gewonheit,
die
;
-Ø/-en
.
1.
›Gewohnheit, Brauch, Herkommen, Gepflogenheit, Sitte, Art und Weise, wie etw. in einer Gemeinschaft üblicherweise, dadurch erwartungssicher, regelhaft vollzogen wird‹; teils im Unterschied zu bedeutungsnahem
gerechtigkeit
6,
ordnung
10,
recht
, teils in fließendem Übergang dazu; die Grenze zu ›Gewohnheitsrecht‹ ist in vielen Einzelfällen kaum ziehbar; vgl.
1
 12, I, Adj.) I, 1.
Gewisse Beleghäufung für Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘ sowie für Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2,  4,  2, , (
das
3,  12, , , , , ; vgl. (
das
),  2.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
die / eine g. bedenken / bestäten / brechen / haben / halten / hören / setzen / üben / vermeiden / wissen, zu gerechtigkeit bringen
;
die / eine g
. (Subj.)
abgehen, jm. ansterben, alt sein, lange wären, kunst fälschen / machen, die natur verkeren / verwandeln
;
eine g. sein, das [...]
;
sich der g. wiedersetzen
;
an einer g. hangen, sich (nicht) an eine g. keren, etw. in g. kommen, etw. in der g. halten, nach einer g. leben, nach g. ein bergwerk aufnemen, etw. nach g. begehen
(z. B.
die begräbnis
)
/ für sich nemen, etw. von g. sein, etw. von g. tun
(z. B.
scheppen kiesen
),
j. (die man) von g. nach jm. (nach den weiben) werben, etw. von g. wegen verbieten
;
die g. des berges, der bergrechte, des landes, der stat, des festes / glaubens, der bischolfe / heiden / Juden, der heiligen schrift
;
die g. in dem lande, mit betteln
;
die alte
(vielfach)
/ böse / gute
(mehrfach)
/ lange / löbliche / menschliche / fürstliche g
.;
die geburt der g., laut / inhalt der g
.

Belegblock:

Luther, WA
9, 628, 17
(
1521
):
Nun was also ein gewonheyt bey dem volgk, das [...].
Ders. Hl. Schrifft.
Joh. 18, 39
(
Wittenb.
1545
):
Jr habt aber eine gewonheit / das ich euch einen auff Ostern los gebe.
Schöpper
89a
(
Dortm.
1550
):
Consuetudo. Sitt gewonheit geprauch weise.
Mieder, Lehmann. Flor.
317, 6
(
Lübeck
1639
):
Der thut nicht witzig / der sich einer gemeinen gewonheit widersetzt.
Große, Schwabensp.
44a, 29
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Jiteswa is en gewonheyt, daz man des vogedes degedinc gebuͦtet dre stuͦnt in dem jare.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
579
(
mrhein.
,
um 1335
):
Meister, sage vns, wo wilt du, | daz wir dir bereiden nuͦ | daz osterlamp nach der iuden side ? | Die gewanheit were (nit) guͦt virmiden.
Laufs, Reichskammergo.
200, 35
(
Mainz
1555
):
es were dann, daß die sach und handlung, darüber di keyserliche mandata zu erkennen gebetten, an ir selbst von rechts oder gewonheyt wegen verbotten.
Behrend, Magd. Fragen
20, 17
(
omd.
,
um 1400
):
Von gutir alden gewonheit haben dy radmanne eczlicher stete jerlich scheppin zcu kiszen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
144, 4
(
thür.
,
1474
):
so beheldet solliche gewonheyt, die also solliche zcyt, [...], ist worden gehalden, [...] rechtiß crafft.
Ebd.
152, 23
:
wie man nach lawte unde ynhalde derselbigen gewonheidt smehe- ader lasterwort vorbusßen solle.
Schönbach, Adt. Pred.
8, 42
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
so daz der pristere halde die forma und die gewonheit die gegeben ist von dem heilegen geiste.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 151, 21
(
nobd.
,
1464
):
Es ist auch yczuͤnt gewonheit, das im die herrschaft den mist gibt vor dem marstall.
Gille u. a., M. Beheim
99, 891
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Der Drakal sprach: ,eur gewunhait | wil ich euch zu gerechtikait | pringen und ach pesteten.
Voc. Teut.-Lat.
m vjv
(
Nürnb.
1482
):
Gewonheit gewonūg geprauchung. oder nutz. vsus.
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 4, 9
([
Nürnb.
]
1524
):
die geburt der uͤbunge oder gewonhait / wañ man die kindt in gutten burgerlichen sitten [...] leret.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
114, 4
(
Nürnb.
