giessen,
V., unr. abl.
1.
›unkontrolliert, überreichlich, wellenartig nach unten oder (gedachter Weise) nach oben strömen‹; im einzelnen: ›aufschießen, sich aufwerfen, aufwallen (von
wellen
)‹; ›sich ergießen‹; dazu ütr.: ›(die Lippen) schmähend gegen das
wort
richten‹; ›regnen‹; subst.: ›wolkenbruchartiger Regen‹.
Wortbildungen
gieswasser
›herabstürzendes, bodenschädigendes Wasser‹ (dazu bdv.: , , ).

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
442, 5638
(
Magdeb.
1608
):
das sich die Wellen / | Anfiengen vber sich zu schnellen / | Vnd auß schrecken so hoch auffstiessen / | Als wolten sie gen Himmel giessen.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Nu bite Got dir daz wazzer geben, | Daz uz sinen gnaden vluzet | Und von sime stule guzet.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Er wirt abfaren in die welt, | Wie sich ein regen geusset.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Aen underlaß alles verdruͤßet, | Schon weder und auch so is gusset.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz des mundis lefzen vort | Giezen
[
Wormser Proph.
/
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
reden wider
;
Luther
1545, Dan. 7, 25:
lestern
]
kein dem hœsten wort | Von des herzen uppikeit.
Löffler, Columella/Österreicher (
schwäb.
,
1491
):
das nit die grúnd zerstoͤrtt werdint, wann von dem spitz des bergs das geschwind giswasser von den regen zuͦsamen gossen abflúst.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
[er] bekam müeder zu ainem prunnen, der sich gleich in creutzweis ausgos und noch geust.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1579
):
sondern so diße [wiehren], augenscheindlich durch gißen
(subst.)
und übrigeß gewäßer einfiele, auf ehist gebößert [...] werde.
Schmitt, Ordo rerum
27, 44
;
2.
›etw. ausgießen, ausschütten (in sehr allgemeinem Sinne)‹; im einzelnen z. B. ›etw. verspritzen (z. B. Gift)‹; ›etw. lagern (z. B. Reis)‹; ›etw. austeilen (z. B. Speise)‹; ›es regnen lassen‹; ›(einen Brand) löschen (hier verschobene Bezugsgröße: vom Löschwasser auf das Feuer)‹.
Phraseme:
zu imbis giessen
›das Frühstück servieren‹;
die margarizen vor die schweine giessen
;
das fas /
(verschoben:)
den wein giessen
›Wertvolles verschwenden‹.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  2.
Syntagmen:
vergift g.
›verspritzen‹ (mehrfach),
reis
[wohin]
g
. ›schütten, lagern‹,
der himmel gnade / barmherzigkeit, die wolken wasser, die zeit regenwasser, got einen tau vom himmel g., jm. die speise giessen
›austeilen‹;
ein trankopfer, das wasser
[der Taufe]
gegossen werden
;
unglückes g
.;
mit eimern g
. ›leschen‹ (Synekdoche).
Wortbildungen:
gieshaus
1 ›Schrank für ein ,giesfas‘‹ (a. 1627).

Belegblock:

Schöpper (
Dortm.
1550
):
Fundere. Giessen stürtzen schuͤtten.
Luther, WA (
1520
):
als trieffe der himel mit honig [...] und giesse eitel gnade.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 77, 18
(
Wittenb.
1545
):
Die dicke Wolcken gossen wasser.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Von dem der mut nicht dieze, | Daz her sin vaz nicht gieze. | Swer ein vaz vol wines treit, | Swelcher hant hers nider leit, | Dar vorguzet her den win; | Da von sulle wir gewarnet sin | Daz wir den win icht giezen.
Als
[wie
die scorpe
]
tut der ketzer getrift; | Ir wort sint honic vliezende, | Darnach vorgift giezende.
Durch daz hiez sie Got nicht schriben | Johan den vil guten man | [...] | Und die margariezen | Vor die swin nicht giezen | Noch das heilige den hunden geben.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Daz er siner genaden schrin | Gegen uns wolle entsliezen | Und die spise uns giezen | Der uwer iegelicher ger.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
man dede mit in als die nater, die vorn zungelt und hinden mit irem zal die virgift gußet
[ähnlich:
dahinten eine lauge g
.; so
Schwäb. Wb.
3, 652].
Wolf, Gesetze Frankf.
224, 30
(
hess.
,
1435
):
das man mit den cleynen lydern eymern darusz deste rischlicher gescheppen und zu gieszen und zu leschen damit andelage getun mag.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
64, 16
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
das her den rys lize andirs wo gizen und ledigite sin hus.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Als der slange slichet al umbe und gússet sin vergift.
