1
glimpf,
der
;
-(e)s/
.
1.
›Schicklichkeit, Angemessenheit, Anstand, kluges Abwägen des Verhaltens, anderen gegenüber respektvolles und verbindliches, in Konventionen verlaufendes gesellschaftliches Handeln‹; speziell: ›dem derberen
schimpf
gegenüber kontrollierte Redeführung‹.
Phraseme:
so viel glimpfs auf sich haben, das [...]
›so leicht genommen werden, weil [...]‹.
Bedeutungsverwandte:
 13, (
der
2, , (mehrfach),
2
(s. v.
1
 1314), , , , , .
Syntagmen:
g. halten / haben / können / merken / erzälen, g. schein tun
›zeigen‹,
g. mit schimpf belonen
;
g
. (Subj.)
umsonst sein, an jm. schein wesen
;
sich des glimpfes fleissen
;
etw. durch g. verschlagen, in g. gebieten, in / mit glimpfen etw. können, mit g. handeln, eine lüge tun, mit g. js. abkommen, jn. mit g. abweisen / ansprechen, zu etw. bringen, mit g. zu jm. kommen, etw. mit g. verbringen / verdecken, jm. etw. mit g. kund tun, zu erkennen geben, etw. mit g. an jn. bringen, dem gewalt mit g. wiederstehen, etw. nach dem besten g. erzälen, jn. um seinen g. betriegen, etw. zu g. bringen, jn. zu g. halten
;
der fräuliche / gute / ritterliche g
.
Wortbildungen:
glimpfius
fiktiver Name als Gegensatz zu  1, ›entgegenkommend‹ (a. 1529).

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
Glimpff wird offt belohnt mit Schimpff.
Luther, WA (
1525
):
damit [wort] er [Carlstad] nür glimpff und guten scheyn mache.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Die valscheit der heiden | Den alten hielt zu glimpfe, | Daz er nach langem schimpfe | Enpfienge lesterlichen tot.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1592
):
Die sach hat so vil glimpfs auf sich, das noch nemans toit pliben war.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5297
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
so ist uwer zunge getzemet dar mede | zuchtig unnd senfftige uwer rede, | gutliche unnd stille uwer lachen | [...] | ane bubische worte uwer schimpe, | uwer wanderunge habe gude gelimpe!
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Selig seind die eins sanfften gmuͤt, | [...] | Sie handeln alls mit glimpff vnd fug.
Matthaei, Minner. I, (Hs.
15. Jh.
):
ist sie von guten synnen, | vernunfftig und kan glympff, | sie merckt din ernst und schympff.
Rieder, Gottesfr. (
els.
,
1393
):
daz man solicheme gewalte mit deste besserme glimpfe und bescheidenheit moͤge widerston und abe gesagen in aller unzimmelicher vorderunge.
Gille u. a., M. Beheim
308, 191
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Glimpf und haflicher schimpf | sal an in wesen schein.
Bührer, Kl. Renner
240
(
nobd.
, Hs.
um 1480
):
Die konden ernste vnd schimpffen | In manchem guten gelimpffen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
8, 2
(
Basel
1494
):
Der ist ein narr der wys will syn | Vnd weder glympf / noch moß duͦt schyn.
Ebd.
72, 7
:
Eyn nuwer heylig heisßt Grobian | [...] | Her Glympfyus ist leyder tod.
Warnock, Pred. Paulis
9, 10
(
önalem.
,
1490
/
4
):
und jetwedrer tail sin sach vor dem richter erzelt hat nach sinem besten glimpf und fuͦg.
Merz, Urk. Wildegg
17, 11
(
halem.
,
1399
):
Graf Bernharts Boten wünschen, daß man doch ihre Briefe höre, dz man joch glimpf oder vnglimpf erhorti.
Jörg, Salat. Reformationschr.
281, 6
(
halem.
,
1534
/
5
):
und doch die selben ortt / so wider sy / mit so vil wisheytt / glimpfs und rechts jr hendell / fürbrachtend / [...] / das sy jnen nit zuͦ wider.
Ebd.
287, 2
:
wir hand uns bishar alls glimpfs / aller früntlicheytt / und zimlikeytt geflissen.
Dreckmann, H. Mair. Troja S. 
16, 30
(
oschwäb.
,
1393
):
ob si [weib] halt aines mannes sind begernd mit unerlichen sachen, so wellend si ez doch mit ainem gelimpf [...] verdeken.
Sappler, H. Kaufringer
6, 56
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
zuo ir redt er auch oun schrick | und darzuo in rechtem schimpf, | als er wol kund mit gelimpf.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
erzalt ieder tail seinen glimpf, so er peste kund.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das er fro ward, das er irer baider mit glümpf und fuegen widerumb megte abkomen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Butter verderbt keine Kost / [...] / das ist / glimpf verderbet keine sach. [...]. Gedult vnd demut / glimpf vnd bescheidenheit [...] haben allzeit jhren Lohn [...]. Mit glimpf kan man vil boͤser Sachen beylegen
(ff. weitere Sprichwörter).
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Wer geit nu sin und weisen rat, | Den ernst mit gelimphe?
Hertel, UB Magdeb. ;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
16, 5
;
Gille u. a., a. a. O.
268, 91
;
Bihlmeyer, Seuse ;
Thiele, Minner. II,
8, 58
;
16, 138
;
Schaer, Pyr.-Thisbe-Sp. II, ;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin ;
Roth, E. v. Wildenberg ;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Sappler, a. a. O.
4, 87
;
7, 38
;
Winter, Nöst. Weist.
504, 21
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
2.
›Recht, Rechtsanspruch, Rechtsgrund, Befugnis; Rechtsstandpunkt; Erlaubnis‹; als Metonymie: ›Rechtsdokument‹.
Berichtende Texte sowie Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 2, , ,  5710, ; vgl.  1, ,  9.
Syntagmen:
g. wissen, zu etw
. (z. B.
zu einem zehent, zu js. leib / gut
)
haben, aus ordnungen, vor got haben, in einer sache gewinnen, js. g. verhören / vernemen, den g. nicht sehen
;
in g. stehen, etw. mit g. tun, jn. über einen g. beschreien
;
der g. des rates
;
der gewaltige / grosse / gute g
.;
behaltnis des glimpfes
.

