gewis,
Adj.,
als
Adv.
oft mit Suffix:
-lich(en)
.
1.
›sicher, feststehend, faktisch unumstößlich, tatsächlich, wahr, unbezweifelbar (von Tatsachen, auch Glaubens- und Überzeugungswahrheiten)‹.
Phraseme:
etw. ist gewisser dan gewis
;
etw. gewisser
(auch:
gewissers, des gewissen
o. ä.)
spielen
›den sicheren Weg, auf Nummer sicher gehen‹;
das gewisse
(subst.)
dem ungewissen vorsetzen
.
Bedeutungsverwandte:
, , , , ,  ; vgl.
2
(Adj.) 1.
Gegensätze:
 1, .
Syntagmen:
es / etw. ist g., das [...]
(häufig), etw. (z. B.
die offenbarung
)
g. sein, etw. g. geschehen, jm. etw
. (z. B.
die seligkeit, der tod
 )
g. sein, etw. g. sein als [...]., jm. etw
. (z. B.
eine sache
)
g. machen, etw. gewislich anzeigen, jm. etw. für g. sagen / schreiben
;
der gewisse feind / nuz / tod / vorschmak, die gewisse anzeigung / beweisung / erkentnis / vergebung / warheit, das gewisse kunststück / leben / zeichen / zeugnis
.
Wortbildungen:
gewisheit
1 ›faktische Richtigkeit‹,
1
gewissene
›Gewißheit‹ (hier Homonymie mit
2
gewissene
, verstehbar als Vermischung von
gewis
›sicher‹ und mhd.
gewiz(z)-
›gewiss-‹).

Belegblock:

Luther, WA
17, 2, 364, 14
(
1527
):
Da er nu das beschlossen haͤtte, wie er jm thuͤn wolt, auff das er des gewisten spilete, haist er die Weyßen hintziehen.
Ebd.
19, 332, 32
(
1526
):
er hat ein ungewisses leben verloren und hat ein gewisses widder erlanget.
Ebd.
49, 298, 21
(
1544
):
es gilt nicht unter den Christen wanckeln, sondern des gewissen spilen.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
34, 2
(
Frankf./O.
1557
):
Weil es nun gewiß ist / daß das halb und gantz Sauffen Suͤnde [ist].
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
390, 14
(
Wolfenb.
1594
):
So ist mir nicht gewissers, den der Todt.
Mieder, Lehmann. Flor.
310, 8
(
Lübeck
1639
):
Das ist gewiß / daß man in allen Landen hole Faß vnd Kuͤbel find.
Ebd.
12
:
Das gewiß ist dem vngewissen / vnd das sichere dem gefaͤhrlichen vorzusetzen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 29, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ez ist ein gewissiu wârheit und ein nôtwârheit und ist ein geschriben wârheit.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
6, 12
(
Frankf./M.
1626
):
dieselben solten nicht allein gewisse Vergebung aller jhrer Suͤnden erlangen.
Strauch, Par. anime int.
43, 4
(
thür.
,
14. Jh.
):
daz ist di gewissiste rede di wir hi habin, das Got one mittil mûiz bekant werdin.
M. Cunitia. Ur. Prop.
151, 13
(
Öls
1650
):
dieselbte [Bewegung] außzurechnen / ist ein großes / und der Sternenkuͤndigen gewissestes Kunststuͤck.
Kohler u. a., Bamb. Halsger.
66, 7
(
Bamb.
1507
):
So sollen alssdann vnser amptlewt [...] an die endt schicken vnd nach den vmbstenden
[Folter]
, so der gefragt, [...], erzelt hat, Sovil zu gewissheyt der warheyt dienstlich sein moͤgen, mit allem vleyss fragen lassen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
14
(
Nürnb.
1517
):
das got [...] auserhalb ser gewisser erkantnuß nit wirdiglich gelobet mag werden.
Ebd.
