gottesgabe,
die
;
-Ø/-Ø
sowie
-n
.
1.
allg.: ›das von Gott Geschaffene, Schöpfung‹; speziell: ›einzelnes Geschenk Gottes an den Menschen, Wohltat, die Gott dem Menschen erweist‹; ›besondere von Gott verliehene Fähigkeit eines Menschen zu etw.‹; extensional für alle Bezugsgegenstände gebraucht, die als von Gott gegeben betrachtet werden (mehrfach z. B. das Bergwerk).

Belegblock:

Luther, WA
41, 582, 17
(
1536
):
Denn wer kan der aller geringsten Gottes gaben eine bezalen oder verdienen (als, das er einen tag des liecht und die liebe Sonne sihet).
Ebd.
45, 393, 8
(
1537
):
Ihre sprach ist nichts denn heiligkeyt, Wie In der Griechischn sprach ist nichts denn lautter weyßheyt, Die ist ein Gotteß gabe. Jtem gutter besiczen, Weyb und khind und vihe haben ist ein Gotteß gabe.
Ebd.
47, 359, 4
(
1537
):
das hertz wirdt mit unns niht geborn, sondern es wirdt von Gott gegeben. Also gehe durch andere Gottes gaben, als da ist gewalt, gesunder Leib, Weisheit und was mehr ist.
Ebd.
47, 777, 32
(
1539
):
Ist deswegen fuͤr eine grosse Gottesgabe zu erkennen, wenn unter Weltlichen Herren Friede ist.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
138, 31
(
omd.
,
1454
):
Domit nu dy gbot noch ordenung der kirchen ghalten, [...] so muß dye arbeit am stein am feyertag abgthan werden, den bergwerg ist ein gotzgabe, dorumb vorhelt man och billich sein gotlich almacht.
Schönbach, Adt. Pred.
12, 24
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
daz ouch din herze solde weich machen die grozze manichvalt der gotes gabe.
Dietrich. Summaria
19r
, 5 (
Nürnb.
1578
):
das der HERR darumb beten heist / das Gott rechte vnd trewe Prediger woͤlle geben. Denn diß ist die hoͤchste Gottesgabe.
Sappler, H. Kaufringer
4, 452
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
Es ist ain grosse gottesgab, | der güetig ist und hüetet sich | vor zorn.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 134, 23
([
Augsb.
]
1548
):
Regieren ist ain Gottes gabe.
Niewöhner, Teichner
338, 6
(
moobd.
,
1360
/
70
):
gůt ist nicht ein gotz gab | dw man fuͤr genad haben sol. | daz versten ich an Judaz wol.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
28
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Die wail nicht vnnd sond(er)lich die Loblich gots gab die pergkwergk an sonderliche guete ordnung treues auffmerken vnd einsehen [...] megen gehandlet werden.
Luther, WA
22, 199, 19
;
47, 358, 11
;
52, 745, 10
;
Reissenberger, Väterb.
22927
;
Rosenthal. Bedencken
31, 2
;
Gierach, Märterb.
16961
;
Patocka, Salzwesen.
1987, 147
.
2.
›Manna; Hostie‹.

Belegblock:

Luther, WA
16, 299, 37
(
1524-27
):
MANN heisst auf Hebreisch Barschafft, Geschenck oder Gabe. Als solten sie sagen: Es ist Gottes Gabe, welche Gott unter uns aus teilet. [...], und wir heissens Manna. Wir Deudschen heissens aus dem 6. Capitel Joannis Himelbrot, aber sie habens Gottes gabe genennet.
Koller, Ref. Siegmunds
62, 8
(Hs.
um 1474
):
das man kein gots gabe, als dye sacrament sein, und dye pfrunden leutterlichen geben werden von genaden.
3.
›geistliches Benefizium, fromme Stiftung an eine kirchliche Institution (z. B. ein Kloster), oft in Form eines geistlichen Lehens, einer Pfründe oder einer finanziellen Zuwendung zur Versorgung geistlicher Personen, geistlicher und sozialer Einrichtungen wie z. B. der Armenfürsorge‹; metonymisch: ›gestiftetes Gut‹.
Bedeutungsverwandte:
 12,  25,  1, , ; vgl.  1.
Syntagmen:
g. besitzen / empfangen / empfelen / haben / leihen / stiften / teilen / vergrempen / verkaufen / verleihen / vermachen / verordnen, jm.
(z. B.
unwürdigen pfaffen
)
g. geben / schaffen; etw. g. heissen; g. absein, die g. etw.
(z. B.
die sünde
)
leschen, die g. zu etw.
(z. B.
zu einem schlos
)
gehören; jn. mit g. versehen, etw. zu einer g. innehaben, etw. zu js. g. niessen; (die) feiste / rechte / weltliche g.; abgang / lehenschaft / tafelmeister der g
.

