grösse,
die
;
/auch
.
1.
›Dimension e. S. / e. P. in linearer Erstreckung oder im Raum‹; im einzelnen: ›Ausdehnung, Maß e. S.‹; ›Öffnungsgrad eines Winkels‹; ›Schriftgrad‹; ›Dicke, Volumen, Umfang, Fassungsvermögen e. S.‹; ›Größe e. P.‹;
vgl. (Adj.) 1.
Bedeutungsverwandte:
,  1, , .
Syntagmen:
eine g. haben; einer g. sein; seiner g. etw. zusetzen; in der g. als / wie / sam etw.
(z. B.
ein ochse
)
sein, sich in der g. e. S.
(z. B.
der nus
)
vergleichen, an der g. e. S. gleich sein, zu einer g. kommen; g. des baches / bauches / leibes / winkels, der erde / stat, der himmel; die rechte g.; kraft der g.; macht über die g., in js. g
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. Luk.
12, 25
(
Wittenb.
1545
):
WElcher ist vnter euch / ob er schon darumb sorget / der da künde eine Elle lang seiner grösse
[
Mentel
:
gewechst
]
zusetzen?
Quint, Eckharts Pred.
41, 1
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Daz inner werk hât in im beslozzen alle zît alle grœze, alle wîte und lenge.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 143, 16
(
hess.
,
1573
):
Rheinlender. Mittel antiqua, seind all in einer grösse.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
166, 12
(
Frankf.
1535
):
Er [Opalus] vergleicht sich in grosse einer haselnus.
Knape, Messerschmidt. Bris.
43, 20
(
Frankf./M.
1559
):
vnd waren gemelte jungfrawen / einer hoͤhe / groͤsse / eines alters vnd einer gestalt des angesichts.
Perez, Dietzin
1, 322, 13
(
Frankf.
1626
):
Welche junge Knaben dem Sauffen nachhengen / die kom͂en von jhrem verstand / werden traͤg vnd erlangen keine rechte groͤß.
Pyritz, Minneburg
9, 37
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
der eine mac wol etwaz habin an siner personen, alse groze und varwe, daz der ander nicht inhait.
Ebd.
60, 18
:
auch sprechin si daz der lip unsis herrin hette macht uber sine groze, daz he mochte zihen ein gelit in daz andir.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
46, 24
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Das pallas hot xx kunigliche gemach alle von eyner groze.
Skála, Egerer Urgichtenb.
130, 3
(
nwböhm.
,
1574
):
hetten [...] ein fleischackers Jungen bej 20 Jaren In sein sagers größe, [...] Erschlagen.
M. Cunitia. Ur. Prop.
152, 5
(
Öls
1650
):
daß durch die [...] Zahlen außgedruckt sey / die groͤsse der jenigen Winckel / so [...].
Keil, Peter v. Ulm
125
(
nobd.
,
1453
/
4
):
so kumpt ym sein gelid [arm] wider schir zu seiner größ vnd zu seiner craft.
Rupprich, Dürer
1, 51, 12
(
nobd.
,
1506
):
Vnd ist der schrein jn ein versigelten püxle gemacht vnd hatt eben dÿ gröss, als er hÿ getzeichet ist.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
370, 9
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
wan die andern geslehte, alse wielichi und grözi, dü bezeichen nah eigener reden etwaz, daz etwem inhanget.
Bihlmeyer, Seuse
292, 10
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz sich der groz himel als kleinfuͤgklich truket in daz klein oͮge, und doch an der groͤzi einander unglich sint?
Dasypodius
319v
(
Straßb.
1536
):
Feyßte vñ groͤsse des bauchs.
Päpke, Marienl. Wernher
993
(
halem.
,
v. 1382
):
Ir kel, ir nake schoͤne gar, | [...] | Inrechter groͤssi, vollentschlecht.
Morrall, Mandev. Reiseb.
169, 6
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
In dem land sind wyß loͤwen in der groͤssin als ain ochß.
Maaler
193v
(
Zürich
1561
):
Die Groͤsse oder maͤchtige des lybs [...]. Die Groͤsse oder weyte der statt.
Chron. Augsb.
5, 48, 7
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
ain roslin [...] das hett underhalb seins arslochs [...] ain zagel in der grössin wie ain jungs fülchin.
Henisch
1756
(
Augsb.
1616
):
Wens an der groͤsse gelegen ware / so kont ein Ruhe
(wohl ›Reh‹)
ein hasen erjagen.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
15, 12
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Daz aber uns daz ertreich sleht scheinet, daz macht neur sein uberigeu groͤzze.
Ebd.
16, 11
:
wo ain mensch ist auf ertreich, so scheinend im die stern in der selben groͤzze.
Ebd.
17, 3
:
Von der warheit nem wir, daz der erden groͤzz zwischen irre uͤberpraiten und irm mittelnpunct unmerkleich ist und niht ze pruͤfen gegen der himel groͤzzen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
383, 14
(
oobd.
,
1349
/
50
):
sein wurzel ist an der grœz sam ain vinger.
Mell u. a., Steir. Taid.
5, 45
(
m/soobd.
,
1523
):
Es sol auch niemants [...] mit wad, nachnetzen noch andern zeug [...], si haben dann die recht gross und weit [...] nicht vischen.
Winter, Nöst. Weist.
2, 991, 15
(
moobd.
,
A. 17. Jh.
):
welche sitzbrün die in den pach gehn, solten biß auf ein greß deß pachs warden.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
15, 35
(
tir.
,
1464
):
ain idleiches tier ist fechten nach der krafft seiner grös.
Zingerle, Inventare
156b, 7
(
tir.
,
1472
):
vi alte zine pecher einer groß.
Belkin u. a., a. a. O.
421
;
Bauer, u. a., Kunstk. Rud.
155
.
Vgl. ferner s. v.  3, , ,
2
 1,
1
 12,  5,  2.
2.
›Umfang, Ausmaß, Größe, Weite, Dimension von etw. nicht linear oder räumlich Gedachtem (Qualitäten, Haltungen, Taten u. ä.)‹; Ütr. zu 1.
Gehäuft Texte religiösen Inhalts.