17
:
Darumb ist gewisser dann gewies, das nie keiner durch eigne oder frembde sinreicheit den waren glouben Christi erreichen hat mögen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
529, 3
(
nobd.
,
n. 1525
):
wiewol wir solichs nit gewißlich oder warhaftig anzuzaigen wissen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
71, 4
(
Nürnb.
1548
):
So weyß ich doch diß wol / dz mein seligkeyt mir gewiß ist.
Schorer, Sprachposaun
8, 7
(o. O.
1648
):
Wann sie etwas bestaͤttigen wollen / so koͤnnen sie nicht sprechen / ja fuͤrwar / gewiß / es muß heissen: ma foi.
Ebd.
9, 20
:
Darauff der erste [...] den guten Herrn / biß er seinen gewissen Feinden / wider in die Garn kommen / also gehen liesse.
Schmidt, Rud. v. Biberach
114, 8
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dis sint gewisse zeichen einer verwundoter sel.
Dierauer, Chron. Zürich
88, 9
(
halem.
,
1415
/
20
):
Und wolten si ouch von dem egenanten herzog Lúpolt ain gewissne haben, ob er sich der sach an wet nemen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
922, 35b
(
halem.
, Var.
1535
):
so dann keiner eins ross art bas erfaren / dann der das ein wytten weg geritten hat / ist gwüsser dann alle lybzechen.
Maaler
180v
(
Zürich
1561
):
Es ist Gewüsser dañ gewüß / das ist gãtz gwüß vnd faͤlt nit. Certo certius. Es ist alles Gewüß war / als gwüß als ich dich / vnd du mich sichst.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
117, 29
(
moobd.
,
1478
/
81
):
welt Ir des künigs potschaft gewishait haben, so lat mich zu im reiten; ich wil euch die sach gewis machen.
Turmair
1, 475, 35
(
Augsb.
1517
):
ego in portu navigo, ,ich wil das gewisser spilen, ich pin am land, pin über den pach‘.
Ebd.
4, 45, 17
(
moobd.
,
1522
/
33
):
derjenig, so am gewisesten ausrechen kan, das man got nicht erkennen müg, wiß am pasten was got sei.
Ebd.
257, 1
:
Achaz maint, er wolt des gewissers spilen, gab künig Teglaphulassar [...] gros guet.
Luther, WA
17, 2, 189, 10
;
21, 503, 25
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
508, 50
;
Gropper. Gegenw.
21r, 4
;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
120, 6
;
Kurz, Waldis. Esopus
4, 2, 184
;
Feudel, Evangelistar
55, 21
;
Strauch, a. a. O.
25, 30
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
177
;
184
;
238
;
Dietrich. Summaria
21r, 2
;
Koller, Ref. Siegmunds
173, 6
;
Vetter, Pred. Taulers
16, 14
;
Lauater. Gespaͤnste
39r, 18
;
Andreae. Ber. Nachtmal
54r, 12
;
320, 11
;
Spiller, a. a. O.
51, 19
;
Schöpper
94b
;
Dietz, Wb. Luther
2, 117
 f.
2.
›mit Sicherheit, sicher‹; der Textautor kommentiert den Satzinhalt als sicher, nicht bezweifelbar, insofern semantische Nähe zu 1; meist ist Öffnung zur epistemischen Partikel anzunehmen, dann: ›sicherlich, es wird wohl so sein, daß [...]‹; vgl. zur Differenzierung von 1 und 2 die Unterschiede in den Syntagmen !
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Syntagmen:
das reich gewislich kommen, die welt g. untergehen, etw.
(
eine gabe
)
gewislich etw.
(z. B.
die warheit
)
fingerzeigen
›wie mit dem Finger anzeigen‹,
etw.
(
die keuschheit
)
die gehugnis g. übertreten
,
etw. g. war, ane irrung, ein vertumnis sein, im leben gewislich ungleichheit sein, ein urteil g. gefält sein
,
e. S.
