1
gleichen,
V.;
keine unr. Formen belegt;
Etymologie: das Verb setzt verschiedene
ahd.
/
mhd.
Bildungen fort, s. dazu Splett, Ahd. Wb.
1, 1, 539
s. v.
lîhhen
, Lexer
1, 813/14
sowie 1887 f.
1.
›e. P. / e. S. als ganzer oder hinsichtlich einer Eigenschaft ähneln, gleichen, vergleichbar sein, ähnlich sehen, entsprechen‹; im Unterschied zu 4 als textliche Realität, nicht als Bezugsetzung des Menschen verstanden;
zu
1
(Adj.) 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
2
 2, ,
1
 1.
Syntagmen:
mit Subj. d. S. (meist) / P. (seltener) und Dat.obj. d. S. / P.;
der son dem vater, das angesicht einem toten, ein abgot der kröte, der krebs dem tarant, der ketzer dem abentrünnen, der mensch den natern, der zölner dem phariseo
[nicht],
der baum / tempel
[einem anderen],
das buch der warheit g., die tugend der wollust nicht g., j. einem monstro g
.; refl.:
das weib sich dem manne, unsere fraue sich der rose, das haus sich einem palast, die sele sich einer feder, die minne sich der luzerne, die vernünftigkeit sich dem liechte (der engel), die sünde sich der nacht, das tier sich dem kinde g., der schwanz
[der Maus]
sich mit der aue g
.

Belegblock:

Luther, WA
22, 198, 19
(
1544
):
HIe gegen halte nu den andern Zoͤlner, so wirstu gar nichts finden, dem heiligen Phariseo zu gleichen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 223, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nû glîchet sich vernünfticheit in der mügelîchen kraft dem natiurlîchen liehte der engel.
Ebd.
468, 8
:
wie daz alle gleychnussen darumb seynd, das sy sich gleichenn dem vatter.
Wyss, Limb. Chron.
61, 19
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
ein groß gemein huis, daz glichete sich eime große pallis.
Neumann, Rothe. Keuschh.
5174
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
wan di sunde sich der nacht glicht.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
70, 3
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Ir wip glichin sich den manne in allir geschicnisse, taceo de partibus infra.
v. Ingen, Zesen. Ged.
384, 13
(
Breslau
1641
):
des Pfauens Goldgemaͤngter Schwantz / welcher sich wohl mit einer gruͤnenden Auen gleichen moͤchte.
Roloff, Brant. Tsp.
2172
(
Straßb.
1554
):
Darumb Tugent du must mir [Wolust] weichen | Dann du mir gantz nit magst gleichen.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
18, 33
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Gleich sich auch der mensch den unvernunftigen creaturen, [...], und auch den [...] tyren.
Bachmann, Haimonsk.
43, 9
(
halem.
,
1530
):
die andren wărend im undern schlos, das glychet sich einem kleinen stetly wol besetzt mit volck.
Maaler
185r
(
Zürich
1561
):
Seinem Gleychen / oder gleych saͤhen / Einem an gstalt gleych sein.
Morrall, Mandev. Reiseb.
32, 17
(
schwäb.
,
E. 14. Jh.
):
ain tempel [...], der ist gelich dem zuͦ Jherusalem, aber doch hat er vil underschaid, das er im nit aller ding gelichet.
Eschenloher. Medicus
30, 28
(
Augsb.
1678
):
das Angesicht mehr einem Todten als Lebendigen gleichete.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
342, 19
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ain pfersichpaum. der geleicht sich an vil dingen dem mandelpaum an der rinten.
Niewöhner, Teichner
564, 3470
(Hs. ˹
oobd.
,
n. 1400
˺):
,nu tut mir loͤsen, | wem ein ketzer gleichen chunn!‘ | Do sprach si: ,eim abentruͤnn‘.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
146, 1
(
moobd.
,
1478
/
81
):
ain michels puech, das auch der warhait gar wol geleicht.
Quint, a. a. O.
1, 13, 2
;
215, 13
;
Wyss, a. a. O.
37, 6
;
Schönbach, Adt. Pred.
12, 12
;
Sachs
19, 124, 20
;
Vetter, Pred. Taulers
334, 1
;
Bachmann, a. a. O.
85, 24
;
Kottinger, Ruffs Etter Heini
82
;
Pfeiffer, a. a. O.
346, 11
;
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
36, 28
;
Klein, Oswald
2, 39
;
22, 28
.
Vgl. ferner s. v. , ,  2,  9,  3.
2.
›jm. etw. nach einem vorgegebenen Maß entrichten‹; vgl.
1
(Adj.) 12c.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist.
4, 397, 43
(
moobd.
,
1455
):
das sol sein di statmass. daran mag ainer dem andern geleichen und geben all di weil es sich nit mutt.
3.
›etw. in gleicher Menge mischen; etw. gleichmässig verteilen‹;
vgl.
1
(Adj.) 12.