Belegblock:

Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
daz alle raitherren [...] ir raitampt [...] uf gesat hant mit geheltenisse ir aller eren und gelimpe.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 239, 16
(
hess.
,
1538
):
des so grossen und gewaltigen glimpfes und fugs, so wir haben aus den alten kirchenreguln, schlussen und ordnungen der alten concilien.
Schwartzenbach
M vv
(
Frankf.
1564
):
Wider Recht. [...]. Wider allen glimpff vnd erbarkeit. Wider alle Landleuffe.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
daz sie [herrn vom ratte] mer hetten geschriben und in ir gerechtikeit und glimpf erzelt.
Qu. Schweiz. Gesch. (
halem.
,
1470
):
und der von Ringgeldingen [...] vor dem rych in miner herren namen in der sach glimpf hette gwunnen?
so wir glych glimpf, den ich aber nienen gsee, darzuͦ moͤchtend finden, noch woͤlt ich soͤlches [...] nit begeren.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1522
):
das im sollicher zaͤchend [...] zuͦstan, und er zuͦ demselben glimpf und recht soͤllte haben.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1528
):
hatt uns obbemeld schulths, [...] guͦt zu sin beducht, [...] unser, ouch iro glimpff und unglimpff, recht und unrecht zu verhoͤren.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
daß sie zu beden tailen für das gaistlich gericht komen und erzalt ieder tail seinen glimpf.
Roth, E. v. Wildenberg (
moobd.
,
v. 1493
):
du hast weder recht noch gelimpf zuͦ meinem leib oder guͦt.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
474, 6597
;
Matthaei, Minner. I, ;
Merk, Stadtr. Neuenb. ;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Graf-Fuchs, a. a. O. ;
Meisen u. a., J. Eck
27, 5
;
Uhlirz, Qu. Wien .
3.
›einklagbares gesellschaftliches Ansehen e. P. oder Personengruppe, Würde, Ehre, guter Ruf, Leumund, hoher Stand der Anerkennung‹, jeweils verstanden als rechtsrelevanter Wert, wie er vor allem Personen, aber z. B. auch Rechtsorganisationen (wie den Städten) zukommt und von anderen zu akzeptieren ist.
Bedeutungsverwandte
(oder bereichszugehörig): (
das
7,  78, ,  5,  1, (
der
4, , , ; auch: (
das
1, (
das
1,
1
(
das
3.
Syntagmen:
den g. anbetreffen / anlangen / belangen, js. g. unterdrücken, (jm.) den g. berüren, g. suchen / finden, seinen g. ausbreiten / vorbringen / teidingen / erretten, im
(›sich‹, refl.)
g. schöpfen, js. g. mindern / schänden, jm. (den) g. abschneiden / bringen / sagen / verkleinern / vertreiben / wiedergeben, der stat g. dartun
;
jn. des glimpfes lästerlich anziehen
;
dem g. unere erbieten
;
jm. an den g. sprechen, jn. an g. (ver)letzen, eine stat an dem g. schmähen, jm. an / auf den g. reden, jm. an den g. gehen, jn. um den g. bringen, jn. von g. entsetzen, wieder js. g. handeln / reden
;
glimpf und ere
(formelhaft, vielfach belegt);
der gute g
.;
die nachrede an g
.