(Gen.obj.)
gewislich warten, jm. gewislich anhangen / glauben, jm. gewislich etw. wiederfaren lassen, g
. [wohin]
fliehen, den lon g. nemen, etw. g
. [wohin]
bringen, got das gebet g. erhören, j. sich gewislich stossen, sich e. S
. (Gen.obj.)
erinnern, j. g. ein weib, gottes kind sein
;
gewissenlich wissen, das [...]
.
Wortbildungen:
1
gewissenlich
.

Belegblock:

Schöpper
94b
(
Dortm.
1550
):
Verè. Waarlich gewißlich sicherlich onzweifenlich furwaar vngezweifelt on zweifell.
Luther, WA
8, 485, 27
(
1521
):
den alleyn [... Apostelln] und keynen andern kuͤnnen wyr gewißlich glawben, anhangen und alßo erhallten werden.
Ebd.
17, 2, 272, 36
(
1527
):
die hoffnung, das ich des, so mir versprochen ist, gewißlich warte.
Ebd.
28, 702, 14
(
1529
):
wie er jnen huͤlffe hat verheissen und dieselbige auch gewislich jnen widerfaren lassen.
Froning, Alsf. Passionssp.
1392
(
ohess.
,
1501 ff.
):
der nu meet, der nummet den lon gewyß | und samet die frucht yn das ewige leben.
Ebd.
4755
:
eyn meyd solle eyn kynt gewynnen ! | nu wie mocht er gelingen, | sie enwere des gewisße eyn wypp?
Schwartzenbach
J iv
(
Frankf.
1564
):
Gewiß. Sicher. Warlich. [...]. Zweiffels frey. [...]. Vnwidersprechlich. [...]. Kuͤndtlich.
Strauch, Par. anime int.
128, 8
(
thür.
,
14. Jh.
):
waz ist forstentnisse? daz man forsteit ein iclich dinc alse ez ist lutir unformengit und ist gewis on irrunge.
Neumann, Rothe. Keuschh.
1362
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di meitliche kuscheit ubir trit gewisse | menschlicher natur gehugnisse.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
68, 26
(
Nürnb.
1548
):
Got werde / [...] / dein gebet gewiß erhoͤren.
Ebd.
129, 19
:
das ist gewiß war / durch solchen anfang bringts der boͤß feynd dahin / dz [...].
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
28, 15
(
Straßb.
1650
):
Wan der Teuffel predigen muß, so wird gewiß die Welt vndergehen.
Koller, Ref. Siegmunds
345, 21
(Hs. ˹
Augsb.
,
um 1440
˺):
wer nü nit ermant wil sein, [...], der sol gewissenlich wissen, das im die hell offen ist.
Schmidt, Rud. v. Biberach
73, 19
(
whalem.
,
1345
/
60
):
also vingerzeiget oͮch dvͥ gab des vuͥrstandes gewislich an zwiuel vnd vnbetrogenlich vbernatuͥrlich warheit.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 157, 14
(
Hagenau
1534
):
wer oben außferet mit dem kopffe / der stosset sich gewißlich.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
26, 41
(
m/soobd.
,
16. Jh.
, Hs.
17.
/
18. Jh.
):
so solle gewißlichen dißeß urtl gefelt sein.
Gerhard, Hist. alde e
1336
;
Luther, WA
23, 584, 10
;
48, 62, 5
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
10, 9
;
Neumann, a. a. O.
3430
;
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Mt.
13, 17
;
Reichmann, a. a. O.
107, 11
;
Sappler, H. Kaufringer
5, 584
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
107, 4
;
Turmair
5, 432, 32
;
Dietz, Wb. Luther
2, 118
 f.
Vgl. ferner s. v. , (Adj.) 1,
1
 2,  8.
3.
›etw. wissend, von etw. überzeugt, sicher (von Personen hinsichtlich ihres faktischen Wissens und ihrer Glaubensüberzeugungen gesagt)‹.
