glefe,
die
;
–/-n
;
zu
mhd.
glavîn, glefe
(o. ä.), dies über das
Franz.
,
Prov.
letztlich aus
lat.
gladius
(
Rosenqvist, Frz. Einfluß.
1943, 249
;
Lexer
1, 1030
;
Dwb
4, 1, 4, 7928
);
hohe Schreibvarianz:
gläfe
;
glefe
;
gleve
; im Auslaut:
glefei, glefie
(
glevenei, glevenie)
; s. auch .
1.
›von einer Einzelperson (einem Ritter, einem Berittenen) getragene Angriffswaffe zum Stoßen und Werfen‹; die Belege lassen nur in Einzelfällen den genauen Gebrauch erkennen.
Bedeutungsverwandte:
, , , , ; im Sachfeld mit:  3, (
das
5,  1, , .
Syntagmen:
die g. fegen / aufrichten / halten / neigen, eine g. haben, jm. die g. zerschlagen, in den rücken schiessen
;
die g
. (Subj.)
zerbrechen, durch jn. faren
;
etw. einer gleven tief sein
;
an der g. ein banner füren, geld auf glevenei geben, mit der g. stechen / rennen, gerüstet sein, jn. mit der g. anrennen / durchrennen / durchstechen / umkeren / rüren / wäfnen, aus dem wasser ziehen
;
die aufgerekte / lange / scharpfe g
.;
x schok glefenei
;
x man mit glefen
.
Wortbildungen:
glefeneisen
›eiserne Lanzenspitze‹,
glefener
›Träger einer
glefe
‹ (a. 1434),
glefenfutter
›Futteral für eine
glefe
‹,
glefenlang
›von der Länge einer
glefe
‹.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
546, 40
(
preuß.
,
1409
):
12 sol. vor 4 speer- und glefenyefuter zu machen unserm homeyster.
Ziesemer, Gr. Ämterb.
387, 13
(
preuß.
,
1419
):
510 schog pfeyle, 10 glevenyen, 4 tonnen pulver minus 1 fyrtil.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 575, 3
(
preuß.
,
1443
):
Sulden sy alsemlich gelt zcusampne schoszen und geben uff alsemliche gleffeneye
[hier möglicherweise kollektiv: ›Ausrüstung mit Waffen‹],
das were en zcumole swer.
Klett, J. v. Soest
11, 2725
(Hs. ˹
wmd.
,
1470
/
80
˺):
er streich tzu yr dy selbig tzyt | und styss dy schone magt gemeit | schyr glehen lanck von yrem ross.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
8786
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Da warff Abebrechonge uff mich | Yre gleve.
Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
1501
(
Köln
1476
):
Myt yser heissz ind geleyen | Staychen sy dorch dye gorneyen.
Hübner, Buch Daniel
5262
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Ein glavenie bitter | Man en alda neigen sach.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
6664
(
omd.
,
1338
):
Sy [schoz] han mit iren glevenyen | Mich ummegeben allen enden.
Thiele, Chron. Stolle
59, 18
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
strit, den dy sachsen mit oren langen messern gewonnen, do on
[den Thüringern]
dye glefen unnd swerte zu slagen worden.
Ebd.
255, 29
:
Dy czwene fursten logen zu erfforte dry tage mit oren grafen, [...], unnd stochen do czwene tage mit glevelingen.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
97, 2
(
nobd.
,
1430
):
das ein zentgrave zu Grevendorff sal haben ein pferdt, ein swert, ein gleven, zwen weppenhentschu.
Voc. Teut.-Lat.
l jr
(
Nürnb.
1482
):
Glefe sper od’ schafft. basta lancea od’ lantz od’ feyol.
Chron. Strassb.
1, 304, 14
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
in der fluht schos im Pensania noch eine glefen in den rücken.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
5, 80, 18
(
Straßb.
1466
):
saul der hielte die glefen
[
Luther
1545, 1. Sam. 18, 11:
spies
]
vnd lies sy.
Ebd.
5, 226, 2
:
ob si etlicher wil rúren der werd geweffent mit eysen vnd mit
˹
holtz vnd mit der glefen
˺ [
Luther
1545, 2. Sam. 23, 7:
Spiesstangen
].
Primisser, Suchenwirt
4, 183
(
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Daz wasser ist, als wir sahen, | Nachen gantzer glefen tief.
Ebd.
18, 269
:
Des manger must enphinden, | Der pheyl⸗ und glaͤfen⸗eysen slant, | Daz er mit sterben uͤberwant.
Drescher, Hartlieb. Caes.
18, 33
(
moobd.
,
1456
/
67
):
in dem spann ward er mit einer gláfen durchstochen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
69, 7
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
In der zeit Amundus, [...], vand siben chind bei ainem see [...]. Daz ain chind zoch er mit ainer glêfen auz dem wazzer.
Munz, Füetrer. Persibein
134, 7
(
moobd.