Plant u. a., Main. Naturl.
297ra, 26
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
So man danne gisset ze inbisse so sol man vf senften betten ein wile slafe͂ vf der rehten siten.
Brévart, K. v. Megenberg. Sphaera
24, 5
(
noobd.
,
1347
/
50
):
Daz ainleft zaichen haizzet der kruk
[›Wassermann‹]
wanne deu zeit geuzet denne regenwazzer, reht als ain kruk.
Niewöhner, Teichner
443, 88
(Hs. ˹
moobd.
,
1360
/
70
˺):
her Davit spricht: ,Ir wangen | soltu, herr, in pritel sliezzen, | daz si ungelukes giezzen‘.
Vgl. ferner s. v.  1.
3.
›etw. (eine Flüssigkeit, eine Masse, ütr.: etw. damit Vergleichbares) auf / über etw. / (vereinzelt:) auf / über jn. schütten, gießen, werfen, den Gegenstand, die Person dadurch positiv oder negativ affizieren‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›etw. (z. B. eine Bahn) gießen, mit Wasser übergießen‹.
Phraseme:
etw
. [Wertvolles, z. B.
tauf, Christes ehe
]
auf einen toten Juden giessen
›würdelos, unsinning handeln‹.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
etw
. [wohin]
g
., z. B.:
asche / mist / unflat auf die gasse, unsauberes für die tür, ale auf das land, wasser auf ein schweisbad, über das kind
(bei der Taufe),
salbe auf jn. / js. haupt / js. wunden, ein glas auf das feuer, ein bad über jn., einen fluch über jn., got sein öl auf den altar g
.;
j. öles auf js. haupt g.
; verschoben:
die ban g
.
Wortbildungen:
giesser
1a) ›Behälter, in dem man sich die Hände wäscht‹; 1b) ›Schöpflöffel‹,
gieskopf
(Gw zu  1),
gieskrug
›Gießkanne‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
3. Mose 8, 12
(
Wittenb.
1545
):
Vnd [Mose] gos des Salböles auff Aarons Heubt.
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1404
):
10 scot, die bane zu Meselancz zu gissen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
332, 2230
(
Magdeb.
1608
):
Wie die Ahlfisch im Graß vnd Sand / | Wenn man sie fengt / vnd geust auffs Land.
Ebd.
477, 6680
:
Welchs die Latona so verdroß / | Das sie den fluch vber sie goß.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
82, 6
(
Frankf.
1535
):
mach ein schweiß badt mit steinen / geuß das wasser darauff.
Skála, Egerer Urgichtenb.
103, 14
(
nwböhm.
,
1573
):
das [Schelm kraut und schelm bein] Seidt man vntter Einander vnd geust vntter dj Thurn wo Nuhn das viech [...] dran Leckt, da ist es es
[sic!]
schon des Todts.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt. (
osächs.
,
1343
):
Dô gîng zuͦ ime [Jhêsus] ein wîp, di hatte eine mermelîn buchsin der salbin [...] und gôz si ûf sîn houpt.
Stackmann u. a., Frauenlob
2, 17, 16
(Hs. ˹
omd.
/
schles.
,
14. Jh.
˺):
heilic alter, uf dich goz | Got sin öl und sinen cresem.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Geuß über unß das pade | Deins kospern tewren plut verrern.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
11, 12
(
els.
,
1362
):
do nam der iúngeling ein klein gleselin mit wasser vnd gos vf das fúr.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Auch macht hyram erine toͤph vnd karnel vnd gießkoͤpff
[
Luther
1545, 2. Chr. 4, 11:
Becken
].
Maaler (
Zürich
1561
):
Gießkruͦg da man die gaͤrten mit sprützt / ist vnden voll loͤcher.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Der Teuffel geußt gern / wo es zuvor naß ist.
Giesser / haustrum, lignum excavatum qua hauriunt nautæ aquam ad irrigenda vela.
Niewöhner, Teichner
691, 82
(Hs. ˹
moobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
do von solt man trachten vorn | umb die heilighait zeniessen | alß auff ein toten juden giessen | thauff und cresm und Christes ee.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
M. 15. Jh.
):
kain aschen oder üsel oder agen oder ander unflat [...], den soll man nicht schutten noch geussen auf di gassen.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
63, 20
(
mslow. inseldt.
,
1583
):
da der ein Nachbar [...] ein ganze thier herein hatt machen laßen, vnd allerley kürrich müśśt vnd vnflat herein geüśt vnd śchmeüśśt.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1302
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Winter, a. a. O. ;
Dietz, Wb. Luther .
Vgl. ferner s. v.  1, .
4.