Phraseme:
gewis haben
›fest überzeugt sein‹.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen
(präd.):
e. S
. (z. B.
des lones, der erlösung, einer sele
)
g. sein, e. S.
(Gen.)
als g. sein als
[etw. anderes gewiß ist],
an e. S. g. werden, j. g. sein, das [...] / wenne [...] / wo [...] /
Hauptsatz; als präd. Attr.:
etw. gewislich im herzen beschliessen, jn., das herz g. machen, jn. e. S
. (Gen.)
g. machen / tun, jn., das volk g. machen, das [...]
; adv:
etw. g. wissen / glauben
; attr.:
das gewisse vertrauen
.
Wortbildungen:
gewisheit
2,
gewisse
2, jeweils ›Überzeugung, Wissenssicherheit‹,
gewisschaft
1,
gewissenschaft
1 ›Überzeugung‹.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok.
1271
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Daz man doch trost den selben gebe, | Daz sie zu Gote sin lones gewis.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
463
(
Eisleben
1565
):
So gehn wir hin so drotthe / | Das vns Gott berathe / | Denn gewisheit ist zu allen dingen gut.
Große, Schwabensp.
94a, 24
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
saget deme vorsprechen sin guͦt gewise
(oder ⸗
gewissen, das
, 1),
daz disser vnrecht habe, her sol sin wort nicht sprechen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 138, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ich bin des gewis: swaz der guote mensche sihet, des wirt er gebezzert.
Chron. Köln
1, 3463
(
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Men spricht ein dinck des sijt gewis: | „Wale an gerant halff ueichten is!“
Gropper. Gegenw.
15v, 21
(
Köln
1556
):
soͤllet jr erst gewiß sein / das jch alßdan [...].
Ebd.
21r, 14
:
durch welchs [Sacrament] er vns seins gnedigen willens gewiß macht.
Wunderlich, Fierrabr.
147, 18
(
Simmern
1533
):
da machet der Bischoff das gegenwertig volck gewiß / das [...].
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
176, 63
(
schles.
,
1438
):
Dy bhemischen [...] wellin zy wnsir sache vor namē keygn̄ wns’m h’n den konige. Vnd noch wnsir gewessenschaft daz czu mole gut ist.
Stambaugh, Friederich. Saufft.
13, 31
(
Frankf./O.
1557
):
das unser keiner gewiß ist / wenn / wie / und wo er sterben soll.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
2, 120
(
Nürnb.
1517
):
nichtsdestweniger haben dise [die köngin] ungezweifelt gewies, das sie zu vergleichung leiplicher reichtumb und wollust hundertfeltiglich nemen [...] das ewig leben.
Ebd.
240
:
Von dannen ist der christen gewies gemacht, das in kein creatur absundern mag von der lieb gots.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
7, 84, 15
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
daß wir psallieren sollen wie David mit solchen freuden und in solcher gestalt als einer, der der erlosung gewiß ist.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
6, 32
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Es ist in seiner [Gott] lere [...] ain sichere gewißschaft des hertzes, welches ain frucht bringt.
Henisch
239
(
Augsb.
1616
):
Gottes befelch macht das hertz fest vnd gewiß.
Kummer, Erlauer Sp.
5, 450
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
wıͤr sein weraubt an diser frist | der sel, der wıͤr gewis warn; | di hab wıͤr all nu verlorn.
Luther, WA
49, 584, 33
;
Quint, a. a. O.
1, 61, 3
;
78, 2
;
2, 295, 8
;
628, 2
;
ders., Eckharts Trakt.
23, 14
;
Chron. Köln
1, 1293
;
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
7397
;
Froning, Alsf. Passionssp.
3080
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
59, 16
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
139
;
Päpke, Marienl. Wernher
7235
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
64, 10
;
Dietz, Wb. Luther
2, 118
;
Schwäb. Wb.
3, 632
.
4.
