gewarten,
V.
1.
›auf etw. / jn. warten, etw. / jn. erwarten, etw. abwarten; etw. (z. B. Wild) erlauern; sicher damit rechnen, daß [...]‹; im Unterschied zu 2 eher von konkreteren, unmittelbarer bevorstehenden Bezugsobjekten, im einzelnen aber schwer abgrenzbar.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,
1
 12.
Syntagmen:
etw
. (Akk.obj., z. B.
die auslegung / erhörung / vergebung / zeit, das glük / heil, ere / gut
)
g., etw. von got, von den heiligen g.
;
g., was / das
[jeweils + Objektsatz],
g. wen
›auf den Zeitpunkt warten, daß [...]‹;
js
. (z. B.
euer
)
/ e. S
. (Gen.obj., z. B.
des abschiedes
›Beschlusses‹ /
trostes, überfalles, eines tages, der absolution / auslegung / gnade / huld / rechtfertigung / zeit, der almosen
)
g
.;
e. S.
(Dat.obj., z. B.
dem urteil
 ) g.;
von jm
. (z. B.
von den heiligen
)
etw. g., auf jn.
(z. B.
auf den keiser
)
g., auf etw
. (z. B.
auf die zerung
)
g
.;
die seligkeit / weisheit in ein g
. (subst.)
setzen
;
der gewartende erbe
.
Wortbildungen:
gewartung
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 83, 8
(
1522
):
das man [...] von den heyligen gewarttet, das alleyn von gott tzu gewartten ist.
Ebd.
22, 9, 35
(
1544
):
nicht mer wissen, wo her sie [Adam und Heva] des trosts des verheissenen Samens gewarten sollen.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
171, 29
(
Magdeb.
1615
):
Zu dem setzet er vnsere Weißheit / [...] nicht in ein wircken / lauffen / rennen / Muͤhe vnnd Angst / sondern in ein blosses lauter feyern / ruhen / empfahen / vnnd gewarten.
Ebd.
174, 24
:
Es ist besser ein jeder befinde vnd gewarte es von Gott in jhm selbst / dann daß man viel vom Glauben schwatze.
Mieder, Lehmann. Flor.
920, 21
(
Lübeck
1639
):
wer andern guts thut / der hat guts zu gewarten.
Goedeke u. a., Liederb.
9, 6
(
Mainz
1513
):
erzeig mir doch die treue dein, | die ich von dir bin gwarten.
Skála, Egerer Urgichtenb.
90, 20
(
nwböhm.
,
1572
):
het Auch seinem herrn gesagt das er sich gerecht vnd vnschuldig wisse, wolte derowegen, Gewarten was Im begegnen möchte.
Chron. Nürnb.
2, 89, 9
(
nobd.
,
1444
):
daz sie des auch schullen willig sein und 8 tag uf ir eygen zerung gebarten.
Kohler u. a., Peinl. GO Karls V.
21, 6
(o. O.
1532
):
ob die verdacht person auss Neidt, feindtschafft, vorgeender tron oder gewartung einichen nutz zu der gedachtenn Missethat vrsach nemen möcht.
Sachs
3, 69, 9
(
Nürnb.
o. J.):
Von mir aber hast ehr und gut | Zu gewarten nach meinem todt.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
252, 23
 f. (
Nürnb.
1548
):
das wir durch den glauben an Christum [...] gewiß vergebung der sünden durch Christum gewarten sollen.
Ebd.
261, 35
:
vmb huͤlff vnd gnad zu bitten / vnd gewise erhoͤrung gewartē.
Bachmann, Haimonsk.
137, 10
(
halem.
,
1530
):
„du tröwst schön,“ sagt Rengnold. „Wir hand ein schloß, da wir ŭwer wol gewartten wend“.
Chron. Augsb.
5, 354, 34
(
schwäb.
,
1490
):
des wollt ain rat guͦtlichs oder rechtlichs entschids von kaiserlicher oberkait gewartten.
Turmair
4, 807, 4
(
moobd.
,
1522
/
33
):
ein schaff in eim schlachthaus, so teglichen [...] gewarten müest, wen mans [...] abstechen welt.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
4, 9
(
München
1528
):
Paulus selbs bekent daz er seiner rechtferttigung gewart aus seinn guoten werchen vnd nit allain ausm glawb.
Ebd.
14, 1
:
Darumb mueessen wir gewartten ainhelliger auslegung christenlicher lerer, souil die kirch darjnn annymbt vnd bestaettigt.
Winter, Nöst. Weist.
2, 334, 12
(
moobd.
,
1564
):
wer ain gewartunder erb wel sein zu ainem weingarten, der sol sich in den pergdöting mit seiner gerechtigkait anzaigen.
Ebd.
777, 34
(
1488
, Hs.
um 1521
):
das si haben ein frei gejait von den hoffpeunten als ver ainer den schteik gelangen mag und wass si ungeverlich da gewarten migen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
229, 14
(
smoobd.
,
1624
):
daz er [klager] nit weichn, sunder was recht und ertail wurkn wert, dem zu gewarten und ân all flucht nachkumen wöll.
Qu. Brassó
5, 564, 35
(
siebenb.
,
1616
):
er [...] ist nach der Port [...] verreiset und von dem Kaiser gewarten wollen.
Luther, WA
1, 230, 3
;
1, 250, 13
;
1, 280, 12
;
10, 3, 400, 4
;
20, 299, 14
;
52, 325, 13
;
52, 646, 39
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
688, 5705
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
3, 187, 1
;
Kurz, Waldis. Esopus
4, 86, 19
;
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
107
;
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
1153
;
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 6, 30
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
423, 21
;
Dietz, Wb. Luther
2, 114
.
Vgl. ferner s. v.  2.
2.
›einer in der Zukunft liegenden, meist als drohend, vereinzelt als Versprechen empfundenen Sache gewärtig sein; etw. zu erwarten, zu gewärtigen haben‹; bei deutlich negativer Einschätzung: ›sich auf etw. gefaßt machen, mit etw. rechnen‹; bei positiver Einschätzung: ›etw. erhoffen‹.
Phraseme:
etw. von jm. nicht gewartend sein
o. ä. ›sich e. S. nicht versehen, nichts ahnen‹.
Gegensätze:
.
Syntagmen:
etw
. (Akk.obj., z. B.
böses / verfolgung, einen nachteil / schaden, den tod / untergang, eine gefar / strafe, das gegenspiel / wiederspiel
 )
g., von jm. etw. g., an jm. etw
. (z. B.
etwas menschliches
)
g
.;
e. S
. (Gen.obj., z. B.
des jüngsten gerichtes / ewiger pein / ungemaches / aufrurs / unrates, einer far / strafe, der feindschaft, der rechnung von got
)
g., jn. eines schadens nicht g. lassen
›keinen Schaden dulden‹.

