gewältigen,
V.
1.
›(einen Grubenbau, ein Bergwerk) betreiben, bewirtschaften‹; mit verschobener Bezugsgröße: ›(Grubenwasser, taubes Gestein) aus dem Bergwerk herausbefördern, herausschaffen)‹;
vgl. am ehesten (
der
4.
Omd. (und Inseldt.); bergbaubezügliche Texte.
Syntagmen:
den schacht / stollen, die grube / zeche, die tiefste, das bergwerk / ort
/ (verschoben:)
wasser g
.,
etw. mit unkosten g
.

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
5, 51, 28
(
md.
,
1582
):
Der vnter vnd ober Naßküttel [...] izunt gebauet wirdt, ist an allen Orten sehr feste vnd alles mit schlegeln vnd Eisen geweldiget vndt aufgetrieben worden.
Ebd.
5, 52, 4
(
1582
):
eine Zeche am wege, [...], ist dermassen verstürzet, das man alda nicht bauen kan vnd muß dieselbe vff Neue mit grossen Uncosten geweldiget werden.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 206, 12
(
schles.
,
1518
):
wie sie ein neu bergwerck [...] zu bauen und zu gewaldigen angefangen.
Ebd.
209, 16
(
1519
):
das wir [...] eine funtgruben [...] dem ersamen Peter Bechel vom Neuensoll und seynen mitegebergken, [...], eynzeschlahen zu gewaldigen und zu erbten vergennet und gelehnet haben.
Ebd.
231, 7
(
1526
):
aus den schachten in 15 lachter tief das wasser mit geringer kostung durch sunder wasserkunst zu geweldigen und zu heben.
Ebd.
21, 20, 11
(
1532
):
dass die gewercken auffem Neithardt schuldig sein, ir wasser und tiefste zu geweldigen irer zeche zugut.
Weizsäcker, Graupn. Bergb.
14, 29
(
osächs.
,
1533
):
das si bede sallen den schucht zugleich geweldigen unde forthin sol en ider sein eigen feurdrenes han.
Wutke, a. a. O.
20, 68, 28
;
21, 176, 29
;
Weizsäcker, a. a. O.
241, 9
;
22
;
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 48
;
Schwäb. Wb.
3, 597
;
Veith, Bwb.
238
.
Vgl. ferner s. v. (Adj.) 4,  3.
2.
›mit etw. fertig werden, etw. bezwingen, etw. beherrschen‹;
vgl. am ehesten (
der
4.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,  1.

Belegblock:

Karnein, de amore dt.
66, 24
(
moobd.
,
v. 1440
):
seit du pist ein newer ritter der süssen lieb vnd mynn vnd sprichst, iren zaum nicht mügen geweltigen noch kainerlay ertzeney dawider vinden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
8, 29
(
oobd.
,
1349
/
50
):
der rauch, der auf gêt von dem magen in daz haupt, betrüebt die gaist, daz der sêl kreft si nicht gewaltigen mügent in irn werken.
Pfälz. Wb.
3, 288
.
3.
›jn. (z. B. einen Übeltäter) überwältigen; jn. (z. B. Feinde) überziehen und besiegen, jm. Gewalt antun, jn. nötigen; (eine Frau) vergewaltigen‹; ütr.: ›(einem Text) Gewalt antun, ihn mit Gewalt umdeuten‹;
vgl. (
der
459.
Syntagmen:
etw
. (z. B.
wörter, die glieder, den willen
)
/ jn
. (z. B.
den bruder, eine frau, die feinde / frommen / narren
)
g., jn. mit sünden g
.;
js.
(Gen.obj.)
g
.

Belegblock:

Schwartzenbach
J iv
(
Frankf.
1564
):
Gewaͤltigen. Mit vnfreundtlicher gewaltsam handt an einen legen. [...]. Vbertringen. Vberherrschen.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
440, 13
(
osächs.
,
1523
/
4
):
Des volge ich ine nach und (konde) ir doch nicht geweldigen, wan sie mir zu mechtig waren.
Gille u. a., M. Beheim
76, 297
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
werd wir gleret, das wir nit | sollen so gechs und palte | Gwaltigen unser veinde, | sunder mit weiser grechtikait.
Sachs
20, 467, 8
(
Nürnb.
1563
):
Mit raub, gefencknus, mord und brand, | Die frommen schätzn, gwelting und zwingen | Wider gott, ehr und recht sie dringen.
Pfeiffer-Belli, Murner. Kl. Schrr.
7, 10, 13
(
Straßb.
1520
):
auch das fil seint wie doctor Luther / die solche woͤrter des heilgen ewangeliums bezwingen vnnd vff iren sin geweltigen / dan weder die woͤrter noch der sin geben moͤgen.
Kurz, Murner. Luth. Narr
569
(
Straßb.
1522
):
der vnß narren geweltigen wil, | On recht vnß wil mit gewalt vertreiben.
Kottinger, Ruffs Etter Heini
3436
(
ohalem.
,
1538
):
er trouwt ir [frouw] fast, understuond ouch sich, | wie er sy wett ia fräffenlich | gewalltigen, zwingen older nöten.
Maaler
179r
(
Zürich
1561
):
Geweltigen / Verletzen / Beleidigen. Violare.
Ebd.
200v
:
An ein weyb Gwalt legen / Sy geschenden vnd gewaltigen.
Chron. Augsb.
4, 463, 20
(
schwäb.
, zu
1509
):
waren irer zwenn, hetten ain gewaltiget und (im) hochmuͦtt angelegt.
Turmair
4, 49, 18
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die Einwohner von Enos
waren fraisam wüetrich, geweltigeten iederman, vermainten grausam zu sein und gewalt treiben wär das recht.
Winter, Nöst. Weist.
1, 819, 36
(
moobd.
,
1515
):
ob aber
der richter müesset nach hilf schicken das man ain sölhen gewaltiget und zu gerichtes handen genomen wurde.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
600, 20
;
Fuchs, Murner. Geuchmat
4308
;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
3197
;
Turmair
5, 416, 6
;
Winter, a. a. O.
3, 596, 18
;
Siegel u. a., Salzb. Taid.
161, 22
;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
476, 6
.
4.
s. (
der
5.
5.
›jm. etw. (z. B. ein Gut, das ihm entzogen worden war) wieder zueignen; jn. wieder in den Besitz e. S. stellen‹;
vgl. (
der
10.
Bedeutungsverwandte:
1
 1,  2.
Syntagmen:
jn. e. S
. (z. B.
des hauses
)
g.
;
jm. etw
. (z. B.
eine armbrust, ein gut
)
g
.;
jm. e. S
. (Gen.obj., z. B.
der gewere
)
g
.

Belegblock:

Leman, Kulm. Recht
2, 3, 104
(
Thorn
1584
):
vnd das selbe erbe adir gut ym geweldiget vnd geeygint wirt myt rechte.
Piirainen, Stadtr. Sillein
135a, 19
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
der richter sol [...] richten dem clager vͤber den rauber [...] do noch so sol er genem
[dem Geschädigten]
gewaldigen seyner gewere.
Leman, a. a. O.
2, 3, 100
;
Rwb
4, 708
.