›(Nachwuchs, Junge) gebären, werfen (von Tieren gesagt)‹; als Ütr. anschließbar an 2; 3.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5, ,  30, I, 2.

Belegblock:

Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Und in ire [steinbocke] hol sich legeren | Und gyzen al da ire vrucht?
Kanstu wizzen recht di zal | Der monde wan sy gyzen sal | Ire vrucht, di sy mit we | Guzet und mit grozem scre?
5.
›etw. (meist: eine Flüssigkeit, auch: eine schüttbare Masse) in etw. (prototypisch: ein Gefäß, auch: in eine Körperöffnung, in etwas einem Gefäß Vergleichbares) gießen, schütten‹.
Phraseme:
etw. in das fas giessen
›durch Geschenke schmieren‹;
scharfen wein in die wunden giessen
›jn. hart tadeln‹ (dazu bdv.: ).
Syntagmen:
giessen, bis [...]
›hinunter schütten, bis [...]‹,
etw. in etw. g
. (z. B.
most in ein fas, in einen assach, minze in einen sak, pech in ein becken, wasser in die risse, butter in ein gefäs, saft in das or, ezwasser in die wunde, wasser in den kessel / aftern, in ein becken / loch
), [eine Arznei]
in eine büchse / kachel / pfanne / schüssel, in einen hafen
(dies mehrfach)
g
., [einem Tier]
etw
. [in eine Körperöffnung]
g
. (z. B.
dem ochsen wasser in den mund, dem ros baumöl in die naslöcher
),
jm. etw
. (z. B.
zerlassenes gold
)
in den hals g., salbe in jn. g., jm. ein heisses gold durch die hand g
.;
jm. des wassers in den ars g
.
Wortbildungen:
giesgeschir
(dazu bdv.: vgl. ›Kanne‹),
gieskaste
(dazu bdv.: ; a.ߕ1540; wohl Klammerform aus ),
gieskessel
1 laut Glossar zur Ausgabe (s. u.
Zingerle
) ›kesselförmiges Wasserbehältnis, das über dem Waschbecken an der Wanne oder am Waschkästchen angebracht war‹,
gieswasserbecken
›Waschbecken‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft. 2. Kor. Vorr.
2326, 5
(
Wittenb.
1545
):
hat S. Paulus die corinther hart gestraffet in vielen stücken / vnd scharffen Wein in die Wunden gegossen / vnd sie erschrecket.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Disiu einunge ist vil næher, dan der einen tropfen wazzers güzze in ein vaz wi`nes.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
ich raden’t dat wir’t alle gemein | kurtlich geissent in dat vas, | dat sy vp vns laissen allen has.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
56, 5
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
wen abir di vuchte sich czuhit in den stammen, so gusit man in di risse wassir.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
31, 5
(
osächs.
,
1570
/
7
):
Scheume sie [butter] sauber ab und geuß sie in ein gefehsse.
Keil, Peter v. Ulm
191
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Nym dannen pech, [...], vad zulaß es ob kolen vnd geuß es in ein peck, [...], durch ein duch.
Karnein, Salm. u. Morolf
133, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
er goß ir ein heiß golt durch ir sne wiß hant, | von dem großen zauber | sie des nit enpfant.
Ott-Voigtländer, Rezeptar
213v, 24
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1400
˺):
Das saft / des gruͤnen hanfsomen, das guͤss in das or: / besser arcztuͦn mag nieman haben.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Vas fusoriu͂, Ein gieß geschirr.
Wiessner, Wittenw. Ring
5831
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Seu gussen im des wassers her | In den ars und auch enzwer.
Dreckmann, H. Mair. Troja
22, 24
(
oschwäb.
,
1393
):
ain legelin, da waz inn ain wunderlich wazzer, und alz bald er kom zu den ochsen, so solt er ins giezzen in den mund.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Was man in vnsaubere Faß geusset / das sauret baldt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
alsô daz er [vogel] des meres wazzer mit seim snabel in den aftern geuzet.
Klein, Oswald
72, 28
(
oobd.
,
1415
?):
her wein, get in | her! frischlichen giessen | und fliessen | bis in der blauter fal!
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
dem [Crassus] sy [Römer] zerlassen golt in seinen hals gussen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
126, 5
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Die salben goss sy in in [künig] pey der hitze.
Weitz, Albich v. Prag
136, 18
(Hs. ˹
oobd.
,
A. 16. Jh.
˺):
so leg dar zuͦ rott mynczen, geuß jn ainen sack vnd truck es wol aus.
Zingerle, Inventare (
tir.
/
vorarlb.
,
1485
):
In hoptgelten gossen iiii schmerlaib.
Ebd. (
1478
):
i alter gieskessel vnd ain kupferin peckh.