1548
):
DA Jesus zwoͤlff jar alt war / giengen sie hinauff gen Jerusalem / nach gewonheyt des Festes.
Adrian, Saelden Hort
6910
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
swie daz man dik hat gesait | daz die man von gewonhait | sont werben nach den wiben.
Köbler, Stattr. Fryburg
183, 10
(
Basel
1520
):
So haben wir doch in solchem fall diser Statt Friburg louff / vnd gewonheit bedacht.
Sappler, H. Kaufringer
27, 140
(
schwäb.
, Hs.
1472
):
und wenn sie täglich sünd begont, | die gewonhait sie dann hont, | das sie on verziehen gahen | zuo dem priester.
Brandstetter, Wigoleis
223, 26
(
Augsb.
1493
):
Graff adam vnd die junckfrawen begiengen jren frawen die begrebnuß nach site vnnd gewonheit jres gelaubens.
Henisch
1608
(
Augsb.
1616
):
Gewonheit billicht alle ding / aber nit allzeit mit recht. Gewonheit ist ein grosser gewalt [...]. Gewonheit ist ein staͤhlins Hemmet. Gewonheit macht schwer ding leicht. Gewonheit macht alle ding milter. Gewonheit vnd warheit gelten nit gleich. Gewonheit vnd zucht lassen nicht vbel gerathen. Lands gewonheit / Lands ehr. Natur vberwindt gewonheit. [...]. Warheit gehet fuͤr gewonheit.
Buijssen, Dur. Rat.
15, 22
(
moobd.
,
1384
):
Daz man aber ettwann gar frue mess singet, daz ist von gewonhait, nicht von ordenung.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
92
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Nu hab ich den gemainen lauf dewtscher sprach nach des lanndes gewonhait fur mich genomen.
Bischoff, Steir. Landr.
216
(
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
Doch ist gewonhait in dem land, daz ainer bestetigt selb dritter, oder ainer mit drein ayden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
59a, 314
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
STat recht ist daz dy stete vndir yn selber gesaczt haben noch der alden gewonhait.
Ders., Stadtr. Kremnitz
5
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
So Einer eÿ(n) pergwerch noch gewonheith der pergrecht [...] aufgenome(n) hat.
Luther, WA
7, 680, 23
;
8, 254, 11
;
8, 482, 21
;
16, 301, 25
;
Große, a. a. O.
152a, 13
;
Hilliger, Urb. St. Pantaleon
342, 33
;
Schützeichel, a. a. O.
1294
;
Köbler, Ref. Franckenfort
37, 17
;
Kollnig, Weist. Schriesh.
306, 31
;
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe
35, 16
;
v. Tscharner, Md. Marco Polo
1, 6
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
59, 12
;
68, 22
;
Mathesius, Passionale
54v, 7
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
204
;
Franck, Klagbr.
228, 38
;
Koller, Ref. Siegmunds
269, 2
;
Lemmer, Brant. Narrensch.
49, 31
;
Anderson u. a., a. a. O.
14, 8, 1
;
Morrall, Mandev. Reiseb.
3, 23
;
Dirr, Münchner Stadtr.
368, 25
;
Klein, Oswald
18, 39
;
112, 247
;
253
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
3, 14
;
214, 4
;
Schwartzenbach
B iiijr
;
E iijr
;
J ijr
;
Tpma
5, 2
 ff.;
Rwb
4, 813
;
Schwäb. Wb.
3, 639
.
Vgl. ferner s. v.  18,
1
 13,  4, (
das
), (
die
1,  1.
2.
›Recht, Rechtsgewohnheit, Gewohnheitsrecht, gültige Regel, die kraft ständiger Ausübung sozial verbindlicher Gepflogenheiten (s. 1) entstanden ist, die oft ohne schriftliche Fixierung Anwendung findet, im Gefolge der Entwicklung der Schriftlichkeit allerdings zur Festlegung tendiert; extensional bezogen auf Regelungen politischer, klösterlicher, wirtschaftlicher Einheiten, auch auf das ,Gesetz‘ des Alten Testamentes‹.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
4, 1426-1627
.
Gewisse Beleghäufung für Rechtstexte.
Bedeutungsverwandte:
 12,  6, ,  1,  23, , , .
Syntagmen:
eine g. haben / hören / verlesen, die g. haben, zu [...]