›vom Menschen genau festgesetzt, bestimmt, definiert, umrissen, identifiziert; in der Natur, im Universum festliegend und dem Menschen genau bestimmbar, berechenbar‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, (Adj.) 6.
Syntagmen
(nahezu ausschließlich attributiv; zur ersten Nuance z. B.):
der gewisse lon / reim / tag / unterschied, die gewisse regel / schuld / speise / strafe / stat / stunde / zeit, das gewisse almosen / anwesen / ding / mas
; (zur zweiten Nuance:)
der gewisse motus / punkt
(des Universums);
den hirs g. bis
[wohin]
jagen
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 3, 525, 11
(
1532
):
da mit er [Sanct Paulus] einen gewissen unterschied macht der Propheten und des volcks.
Ebd.
41, 21, 17
(
1535
):
das Roͤmisch regiment war allent halben gefasst jnn gewisse weise und zal, alles fein ordentlich ausgeteilet.
Sievers, Oxf. Benedictinerr.
25, 25
(
hess.
,
14. Jh.
):
Durch daz sollen die sustere zu gewiszen ziden unmuszig sin in arbeide der hende.
Köbler, Ref. Franckenfort
80, 13
(
Mainz
1509
):
wo die cõdempnacion gescheen ist in einem gwissen ding So sol die execucion vñ volstrecku͂g in dem selben ding od’ guͦt gescheen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
9, 7
(
Frankf./M.
1568
):
daß die selbigen alle / Sonn / Mond vnd Stern / durch ein gewissen Motum oder bewegung fuͤr vnd fuͤr regiert werden.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
5, 4
(
omd.
,
n. 1474
):
do yagt man den herß vß deme walde gewiß biß vndir das iagthuß.
Opitz. Poeterey
8, 24
(
Breslau
1624
):
inn dem sie so viel herrliche Spruͤche erzehleten / vnd die worte in gewisse reimen vnd maß verbunden.
M. Cunitia. Ur. Prop.
149, 5
(
Öls
1650
):
in der taͤglichen umbwendung / in welcher die Sonne / der Mondt / und alle beweg⸗ und unbewegliche Sterne / von einen gewissen punct des Himmels ablauffen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
249, 24
(
oobd.
,
1349
/
50
):
die mersnecken unkäuschent ze gewisser zeit in dem jâr.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1154
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
es wër in ettleichen pilden ein eingegossene chrafft, ob si czu gewissen czeiten gegossen oder gemacht wurden.
Piirainen, Stadtr. Sillein
141r, 10
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
der richter sol eynē gewissen tag geben jenem czu czu antworten.
Rosenthal. Bedencken
9, 19
;
Perez, Dietzin
1, 410, 30
;
Küther, UB Frauensee
199, 1
;
Opitz. a. a. O.
7, 9
;
Koller, Ref. Siegmunds
134, 15
;
167, 14
;
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
75, 77
;
Bauer, Imitatio Haller
98, 21
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
85, 17
.
Vgl. ferner s. v. ,  2, (Adj.) 1,  1.
5.
›rechtlich abgesichert, sicher, verbürgt; rechtsverbindlich‹; auch: ›vor etw. (z. B. vor einer Krankheit) sicher, geschützt‹.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl. .
Wortbildungen:
gewisschaft
2 ›Absicherung‹ (14. Jh.),
gewissenschaft
2 ›Bürgschaft‹.

Belegblock:

Behrend, Magd. Fragen
123, 10
(
omd.
,
um 1400
):
daz der man hette gelossen an gewiszer unde an ungewiser schult unde an varndem gute czwe hundert marg.
Schwartzenbach
E iijv
(
Frankf.
1564
):
Buͤrgschafft. Bestandt. Fuͤrstandt. Versicherung. Verbuͤrgung. Caution, Gewißschafft.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
402, 8
(
osächs.
,
1523
/
4
):
und ist darumb vor uns obgenanten herzogen von Sachsen ine recht zu steen schuldig und bedarf der gesonnen gewissenschaft nicht noch bestellen.