Ebd. (
1465
):
ii grosser gieswasserpeck mit seiner wapėn.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte v.
1207
;
Luther. a. a. O. Joh.
13, 5
;
Quint, Eckharts Pred. ;
Gille u. a., M. Beheim
99, 257
;
Rohland, Schäden S. 
417
;
Ott-Voigtländer, Rezeptar
213v, 16
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Vgl. ferner s. v.  10, ,  1,  12,
2
 1.
6.
›(einer Flüssigkeit) eine andere zugießen, zusetzen‹; mit Tendenz zu: ›(eine Flüssigkeit) mit einer anderen mischen‹.
Phraseme:
des weines in den bart giessen
›sich verschwenderisch verhalten‹.
Syntagmen:
wein auf das kraut g., wasser in wein, zu etw. g., pech / terpentin / wein in etw. g., dem met wasser g., öl unter etw. g., queksilber unter das blei g
.

Belegblock:

Frantzen u. a., Kölner Schwankb. (
Köln
um 1490
):
Idt gyfft vreude zer vart, | Ind guys des wijns in den bart.
J. W. von Cube. Hortus
132, 12
(
Mainz
1485
):
wan eß gedrucket so gieß eyn wenig wassers dar zuͦ.
Ebd.
136, 27
:
diß dry stuck mische vnder eyn vnd thu die in einen zober vn guß darvber funff oder seß eymer fol wassers.
Weitz, Albich v. Prag
170, 15
(Hs. ˹
nobd.
,
2. H. 16. Jh.
˺):
wan daz crawt auf dem tische steet, so gist wein doreyn, so ist ez dan gesunt.
Schülke, Geistl. Gemahelsch.
5238
(
moobd.
, Hs.
15. Jh.
):
stözt dew [sünd] in den mörser dez hertzen | mit dem rewigem laidigem smertzen, | gwest darunder öl götleicher parmung.
Eis, Gottfr. Pelzb.
177, 1
(
öoobd.
,
1. H. 16. Jh.
):
Jch han gehoͤrt, wer poldrian außprennt vnd geus das wasser jn trueben wein, der wurt lautter.
Rohland, Schäden
68
;
135
;
Weitz, a. a. O.
195, 14
;
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
125, 4
.
Vgl. ferner s. v. .
7.
›js. Blut (etwa im Kampf) vergießen‹; speziell: ›sein Blut vergießen, sich opfern (von der Erlösungstat Christi)‹.

Belegblock:

Meisen, Wierstr. Hist. Nuys
241
(
Köln
1476
):
Dye frunde goed | Der stat van Bun Synt komen daer | [...] | By Nuyssz yr bloyt zo gyessen.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Swie uns Got doch selber hat | Vor getreten hin die pfat | Demuteclich in den tot | Giezende sin blut so rot.
Eggers, Psalter
24, 12
;
Adrian, Saelden Hort
1653
;
Kehrein, Kath. Gesangb. .
8.
›weinen, (Tränen) regnen (lassen), vergießen‹; von Personen, tropisch auch von den Augen gesagt.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .

Belegblock:

Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1060
(
Eisleben
1565
):
meine augē trenen giessen / | das las mich fraw geniessen / | vnd bit fuͤr mich.
Froning, Alsf. Passionssp.
2997
(
ohess.
,
1501ff.
):
uwer hercz sollet er uffslysßen | und umb Jhesus lyden trene gyssen!
Ebd.
8071
:
loisßet uch nyt vordryssen: | uwer augen sollet ir giesßen | umb das liden unßers herren!
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Guez die heize ougen vlut: | So wil Got in dir bliben.
Klein, Oswald
20, 72
(
oobd.
,
1415
):
hitzen trähers kund | si aus den öglin giessen.
9.
›(eine flüssige Masse, meist Metall, auch Salz o. ä.) zum Zwecke der Herstellung von Gegenständen (unterschiedlichster Art) oder der Produktion handelsüblicher, zur Weiterverarbeitung benötigter Materialien (z. B. münzfähigen Silbers) in eine Hohlform, ein Gefäß o. ä. gießen‹ (damit anschließbar an 5); ›einen der Hohlform entsprechenden Gegenstand (z. B. ein
bild
) herstellen, formen, gießen‹; im einzelnen auch Verschiebung von der Hohlform auf den Inhalt (z. B. den Inhalt eines Zubers), dann mit Tendenz zur Quantitätsangabe für den Inhalt (Metonymie); vereinzelt metaphorisch: Verständnis der Schöpfungstat Gottes als ›schaffen, formen, bilden‹. Die genannten Nuancen sind nicht immer sicher trennbar.