Belegblock:

Luther, WA (
1525
):
dass sie
[Bauern]
euch
[Herren]
fur Gott und der wellt den glimpff nemen.
[Wenn ich] handelte damit [brieff] wider sein ere und glimpff.
Köbler, Ref. Wormbs
41, 24
(
Worms
1499
):
in sache͂ die den lyp. ere. oder glympf beruren. sind sie nit schüldig kuntschafft zu geben.
Dedekind/Scheidt. Grob.
125, 10
(
Worms
1551
):
Ruͤff auch dem Herren vnd der Frawen / | Daß sie von jrer Tochter schawen / | Wie du mit jr treibst deinen schimpff / | Das bringt dir gar ein guͦten glimpff.
Reu, Süddt. Kat.
1, 681, 20
(
Frankf.
1577
):
Was heißt ein bösen Leumund machen?
Ant.
Einem sein Ehr vnd glimpff abschneiden oder verkleinern vnd also einen bösen Namen vnd Gerücht machen.
Kollnig, Weist. Schriesh.
144, 35
(
rhfrk.
,
1620
):
alle sachen, es betreffe ehr, glimpf, erb und aigen, dieße alle müßen auf der cent getaidiget werden.
Wolf, Rothe. Ratsged. Prol.
17, 1
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Vindet her danne solchen glimph, | Das her mit eren lebit.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
19, 31
(
thür.
,
1474
):
daz er ym bekenttlich gewest ist sollicher wort, dy yme sine ere unde gelymph beruren.
Gille u. a., M. Beheim
97, 29
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
zucht, wird, auch er und allem glimpf | wirt da uner erboten.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Und rüren ire schampar schellen, | Mit iren falschen zungen hetzen, | An glimpff und ehren sie [Fromb leut] zu letzen.
Ebd. (
1562
):
Daß er mit nachred werd beladen | An leib und gut, glimpff oder ehrn.
Roloff, Brant. Tsp.
62
(
Straßb.
1554
):
Zuͦr lincken Handt hatt der [weg] zuͦ ker | Da man sucht weder glimpff noch Er / | Dort sitzt fraw Wolust wol geziert.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Der seit im sinen glimpf gar eben, | So der arm an dem tor muos kleben | Und nit mag für den herren komen.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
das im all böss, verruochte wyber | sin glimpf und eer, im’s glück vertriben.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
wer den andern haimsuecht [...] mit scheltworten, das im gieng an seinen gelimpfen, [...], der ist dem gericht 52 ℔ Agler.
Köbler, a. a. O.
48, 4
;
König-Beyer, Reichenb. Stadtb.
7, 6
;
Gille u. a., a. a. O.
102, 67
;
Schottenloher, Flugschrr.
106, 3
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
75, 27
;
Bächtold, H. Salat ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Müller, Alte Landsch. St. Gallen ;
Jörg, Salat. Reformationschr.
728, 8
;
Winter, Nöst. Weist. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Dietz, Wb. Luther
2, 137
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .
Vgl. ferner s. v. .
4.
›Handlungsgrund, Ursache zu etw.‹; eng an 2 anschließbar.
Wmd. / wobd.; gehäuft berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  6,  3,  2,  12.