Ermisch, Sächs. Bergr.
17, 24
(
osächs.
, o. J.):
das derselbe buͦwer [...] ercz irvolget [...] unde brenget das czu lichte unde hebit daz uff dry teylunge ane ansprache gewislich.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
232v, 7
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
Wen / aber aller flus der feuttikeyt aufhoret, / so wirst du gebiß vor den drußen.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 99, 11
(
nobd.
,
1464
):
Desselben closters etlich guͤlt, [...], die nit sere gewiesz waren, darfuͤr inn die herrschaft gut stucke an zehenten [...] geben hat.
Gille u. a., M. Beheim
24, 50
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Darnach cham ich czu meim hernn kaiser Fridereich. | da han ich auch gewisse speis unde solde.
Rennefahrt, Gebiet Bern
811, 26
(
halem.
,
1458
):
geltschuld, die man im schuldig und gewuͥsß ist.
Chron. Augsb.
1, 77, 8
(
schwäb.
, zu
1385
):
und daz sol man den juden gewis machen.
Ebd.
2, 166, 23
(Hs.
16. Jh.
):
sie hett ain sun, dem schuef der herr 10 000 guldin und versichert ims, daß sie im gewiss waren.
Dirr, Münchner Stadtr.
394, 5
(
moobd.
,
um 1365
):
Sind aber erben auzzer landes, da sol er gewizz fuͤr machen zehen iar und ainen tack dem, der da chaufft hat daz aygen fuͤr allew recht ansprach.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
52, 38
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
und geben wir durch die vorgemelte männer die obbemelte gegent, [...], der vorgemelten kierchen unser frauen zu Spittäll für ihr gewiß und aigen grunt, [...], ewigelich zu besizen.
Luther, WA
48, 8, 5
;
Mon. Boica, NF.
2, 1, 243, 15
;
Koller, Ref. Siegmunds
323, 21
;
Schmitt, Ordo rerum
626, 17
;
Schwäb. Wb.
3, 635
.
6.
›sicher, effektiv, erfolgversprechend, zielgerichtet, zielführend, wirkungsvoll‹ (von Handlungen e. P., Funktionen und Wirkungen e. S. gesagt).
Bedeutungsverwandte:
vgl.  2, (Adj.) 3,  3, (Adj.) 2, (Adj.) 15,  8.
Syntagmen:
ein pulfer, ein weg g. sein, j. g. zu schiessen
›sicher im Schießen‹
sein, g. aus der faust, zum ziel schiessen, einen säbel g. greifen, einen streich g. fassen, gold g. auffangen, etw. g. wieder jn. vermögen
;
der gewisse schus / schütze / streich / verstand / vorsaz, die gewisse arzenei / hand / kunst
.

Belegblock:

Chron. Magdeb.
2, 51, 12
(
nrddt.
,
1565
/
6
):
auch ist der büchsen meister, ein gewisser schütz, [...], auf dem thurme von einem steine geschlagen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
150, 3295
(
Magdeb.
1608
):
Petz fasset den streich gewiß / | Vnd schlug den schafft hinweg vom spieß.
Ebd.
193, 4573
:
Das er [Herd] das Gold gewiß auffieng / | Wenn der schmeltztopff auff stuͤcken gieng.
J. W. von Cube. Hortus
114, 23
(
Mainz
1485
):
Wem das Bluͦt am lybe geliebbert were [...] der neme das puluer [...] vñ lege das darvff das zurteylet das geliebert bluͦt vnd ist gewisse.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
104, 11
(
Frankf.
1535
):
so ist ein gold des lebens / genant Aurum uitæ, [...] / on zweifel ein gewiß artznei.
Scholz, Lanfrank. Chir. Parva
226r, 24
(
md.
/
oobd.
,
1446
/
8
):
der arcz muße enenn gewissen / vorsacz haben vnd geprauchen der dingen, / dy ym dar czu huͤlfflichen sind.