Belegblock:

Luther, WA
16, 568, 14
(
1526
):
Qui ius agunt, mussen am ersten [...] gewarten der feindschafft.
Ebd.
21, 354, 5
(
1544
):
Das reimet sich alles nichts dazu, das sie [Juͤnger] solten ein solch weltlich Reich auff Erden zu hoffen haben, Sondern eben das widerspil sollen sie gewarten.
Ebd.
22, 358, 3
(
1544
):
das er [Christen] guts thue und boͤses dafuͤr gewarte.
Ders., Hl. Schrifft. 2. Kor.
5, 16
Marg. (
Wittenb.
1545
):
Christum nicht mehr erkennen nach dem Fleisch / ist nichts fleischlich an jm suchen / oder gewarten.
Perez, Dietzin
2, 537, 12
(
Frankf.
1627
):
Was einer thut / das muß er auch hernach von andern gewarten.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
122, 26
(
omd.
,
um 1559
):
der teter soll den schaden gelten und schwerer straf darzue gewarten.
Wickram
4, 47, 22
(
Straßb.
1556
):
sollend ir taͤglichen mehr / und vil bessers von mir gewarten sein.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
15, 10
(
Straßb.
1650
):
was dann für eine belohnung die Poeten in der Hölle zu gewarten hätten ?
Chron. Augsb.
7, 78, 9
(
schwäb.
, zu
1548
):
so möcht daraus anders nichts dann diser stat endtlicher, letster undergang und eusserist verderben zuͤ gewarten.
Barack, Zim. Chron.
4, 235, 10
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
das ains nit wolt | Recht thun lieber, dan das er solt | Nacher gewarten ewiger pein !
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
55, 21
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das er als herr und Romischer kayser solchem furcham und sew [die von Kollen] merers schaden nicht gewarten ließ sein.
Ebd.
204, 31
:
Und uber solichs vertrawen und geloben mit gewalltiger hannt, ungewarnt und unbesorgt, als er das von yn nicht gewartend ist gewesen, [...] verrattlich an ym gefarn.
Turmair
1, 178, 36
(
moobd.
,
1529
):
Wer nit außgibt, hat nichts zue gewarten dan, wo man kan und mag, das man in umb das sein bringt.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 187, 13
;
Luther, WA
21, 308, 8
;
32, 11, 17
;
47, 97, 12
;
Kurz, Waldis. Esopus
1, 9, 61
;
Stambaugh, Friederich. Saufft.
15, 24
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
78, 16
;
248, 34
;
Sachs
5, 251, 23
;
16, 103, 32
;
19, 250, 15
;
Chron. Augsb.
7, 147, 24
;
264, 7
;
314, 29
;
Turmair
4, 491, 33
;
Winter, Nöst. Weist.
2, 6, 29
.
3.
›etw. voraussetzen, verlangen, erwarten‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3, (V.) 7.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 1, 711, 3
(
1522
):
da sie [Papisten] leren mit muttwilligem freuel: Man solle die christliche kirche und den glawben bey yhnen gewartten.
Ebd.
30, 3, 519, 32
(
1532
):
Ein Pfarher kan ja rhuͤmen, das er das Predigampt, Tauffe, Sacrament, Seelsorge offentlich und mit reht jnne hat [...], Bey dem man auch solchs suchen und gewarten sol.
4.
›einen Anspruch auf etw. haben‹.
Syntagmen:
die belonung / besoldung g., den schaden gewartend sein
;
des pfandes g
.

