grüssen,
V.
1.
›zu Beginn oder am Ende einer schriftlichen oder mündlichen Kommunikation dem Kommunikationspartner gegenüber sein Wohlwollen und seine Referenz ausdrücken, indem man ihm Wohlergehen und Segen wünscht (vereinzelt als Leerformel oder ironisch), jn. (auch: etw.) willkommen heißen, jn. verabschieden; jm. seine Ehre erweisen‹; speziell dazu: ›jn. freundlich, höflich empfangen‹; offen zu 4.
Syntagmen:
auch ohne Obj.
Wortbildungen:
grüsser
.

Belegblock:

Chron. Köln
1, 98, 30
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ind die gemeinde arm ind riche | gruten van Luege den busschoff.
Ebd.
113, 15
:
Der busschoff grote die broderschaff gemeine | ind die gemeinde.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
918
(
mrhein.
,
um 1335
):
Der iuden kunig gegruzet si.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
29, 20
(
hess.
,
14. Jh.
):
keine suster insal sich zu den gesten gevugen noch bit in reden [...], sie gruzze sie otmutliche und gesegene sie und scheide von in.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
5, 47
(
osächs.
,
1343
):
ob ir ûwere brûdere alleine gruͦzit
[Luther
1545
:
zu ... freuntlich thut
; Lang
1521
:
fruntlich annemen werdet
+ Akk.]
, waz tuͦt ir dar ubir?.
Opitz. Poeterey
26, 1
(
Breslau
1624
):
O Rom / des Martis kind / sey sehr gegruͤßt von mir.
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 36, 7
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
swer ritterliche fuge trage, | den lieblich grüzet alle tage.
Sachs
15, 525, 29
(
Nürnb.
1563
):
Amphilochius zuhin tratt | Und den keyser gegrüsset hat, | [...]. | Iedoch mit grosser advertentz | Grüsset er Arcadium nicht.
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 152, 42
(
Nürnberg
1631
):
Kompt jhr Burger deß Himmels Saal, | [...] | Singt dem Siegherrn auß ewrem Schloß, | Sey gruͤsst JEsu du Kónig groß.
Maaler
194r
(
Zürich
1561
):
Gruͤssen / Eine͂ gruͦß sagen / Heissen Gottwilkommen seyn. [...] Gruͤsser (der) Salutator.
Schorer, Sprachposaun
14, 24
(o. O.
1648
):
Gruͤsse / kuͤsse / neige / beuge / | Jedem die Gebuͤhr erzeige.
Sappler, H. Kaufringer
6, 86
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er gruost si zuo der selben frist | gar lieplich.
Henisch
1770
 ff. (
Augsb.
1616
):
Grǔssen / glǔck wünschen / vil guts vermelden einen gruß sagen / heissen Gott willkom͂en sein.
Heydn. maister
20v, 3
(
Augsb.
1490
):
Vmb weißheit willen bin jch in kriechen gegruͦßt worden Aber von neid vnd haß wegen muͦß jch in meÿm vatterland sterben.
Klein, Oswald
106, 48
(
oobd.
,
1411
?):
So mir dein höptlin naiget, saiget, | zaiget willikliches grüssen.
Froning, Alsf. Passionssp.
2584
;
Bechstein, a. a. O. Mk.
15, 18
;
Gille u. a., M. Beheim
103, 13
;
v. Birken. Erzh. Österreich
50, 51
;
Päpke, Marienl. Wernher
14526
;
Edlib. Chron.
2, 32
;
Koppitz, Trojanerkr.
16555
;
Wyss, Luz. Ostersp.
10545
;
Klein, a. a. O.
19, 42
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
93, 1
;
Dietz, Wb. Luther
2, 181
;
Schwäb. Wb.
3, 887
. – Vgl. ferner  v.
akust
1,
ankommen
13,
grus
1.
2.
›jm. über einen Dritten einen Gruß, seine guten Wünsche, seine Huldigung ausrichten lassen‹, teilweise ausschließlich zum Zwecke der Kontaktaufnahme, teilweise verbunden mit konkreter inhaltlicher Botschaft.

Belegblock:

Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
957
(
mrhein.
,
um 1335
):
Panthias vadat ad pylatum dicens: | Pylate, rehter lobelich, | der kunig herodes gruzet dich.
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
165, 14
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Herre konnig üwer sone konnig Ludwig / der hat uch sere dun grüssen / vnd biddet üch vmb goddes willen / das [...].
Müller, Faustb.
975, 23
(
Frankf.
1587
):
jhr woͤllet alle die meinen [...] gruͦssen.
Mayer, Folz. Meisterl.
56, 31
(
nobd.
,
um 1480
):
Ave sponsa regis almi, | Die du vermehellt pisti | Durch Gabrihelis grussen hie | Dem herren Jhesu Cristi.
Rupprich, Dürer
1, 46, 43
(
nobd.
,
1506
):
Grüst mir Steffen Pawmgartner vnd ander gut gesellen.
Maaler
192v
(
Zürich
1561
):
Einen in einem brieff Griessen.
Ebd.
194r
:
Du solt sy mir vast widerumb Gruͤssen / Sag jren von mir vil gruͤß. [...] Einen von einem anderen Gruͤssen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
108, 6
(
tir.
,
1464
):
Der selbig erwirdig pischolf der haist dich vast grüessen, tu liebster Augustine.
Bachmann, Morgant
26, 15
;
Bachmann, Haimonsk.
252, 35
;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 3, 28
;
Henisch
1771
.
3.
›jn. anreden, jn. / etw. anrufen; jn. auf etw. ansprechen, jn. um etw. angehen; jm. begegnen‹; in verschiedener Richtung tropisch: ›jn. gerichtlich angehen, anklagen‹; ›jn. strafen‹; ›jn. zum gerichtlichen Zweikampf herausfordern, angreifen‹; ›Jagd machen auf etw. (z. B. auf Wild)‹; ›(die Hunde) zur Jagd antreiben, hetzen‹; in 1 Beleg auch: ›jn. besuchen, heimsuchen‹.
Phraseme:
jn. mit namen grüssen
›jn. namentlich ansprechen‹.

Belegblock:

Luther, WA
33, 617, 22
(
1531
):
So wirdt Er sie ein mahl also grussen, das sie werden sagen: wir hettens nicht gemeinet, das [...].
Ebd.
47, 214, 27
(
1538
/
40
):
Es ist ein auffruhr, ordentliche regiment zureissen und nicht zuvor die drumb grussen, so die regiment inne haben.
Ebd.
49, 425, 10
(
1544
):
Solt auch wol einen Erdenkloß nemen und soͤlchen Meisterkluͤgel damit gruͤssen, das er [...] die Augen verkerete wie ein Ochse.
Große, Schwabensp.
153a, 39
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
wir heyzen ouch daz mordere, swer mit deme anderen izzet vnde trinket vnde liepliche in grozet vnde sleit on ane sine schuͦlde.
Ebd.
199a, 4
:
her sol in [huͦnde] nach volgen vnde ne sol sin horen nicht blasen in dem vorste noch de huͦnde gruͦzen.
Leman, Kulm. Recht
2, 66
(
Thorn
1584
):
Von kampe. Wer kemplich wil grussen eynen synen genossen, der mus bytten den richter.
Ebd.
2, 70
:
Kamphes mag ouch eyn man sich weigeren ab man yn des grusset noch myttetage.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
34, 17
(
hess.
,
14. Jh.
):
keyne suster inmuz die andere mit namen gruzzen, wan die obersten sollen ir jungeren heiszen suster.
Palm, Veter Buoch
24, 12
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Herre hastu [der siechtvm] mich verlazzen, das du in disem iare mich nicht woldes gruzen
(hier wohl im Sinne von ›besuchen, heimsuchen‹).
Gille u. a., M. Beheim
449, 260
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
dy teufel vielen so ge drot | ansichtperlich an disen | und grussten in in rechtem spot.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
15, 28
(
els.
,
1362
):
do sant Andres das crúze von verre sach, do gruͦste er das crúze vnd sprach: „Gegruͤssest
[Bed. 5]
sist du crúze, wenne du von dem lichomen vnsers herren gewihet bist“.
Kurz, Murner. Luth. Narr
3635
(
Straßb.
1522
):
Oder er woͤl ein schlangen lon, | Vnd mit kardunen bald da griessen, | Jn stücken mich zhimel schiessen.
Bachmann u. a., Volksb.
209, 18
(
alem.
,
15. Jh.
):
Den so wend wir in dem namen gocz die heiden grüessen.
Henisch
1770
 f. (
Augsb.
1616
):
Grǔssen / [...] heimsuchen / mit einem reden [...]. Kampferlich gruͦssen / capitis accusare, criminis accusare: & indicere duellum [...]. Gott gruͦßt offt einen / aber weißt jhm nicht zu antwortten [...]. Gott begegnet manchem / wer jhn gruͤssen kont. Gott gruͦsset alle welt / aber wenig dancken jhm [...]. Wie man einem rufft oder jhn gruͤsset / also antwortet er.
Gereke, Seifrits Alex.
7998
(
oobd.
, Hs.
1466
):
mit valkchen und mit plafuessen | sach mans auf raiger paissen
[Var.
grussen
].
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
82, 9
(
m/soobd.
,
1482
):
der aber solliches überfuer, [...], nach dem soll der richter greifen und sich deß überfahrn guets oder kaufmannschaft [...] und von der mehr gemelten herrschaft besonderlich gegrüsset werden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
105l, 36
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Von eynem dyebe der mit warer tat begriffen wirt [...] der muͤz an seyne weren zyhen ob man yn dar vmb czeinleich gruͤzt.
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 44
;
Henschel u. a., Heidin
1861
;
Rwb
4, 1225
;
Schwäb. Wb.
3, 887
;
Dalby, Lex. MHG Hunt.
1965, 70
/71.
4.
›jn. segnen; jn. / etw. lobpreisen, ehren, schätzen; jm. huldigen‹; speziell in Bezug auf das Ave Maria für Begnadung, von Gott erteilten Segen, Huldigung durch den Engel und Begrüßung gleichermaßen.
Phraseme:
got grüsse dich
noch nicht vollständig sinnentleerte Begrüßungsformel mit der Bedeutung: ›Gott segne und behüte Dich‹ (auch zu 1 stellbar).
Wortbildungen:
grüssenpfad
›Gewohnheit des Grüßens‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
268, 36
(
Wolfenb.
1593
):
Gott grüß euch lieber Meister, Ich wolt jetzund gleich zu euch.
Ebd.
294, 5
:
Lieber Nachbaur, Seid gegrǔsset.
Luther, WA
24, 393, 11
(
1527
):
Gott gruͤsset alle welt, aber wenig dancken yhm.
Ebd.
30, 2, 638, 13
(
1530
):
da der Engel Mariam gruͤsset und spricht: Gegrüsset seistu, Maria vol der gnaden, der Herr mit dir?
Peil, Rollenhagen. Froschm.
580, 2329
(
Magdeb.
1608
):
Wer oben sitzt lesset sich gruͤssen / | Vnd trit die vntersten mit Fuͤssen.
Lohmeyer, K. v. Nostitz
168, 7
(
preuß.
,
1578
):
got grüsse mir den Koßken. Denen rumet er hoch.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
389, 1
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Gegrüezet sî dîn vaterlich persône, | gegrüezet si der sun in disem dône, | gegrüezet si der vrône geist | [...]. | Gegrüezet sî diu meit, [...] | gegrüezet si daz wort.
Chron. Köln
2, 66, 17
(
rib.
,
um 1400
):
do hei vur in quam, do groet hei den dolphin up sinen kneen.
Dubizmay, kurß zu Teutze
78, 13
(
hess.
,
1463
):
GEgrusset bistu | der werlt sterne heylige | gots muter.
Froning, Alsf. Passionssp.
698
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Got grusße uch, schone fraw mynn!
Ebd.
5669
:
hie ist nu yn synen hoisten eren erhaben [der heylant]: | darumb sollet ir Judden en alle grussen und loiben
[ironisch].
Kurz, Waldis. Esopus
2, 24, 18
(
Frankf.
1557
):
Gar manchem thut das gluͤck begegen, | Und bringt mit jm ein guten Segen, | [...] | Er weiß es aber nit zu gruͤssen.
Feudel, Evangelistar
2, 25
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
gegruzit sistu vol genaden, [...], gebenedyet bistu vor allen wiben.
Vetter, Pred. Taulers
355, 29
(
els.
,
1359
):
ich gruͤsse dich aller minneklichestes crútz.
Ebd.
413, 32
:
waz mir begegent, das gruͤsse und geleite Got und var sinen weg.
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 97, 4
(
Bodenseegeb.
1517
):
[Gabriel] Der auch solch beschlußred gottes, recht vollendet | Sprach gruͤeß dich, vol gnad, gott hat dich gesegnet.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
3, 13
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Engelischer gruss dich grüsset, | götlich süss dich übersüsset.
Ebd.
31, 1
:
Grüest seist, heiliger tag, | aller ewikait wirdig lobsag.
Niewöhner, Teichner
716, 49
(Hs. ˹
oschwäb.
,
1472
˺):
davon tuͦt er übel daran | der dem piderben weib nicht gan | das si gruͤßt, wa sie begeret, | seytt ir weyhaitt unverseret | schaidet von dem gruͤssen pfaden.
Luther, WA
30, 2, 638, 23
 f.;
Quint, Eckharts Pred.
3, 375, 3
;
Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
143, 9
;
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
713
;
Dubizmay, kurß zu Teutze
3, 14
;
5, 18
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
1, 28
;
Ukena, Kremsm. Sp.
110
;
Gille u. a., M. Beheim
49, 6
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
3101, 36
;
Kehrein, a. a. O.
1, 48, 1
;
Vetter, a. a. O.
161, 23
;
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 13, 20
;
Sappler, H. Kaufringer
1, 24
;
16, 776
;
Klein, Oswald
85, 20
;
Kummer, Erlauer Sp.
3, 369
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
35r, 20
;
39r, 27
;
Maaler
194r
;
Henisch
1771
;
Stackmann u. a., Wb. zur Gött. Frauenlob-Ausg.
1990, 134
.
Vgl. ferner s. v. .