Franck, Klagbr.
230, 35
(˹wohl
Nürnb.
˺
1529
):
Was solt so gewiß vnd fest wider dise etwas vermoͤgen vnd auffgesetzt werden / das nit mit irer listigen geschwindigkeit bald wirt ausgelescht.
Maaler
180v
(
Zürich
1561
):
Gewüsse hand / die deß streichs nit faͤlt.
Kohler, Ickelsamer. Gram.
7, 1
(wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
wie von diser lesekunst [...], kain rechter gewiser verstand oder brauch, künd sein oder geschehen, man wisse vn̄ verstehe dan̄ jren [...] grund.
Bauer, Imitatio Haller
73, 14
(
tir.
,
1466
):
Der weg der ist vil gewisser czue got, da der mensch sich diemuetikchleichen pekchennen ist.
Ebd.
74, 26
:
man sol die sach gewisleichen vnd lankchsam handlen.
Peil, a. a. O.
672, 5208
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
78, 8
;
Skála, Egerer Urgichtenb.
83, 7
;
Sachs
2, 115, 38
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
167, 28
;
Haszler, Kiechels Reisen
325, 1
;
Maaler
181r
.
7.
›beauftragt, bevollmächtigt‹.
Beleghäufung für das Wobd.; oft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Phraseme:
der gewisse bote
.
Bedeutungsverwandte:
vgl. , , , (Adj.) 6.
Wortbildungen:
gewisbote
.

Belegblock:

Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl.
1, 1115, 1
(
mosfrk.
,
15. Jh.
):
dat ein eiklich man, die jair ind dach binnen dem gerichte van Hoinghen waeneftich is [...], unsen vurs. heren van sent Cunibert ind iren gewisligen vêden hulden sal.
Chron. Strassb.
1, 69, 13
(
els.
,
1362
):
domit entschuldeget er sich redelich, und erbote sich gegen dem bobest mügelicher und zimelicher dinge mit sinen gewißen boten.
Leisi, Thurg. UB
8, 101, 26
(
Eschlikon
1393
):
der beschaiden Claus Sigmaringen, [...], dez burgermaisters, des rautz und der burger gemainlich der statt zuͦ Costentz gewisser bott und gesworner rautzknecht.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
84, 33
(
halem.
,
1391
):
das wir loben fur uͥns, fuͥr uͥnser erben, [...] hoͤwzenden den .... geistlichen luͥten des gotzhus [...] oder ir nachkomen oder ir gewissbotten mit namen drizechen phunt und zechen schillinge.
Ebd.
301, 12
:
Woͤlche person, [...] wasser [...] in die winfass taͤte, [...], ăne desselben wines meister oder rechter gwuͥsser botten erloubunge.
Edlib. Chron.
6, 13
(
ohalem.
,
um 1500
):
dess habend sy vollen gewalt als als
[sic !]
vnsser gewüssmacht botten
[wohl:
gewüss macht botten
].
Müller, Stadtr. Ravensb.
69, 5
(
oschwäb.
,
1326-30
):
swer daz brichet, [...], der muͦz gen den burgern I ₰, dem amman I ₰ und sont ouch die mazze vor den trinkaern fùllen ald vor ir gewissen uftragern.
Auer, Stadtr. München
62, 6
(
moobd.
,
n. 1347
):
verantwurt dann der gast oder sein gewisser pot daz gelt nicht inners jars vrist, so sol [...].
UB Zug
284, 11
;
803, 48
;
Argovia
4, 260, 1
;
Welti, Stadtr. Bern
146, 26
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
92, 18
.
8.
›zuverlässig, glaubwürdig, untrüglich, sicher, klar, deutlich (von Handlungen des Menschen, Zeichen u. ä.)‹; offen zu 9.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,
2
(Adj.) 5, ,  4.