Belegblock:

Hör, Urk. St. Veit
75, 24
(
moobd.
,
1358
):
Vnd sullen si daz
[Schadenersatz]
haben vnd gewartent sein auf vnsern triwen vnd auf aller vnsrer hab.
Mollay, Ofner Stadtr.
384, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
So schol der selb, der daß pfant von ersten hat vorsetczt seins pfaͤnts gewarten von dem, dem er daß pfant hat gesatczet.
5.
›jm., einer Herrschaft o. ä. zu Diensten stehen, dienen‹.
Bedeutungsverwandte:
 1613; vgl. ,  3,  1.
Syntagmen:
mit Dat.obj. d. P.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 25, 17
(
1529
):
als muͤste ich gleich dem geringesten verpflichten odder gefangenen hie zu gewarten sitzen.
Mitzschke, UB Bürgel
332, 15
(
thür.
,
1403
):
daz wir uns an sie haldin unde sie czu unsern rechtin herren irkennen, yn gewarten unde gehorsam sin sollin.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
46, 28
(
nobd.
,
1465
):
so sollen demselbigen [voit] [...] alle hausgenossen [...] sweren, im als irem rechten herren und nimandt anderem gewarten.
Loose, Tuchers Haushaltb.
163, 4
(
nürnb.
,
1512
):
den hab ich gedingt adi 10 febrer czu einem raißigen knecht in meiner hern dinst teglich czugewartten.
Dinklage, a. a. O.
94, 38
;
Chron. Nürnb.
1, 161, 12
;
199, 17
;
29
;
2, 123,
Anm. 1;
Turmair
1, 54, 8
;
Rwb
4, 730
.
6.
›e. S. (Pflicht o. ä.) obliegen, nachgehen, sich mit etw. / jm. beschäftigen, sich um etw. / jn. kümmern‹.
Bedeutungsverwandte:
1
 2; vgl.
1
 7,  5,  234,  3,  1, .
Syntagmen:
e. S.
(z. B.
des friedens / gerichtes, eines gutes, der geschrift / pfarre, rechtens
) /
js.
(z. B.
des volkes
)
g
.,
e. S.
(z. B.
dem ampte / stift
)
g
.

Belegblock:

Luther, WA
30, 2, 126, 19
(
1529
):
fur krieg und mord konnen sie des friedes nicht achten noch gewarten.
Ebd.
41, 408, 19
(
1535
):
multi haben so viel zuthun, ut des junges volcks nicht kunnen gewarten.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 183, 12
; (
Arnau
1525
):
Bischof. Wir mögen der gschrift nit gewarten und lesen, dann wir seind mit andern weltlichen sachen und handlen stets bekümert.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
512, 18
(
nobd.
,
n. 1525
):
Der ambtman zu Hoheneck [...] hab sie auch betrohenlich ermant, sich [...] zu stellen, ime zu hulden, [...], dem ampt hinfuro zu gewarten.
Vetter, Pred. Taulers
272, 13
(
els.
,
1359
):
ob nu unser lieben swesteren diser frucht und dis grossen guͦtz der wúrklicheit nút enkúnnen gewarten des morgens zehant, wan si muͤssen [...] dem covent in allen dingen volgen, [...]: hie alles engelit nút an.
Köbler, Stattr. Fryburg
198, 7
(
Basel
1520
):
sagt er dañ dar nach / er woͤll erben / so sol er ingesetzt werden / vnd alsdan verbunden sin mengklichem / rechtens zuͦ gewarten.
Pfeiffer, Frk.-bay. Landfr.
319, 7
(
nobd.
,
1427
):
ob der oberman daczwischen abgieng oder des süst nicht mer gewarten möht, so solten wir ye, [...], eins andern überkomen.
Rwb
4, 730
;
Schwäb. Wb.
3, 612
.
Vgl. ferner s. v. .
7.
›zu etw. dienen, gereichen, zur Verfügung gestellt werden‹.
Wortbildungen:
gewartnei
›jm. gewährte Dienst-, Hilfs-, Schutzleistung‹.

Belegblock:

Schottenloher, Flugschrr.
46, 15
(
Nürnb.
1523
):
so sie mit soͤlcher erlaubung ychts den feinden abgewunnen, dasselbich soͤll den, die es gewunnen haben, zu gemeiner peuth gewartten.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
573, 46
(
halem.
,
1440
):
her umb so soͤllen úns dieselben Juden nu hin fúr iekliches jaͧres [...], geben x Rinsch guld. fúr stúren, fúr dienst, fúr alle gewartny und fúrbas ungeschaͤtzt beliben.