,
1478
/
84
):
er [ris] schuempt vor / grimm gleich wie ain per, | der helld mit seiner gläuy in do rúerte.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
434, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
dy glävi durch den künig fuer, | das er viel tod vom orse.
Ziesemer, a. a. O.
140, 24
;
463, 33
;
Helm, Maccabäer
8336
;
Wyss, Limb. Chron.
52, 8
;
100, 19
;
Schmidt, UB Halberst.
4, 2917, 14
;
Chron. Nürnb.
1, 391, 5
;
3, 112, 8
;
Chron. Strassb.
1, 83, 18
;
385, 13
;
Koppitz, Trojanerkr.
11735
;
Brandstetter, Wigoleis
204, 32
;
Fichtner, a. a. O.
394, 6
.
2.
›mit einer
glefe
Bewaffneter, Berittener, Lanzenreiter (im Unterschied zu:
fusvolk, fusgänger, füsgehender
einerseits und
bogenschütze, schütze
andererseits)‹; in den Wörterbüchern wird
glefe
im Anschluß an die vorliegende Bedeutung auch als ›kleinste taktische, aus 3 bis 4 Mann bestehende militärische Einheit‹ verstanden; dies ist im eigenen Material aus Zahlenangaben des Typs
x glefen
(häufig) nicht sicher zu erschließen, in Einzelfällen aber plausibel; sichere Belege im
Dwb
4, 1, 4, 7933
; .
Chroniken, Wirtschaftstexte.
Syntagmen:
die glefen entrichten / überfallen / erschlagen
, [wo]
anlegen
›lagern‹,
jm. x glefen leihen / schicken
;
jm. viel glefen
[woher]
kommen
;
mit x glefen abenteuern / rennen,
[wohin]
ziehen, ober jn. ziehen, (jm.) mit x glefen dienen / folgen, sich mit x glefen erheben
;
x glefen gezeuges, reitender leute, vor Speyer, die glefen von rittern / knechten
;
die reise mit x glefen, die ausrichtung / summe der glefen
.
Wortbildungen:
glefen
›eine Waffe mit einer Eisenspitze versehen‹ (a. 1487).

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb.
564, 37
(
preuß.
,
1409
):
dy soldener zu entrichten [...] und zur Swecze of 263 glefenyen und 283 obrige schoczen.
Chron. Köln
2, 53, 9
(
rib.
,
um 1400
):
doe quamen dem buschof van Coelne vil gleven uis sinen steden.
Chron. Mainz
1, 37, 25
(
rhfrk.
,
15. Jh.
):
die stad Mentze, Wormß, Spiher hatten riseges gezuges 1000 geleven und dar zu vil gewoppenter fußgenger und blutzappen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1299, 2
(
mosfrk.
,
1357
):
daß ich ime selbdritte mit glevien wol erzuget und gerieden einen crieg allus sal dienen.
Wyss, Limb. Chron.
49, 14
(
mfrk.
,
2. H. 16. Jh.
):
da zoch lantgrebe Otto, [...], ober einen abet von Fulde mit zwelf hundert gleven.
Schmidt, UB Halberst.
4, 2842, 11
(
nrddt.
,
1374
):
so schuͤlle we eder unse ammechtman eme volghen mit drittich glevien.
Ebd.
3234, 58
(
omd.
,
1406
):
so sullin wir bischoff Rudolf ergnant hundirt mit glefenigen zu tegelichem krige zu Osterwik [...] legin.
Schultheiss, UB Windsheim
321, 37
(
nobd.
,
1397
):
Die obges(chriben) gleven wurden anderwat angelegt zu Bamberg.
Mon. Boica, NF.
1, 700, 9
(
nobd.
,
um 1434
):
Er sol auch dovon dienen mit einer glefen, wenn er des ermant wirdet.
Chron. Strassb.
2, 820, 11
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
und ersluͦgent des herzogen volkes anderhalp hundert glefen und fünf hundert fuͦsgenger.
Ebd.
823, 1
:
dis befundent die von Zürich und woltent die glefen bi naht übervallen han.
Bastian u. a., Regensb. UB
492, 36
(
oobd.
,
1370-8
):
in yedem jar zwai raise, wohin si in vodernt, mit 16 glaven, daz wider sinen rehten herren und wider sin êre niht ist.
Roth, E. v. Wildenberg
114, 15
(
moobd.
,
v. 1493
):
der konig von Hungern schickt im zuͦ lieb 2200 gläfen und 4000 pogenschützn.
Toeppen, Ständetage Preußen
1, 462, 8
;
Chron. Köln
2, 56, 13
;
Wyss, a. a. O.
63, 9
;
66, 14
;
75, 24
;
Schultheiss, a. a. O.
199, 35
;
Chron. Nürnb.
3, 291, 11
;
292, 18
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
172, 6
;
182, 9
;
Bastian u. a., a. a. O.
487, 10
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
149
;
Schwäb. Wb.
3, 682
 f.
Vgl. ferner s. v.  1,  1, .