Belegblock:

Luther, WA
21, 485, 32
(
1544
):
ist also dis geschenck und gnade viel groͤsser, uberschwenglicher und mechtiger denn alle suͤnde auff Erden, das keines Menschen [...] unwirdigkeit, ja verdieneter ewiger zorn [...] so gros nicht sein kan, das die groͤsse dieser liebe und Gnaden oder vergebung nicht dieselben hoch, tieff, breit und weit uberwege.
Ebd.
31, 1, 27, 17
(
1529
):
Alles, was in der welt hoch oder Oberkeyt ist, fichtet wider gottes wort, denn die menge, die groͤsse, die hoͤhe, die macht, die vernunfft, die weyßheyt, die reichthuͤmmer etc. sind alle wider das gepot gottes.
Quint, Eckharts Pred.
2, 449, 7
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
nâch der mâze ist diu grœze sînes êwigen lebens, und alliu sîn volkomenheit liget alzemâle an der selben mâze.
Ebd.
2, 614, 1
:
nâch der grœze des dienstes und edelkeit sô sol wesen der lôn.
Köbler, Ref. Wormbs
338, 23
(
Worms
1499
):
darzu der Stat verwyst werden nach gestalt vnd groͤsse synes begangen freuels.
Strauch, Par. anime int.
133, 23
(
thür.
,
14. Jh.
):
da di craft des lichtis abeginge und nicht furbaz irluchtin mochte, da kente man me di groze des vinstirnisses dan in deme daz beluchtit wart.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
15, 25
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
so vil und mangerley geslecht der veynd [...], die do streyten nach der groß eins yden kreft.
Bihlmeyer, Seuse
179, 19
(
alem.
,
14. Jh.
):
daz dú goͤtlich entgiessunge so vil inniger ist und edelr ist nah der wise der groͤssi dez gůtez, daz er selb ist.
Vetter, Pred. Taulers
61, 25
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
usser diseme so enhant sú [uͤbungen] nút vil maht und gros.
Schmidt, Rud. v. Biberach
101, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
want an groͤssi gotlicher minne lit wise goͤtlicher ofnung.
Ruh, Bonaventura
337, 14
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Zem ersten gegnet scham in gedachtnüß der beganger laster in vier dingen: in grössy, in vily, in schandliche, in vndanckparkait.
Luther, WA
30, 2, 504, 34
;
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
58, 8
;
Anderson u. a., Flugschrr.
23, 4, 7
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
101, 35
;
Dietz, Wb. Luther
2, 173
.
3.
›ein bestimmtes Maß der Dimensionierung; Einheit von etw.‹.