Phraseme:
das gegossene brot
›Mundhappen, Brotkugel von bestimmter Form und Größe‹;
die gegossene mauer
›aus römischem Mörtel zusammengefügte und wie
gegossen
erscheinende Mauer‹;
eine glocke über jn. giessen
›etw. über js. Kopf entscheiden‹;
die glocke ist schon gegossen
›alles ist bereits erledigt‹;
es mus jm. eben gegossen sein
›es muß mit gleichem Maß gemessen werden‹;
rinken giessen
›krumme Dinge drehen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1 (dies letztere speziell zur Münzprägung); vgl.  4.
Syntagmen:
˹
metal, ein bild, eine büchse / glocke
˺ (mehrmals)
g., eine form, silber
›münzfähiges Silber‹
/ werk g., salz gleich / ungleich g., die schrift
›den Schrifttyp‹
aus blei, zin, etw. aus etw
. (z. B.
aus erz
),
an einem stük g., salz in formen, eine lauge von etw
., [eine Anzahl, z. B.:]
4 zuber g., got himmel / erde, jn. von nichte g
.;
die münze mit giessen
(subst.)
versorgen
›die Münzprägung leiten, überwachen‹;
etw
. (z. B.
das pflaster, die stufen, die achse / felge / nabe / speiche
)
gegossen sein, die schlange aus ere
›Erz‹,
das bild, die mauer von golde sein, das menschliche geschlecht in einen klumpen gegossen sein, das auglied
[wie]
gegossen sein, ein roshaupt
[woran]
gegossen sein, etw
. (z. B.
einen cherubim
)
gegossen machen
(präd. Attr.);
an dem giessen
(subst.)
etw. abgehen
;
ein gegossenes
(Var.:
geschnittenes bild, ausgehauener got
)
machen
;
das gegossene fas / kräutelwerk
.
Wortbildungen:
giesbogen
wohl ›bei der Münzprägung verwendete Schutzhülle aus grobem Zeug‹,
giesbrate
eine Fleischspeise beim Mahl der Giessergesellen (a. 1607),
giesbuckel
ein Geschirr des Metallgießers,
giesgeld
›Gebühr, die der Zinnhändler dem Flößemeister für das Fertigmachen des Zinns zu zahlen hatte‹ (so das Glossar zu
Löscher
),
gieskessel
2 ›Kessel zum Gießen von Geschützkugeln‹,
gieslöffel
›Schöpflöffel beim Metallgießen‹,
giespfanne
laut Glossar der Ausgabe (s. u.
Zingerle
): ›kleine Pfanne, in der das zum Giessen der Kugeln benutzte Blei geschmelzt wurde, um dann daran in den Kugelmodel gegossen zu werden‹,
gieswerk
,
gieszeug
.

Belegblock:

Ziesemer, Gr. Ämterb.
244, 9
(
preuß.
,
1452
):
Bochsen und pulver: item 5 steynbochsen, [...], item 1 giszkessel, item 2 tonnen pulver.
Luther, WA (
1531
):
hie ist das menschlich geschlecht yn eynen klumpen gegossen. [...] do ist eyner wie der ander.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn (
Wolfenb.
1594
):
Mein Vater, [...], Hat seine Gelarten zu sich bescheiden, Da werden sie vielleicht eine Glocken vber mich giessen wollen.
Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Diz ist ein smit ober alle smide | Der sulche forme guzet.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1570
):
im selben loch under den vurs. mauren haben noch vil alter gegossen mauren von berchsteinen gestanden.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
15, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Jch geuß die Schrifft zu der Druckrey | Gemacht auß Wißmat / Zin vnd Bley.
Ebd.
54, 2
:
Jch kan mancherley Glocken gießn / | Auch Buͤchsen / darauß man thut schießn.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1006
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
ses stuffen di dar zu uff gingen, | di waren gegossen unnd alle messinge.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do suchte her sin [ertzt] meh bey dem wasser unde trugk is yn das fuer unde machte formen unde goss mancherley bilde.
der aptgot Jupiter, unde seyn bilde was unmassen gross unde was gegossen von feynem golde.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
es mochte wol geschen, das dasz saltz ungleich gesotten und auch ungleich gegusszen wurde.
Wen zu 5 zobern ingegossen wurde, die söten gutt saltz, aber etzliche gössen kaum zu 4 zobern, und die machten kleine saltz.
Ermisch, Freib. Stadtr. (
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Di muntzmeistere zu Vriberc sullen gizen lotic silber unde sullen nicht me setcen wen drittehalben virdunc cupfirs zu sechzic marken lotigis silbirs.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
32, 13
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Dy mynste muncze dy wirt von gesotem salcze und das gegossin in formen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
56, 27
(
omd.
