gewelbe,
das
;
-s/-Ø
, auch
-r
.
1.
›Gewölbe, Wölbung, konkav gerundete Decke in Gebäuden, gewölbter Bauteil‹; auch: ›Strebepfeiler‹; offen zu 2.
Bedeutungsverwandte:
(
der
2, ; vgl.
1
 1.
Syntagmen:
ein g. aufbringen / bauen / machen / schlagen / täfeln / vergülden / unterfangen / zimmern / tünchen / loben / einwerfen / erkennen
(um es zu deuten)
/ zerstören, auf säulen setzen, die säule das g. tragen
;
das g.
(Subj.)
einfallen / niedergehen, auf stücken brechen
;
etw
. (z. B.
Christus reich
)
als ein g. ansehen
;
die Lahn gleich
(›so hoch wie‹)
dem g. gehen
;
den kopf an das g. stossen, die brücke auf dem g. beruhen, ein stein aus dem g. fallen, einen stein durch das g. werfen, sprüche in ein g. anschreiben, etw. mit einem g. zurichten
;
der freuden g
. (poetisch),
das g. des turms, ane grund, im chor, bober / unter der erde
;
das feste / grosse / hohe / kugelechte / starke / steinene / tapfere g
.;
der tron des gewelbes
;
der sal mit gewelben, der turm mit einem g
.
Wortbildungen:
gewelbstein
,
gewelbweise
,
gewelbze
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1405
):
18 m. 4 muwerern und 4 knechten, die in hantrichten, das sie 3 gewelbe ofgebrocht haben und eyn gewelbe getonchet haben.
Luther, WA (
1520
):
die tziegel fallen dann vom dach, die balcken vorfaulen, das gewelb fall eyn.
Ebd. (
1524
):
eins großen gebeudes, von grosßen steinen und kostlichenn gewelben.
Ebd. (
1525
):
D. Carlstad [...] fieng an eyn gros starck gewelb uber sich zu bawen.
Ebd. (
1529
):
wir sollen Christus reich also ansehen als ein solch gros gewelb, ia ein grossen weiten himel.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
86, 1355
(
Magdeb.
1608
):
Als Wenn Mauren / Gewelb vnd Tach / | Jm erdbeben auff stuͤcken brach.
Chron. Köln (
Köln
1499
):
he warp dairneder van der doimkirchen binnen Coellen ein sere groissen stein uis sinen clameren durch dat dach ind gewoulftz boven den dri hilligen koningen.
Hilliger, Urb. St. Pantaleon (
rib.
,
1662
):
angefangen die bruck am Weissen-Hauss zu repariren und ein neu gewolb zu schlagen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
zu Limpurg ging di Lane glich dem gewelbe an der Trenkporten, di was seszen fuße hoch.
Köbler, Ref. Wormbs
294, 1
(
Worms
1499
):
das niemant gewoͤlbe oder hangende genge entboͤre vber die gemeinen Strassen od’ gassen von einem huse in das ander buwen noch machen soll by pene.
Perez, Dietzin
1, 128, 25
(
Frankf.
1626
):
wer vber eine Bruͤck zu gehen hat / der ist ja so froh / daß dieselbe auff einem starcken Gewelb oder Bogen beruhet.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
Dis huss wart gebuwet mit hoen muern, [...] mit grossen schonen vesten gewelben under unde pobir der erden.
Pyritz, Minneburg
114
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Ich quam zu irre [der burge] bruͤcke schon, | Geziret mit gewelbes thron, | Dar uff risen, lewen lagen.
Ebd.
2407
:
Wiße daz du bist ein pfoste fin, | Durch glentzet und durch schimmert, | Daruff ich han gezymmert | Miner freuden gewelbe !
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1514
):
dafur außgeben pro 250 gewolbstain, 200 nagel, 4 taglun, [...] 12 ½ ℔.
Sachs (
Nürnb.
1557
):
die schönest somerlauben | Hab ich mit weinreben umbzogen | Und oben gwelbweiß uberbogen.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do verbranten die glocken und die orgeln und die dach und was do obewendig der geweilbe was.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gwelb zuͦ beiden seyten eines hohen gebeüwes daß es steyffer stande. Anteris, Arcus obnitens. Ein Gwelb machen / oder wie ein Gwelb oder schwybogen gstalten.
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel
663
(
schwäb.
,
1455
):
Es ist ein herlich sal | Mit nün gewelben oben.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
ein starckhe marmorsteinene saul, wölche das gewölb trögtt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gewelb / das oben herab nach dem Circkel inn die runde / wie ein halbe Kugel gewelbt ist.