Belegblock:

Menge, Laufenb. Reg.
5647
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
So möchte man denn alsus | Mit roßöle vnd dem bolus | Armenus essich glychen | Vnd denn da mit bestrychen.
Sappler, H. Kaufringer
5, 704
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
er geleichet die guldin eben | in drei tail mit rechter zal.
4.
›e. S. (meist) / P. mit einer anderen, ähnlichen bis sehr unterschiedlichen S. (meist) / P. als Gesamtgegebenheit oder unter bestimmten Aspekten vergleichen, in Vergleich setzen und damit ihre Unterschiedlichkeit zugunsten ihrer Ähnlichkeit reduzieren‹, im Extremfall: ›die verglichenen Gegebenheiten gleichsetzen‹;
zu
1
(Adj.) 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1, ,
2
,  2, , (V.) 23, .
Syntagmen
a) Sache und Sache:
e. S
. (Akk.obj.)
e. S
. (Dat.obj.)
g
., z. B.
den unterschied der zeit dem winter, js. har dem edlen stein, die hoffartei dem einhorn, die sele einem esel, einer figur / gestalt, dem zirkel, die minne dem feuer g
.; mit präp. Obj.:
die welt zu einem spiel g.
, im Zustandspassiv:
die keuschheit einem trone, eine kraft
[einer anderen]
gegleichet sein
, mit passivähnlicher
zu-
Konstruktion:
einem gut
[ein anderes]
zu gleichen sein, etw. der weisheit nicht zu g. sein
; b) Sache und Person:
e. S
. (Akk.obj.)
e. P
. (Dat.obj.)
g
., z. B.:
die sünde den herzögen des dienstes, den berg einem manne, ein bret einem menschen, einen stein einer frauen, den esel den armen g.
, mit präp. Obj.:
die zierde zu den weiben, die welt zu einem spiel g
.; c) Person und Sache:
e. P
(Akk.obj.)
e. S.
(Dat.obj.)
g.
, z. B.
die freundin dem reisigen zeuge, die fraue dem golde, die heiligen den bäumen, der sonne, den könig einem rind, den edlen dem mere, den teufel / Lucifer einem affen, jn. der ärge g
., mit präp. Obj.:
unsere fraue zu einem trone, jn. zu eines mannes schein, zu einer gerte g
.; d) Person und Person:
jn.
(Akk.obj.)
jm. / mit jm.
(Dat.obj. / präp. Obj.)
g
., z. B.
die hure der jungfrau, jn. zu seinen vorfaren / nachkommelingen, die aptissin den priestern g
.; im Zustandspassiv:
j. zu jm. gegleichet sein
.

Belegblock:

Luther, WA
37, 214, 22
(
1533
):
Non sol hur geleicht werden
›verglichen werden‹
einer Jungfrau und bos bub from man.
Ders. Hl. Schrifft.
Spr. 3, 15
(
Wittenb.
1545
):
alles was du wündschen magst / ist jr [Weisheit] nicht zu gleichen
[
Froschauer
1530 /
Eck
1537:
vergleicht werden
].
Ebd.
Hld. 1, 9
:
JCH gleiche
[
Eck
1537:
vergleich
]
dich / meine Freundin / meinem reisigen Zeuge an den Wagen Pharao.
Quint, Eckharts Pred.
1, 263, 8
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
dar umbe glîchet man sie [heilige] den boumen und der sunnen und dem mânen.
Wyss, Limb. Chron.
44, 19
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Unde glichen ich siner herschaft unde woldait als Salomon uns beschribet: ,Ubi plures sunt opes, plures sunt qui consumunt eas‘.
Jahr, H. v. Mügeln
122, 1482
(
omd.
, Hs.
1463
):
er [kúnk] wart gelichet einem rint.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 27
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Pictagoras geleichet uns zu eines mannes schein, der hat basiliskes gestalt.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1000
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
du edele kuscheit schone! | du bist geglichet Salmonis trone.
Stackmann u. a., Frauenlob
13, 27, 5
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
Den berc [Etna] geliche ich einem man, | der haz in sinem herzen treit.
Sachs
22, 195, 13
(
Nürnb.
1539
):
Der esel ist zw gleichen | Den armen und den reichen, | So ir puelerey treiben.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
2, 2
(
els.
,
1362
):
Dise vier vnderscheit der geistlichen zit gelichet men den vier teilen des liplichen iores, also das das erste teil gelichet werde dem winter.
Fuchs, Murner. Geuchmat
727
(
Basel
1519
):
Die engelsch zierd muͦst hinder gon, | Solt man sy zuͦ den wyben glichen.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1214
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Da von die hailig geschrifte in [kúng] | gelichnot aim holen wúrmlin.
Bachmann u. a., Volksb.
303, 33
(
alem.
,
15. Jh.
):
Zue den [Pilatus, Herodes] bistu gelicht, wan du auch schier zue in kumsst in die bittern hell.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
223, 28
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
diz sünde die glichet man „den hertzogen der dienste“.
Sappler, H. Kaufringer
19, 99
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
Die welt ich auch geleichen will | zuo dem schachzabelspil.
Bauer, Geiler. Pred.
467, 14
(
Augsb.
1508
):
das sind muͤgend wort / muͤgen und zürnen ist gegen ainander zu gleychen als lauw und haiß.
Ebd.
316, 3
:
Merk wie recht billich würt die sel gegleicht dem esel / wann sy ist gantz nider geschlagen mit irer verstentnus / in irdische ding.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
21, 10
(
oobd.
,
1349
/
50
):
des daumen kraft ist geleicht den kreften aller anderr vinger.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
17, 26
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Salomon der weise man | geleichet sie [unser frawe] zu seinem thron.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
520
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
die [sel] geleicht Aristotiles einer driekkoten gestalt.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
183, 33
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
es wurd die gemein pfaffheit geschwecht und gelaycht Sibillen sag: Es mues [...].
Luther, WA
41, 589, 17
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
22979
;
Quint, a. a. O.
2, 599, 8
;
Ders., Eckharts Trakt.
422, 8
;
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
8154
;
Chron. Köln
2, 393, 27
;
Wyss, a. a. O.
41, 6
;
53, 10
;
Henschel u. a., Heidin
34
;
Froning, Alsf. Passionssp.
166
;
Pyritz, Minneburg
4574
;
Gille u. a., M. Beheim
269, 34
;
Vetter, Pred. Taulers
248, 35
;
285, 1
Var.;
Päpke, Marienl. Wernher
927
;
3137
;
Pfeiffer, a. a. O.
440, 1
;
Steer, a. a. O.
550
;
Primisser, Suchenwirt
12, 49
;
Vgl. ferner s. v.  3,  1.
5.
a) ›jm. / e. S. im Rang, im Ausmaß (z. B. im Leiden), im Hinblick auf eine bestimmte Eigenschaft gleichkommen und dadurch ranggleich sein, an jn. heranreichen‹; auch: ›mit jm. auf einer Stufe stehen, in gleicher Weise gefallen sein‹ (s. u. Klein, Oswald
10, 73
); in 1 Beleg (s. u.
Lappenberg
) räumlich: ›an etw. heranreichen‹;
vgl.
1
(Adj.) 2.
Syntagmen
j. jm. (in tugenden, an liebe, mit der art / list / schöne) g
., refl.:
j. sich dem son (gottes) g., j. sich jm. (dem herren) an dem leiden g., sich js. schmächt g
.; mit Subj. d. S.:
etw
. (Subj.)
e. S
. (Dat.obj.)
g
., z. B.
etw
. [eine Tat]
der notwer g., nicht
(subst. gebraucht: ›nichts‹)
der freude g., die liebe der schöne nicht g.
, räuml.:
der gipfel dem himmel g
. ›heranreichen‹.
b) ›jn. (oft:
sich
) jm. / e. S. im Rang, im Ausmaß, im Hinblick auf etw. gleichstellen‹; in der Regel mit nach oben, nur vereinzelt nach unten gerichteter Perspektive; im Falle von
sich gleichen
nicht sicher entscheidbar, ob echter oder unechter reflexiver Gebrauch vorliegt; vgl.
1
(Adj.) 23.
Syntagmen:
sich jm.
(z. B.
dem engel
, ˹mehrfach
got
˺,
dem teufel, dem vater, den heiden
)
g., sich
einem Tier (z. B.
dem staren / valkenhan / lewen
)
g., sich zu einem dichter g., das konzil dem evangelio g., j. jn. e. P
. (Dat., z. B.
Alexandro / Christo
)
/ S
. (z. B.
der kirche / sonne
)
g., j. jn. an den taten
(›hinsichtlich seiner Taten‹)
zu jm. g., j. die creatur got, dem schöpfer g
.;
zu den schuldigen gegleichet werden
.