;
g. im lande geboren / ergangen / gewachsen, ein recht sein
;
etw
. [wo]
g. sein
;
etw. bei der g. bleiben, etw. nach g. halten / geben
(z. B. einen Betrag),
jn. nach g. vergnügen
›zufriedenstellen‹,
wieder die g. tun
›handeln‹,
jn. wieder die g. aufhenken / bekummern / umtreiben
;
die g. des bergwerks / fürstentums / gerichtes / gotteshauses / ordens, der herschaft, der völker, der Juden
;
die alte / gute
(je mehrmals)
/ erbare / redliche g
.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
19, 9, 34
([
Eilenb.
]
1524
):
Die Juden habenn yre gewonheit nach anlegender sach von viertausent iarn / wir alle tag ein newe satzu͂g.
Mieder, Lehmann. Flor.
338, 18
(
Lübeck
1639
):
Gewonheit ist ein Recht / das im Land gebohren / erzogen vnd erwachsen ist.
Laufs, Reichskammergo.
93, 28
(
Mainz
1555
):
handhabung des friedens und erbare ländische ordnungen, statuten und redliche erbare gewonheiten der fürstenthumben, herrschaften und gericht.
Gille u. a., M. Beheim
123, 462
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sam er [Jhesus] die veir prech und vil tet | wider die guten gwunhait stet | und wider die gebote | Oder gesacz der alten e.
v. Birken. Erzh. Österreich
91a, 6
(
Nürnb.
1668
):
soll er einen oder zween von ihren Dienern / die etwas zu frey geredet / wider aller Voͤlker Recht und gewonheit / [...] haben aufhenken lassen.
Welti, Stadtr. Bern
77, 16
(
halem.
,
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
ab deme sol man richten nach vͥnser hantvesti vnd alz vͥnser stat recht vnd gewonheit ist.
Bastian, Runtingerb.
2, 18, 29
(
oobd.
,
1390
):
und sol im darzuͤ geben zwayhundert pfunt Regenspurger pfenning [...] nach unserer stat gewonhait und geseczz.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
183, 19
(
moobd.
,
1524
):
Der policey und ordnung halben [...] sein alle zunfften erfordert, ire gewonhaitten nach lengs gehortt und verlesen.
Mollay, Ofner Stadtr.
30, 2
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Auͦch hat derr Statschreiberr von alter gewonhait dÿ ere vnd macht, das er einen Ratherren mag erwellen vnd setzen an des geltrichters stat.
Luther, WA
8, 538, 30
;
Koller, Reichsreg. Albr. II.
177, 27
;
Schmidt, St. Kastorst.
2, 458, 1
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
143, 32
;
306, 3
;
Ermisch, Sächs. Bergr.
80, 7
;
Nyberg, Birgittenkl.
40, 3
;
Mell u. a., Steir. Taid.
104, 14
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
216, 27
;
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
2, 33
;
Schmidt-Wiegand, Dt. Rechtsregeln.
1996, 142
 f.;
Rwb
4, 813
 f.
3.
›jm. aufgrund von Herkommen (s. 1) oder rechtsgültiger Regelungen (s. 2) zustehendes einzelnes Anrecht, Recht, wirtschaftliches oder die verfassungsrechtliche Stellung sicherndes Vorrecht; Anrecht auf Einnahmen‹; im einzelnen mit Tendenz zu ›Einnahme‹; auch (s. u.
Sachs
): ›Geldbetrag‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. sachbereichszugehörig):  6,  1, (mehrmals),  10,  2,  2, , ; vgl.  2,
1
(
die
12, (
die
235,  123,  2,  5, , .
Syntagmen:
die / eine g. haben / bessern / bestetigen / erneuern / kundtun / läutern / verändern, eine g. geschrieben geben, die handfeste die g. begreifen
›beinhalten‹,
eine g. von jm
. (z. B.
von keisern / königen, von der herschaft
)
fordern
,
eine g
. ›Geldbetrag‹
in die büchse legen, jm. eine g. teilen
›rechtsgültig zusprechen‹;
jm. zu einer g. helfen
;
die hergebrachte / gute
(oft)
g
.

Belegblock:

Dat nuwe Boych
442, 19
(
rib.
,
1396
):
dat yn der Rait vorbas gunstich sijn weulde sij zo laissen vnd yn zo helpen zo yren guden alden vrijheiden vnd gewoynheit, der alle burgere van alders alwege gehat hadden.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
1, 180, 5
(
hess.
,
1355
):
Wir die fysscher zu Frankenford dun kund unsere gewonheid und unsir bescheidenheid, die wir von alder gehabit han.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
82, 13
(
nobd.
,
1372
):
Dez erhort ich offenbarer schriber der vorgenanten herren bete und han in geschriben geben [...] die recht und gwonheit, dy in uff den tag an offem gerihte [...] geteilet worden uff ir eyde.
Sachs
23, 67, 17
(
Nürnb.