Syntagmen:
der geist, die kundschaft, das wort / zeugnis g. sein
;
der gewisse beruf / commentarius, die gewisse botschaft / gezeugnis / lere / liebe / märe / weissagung / zusage, das gewisse zeichen
.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Ps. 19, 8
(
Wittenb.
1545
):
Das Zeugnis des HERRN ist gewis.
Ebd.
Weish. 7, 22
:
es ist in jr [Weisheit] der Geist / der verstendig ist / heilig / einig / [...] / ernst / frey / wolthetig / Leutselig / fest / gewis / sicher.
Große, Schwabensp.
108a, 17
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
so sal der lantrichtere sine gewisse botschaff senden zuͦ geistlicheme gerichte, daz man in zuͦ banne tuͦt.
Chron. Nürnb.
2, 335, 8
(
nobd.
,
1448
/
50
):
großer gebruch ist gewesen an kuntschaft, die gewieß wer.
Vetter, Pred. Taulers
271, 32
(
els.
,
1359
):
das ist ein gewis zeichen das dis heilige sacrament an úch geworcht hat.
Roloff, Brant. Tsp.
1250
(
Straßb.
1554
):
Das ist ein gewiß zeichen in mir | Das er sie lieber hatt dann euch.
Henisch
229
(
Augsb.
1616
):
Herren / Jungkfrawen / vnd junger Gesellen wort / sollen kurtz / bedaͤchtig vnd gewiß sein.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
54, 41
(
m/soobd.
,
16. Jh.
):
wolt aber der benant lantrichter sich aines solchen übelthäter nicht underwinden und man im doch ain gewiße potschaft gethan hiet, so soll [...].
Mathesius, Passionale
38r, 3
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
137, 15
;
Eschenloher. Medicus
4, 29
;
Wyss, Luz. Ostersp.
2953
;
UB ob der Enns
9, 485, 10
;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
200, 4
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
106, 21
;
Maaler
201v
;
Dietz, Wb. Luther
2, 117
.
Vgl. ferner s. v.
1
 2,  4,  7.
9.
›zuverlässig, vertrauenswürdig (von Personen)‹; speziell: ›in Rechtsverfahren als zuverlässig anerkannt‹.
Bedeutungsverwandte:
 2,  2,  2, ,  1; vgl. (Adj.) 5,  1,
2
(Adj.) 6.

Belegblock:

Lohmeyer, K. v. Nostitz
153, 18
(
preuß.
,
1578
):
der das meiste giebt, der neme es, und das gewisse leutte sein.
Große, Schwabensp.
112a, 18
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
Sint auͦer se [zwene man] gewis vnde hant se guͦt in deme lande, so ne doruͦen se keinen buͦrgen setzen.
Ebd.
217a, 34
:
Cuͦmt in der cleger an, her mach in wol mit rech angesprechen vnde vor daz gerichte bringen, also ob her im nicht gewis ist.
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 43
(
Thorn
1584
):
ist her nicht gewys. so sal yn der richter voen.
Schwartzenbach
C ir
(
Frankf.
1564
):
Auffrecht. [...]. Redlich. Gewiß. Glaubenhafft. Fast treuw.
Wickram
4, 30, 33
(
Straßb.
1556
):
der selb [got] ist auch der gewiss artzet zuͦ leib und zuͦ seelen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
182, 30
(
oobd.
,
1349
/
50
):
wenne [...] der sumer deins lebens und deinr üppigen fräud ain end hât, sô scholt dû dich vor gewarnt haben gewisser gelaiter.
Hör, Urk. St. Veit
218, 12
(
moobd.
,
1435
):
einem andern frumen ordenleichen pawmann, der dem wenanten gotzhaus vnd chloster gewis vnd guͤt ist vmb sein gult vnd vadrung, auch der allez daz haͤltt vnd tut, daz der prief awzweist.
Franck, Decl.
342, 2
;
Welti, Stadtr. Bern
529, 11
;
Piirainen, Igl. Bergr.
37, 7r
;