Belegblock:

Zu a):

Lappenberg, Fleming. Ged.
29, 14, 10
(
1631
/
9
):
gleich wie am Libanon ein ungekrümmter Sprossen, | der mit der Wurzel recht bis in den Abgrund reicht | und einen Gipfel hat, der sich dem Himmel gleicht.
Wyss, Limb. Chron.
70, 27
(
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
Der machte di beste lide unde reien [...], daz dem niman uf Rines straume [...] wol gelichen mochte.
Karnein, Salm. u. Morolf
104, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
es wart geborn nie slachte man, | der Morolff mit seinen listen | das zehende teil glichen kan.
Hübner, Buch Daniel
2141
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Dar umme wil ich geben | Uch mit mir ewic leben, | Vreude der nicht gelichet.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
160, 6
(
thür.
,
1474
):
eß were danne, daz der genante Wassenrodt erwysen mochte, [...], daz er eyn solliches
[Verwundung e. P.]
durch schutcz ere unde fredes willen synes huses, dy sich wol erlicher notwere glichet, gatan hette.
Keil, Peter v. Ulm
61
(
nobd.
,
1453
/
4
):
ir [salb] kan nichtz gleichen, wann sie heilt alle vistel.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
105, 19
(
Nürnb.
1548
):
Alß wenig aber ein mensch sich dem Son Gottes kan gleichen / alß wenig kan er [...].
Bihlmeyer, Seuse
209, 4
(
alem.
,
14. Jh.
):
so lere, wie ich mich dir [herr] súl gelichen an disem lidenne.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
4271
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Kain pin
[›nichts‹]
mocht sich glichen nie | Der schmaͤcht die Jhesus do empfie.
Sappler, H. Kaufringer
29, 49
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
darumb mag die lieb nimmer | der schön an wirden geleichen.
Klein, Oswald
10, 73
(
oobd.
,
um 1423
):
wenn wir dort ligen, zannen als die affen tier, | küng, kaiser, herzog, grafen, all geleichen mir.
Ebd.
38, 28
(
v. 1409
/
10
):
alle freude, | übergeude, | [...] | disem tanz | mag nicht geleichen.
Ebd.
86, 5
(
1428
):
kainer dein [pfalzgraf] genoss, | Dir nicht geleichen mag.
Opitz. Poeterey
53, 20
;
Pyritz, Minneburg
5117
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
24, 2
;
Brandstetter, Wigoleis
234, 24
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
10, 59
;
Klein, a. a. O.
8, 4
;
10, 25
;
40, 2
;
Weber, Füetrer. Poyt.
187, 7
.
Vgl. ferner s. v. .

Zu b):

Luther. Hl. Schrifft.
Mt. 6, 8
(
Wittenb.
1545
):
Darumb solt jr euch jnen [Heiden] nicht gleichen.
Langen, Myst. Leben
214, 16
(
nobd.
,
1463
):
also geschicht noch / allen den, die sich dem engel geleichent.
Gille u. a., M. Beheim
102, 3
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz sich etlich geken und torn | wellen gleichen zu tichtern.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 6, 11
(Hs. ˹
alem.
,
1. H. 14. Jh.
˺):
Da von geliche ich dich [meit] zu stunt | den kirchen, ach du bernder grunt.
Bihlmeyer, Seuse
259, 24
(
alem.
,
14. Jh.
):
ich, daz unschuldig lembli, wart zuͦ dien schuldigen gelichet.
Chron. Strassb.
1, 67, 32
(
els.
,
1362
):
disen keiser mag man glichen zu den besten keisern an allen sinen teten.
Welti, Stadtr. Bern
374, 16
(
halem.
,
n. 1437
):
als dann ouch bishar etlich slecht gemein frowen [...] an iren roͤcken, mentelen, [...] sich damit den edeln erbornen frowen haben wellen glichen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
134, 15
(
halem.
,
1534
/
5
):
Und allso dur us hand sy Luterum Cristo verglicht [...] – Und alls Cristus unser herr gecrützgett / darzuͦ glychtt er den brand siner buͤcher.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
515
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Wann der neyd ist ain muter der hoffart, in der si sich wolden gote geleichen.
Ebd.
1317
:
der gote sein ere enczewcht vnd die den creaturn aygent vnd gleicht die creatur dem scheppher.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
67, 12
(
moobd.
,
1478
/
81
):
so üebt er sich allzeit nur auf streit und ritterschaft, das man in über all des künigs hof geleichte Alexandro.
Quint, Eckharts Pred.
1, 215, 10
;
386, 4
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 90, 42
;
Pyritz, Minneburg
5124
;
5138
;
Bihlmeyer, a. a. O.
442, 10
;
Goldammer, Paracelsus
7, 176, 14
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
2095
;
Bauer, Zist.-Pred. Haller
63, 382
;
Martin/Lienhart
1, 256
;
Schwäb. Wb.
3, 686
 f.
6.
›etw. vortäuschen; etw. nachahmen; so tun, als ob [...]‹;
vgl.
1
(Adj.) 134.