1555
):
Welcher gsel ainen gotschwuer det, | Mus an alle gnad legen ein | Ein gwanheit in die puxen nein.
Merk, Stadtr. Neuenb.
48, 21
(
nalem.
,
1415
):
ire friheite, gnade, rechte, pfantschefte, gute gewonheite, brieve, privilegia und hantfesten, die si von romischen keisern und kunigen, [...] herbracht haben.
Boos, UB Aarau
98, 13
(
halem.
,
1363
):
der rat und die burger gemeinlich unser statt ze Arow [...] fur uns bracht habent, daz si etzlich ir alte fryheit, gewonheit und recht, die si von unsern vordern habent, bedurffen mit unsern gnaden an disen nachgeschriben stuken ze verendrenne.
Fuchs, Kart. Aggsbach
140, 13
(
moobd.
,
1397
):
ire recht freyhait gnad und guͤt gwonhait, als das alles dieselben hantveste aigenleich begreiffent.
Boos, a. a. O.
193, 45
;
Rennefahrt, Recht Laupen
33, 29
;
Memminger Chron. Beschr.
24, 15
;
Dirr, Münchner Stadtr.
579, 5
;
Weissthanner, Urk. Schäftlarn
175, 10
;
Thiel u. a., Urk. Münchsm.
102, 30
;
172, 37
;
Hör, Urk. St. Veit
146, 6
.
Vgl. ferner s. v.
1
,  1.
4.
›Angewohnheit (meist persönlicher, auch gruppenkennzeichnender Art); eigener Verantwortung unterliegende, durch eigenes Verhalten hervorgerufene Haltung, Verhaltensweise‹;
vgl. I, 3.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
(
die
12,  2, , ; vgl.  3.
Syntagmen:
eine g. haben / halten / annemen / begreifen
›entwickeln‹
/ einbilden / einfesten / fürnemen / brechen / verlassen / umkeren / überwinden, eine g. haben, zu [...] / das [...]
;
eine g
. (Subj.)
einbrechen, (die) g. die natur verkeren, die andere natur sein, das herz weiden
, [wo]
einreissen, das [...]
;
der g. wiederstehen / nachfolgen
;
aus g. saufen, den namen gottes schelten / fluchen, j. / das laster in eine g. kommen, sich selber mit g. begraben, nach g. knien, jn. nach seiner g
. [wie]
empfangen, der g. nach
[etw. tun],
jn. von einer g. abwenden, sich von g. in etw
. (z. B.
in werken
)
üben
;
die g. der Christen / weiber / leute, des lebens, der sünden / guter sitten
;
die alte
(häufig)
/ böse
(vielfach)
/ lange / schädliche / tägliche / wiederwärtige
›entgegengerichtete‹
/ verdamliche g
.;
die ankleblichkeit, das gemüt der g
.

Belegblock:

Luther, WA
8, 273, 4
(
1521
):
Das ist [...], eynn gewonheyt tzu vorzweyflen und got zu hassen.
Ders. Hl. Schrifft.
Sir. 7, 14
(
Wittenb.
1545
):
Gewehne dich nicht an die lügen / Denn das ist eine schedliche gewonheit.
Mieder, Lehmann. Flor.
319, 24
(
Lübeck
1639
):
wenn Hoffarth vnd andere Laster in eine gewonheit kommen / so darff man sie nicht mehr straffen.
Perez, Dietzin
1, 318, 4
(
Frankf.
1626
):
O der schaͤndtlichen vnnd verdamlichen Gewonheit der Christen / als welche in jhrem gantzen Leben nichts wichtigs ohne Wein [...] koͤnnen verrichten.
Neumann, Rothe. Keuschh.
4842
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
weme di sunde nicht worden leid, | der komet in bose gewonheid.
Schönbach, Adt. Pred.
31, 5
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
swanne der arme sŭndere sich selber begrebet mit langer gewonheit in den houbetsŭnden und der niht ab kŭmen wil.
Anderson u. a., Flugschrr.
11, 7, 14
([
Leipzig
1521
]):
das [schelte͂] nicht gelerter oder geistlicher sonder leuchtfertiger lewt gewõheit ist.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
170v, 34
(
Leipzig
1588
):
Es gehoͤret gar ein ernster streit vñ harter kampff dazu / die boͤse gewonheit zu vberwinden.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 54, 12
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
sus kan gewonheit weiden
[›kräftigen, stetig machen‹; ütr.] |
Ir herze.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
189
(
Nürnb.
1517
):
Enteuserung von den gewonlichen zuneigungen ist ein würkung widerwertiger gewonheit.