Belegblock:

Altmann, Wind. Denkw. (
wmd.
,
um 1440
):
der konig [...] gap in [rete] von stunt ende, das sie keinen glimpf moͤchten han zü bliben.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 56, 1
(
halem.
,
1508
/
16
):
Si hatend nüt so vil glimpfes zuͦ disem krieg, den das inen die von Zürich wol allen costen und schaden, wo sie in das recht werint gestanden, hete mogen an behalten.
Wyss, Luz. Ostersp.
536
(
Luzern
1583
):
Wie Cayn in eim zorn erschluͦg | Sin bruͦder Abell on glimpff vnd fuͦg.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
v. 1536
):
er forcht, die magt wurde schwanger, so geb sie das kind mit glimpfen dem knecht.
Ebd. (Hs.
E. 15. Jh.
/
A. 16. Jh.
):
und batt sie, daß sie im solten helfen ain peigk gewinen, er hett genuͦg glimps und ursach darzuͦ.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
und hyetten gern ayn raym gehabt, das sy ires pundts dester mer gelymffen hyetten, wie sich das lanndt vor den Turckhen retten.
Lemmer, Brant. Narrensch.
110a, 205
;
Wyss, a. a. O.
7091
.
5.
›Milde, wohlwollende Nachsicht, gütiges, freundliches, beschwichtigendes Entgegenkommen e. P. gegenüber einer anderen oder (seltener) bei der Behandlung von Sachverhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 34, , ,  8, .
Syntagmen:
g. suchen / bieten / brauchen, jm. keinen g. geben, im selber g. schöpfen
;
der g. umsonst sein
;
des glimpfes füren, sich des glimpfes erbieten, etw. glimpfes über recht tun
;
etw. in g. aufnemen / entschuldigen / verantworten, in glimpfen erlegen, von g. wegen dulden, jn. mit g. betreidigen, etw. von g. wegen unverantwortet lassen
;
der fürstliche / gütige g.
;
glimpfes
(gen. explicativus)
fug
.

Belegblock:

Luther, WA (
1529
):
Nu aber mein guͤtiger glimpff umb sonst ist und sol und mus pochens gelten.
Ob sie wol von aussen sich schmuͤcken [...], bey dem armen glimpff und zufall zu finden.
Mieder, Lehmann. Flor. (
Lübeck
1639
):
er [Keyser] ritt selbst zu jhnen [Boͤhmen] / betreidigt sie mit Glimpff vnnd gnedigster Freundlichkeit.
Schultheiss, Achtb. Nürnb.
137, 25
(
nobd.
,
1382
):
Nuͤ het im derselb Gorg Haller gern etwaz gelimpfs und bescheidenheit uͤber reht getan.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
um 1480
):
Der wachter weiß und clug | Gar auß gelimpfes fug | In zuchten zu in kort.
Lexer, Tucher. Baumeisterb. (
nürnb.
,
1464
/
75
):
dorein im der obgenant Jorg Haller uncz her nichtz geredt und das von gelimpfs und beschaidenhait wegen gedult het.
Tobler, Schilling. Bern. Chron. (
whalem.
,
1484
):
die herschaft von Oesterich erbut sich semliches glimpfs und rechten, das man billich darzuͦ solt lassen reden.
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
23v, 22
(
Zürich
1521
):
Zuͦ zyten muͦß man soͤlich sachen / die nit entschuldiget mit glimpff moͤgen werden / zuͦ schribe͂ dem vnglück.
Kottinger, Ruffs Etter Heini (
ohalem.
,
1538
):
er [gott] hatt unns lang gewarnet gnuog | und brucht darzuo sin glimpf und fuog, | das er unns fast gern wette schonen.
Brandstetter, Wigoleis
235, 15
(
Augsb.
1493
):
Es moechte aber oetlich sprechen. jch woelle mit solichen entschuldigung meiner thoreten beschreybung einen gelimpfenn schoepfen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
darumb will er es nit für ain übeltat halten. sunder im selber etwas glimpf schoͤpffen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Glimpf ist besser dann recht.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 57, 16
;
Rieder, Gottesfr. ;
Welti, Urk. Rheinfelden
823, 217
;
Müller, Grafsch. Hohenb.
1, 347, 9
;
Haltaus, Liederb. Hätzlerin ;
Uhlirz, Qu. Wien ;
Siegel u. a., Salzb. Taid. ;
6.
›Gunst, Wohlwollen, Zuneigung e. P. gegenüber einer anderen; Beschönigung von etw.; wohlwollende Unterstützung‹.
Beleghäufung für das Wobd.; Rechtstexte, berichtende Texte.
Bedeutungsverwandte:
1
 2, ; vgl.  4,  2, ,  2, , ,  9.
Syntagmen:
von jm. g. haben
;
jm. viel glimpfes tun; jm. etw. in g. schreiben, jm. von glimpfes wegen etw. übersehen, um glimpfes willen zu einer seite neigen, zu seinem glimpfen melden
(mit Hauptsatz im Konj.);
schöpfung des glimpfes
.
Wortbildungen:
glimpfwort
.