Fuchs, Kart. Aggsbach (
moobd.
,
1400
):
das ein mawr oder ein gewelb nydergieng.
Gereke, Seifrits Alex.
6888
(
oobd.
, Hs.
1466
):
dar ein hies er es begraben, | ein hoch gewelb dar auf erhaben.
Ebd.
7209
:
das gewelib oben | was reichlich und wol ze loben | und von holcz aloe.
Joachim, a. a. O. ;
Pyritz, a. a. O.
2485
;
Martin, a. a. O. Tempel
1026
;
Rennefahrt, Wirtsch. Bern ;
Hauber, UB Heiligkr. ;
Rauwolf. Raiß ;
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. ;
Qu. Brassó
5, 445, 87
;
Mylius
F 6r
;
2.
›mit einer aus Mauersteinen bestehenden gewölbten Decke überdachter, besonders sicherer Raum für verschiedene Zwecke, u. a. zur Aufbewahrung von Akten (als Archiv), zum Lagern von Waren, zur Vorratshaltung, zur Kühlung, zur Sicherheit, als Grabstätte‹; in 1 Beleg ütr. (s. u.
Fastnachtsp.
): ›als Raum gedachter Körper des Menschen‹.
Bedeutungsverwandte:
im sachlichen Orientierungsfeld je nach Zweck mit  8,  1,  12,  5 (dann mit Öffnung zu ›Gebäude, fester Bau‹) oder  4,  2,
1
 1,  1, (dann Tendenz zu ›Vorratsraum Warenlager, Verkaufsraum‹) oder mit ,  12, auch (in letzterem Falle: ›unterirdischer Raum, Felsen- oder Erdhöhle‹).
Syntagmen:
ein g. machen / einfassen / beschliessen / ausräumen, verpetschieren
, [wo]
haben, etw
. (z. B.
wein
)
das g. begreifen
›im
gewelbe
gelagert werden‹,
jm. sein g. aufbrechen / versperren, jm. ein g. (-)geben / bestimmen
(z. B. zur Aufbewahrung von Wertsachen);
das g
. (Subj.) [etw.]
über jn. rufen
;
jm. aus dem g. stelen, etw.
(z. B.
briefe
)
aus dem g. verrücken
›entfernen‹,
in einem g. feil haben
›Verkauf betreiben‹,
im g. brinnen, in ein g. kommen / dringen, etw. in ein g. hinunterlassen
(z. B.
einen sarg
)
/ legen
(z. B.
briefe / akta, eine chronik, wein
)
/ tragen
(z. B.
eine truhe, geld
),
etw
. (z. B.
einen schaz
)
in einem g. verraten, etw. in einem g. stehen
(z. B.
ein kleinod
)
/ verderben
(z. B.
spezerei
) /
verstolen sein
(z. B.
rosse
),
etw. in einem g. haben
(z. B.
pfeffer
);
das g. der herren, der kanzlei, unter dem rathaus
;
das grosse / kleine / öffentliche / tiefe g
.;
das schlos am g., eisen auf dem g., vorrat im g., haus mit g., schlüssel zum g
.
Wortbildungen:
gewelbbuch
›im Archiv liegendes Aktenverzeichnis‹,
gewelbsherre
a. ›Aufseher über das Archiv‹, b. ›Kaufherr‹ (a. 1573),
gewelbsschreiber
›Archivar‹ (a. 1653),
gewelbung
.

Belegblock:

Ziesemer, Marienb. Ämterb.
142, 27
(
preuß.
,
1402
):
5½ last Ungirsch ysens uff dem gewelbe, item 15 flicken fleysch.
Ders., Gr. Ämterb.
297, 23
(
preuß.
,
1523
):
Vorrodt im gewelb unnd in gastkamern: 27 bette bose unnd gutt, 6 pful.
Luther, WA (
1521
):
das der tisch, offen und gewelb der Cancelley
(genitivus explicativus)
wurde übir yhn ruffen [...] ,Emßer, leug dich nit zu todt‘.
Wie wird es
[Kreuz]
aber funden ? nit in beschloßne gewelbe, sonder in dem Euangelio.
Buch Weinsb. (
rib.
,
1581
):
Er was gewolfsher.
Laufs, Reichskammergo.
98, 30
(
Mainz
1555
):
sollen die beisitzer die acta, [...], ehe und zuvor sie dieselben referiert, [...] nit wider in das gewelb legen oder von sich geben.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
85, 5
(
Frankf./M.
1568
):
Jch [der Steynmetz] auffricht Steinheuser wolbsinn / | Mit Keller / gewelb / Bad vnd Bruͦnn.