Franck, Decl.
353, 5
(
Nürnb.
1531
):
das auß stetter uͤbung vnd gewonheit zu sauffen der lust zu sauffen nur gemehrt wirdt.
Rieder, St. Georg. Pred.
244, 23
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
mit langir gewonhait muͦz der mensche striten alse mit der nature.
Plant u. a., Main. Naturl.
296r, 7
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
so svln wir vmbekeren die gewonheit vnsers lebins vnde svlint spulgen warmer spise.
Maaler
179v
(
Zürich
1561
):
Gewonheit (die) Fürnemmen vnnd weyß etwas zethuͦn.
Dreckmann, H. Mair. Troja
16, 28
(
oschwäb.
,
1393
):
alz aller weib gewonhait ist, ob si halt aines mannes sind begernd mit unerlichen sachen, so wellend si ez doch mit ainem gelimpf [...] verdeken.
Ebd.
23, 7
:
der küng enpfieng si früntlich nach seiner gewonhait.
Bauer, Geiler. Pred.
80, 11
(
Augsb.
1508
):
das du nit also hingangest dich zuͦ uͤben in guͦten wercken auß ainer blinden mainung / allain von gewonhait [...] Sonder mit begirden auß hertzlicher liebe.
Barack, Zim. Chron.
1, 242, 33
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
die untrewen Walhen im täglichs untrew, wie ir gewonnhait, erzaigten.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
97, 17
(
tir.
,
1464
):
die selbigen chloster frauen die hielten vnder in ain pöse gewanhait durch die petriegung des pösen geistes.
Ebd.
107, 11
:
wenn der mensch nu alt vnd grab würt, so lat sich das gemüet der gewanhait gar hart verwandlen.
Ebd.
114, 8
:
für das selbig gemël chniet er alle tag nach seiner alten gewanhait vnd enpfhalch sich offt in das gepët.
Mieder, a. a. O.
315, 25
;
316, 11
;
Helm, H. v. Hesler. Apok.
13552
;
Perez, a. a. O.
1, 45, 27
;
Hübner, Buch Daniel
5330
;
7502
;
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
71, 11
;
v. Ingen, Zesen. Ged.
383, 6
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
6, 6
;
13, 22
;
Mayer, Folz. Meisterl.
32, 1
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 636, 8
;
Vetter, Pred. Taulers
222, 27
;
235, 29
;
Sappler, H. Kaufringer
15, 22
;
16, 231
;
Wiessner, Wittenw. Ring
4396
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
29, 11
;
Klein, Oswald
112, 398
;
Bauer, Imitatio Haller
76, 26
;
77, 1
;
Tpma
5, 5
.
Vgl. ferner s. v.  3,
1
 2,  2, .
5.
›natürliche Gesetzmäßigkeit, Regel, Gesetz, wie sie in der Natur oder in der Psyche des Menschen liegen und durch dessen eigenes Zutun nicht veränderbar sind‹; im einzelnen auf die körperliche, psychische, religiöse Prädisposition des Menschen sowie auf Gegebenheiten der Tierwelt bezogen; speziell: ›Menstruation‹ (Pfeiffer, s. u.);
vgl. I, 2.
Bedeutungsverwandte
(zur Spezialisierung): vgl.  2,  5,  2,  2,  9,  7.

Belegblock:

Quint, Eckharts Trakt.
255, 6
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
zarte spîse und hôhiu kleit und vrœlîche gesellen, als im [mensche] die anehangent nâch gewonheit der natûre.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
13, 15
(
hess.
,
14. Jh.
):
Byt der selbin minnen beginnet sie [suster] zu hudene ane alle arbeit mit gewonheide alle die gebot di sie ie hilt nit ane vocht.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
1206
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
piß der andoht ain sicherheit | wirt naturlich gewonheit, | so gar, ob si durch leibes not | ir andoht scholt zihen von got.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
33, 26
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der hân ich ain gesehen, diu mit lebentigem kind ir gewonhait het.
Ebd.
122, 31
:
von ainem tier, [...], daz ist in der grœz sam ain hirz. an dem hât diu nâtûr ir gewonhait verändert.
Ebd.
385, 7
:
[venichl] pringt daz harmwazzer vast und den frawen ir gewonhait oder ir haimlichait und rainigt die muoter.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
63, 33
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
so soltu wissen, daz die vodristen vͤrsprung der anruerung oder infliessung, [...], auch lokchent vnser hertz, drey sint: di gewonhait der natur, der guͤte geist vnd der poͤse geist.
Pfeiffer, a. a. O.
212, 4
;
Hohmann, a. a. O.
65, 38
.