grammatik,
die
;
zumeist lat. flektiert;
aus
lat.
grammatica
›Sprachlehre‹
, dies aus dem
Griech.
(Kluge/S.
1995, 333
; Schulz/Basler
1, 252
).
1.
›Lehre von der Sprache im allgemeinen wie von den sprachlichen und literarischen Gestaltungsmitteln einer Einzelsprache (erste der septem artes liberales)‹; mehrfach tropisch: ›Fähigkeit des Lesens und Schreibens‹; ›einer Sprache zugrundeliegende Struktur, einzelsprachliches Regelsystem‹; ›richtiger Sprachgebrauch (ars recte dicendi et scribendi)‹; ›Wissen über den richtigen Sprachgebrauch, grammatische Kompetenz‹; ›Sprachgebrauch‹.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
4, 1637
f.; Dinzelbacher, Sachwb. der Mediävistik.
1992, 315
.
Bedeutungsverwandte
bzw. im Orientierungsfeld mit: , , , .
Wortbildungen:
grammatikkrieg
›Dichterwettbewerb‹,
grammatist
›Sprachlehrer‹ (a. 1538).

Belegblock:

Luther, WA
15, 114, 16
(
1524
):
die hoch gelerten sollt man billich zur schulen furen und die grammatik leren. Verstehen sie doch die wort nicht ym artickel.
Ebd.
46, 509, 4
(
1538
):
Pridie audivimus das stuck ,peccantes‘. Dixi istam praedicationem gehe auff die, qui curas versorgen verbo praecipue et Sacramento. Ideo nicht viel vulgo. Es ist auch viel grammatik drinn.
Ders., WA Tr
6, 367, 29
:
Was ich kann in Theologia, das weisz ich daher, dasz ich gläube, [...]. Meine Grammatica, auch meine hebräische Sprache, hätte mirs nicht gegeben.
Bihlmeyer, Seuse
519, 26
(
Köln
1543
):
etzliche leeren kaum kranck latein und boͤs grammaticam.
Jahr, H. v. Mügeln
103, 169
(
omd.
, Hs.
1463
):
Die ander kunst Gramatica | sprach zu dem waren keiser da: | [...] | welch kint uß miner brüste tich | trinket, das erkennet wol, | wie es sin latin reden sol.
Ebd.
131, 2251
:
ist tugent von naturen fluß, | so ist das kint ein musicus | und kan ouch wol gramaticam, | e das es in die schule quam.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
300
(
Eisleben
1565
):
solt ihr lernen so lobesam / | Die edle kunst Grammaticam, | Damit solt jhr euch ergetzen | Vnd das latein zu rechte setzen.
Pyritz, Minneburg
466
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Er kunde niht ein gramatica; | Er kund latin, er kund ebreisch, | Er kund krichisch und kaldeisch | Mit geblumter rede gemacht guter | Reht sam die sproch siner muter.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
371, 21
(
nobd.
,
n. 1525
):
dann wir uns der scharpfsynnigen maynung doctor Karelstats, die er aus der grammatica will vergrunden, in uns als irrig und verwickelt nit versteen mögen, dann der merer tail und fast alle gemaine, ainfeltige menschen der grammatica nit kunden oder wissen.
Sachs
8, 652, 14
(
Nürnb.
1558
):
Von dem lehrt die jung tochter schön, | Die anfeng lateinischer kunst, | Grammatica und anders sunst.
Ebd.
15, 550, 9
(
Nürnb.
1563
):
So sassen auff der künsten stul, | Der grammatica, rhetorica, | Der logica und musica, | Arithmetica, astronomia, | Poetrey und philosophia.
Rieder, Gottesfr.
197, 14
(
els.
, Hs.
15. Jh.
):
das er die heilige geschrifft drissig wochen lang alse wol verstonde wart und in gůter gramatica gesprechen kunde, alse ob er alle sine tage in den hoͤhesten schůlen gestudieret hette.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 15, 15
(
Straßb.
1466
):
Ich will schweigen von den gelerten in der gramatick rethorick philozophia naturlichen kunsten geometria.
Goedeke, Fischart Flöh haz
36
Anm. (
Straßb.
1594
):
So haben etlich auch beschriben Jm Grammatikkrieg, wie wörter stieben.
Koller, Ref. Siegmunds
210, 3
(Hs.
um 1474
):
sy sollen in den closternn haben eine schule, da sye innen lernen gramaticam und dye heyligen geschrifft, das sye versteen, was sye gelesen.
Maaler
191r
(
Zürich
1561
):
Grammatic (die) Jst ein kunst die raͤcht vñ wol leert schreyben / laͤsen / reden vnd außspraͤchen.
Martin, H. v. Sachsenh. Jesus
97
(
schwäb.
,
1455
):
Gramatik ist ain edle sprauch: | Sie zimpt ouch wol ain artzat gůt.
Rot
315
(
Augsb.
1571
):
Grammatic. Wirdt wie Micillus inn der Grammatica Philippi anzeigt / verteutscht. Ein schreibkunst / die da lehret schreyben vnd Lesen. Oder wie Viues anzeigt: Ein Buchstaberey / da man lehret mit den Bůchstaben vmbgehn.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
22, 32
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Quintilianus sagt, es gehoͤr zu der Gramatica, zu wissen ob ettliche buchstaben mangeln oder überfluß sein.
Henisch
1728
/29 (
Augsb.
1616
):
Gram͂atick / redkunst / schreibkunst / sprachkunst / leßkunst / kunst deß redens vnd schreibens.
Schottenloher, Flugschrr.
58, 25
(
Landshut
1523
):
[rot] das seind dy ewangelischen vorfechter ytzt zů der zeit, wiewol vorzeiten warns kriegszleüt, Hürnwirt, Mörder [...] und dergleichen, aber dy Gramatigkh ist ytzt spützig worden.
Eckel, Fremdw. Murners.
1978, 94
/95;
Dietz, Wb. Luther
2, 159
.
Vgl. ferner s. v. , ,  2.
2.
›Darstellung des Regelsystems einer Sprache‹; Metonymie zu 1.

Belegblock:

Fastnachtsp.
740, 7
(
nobd.
n. 1450
):
Briscianus mit gramatica, | Die lert lateinisch reden und sprechen, | Die silben spalten, piegen und prechen.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
4, 30
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
der ain rechten gründtlichen verstand hat der oftgedachten acht rede tayl [...], vnnd waißt darnach Teütscher sprach art an den woͤrtern vnd gantzen rede, der würdt ain nützliche teütsche Grammatica koͤnnen geben, vnd sunst kainer, wann er gleich der beste Grammaticus auff erden waͤr.
Ebd.
47, 30
:
Darub auch darin des Parenthesis brauch vn zaichen gesehen würd, welchen man sunst, in schlechter rede, also het moͤge setzen, was sol man den Teütsche ain Gramatic machen, die jr nichts achten?