Belegblock:

Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
27, 18
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Egiptii die weisen läut, [...], wânten, daz daz herz alliu jâr auf næm ain klain grœzin.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
29, 28
(
noobd.
,
1347
/
50
):
nimst di von geleichen groͤzzen geleich groͤzzen oder geleicheu stuͤkke, die beleibend grozzen sint geleich.
Ebd.
43, 22
:
ain stund niht anders ist danne ain grozzen der zeit.
Turmair
4, 428, 6
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Zuelest lernt die geometrei, wie recht sein söllen alle größ [...]; wie man alle ding außmessen [...] sol.
4.
›über das Erwartbare oder Vorstellbare hinausgehende physische Größe von etw. (z. B. eines Tieres, einer Fläche, eines Körperteils, ütr. auch Gottes)‹;
vgl. (Adj.) 2.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
566, 1884
(
Magdeb.
1608
):
Des [Ochs] groͤß sie [Frösche] niemals erkant hetten.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
14, 22
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
in der grozen provincien [...], di von irer groze geteylit ist in vij groze rich.
Niewöhner, Teichner
547, 34
(Hs. ˹
nobd.
,
E. 14. Jh.
˺):
dem pauch er [teufel] groͤz gab | und den halz unmazzen klein.
Rieder, St. Georg. Pred.
290, 10
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Daz sehste ist sin groͤssi; die sonst wir an betten.
5.
›Erhabenheit, Größe, Vollkommenheit (Gottes, der Schöpfung o. ä.)‹;
vgl. (Adj.) 15.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.

Belegblock:

Luther. WA
12, 490, 8
(
1523
):
Da sihe, wie uberschwenglich unausprechenlich gros ding es ist umb das Sacrament, [...], das sich ein mensch muest zu todt dran entsetzen, wenn ers recht entpfind, fur der grosse, denn keyn vernunfft kan es begreiffen.
Ebd.
45, 211, 24
(
1537
):
die groͤsse und herrlichkeit dieses Namens erfordets, das man sich daruͤber verwundere.
Ders. Hl. Schrifft. Ps.
145, 3
(
Wittenb.
1545
):
DEr HERR ist gros vnd seer löblich / Vnd seine Grösse ist vnaussprechlich.
Ebd. Ephes.
1, 19
:
welche da sey die vberschwengliche grösse seiner Krafft an vns.
Gille u. a., M. Beheim
71, 329
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
nicht gedacht seins spotes | seiner volkomung clain und plos | gegen der unmeslichen gross | und volkomenkait gotes.
Schmidt, Rud. v. Biberach
166, 18
(
whalem.
,
1345
/
60
):
ob wir in got bekennen dv́ hoͤhi siner maiestat vnd siner groͤssi.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
2042
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
die grözz, die czir, der nücz der creatur beweyset dir die trinitet.
Luther, WA
34, 2, 128, 12
;
34, 2, 129, 1
.
Vgl. ferner s. v.  12.
6.; 7.,
s. (Adj.) 613.