Belegblock:

Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 134, 2
(
halem.
,
1508
/
16
):
die glichtend nun ein flucht und zoͤúchtend die schlosslüt entweͣris an berg hinder das schloss.
Ebd.
389, 8
:
da kam der graf von Tetnang mit einem mechtigen reisigen zoͧg, glichet, als ob er die stat woͤlti entschüten.
Ebd.
450, 6
:
do liessend sich etlich zuͦ ross sechen, glichotend, als ob si verriten werind.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
199, 14
(
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô daz er [Heher] sein stimm anderr vogel stimm geleicht, reht sam er ir spot.
Voc. Teut.-Lat.
k viijr
;
l ijr
.
7.
›etw. (z. B. Barchent) glatt streichen; etw. (z. B. eine Grube) eben machen‹;
vgl.
1
(Adj.) 12.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Wortbildungen:
1
gleichnen
4.

Belegblock:

Ermisch, UB Chemnitz
49, 26
(
osächs.
,
1390
):
Waz ouch parchane uf die bleiche komen, dy sal man glichen.
Cirurgia H. Brunschwig
19va, 22
(
Straßb.
[
1497
]):
dz eym ein hant ab gehawen würt / die vngeliche oder spitzigen teil der roͤren da mit [sege͂] zuͦ glichen vnd zuͦ ebnen.
Löffler, Columella/Österreicher
1, 215, 2
(
schwäb.
,
1491
):
so die gruͤben mit in getragem ertrich erfúllt sind, solt du die gelichnen.
Ebd.
236, 1
:
[soͤllend wir] die andern ding tuͦn wie wir in dem vorigen buͦch gebotten hoͮnd, und das ertrich gelichen, das zway brossz dar úbergangind.
8.
›etw. / jn. (auch: sich) nach etw. bilden, an etw. / jn. angleichen, mit etw. in innere Übereinstimmung, Ähnlichkeit, Analogie bringen, gleichförmig machen‹;
vgl.
1
(Adj.) 11415.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
,  234, , , , ; vgl. .
Syntagmen:
sich jm
. (z. B.
got, der gotheit, den Juden
)
g., jn. nach got g., gnade sich dem wesen g., der himmel sich got g. wollen, die kreatur sich dem vater g. wollen, sich der schlangen schlingen g., das böse sich dem bösen g., j. dem sommer gegleichet sein, ein zeichen einem dinge nach eigenschaft gegleichet sein, das haus dem verstehen des kunstmeisters gegleichet werden
.
Wortbildungen:
gleicherin
›die Gottähnlichkeit Suchende‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
5558
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
wiltu gewalden | Mit mir mines himelriches, | Sich daz du dich mir gliches | und bi mir nemes bilde.
Quint, Eckharts Trakt.
116, 3
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
vürbaz enhât der mensche in einer wîse mit nihte niht gemeine, daz ist, daz er nâch disem noch nâch dem niht gebildet noch gelîchet sî und von nihte niht enwizze, daz man in im niergen des nihtes niht envinde.
Strauch, Par. anime int.
103, 9
(
thür.
,
14. Jh.
):
Got inmochte nicht gemachin daz da schussin
[zwischen die
sele
und
Got
]
queme und da ein mittil were da Got und sele und gnade foreinit sin. gnade glichit sich deme wesine.
Jostes, Eckhart
6, 7
(
14. Jh.
):
Der himel wurchet alle sine werch darum, daz er sich got gelichen wil.
Ebd.
49, 28
:
Dar um muz enblozzet sein di bescawerinn und di schepferin und di glicherin, alz die hant gotz enblozet ist.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
4, 14
(
thür.
,
1421
):
Dieselben zwelff zeichen zwelff tyren unde dyngen von eigenschafft gegleichet synt.
Schönbach, Adt. Pred.
14, 18
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
Balaam, der enwolde sich den juden niht gelichen und wolde doch mit in genaden vinden.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 14, 1
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
Gelichen sich der slangen slingen, winden er
[der Gekreuzigte]
hie wolde, | [...] | er slanc sich an des criuzes boum, alsam die slange het getan.
Voc. Teut.-Lat.
l iiv
(
Nürnb.
1482
):
Gleichen. transfigurare transformare.
Schmidt, Rud. v. Biberach
65, 2
(
whalem.
,
1345
/
60
):
gebet, dvͥ den menschen nach got (verwunt vnd) glichvnt.
Menge, Laufenb. Reg.
2177
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Wisse das ein colericus | Ist von nature truken heiß | [...] | Dem sumer er ouch glichet ist.
Warnock, Pred. Paulis
6, 136
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Won nun gott gerecht ist, welcher mensch, der tugentrichlich lept und gerecht ist, der gelichet sich gott nach sinem vermugen.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
297, 7
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
In der ersten wis
[Z. 5/6:
in im selber
]
wirt etwaz bekant, so ez erkant wirt zuo dem eigen gesteltnüsse, daz da geglichet ist dem bekentlichen dinge; alse daz ouge daz sieht den menschen übermitz daz gesteltnüsse dez menschen.
Helm, a. a. O.
5516
;
Quint, Eckharts Pred.
1, 379, 8
;
2, 326, 8
;
Steer u. a., RS Bertold
8, 2006, 366
;
Menge, a. a. O.
868
;
Morgan u. a., a. a. O.
80, 30
;
304, 30
;
Schmitt, Ordo rerum
646, 1
.
9.
›zu jm. passen; mit etw. verträglich sein‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  18,  11.