,
1446
):
Auch gibt der koufman einen halben groschin zu gißgelde dem flosemeister.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1119
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
der himel und erde us nihteu goß | mit seinem plossen willen?
Engel, Rats-Chron. Würzb.
27, 2
(
nobd.
, Hs.
M. 17. Jh.
):
im 1433. jahr auch uf dieselbe mittwochen wardt die große büchs zu Würzburg gegossen.
Bremer, Voc. opt.
13236
(
wobd.
/
oobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
Offa [...] gegossen brot [...] offa est cibus ex pane vnctuosa pigwedine tincto confectus.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
mach zwei gúldein cherubin vnd mach sy gedret oder gegossen
[Var. Hs. W, 15. Jh.:
gehemmert
;
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534:
geschlagnem golt
;
Eck
1537:
zogem golt
;
Luther
1545, 2. Mose 25, 18:
tichtem golt
]
von ietwederm taile der bettstatt.
Ebd. Var.:
Do er sy hett entpfangen er bildet mit eim gedreten wercke
[Var. 1475
1
:
er formiert mit einem gießzeug oder gießwerck
]:
vnd machet von im ein gegossens kalp.
Nicht macht eúch ein abgott vnd ein gegossen
[Var. um 1473:
geschnitne bild
; 1475
2
–1518:
außgehauwen gott
).
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Ir tür ist vor den armen beslossen, | Den richen muos es eben sin gossen.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Sin [Jesu] oglit wol gerecht, | [...] | Ze male wol beschlossen | Sam das gar fin ist gegossen.
Sudhoff, Paracelsus (
1537
/
41
):
desgleichen so diser metalkönig geschmelzt in ein puckel gossen. in solchem guß scheiden sich die vermischten metal; dan das schwerest und beste sezt sich allemal zu grunt des gießbuckels.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
490, 46
(
halem.
,
1427
/
9
):
hundert guldin ze lon ums des willen, das er die múntz mit giessen, es sye groß oder klein gelt, und mit versuͦchen besorge.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ain rosse hobt hoche enbor | Von erre dar an gegossen ist.
Wiessner, Wittenw. Ring
6661
(
ohalem.
,
1400
/
08
):
Da mit man schluog ze sturme an | Mit schlegen unverdrossen: | Die glogg was noch nicht gegossen.
Rennefahrt, Gebiet Bern (
halem.
,
1483
):
So sol der meister dargeben den kol, [...], die spruͥwer, die baͤsen, das laͤder zum gelt, die gießbogen von schuͥrlitz, die versuͦchwaͧg.
Wyss, Luz. Ostersp.
2475
(
Luzern
1583
):
Die vffgrichtt schlang, vß Eer gegossen, | Ist allem volck gar wol erschossen.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
Anno 1365 jar ward zuͦ sant Mauritzen die glogg gossen.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 92, 6
([
Augsb.
]
1548
):
Rincken giessen. Rincken seind krumm / und man bleibt oft drinnen behangen / Also giessen Rincken / die mit aller buͤberey umbgehn / andere leüte damit zuͤ betriegen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Metall giessen.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
Von denen nem͂ens erstlich einen thail / vnd giessen daruon ein guͤte scharpffe Laugen.
Niewöhner, Teichner
10, 26
(
moobd.
,
1360
/
70
):
daz duncht tumb laut groz | daz uns got von nichtew goz.
Bastian, Runtingerb.
2, 248, 32
(
oobd.
,
1392
):
waz an dem giezzen abget, daz rait man daraͤuf.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1155
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Auch glaubten ettleich hayden, es wër in ettleichen pilden ein eingegossene chrafft, ob si czu gewissen czeiten gegossen oder gemacht wurden.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
284
(
oobd.
,
1607
/
11
):
uff dem deckel gegossen kreüttelwerckh.
Zingerle, Inventare (
vorarlb.
,
1486
):
mödel vnd buͤchssenstain dabi, i gießpfannen dabi. [...]. ii gießlöuffel, i grossen und i klainen.
Holland, a. a. O. ;
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
277, 36
;
Ders., Gr. Ämterb.
589, 25
;
Ralegh. America ;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Koppitz, a. a. O. ;
Bastian, a. a. O.
2, 247, 28
;
315, 17
;
Öst. Wb.
3, 751
.
Vgl. ferner s. v.  2,  1,  5.
10.