Fastnachtsp. (o. O. o. J.):
Ich sul im for die luken schan | Mit einr latwergen, die ich han, | [...] | Wann ich pflig sie auß meim eigen gewelb zu nemen.
Gille u. a., M. Beheim
99, 596
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das sÿ den selben schacz nit wern | verraten oder offenpern | in hol oder gewelbe, | Wu er den waz verporgen.
Ebd.
453, 2565
:
achczehen ross. | Die warn haimlich verholen | in aim gewelb verstolen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
da het der Hanns Taffler genant einen krom oder gewelb unter dem rathaus zu Nürmberg, der prach ains nachtz im sein gewelb selber auf und trug etliche vil pfenbert des nachtz haim in sein haus und er leget sich des morgens früe fuͤr das gewelb und [...] sprach, man het im vil gestoln.
Ebd. (
E. 15.
/
A. 16. Jh.
):
het irn herrn, [...], gezigen, er het dem Vischer, kaufman, auß seim gewelb gestoln.
Maaler (
Zürich
1561
):
Gewelb (die) Gewelbte ort / darunder man in grosser hitz erkuͤlung suͦcht. Testudines.
Gwelbung (die) Ein gewelbter Bauw. Fornicatio.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
So sein aber die alten so liederlich gewest, das sie keine oder doch wenig gewelber, damit sie im fahl der not sichere behaltnus hetten gehapt.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Gewelb vnder der Erden / darinn die todte Leichnam gelegt werden.
Bastian u. a., Regensb. UB
26, 22
(
oobd.
,
1352
):
Wir sein auch uͦberain worden, das Fronchen, Elsozzer und alle oberwein dheinen cheler noch gewelb niht begreiffen sol, ez werden mein herren ê ires ungeltes gentzlich bericht.
Ebd.
309, 30
(
1367
):
er hat auch ettwivil chlainad, die stent in einem chlainn gewelb in einer truhen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
er [gast] mag in [wein] aber legen auf ein gred oder in ain gewelb, biz er in verchauffen mag.
Bastian, Runtingerb.
2, 133, 6
(
oobd.
,
1402
):
het ich von got ze lechen in meinem gebelb 2780 ℔ piper.
Mollay, H. Kottanerin
11, 17
(
moobd.
,
1439
/
40
):
es pruͤn in dem gwelb, do meiner fraun gnad inne laͤg.
Rechn. Kronstadt
3, 136, 19
(
siebenb.
,
1541
):
welch gelt dy Ersam Weÿsen herren herr Jocob Hyrser vnd herr Vincentius Schnaÿder in dÿ Eÿseren Lad in das gewelb haben getragen.
Lippert, UB Lübben
2, 2336, 24
;
Wickram
4, 6, 20
;
35, 5
;
Rennefahrt, Zivilr. Bern ; ;
Uhlirz, Qu. Wien ff.; ;
Mollay, a. a. O.
11, 25
;
Bremer, Voc. opt.
273
;
Rwb f.;
Vgl. ferner s. v.  5,  1, (
die
).
3.
›Verlies, unterirdischer Kerker‹; Spezialisierung zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 3, ; vgl.
1
 12,
1
,  2,  9.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jer. 20, 2
(
Wittenb.
1545
):
schlug er [PasHur] den Propheten Jeremiam / vnd warff jn ins Gewelbe
[
Cranc
M. 14. Jh. /
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1530 /
Dietenberger
1534 /
Eck
1537:
stock
]
vnter dem öberthor.
Skála, Egerer Urgichtenb.
44, 13
(
nwböhm.
,
1563
):
hat man dießen Hans oten. den scharf richter wider Ins gewelb gepunden furen [...] laßen.
Gille u. a., M. Beheim
76, 206
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sol wir [...], | uns nicht als leicht wider in der | helschen chercher gewelbe | Verkauffen in die peine.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1527
):
wie er [eisenmeister
›Gefängniswärter‹
] komen ist, da hat er kaum sehen können, und da er zum gwelb kam und aufschloß, da gieng ain grosser dampf heraus
[wegen Brandlegung durch einen Gefangenen].
Jaksche, Gundacker (
oobd.
, Hs.
1. H. 14. Jh.
):
Joseph von Arimathia | si do geviengen unt furten in hin, | in ein gewelbe wurffen si in.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
1610
):
hatte er es aber nit im vermögen, so soll er ihm gwolb carcerirt und mores lehrnen.
4.
›Schneckenhaus‹.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  8.

Belegblock:

Voc. Teut.-Lat.
m vjr
(
Nürnb.
1482
):
Gewelb. testudo od’ sneckenhauße oder kamer oder estrich.