Belegblock:

Niewöhner, Teichner
203, 22
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
im geschiecht recht als dem wunten man | der selb an dw wunden streicht | daz der wunden nicht geleicht | vnd dw wunden suchtig wirbet.
Päpke, Marienl. Wernher
4699
(
halem.
,
v. 1382
):
Nid, hass, urbunst im [túvel] gelichet wol, | Wan er ist ir aller vol.
10.
›sich miteinander vergleichen, versöhnen; etw. mit etw. in Harmonie bringen, ausgleichen‹; auch: ›etw. (z. B.
den krieg
) beilegen‹;
vgl.
1
(Adj.) 7.
Bedeutungsverwandte:
 7; vgl. (V.) 10,  1,  4,  1, .
Wortbildungen:
gleichbietung
›Vergleichsangebot‹,
gleicherbietung
,
gleichnis
7 ›versöhnliches Gespräch, Unterredung, Ausgleich, Vergleich‹.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 43, 16
(
rib.
,
um 1400
):
alda reden de gode heren bi ein zo Hersel up deim Rine, des buschofs rait ind der rait van Collen bi si, ind gelichden sich da alle samen.
Opel, Spittendorf
53, 5
(
osächs.
,
um 1480
):
und wisten niemandt anders in unsern nöthen, den unsern gnedigen herrn anzuruffen, ahngesehen das alle unsere gleicherbittung, die wir gethan haben uff den sitzenden rath, [...] hat uns alles nicht mögen helfen.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
184, 18
(
schles.
,
1451
):
das Jr vor vns den genanten fursten schrebin wellit, das sie solche gleichbietunge von vns nicht vorslugen vnd vns vnd vnser lande vber solche gleichbietunge nicht beschadigen wellen.
Gille u. a., M. Beheim
15, 155
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wenn mugen all dis ding geleichet werden, | mein got und schepher, hilff, das uns geling!
Voc. Teut.-Lat.
l ijr
(
Nürnb.
1482
):
gleichen oder stillen sedare.
Koppitz, Trojanerkr.
8490
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Doch ist jomer ungezeltt | An üwers mannes libe | Gelichett mir armen wibe.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
86, 16
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das die stat durch solchs ubergeben sey worden nach vil geleichnus dem kunig.
Ebd.
127, 3
:
Inn dem anfanckh ist nach aller gleichnus wol gelaublich, es hab der bischoff an alle ratt angehebt, aber do dy sach zw weyt kham, do [...].
Schwäb. Wb.
3, 686
 f.