Belegblock:

Wolf, Gesetze Frankf.
25, 3
(
hess.
,
1383
):
das die pfaffheid [...] in dem spitale zu Sassinhusen [...] werntlich gotzgabe han, ane allerlei geverde, dem rade [...] kein salczgelt von salcze [...] geben sollen.
Gille u. a., M. Beheim
109, 48
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Auch von der pfaffheit wegen, | der vil pesiczen gotes gǎb | pösslich mit simonei und râb.
Mon. Boica, NF.
1, 573, 26
(
nobd.
,
1414
):
Zu dem egenanten slosse [...] gehoren diese hernachgeschriben geistliche lehen und gotesgabe.
Chron. Nürnb.
3, 172, 29
(
nobd.
,
1488
):
etlich, die gar wol gelert waren und doch kein gotsgab oder pfründ hetten.
Adrian, Saelden Hort
4876
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
da siht man si die Gottes gaben | den kinden, frunden schaffen | und unwirdigen pfaffen.
Merz, Urk. Bremgarten
85, 7
(
halem.
,
1388
):
daz er alle die vorgenanten seine lehen vnd guͤter zů seinen gotzgaben gehaben vnd nießen sol.
UB Zug
890, 30
(
halem.
,
1447
):
das man einem semlich gúlte ǎn sÿnen schaden und kosten weͣren soͤlte, oder was recht gotzgaben werent, das die von Zug darvon nútzit geben soͤllent.
Ebd.
900, 28
(
1448
):
Was untz [...] an die kilchen ze Zug, an ir fruͤmeß, an iren spitall und an ir spenden komen ist, [...], das das alles gotzgaben heißen [soͤllen].
Kläui, Urk. Kaiserstuhl
101, 6
(
halem.
,
1484
):
das almůssen und gotzgaben der menschen suͥnd vast und mercklichen loͤschet.
Boner, Urk. Brugg
355, 18
(
halem.
,
1523
):
zů Hindereyn hat der alt Tüffelbes 20 lb. vff disem brief dem schpittal an ein gotzgab gen.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
144, 39
(
halem.
,
1625
):
daß dergleichen [...] Vermächt, so in dem Todtbet und ohne Guethaißen der Obrigkeit beschechen und gemachet werden, außerhalb der Gottsgaaben, [...] ganz ungültig sein sollen.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
133, 34
(
halem.
,
1637
):
dahar dann die verordnete legata und sonderlich gottsgaben, so zuo gůttem der schůlen, kilchen und spittälen vermacht werden.
Leisi, Thurg. UB
6, 430, 28
(
Konstanz
,
1367
):
Im sol ouch behalten sin dú lehenschaft aller der gotzgaben, die er von des gotzhus wegen lihen sol.
Köbler, Stattr. Fryburg
156, 2
(
Basel
1520
):
Weñ ein person nit erben in sinem testament [...] setzen / sonder allein etlich gotsgaben / oder andre geschefft an miltsachen vmb almůsen / [...] vermache͂ wil.
Chron. Augsb.
4, 42, 5
Var. (
schwäb.
,
v. 1536
):
[herr Hans] hat auch sunst vil gotzgauben [...] gestifft.
Ebd.
372, 23
:
so kompt [...] nit das wenigest klainet diser stat, das umgelt, von unsern vorfarn [...], darzů etliche clöster, gotzgaben und allenmůsen, nemlich etlich vil gottsbrot.
Meisen u. a., J. Eck
50, 19
(
Ingolst.
1526
):
das sy sollich ketzerisch leer allein darum gepredigt, das sy dem volck angenem und von iren herren mit gotz gaben versehen wurden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
173, 15
(
oobd.
,
1349
/
50
):
Der vogel bedäut die ungezogenen pfaffen [...], die vaizt gotsgâb habent von iren kirchen.
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
50, 16
(
oobd.
,
n. 1427
):
Der chaiser zu Constantinopel [...] verleycht selber alle gotsgab der kirchen.
Roth, E. v. Wildenberg
77, 17
(
moobd.
,
v. 1493
):
das im konig Heinrich nachgäb und bestätt, das er alle bistumb und gotzgab im land [...] zůverleihen hiet.
Chron. Strassb.
50, 21
;
138, 12
;
Merk, Stadtr. Neuenb.
152, 41
;
162, 36
;
UB Zug
971, 21
;
Rennefahrt, Recht Laupen
179, 36
;
180, 6
;
Boner, Urk. Zofingen
686, 10
;
Hauber, UB Heiligkr.
2, 81, 22
;
Dertsch, Urk. Kaufb.
624
;
Koller, Ref. Siegmunds
199, 24
;
353, 31
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
124, 25
;
Nyberg, Birgittenkl.
1, 180, 11
;
UB ob der Enns
9, 322, 29
;
9, 676, 13
;
Uhlirz, Qu. Wien
2, 142, 2
;
2, 223, 35
;
4, 206, 8
;
Schmitt, Ordo rerum
87, 35
;
Turmair
5, 475, 9
;
Merz, Urk. Bremgarten
85, 7
;
Voc. Teut.-Lat. liiijv;
Rwb
4, 1015
;
Bad. Wb.
2, 452
;
Pfälz. Wb.
3, 391
;
Martin/Lienhart
1, 192
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
152
;
Schwäb. Wb.
3, 767
;
6, 2058
.
Vgl. ferner s. v.  11.