Belegblock:

Hertel, UB Magdeb. (
nd.
/
omd.
,
1470
):
dat wy jw nu in guder wolmeninge und gelimpe schriven.
Luther, WA (
1530
):
so haben wir das vorteil bey Gott und den glimpff bey aller welt.
UB Zug
214, 17
(
halem.
,
1383
):
und si ouch von únsern Eidgnossen allenthalben und von uns gelinph haben wolten.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Dem vil trurigen man | Ward gelimpffes vil getan.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
2, 132, 4
(
halem.
,
1508
/
16
):
Das namend si in verachtung uff, und als der bot etwas glimpf worten siner heren halb dar zuͦ wolt reden, stachend si in uss übermuͦt zuͦ tod.
Jörg, Salat. Reformationschr.
34, 31
(
halem.
,
1534
/
5
):
nit neige zuͦ der rechten sytten / alls umm lieb / früntschaft, glimpfs oder eeren / ouch nit zuͦ der linggen / umm nyd / verbunsts / haß / unglimpf oder flatierns willen.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1657
):
daß obbestimbte buͦßen durch den verordneten schetzer nicht bezogen, und den fählbaren von glimpfs und gunsts wegen wolten übersechen werden.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1555
):
da er zuͤ seinem glimpfen meldet und so oft widerholet, sein abraisen sei mit wissen und willen der 13 gehaimen räte geschechen.
7.
›Gelingen, Vorteil, Erfolg, gutes Ende‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , ,  67,  3, (
das
2.
Syntagmen:
einen g. gewinnen, keinen g. vernemen
›keinen Vorteil, Sinn (in etw.) sehen‹,
den g. (mit nachgeben) suchen, jm. g. geben, sich / jm. einen g. schaffen / schöpfen, (guten) g. (aus etw.) schöpfen, e. S
. (Dat.)
einen g. schöpfen
›e. S. etwas Gutes abgewinnen‹,
etw. zu seinem g. anziehen
;
der gute / kleine g
.

Belegblock:

v. Bunge, Livl. UB
4, 241, 35
(
nrddt.
,
1393
):
das der herre erzbischof kein gelimp ader gut ende of dem tage kunde vornemen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
4687
(
Magdeb.
1608
):
DEr gelinde lest alles gehen / | Wil still sein / [...] / | Den Glimpff fein suchen mit nachgeben / | Liegen lassen / was er nicht kan heben.
Fischer, Brun v. Schoneb. (
md.
, Hs.
um 1400
):
got hirre ich vruntlichen bete, | daz du mir gebist gut gelimpfe.
Froning, Alsf. Passionssp.
6898
(
ohess.
,
1501ff.
):
eß sij ernst adder schimpp, | ßo haben mer gudden gelimpp.
v. Groote, Muskatblut (
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan er des nachtes bey mir leit | so wil er mit mir schimpfen | vnd es mir doch nit freuden geit | vnd pringt mir kain gelimpfen.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Sollichs alles enschuldiget herrn Johanns Werhern nicht, vil weniger megen wir darauss ainigen glimpf schepfen.
In solchem allem schöpft herr Gotfridt Wernher seinem brueder, [...], ein glimpf, was im in solchem vorhaben getrewlichen rathen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Der Sachen ein glimpff schöpffen causae decus spectare.
Sappler, H. Kaufringer
3, 130
.