›etw. (eine Kraft, innertrinitarisch auch eine Person) von einem erhöht gedachten Standpunkt in etw. (eine natürliche Gegebenheit) / eine Person gießen, einströmen lassen‹; vereinzelt mit Umkehr der Bewegungsrichtung: ›etw. (z. B.
ein gebet
) zu jm. aufschießen, aufsteigen, aufströmen lassen‹; als logisches Subjekt begegnen die drei göttlichen Personen (meist), in Gott gründende Kräfte (wie
gnade, liecht, minne
), gottnahe Personen (wie
Maria
), ferner der Teufel sowie Menschen und menschliche Qualitäten (jeweils seltener), vereinzelt auch natürliche Bezugsgegenstände; im logischen Objekt stehen meist Kräfte, die auf eine Zielgegebenheit / Zielperson gerichtet werden; vgl. die Syntagmen mit der generellen Struktur
etw. / j
. (Subj.)
etw
. / auch
jn
. (Akk.obj.)
in etw
. / auch
in jn. giessen
; die Auffüllung dieser Struktur weist Gleichförmigkeiten auf, die auf einem neuplatonisch beeinflussten Weltbild beruhen; als Ütr. zu 3; 5; 9 auffaßbar.
Gehäuft ˹älteres und mittleres Frnhd.; Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘˺.
Syntagmen:
got sich, die gnade in uns, die taufe in die welt, die sele in den leichnam, gunst in das feuer, seine natur in die gleichheit, genügde / lust in die creaturen g., der vater liecht in den son g., Jhesus sein gebet zu gotte g., der messias minne in das herz g., [der herre] wasser auf die durstigen, ströme auf die dürre, seine ungnade auf jn., seinen geist auf js. samen g., der heilige geist liebe in die herzen, seinen glanz / schein in den grund g., unsere fraue gnade auf das erdreich g., Maria tugend in das herze, der teufel pech / galle in jn. g., der engel kraft in den himmel, in worte g., der himmel kraft in die sterne, in das kraut, in die tiere g., die sonne iren schein in die luft, in die sterne g., die sterne kraft in den grund, in die kräuter / tiere, in das gesteine, iren schein in den mon g., der sterne kraft ein leben in die tiere g., gnade
(Subjektschub)
sich in jn.
(z. B.
in die mutter
),
gezierde in die sele g., die schöne die minne in die herzen g., j. unreine dinge in jn
. (z. B.
in den hofnarren
)
g., das natürliche ding sein gut in die anderen g., die natur etw. in könige / fürsten g.
;
got in Mariam, der geist in jn. gegossen sein, gnade in js. mund, der weisheit brunnen von gotte in die jungfrau gegossen sein, eine sele in den leichnam gegossen werden
.
Wortbildungen:
giesser
2 ›Spender der Taufe‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1519
):
[goth] geust sein gnad in uns.
Ebd. (
1526
):
das got [...] sich selbs und Christum [...] ausschuttet uber uns und sich ynn uns geust.
Ebd. (
1523
/
4
):
Die Gotlich gnad von hymel gros | sich ynn die keusche mutter gos.
Ebd. (
1538
):
Jn der Tauffe ist ein mundlich wordt und ein gießer, im Sakrament [...] ein Speiser.
Ders. Hl. Schrifft.
Ps. 69, 25
(
Wittenb.
1545
):
Geus deine Vngnade auff sie.
Ebd.
Jes. 44, 3
:
Denn ich [Herr] wil Wasser giessen auff die Durstige / vnd ströme auff die dürre. Jch wil meinen Geist auff seinen Samen giessen / vnd meinen Segen auff deine Nachkomen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
daz er [got] sîne natûre und sîn wesen alzemâle dâ giezende ist in die glîcheit, wan er diu glîcheit selber ist.
Alsô als der himel giuzet sîne kraft in die sternen, alsô giezent sie die sternen vürbaz in daz gesteine und in diu kriuter.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Der wisheite brunne | Was gar unvirdrozen | Von Got in sie gegozen.
Swanne sie [engele] aber giezen | Begonden iteler worte me, | So [...].
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Got herre min, der da ist | Von dem vater entsprozzen, | In Marien gegozzen | Mit des heiligen geistes vluz.
Jahr, H. v. Mügeln
112, 754
(
omd.
, Hs.
1463
):
uß dir ouch alles adel sprüßt: | das fürbaß die nature güßt | in künge, fürsten, ritterschaft.
Gille u. a., M. Beheim
79, 191
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das man in mich [hafnar] geusset so ring, | unraine stinkendinge ding.
Rupprich, Dürer (
nobd.
,
1521
):
himlischer vatter, geuß in unser hercz durch deinen sohn Jesum Christum ein solch licht.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Also der heilige geist gegenwerteklichen sinen wunneclichen glantz und sinen goͤttelichen schin mag unmittellichen in den grunt giessen.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
298, 2
(
els.
