. 
2, 346
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
so wil ich machen ein großen graus | zwischen mein und dein, | [...] | in muͤß hie von meiner hand | der grimmig tod werden pechant.
Niewöhner, a. a. O.
622, 10
.
4.
›Ekel, Widerwille, Abscheu; Unmut; Skrupel‹.

Belegblock:

Menge, Laufenb. Reg.
5652
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
da mit bestrychen | Das gesweͣre vnd Salben | Von vssen [...] | Vnd mit einem fliedem lossen uß | One sorge vnd one gruß.
Koppitz, Trojanerkr.
21476
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Sin gesinde one grusse | In do lïpplichen enpfye.
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
208
(
Genf
1636
):
Grauß abschew.
Sappler, H. Kaufringer
4, 162
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
mir geit die fraw aus iedlem haus | oun verziechen und one grauß | all wochen hie ain halbes pfunt.
Ebd.
11, 263
:
er legt sich zwischen ire pain | und minnet si on allen grauß.
Barack, Zim. Chron.
2, 164, 4
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Der viert hat ein solchen grawsen ab diesem fricasse
[Frösche zu essen]
gehabt.
Ebd.
2, 200, 30
:
hat er ain solchen grausen und unwillen darab gehapt, das in bedeucht, so baldt er getrunken, seie im ain weetag durch allen leib gangen.
Seemüller, Chron.
95
Herrsch. 204, 9 (
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
doch ain sölich überflüzzichait möcht under dem ainvoltigen volkch machen ain grause.
Karnein, de amore dt.
184, 4
(
moobd.
,
v. 1440
):
Bas wir sagen [...] von der münich lieb, dauon doch got vasst erzürnet wirt vnd auch in der welt grosz grauss machtt.
Gerhard, Hist. alde e
291
.
Vgl. ferner s. v. ,  8.