,
1362
):
Do zwischen gos er sin gebet zuͦ gotte vnd sprach: „Herre ich enpfilhe dir minen geist“.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne si [unser fraw] ir genâd uns armen sündern her nider geuzet auf ertreich.
der stern kraft würkt diu tierl auz der geschickten materi und geuzt ain leben dar ein.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
363
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
als got die sel in den leichnam geschepht vnd gewst.
Quint, a. a. O. ; ; ; ;
Reissenberger, a. a. O. ;
Dubizmay, kurß zu Teutze
80, 9
;
Jostes, Eckhart
10, 3
;
13, 22
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
992
;
Stackmann u. a., Frauenlob
12, 3, 14
;
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
320, 30
;
Vetter, a. a. O. ;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
34, 14
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
39b, 13
;
Vgl. ferner s. v. (
die
10,  1,  3.
11.
›wohin strömen, einfließen (eigentlich von einem Strom gesagt)‹; meist ütr., dann: ›in etw. / jn. einströmen, einfließen, eingehen, sich – dem Einströmen einer Flüssigkeit verglichen – mit etw. / jm. vereinigen, in einer mystischen Einheit verschmelzen, aufgehen‹; daran anschließend einige wenige tropische Verwendungen; als logisches Subjekt begegnen Gott, sehr vereinzelt der Mensch, Gott oder dem Menschen ähnliche und in ihnen existente Kräfte, oft die Seele, je nach Verständnis auch Naturgegebenheiten; im Zielbereich des
giessens
stehen der Mensch, das Herz, die Seele, moralisch-religiöse Qualitäten; die generalisierte Satzform lautet:
j. / etw. sich in jn. / etw. giessen
; eng an 10 anschließbar, im Unterschied dazu aber ohne Objekt und in aller Regel reflexiver Gebrauch.
Gehäuft ˹14./15. Jh.; Texte der Sinnwelt Religion / Didaxe˺, oft gebundener Form.
Bedeutungsverwandte:
 6.
Syntagmen:
got sich in den menschen g., die drei personen sich in das wesen der sele g., der herre sich in die masse g., gnade
(Subj.)
in jn., sich in die lefzen g., die sonne sich auf den baum g., das liecht sich auf
[jn. / etw.]
g., das liecht der sele sich nimmer in die niedersten kräfte g., das liecht (sich) in die sele g., die sele sich auf den leichnam, in die lautrigkeit g., die andacht / begierde / minne, das wunder sich in die sele, in das herze g., der influs des herzen sich in die geliede g
. (mehrmals),
j. sich in einen orden g
. ›begeben und in ihm aufgehen‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Swenne sich der mensche dêmüetiget, sô enmac sich got niht enthalten von sîner eigenen güete, er enmüeze sich senken und giezen in den dêmüetigen menschen.
daz überswebende natiurlich lieht der sêle [...] daz ist [...] sô gram den nidersten kreften, daz ez sich niemer in sie gegiuzet.
Ein lieht giuzet sich ûz und erliuhtet daz, dâ ez sich ûf giuzet.
Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
Auff der andern seiten deß Gebirgs Timaua fleust das Wasser Rio grande, vnd geust sich bey S. Martha ins Meer.
Jostes, Eckhart
2, 7
(
14. Jh.
):
di drei person di geuzent sich in daz wesen der sel mit gnaden.
Jahr, H. v. Mügeln
1572
(
omd.
, Hs.
1463
):
des herzen influß in gelit, | sich güßet und in leben git.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
364
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
piß aus den worten fleuset | ain andaht, deu sich geuset | in dez menschen herzen.
Ebd.
1212
:
in dirre heiligen stete | dreie andoht zesamenflißen, | die in die sel sich gißen: | Ein minne, / ein pegirde, ain wunder.
Stackmann u. a., Frauenlob
1, 13, 17
(Hs. ˹
alem.
,
1. H. 14. Jh.
˺):
genade hat sich in min lefsen uz der kefsen | so volleclich gegozzen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
denne kumet der herre mit der úberflússigen mosse
[›Maß‹]
und gússet sich selber in die mosse, [...], und macht die mosse als úber fliessende von dem úberweselichen guͦte das er selber ist.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
19, 56
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
In dich geusset, | in dich flewsset | gotes genade ane zil, | in uns giessen, | in uns fliessen | laß uns deiner genaden vil.
Niewöhner, Teichner
572, 96
(
um 1433
):
doch die gehorsam es als besluͤsset, | wer sich in ain orden guͤsset | das er muͤß gehorsam wesen.
Quint, a. a. O. ; ; ;
Strauch, Par. anime int.
51, 14
;
78, 36
;
Asmussen, a. a. O.
1346
.
Vgl. ferner s. v.  2.