getat,
die
,
wohl auch
das
;
(für
die
)
/-täte(n)
,
-taten
, auch
.
– Vgl. .
1.
›Tat, Handlung, Verrichtung, Maßnahme, die j. (ein Mensch, Gott) als Person oder mittels eines ihm eigenen Vermögens, einer Kraft, Fähigkeit, auch mittels seines Körpers vollzieht; Tun, Tätigkeit des Willens; im Sprechen und Verstehen vollzogene Handlung‹; offen zu 2 und 3, aber im Unterschied zu diesen Ansätzen eher ohne positive oder negative Wertung.
Gehäuft wobd. / oobd. belegt.
Bedeutungsverwandte:
, ; vgl.  3.
Syntagmen:
eine g. tun
(figura etymologica)
/ berefzen
›tadeln‹;
die g
. (Subj.)
geschehen, jm. eine lere sein
;
sich einer g. brauchen
;
das herz verlieren ane g., aus einer g. belonung entstehen, etw.
(z. B.
das werk / verstehen
)
in der g. sein, etw. das verstehen in der g. sein, etw. mit g. wieder etw. tun, der geist sich mit seiner g. besamen
;
die g. gottes, des willen, der weisheit, die g. des geschichtes
;
die eheliche
›eine Rechtshandlung begründende‹
/ frische / leibliche / manliche / merkliche / ungewönliche g
.;
die übung der g
.;
das wort als g
.
Wortbildungen:
getätlich
›tätig, fleißig‹.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred.
2, 435, 2
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Niht von willen sprichet er [vater] daz wort als ein getât des willen, als sô swaz dâ wirt gesprochen oder getân von gewalt des willen.
Palm, Veter Buoch
34, 19
(
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Ich machte zvischen miner sele vnd minen liplichen geteten als ein mvre vnd gedachte in minen herczen: als nieman, der hinder einer mvre stat, mac gesehen, wer vzerhalp ist, alsam saltv nimandes dinc ane sehen; schouwe dich selber; habe begirde nach gote.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
84, 16
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
ein iekliches ding erkennet man nach dem unde ez ist von der getat, unde niht nach dem unde ez ist in der maht.
Ebd.
295, 5
:
also ist daz werke in der getat. da von sprichet man in dem (buoch) „Von der selen“, daz daz sinlich ding in der getat ist die sinne in der getat, unde daz verstentlich ding in der getat ist daz verstan in der getat.
Rieder, St. Georg. Pred.
192, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
swer och Got sin ding verkeret, also daz er sin getat berefzet und gedenket [...], der súndet och an Gotte.
Lauchert, Merswin
3, 15
(
els.
,
1352
/
70
):
also daz wir vnser beider herze mit einander vúrlorn hettent, doch one alle getat.
Schmidt, Rud. v. Biberach
21, 4
(
whalem.
,
1345
/
60
):
ein meinung ist recht, dvͥ in got ist ze vorderost vnd duͥr got gericht, die hant guͦte getetliche lvͥte.
Ebd.
26, 20
:
Alsus sol vnser geist [...] mit allen sinen geteten sich in sich selben besamenen.
Ebd.
53, 8
:
der wisheit getat ist beschowen got.
Plant u. a., Main. Naturl.
303v, 15/16
(
ohalem.
, Hs.
E. 14. Jh.
):
wan dan alle gotes getat vns ein lere ist. vñ ein wec. wan suͥl och vierzic tage vasten.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
136, 39
(
halem.
,
1412
):
das dasselb der ander dritheil war, staͤdt und vest haben sol und darwider nit thuͦn noch schaffen gethan, mit worten noch mit wercken, mit reͤtten noch mit getaͤdten.
Chron. Augsb.
2, 251, 16
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
als sie dem fürsten abgesagt hetten, da tetten sie ain manliche getat: sie ließen das zollheuslin verprennen.
Ebd.
5, 354, 21
(
1490
):
das sein fürstlich gnad [...] sich so ungewonlicher getatt unnd ernsts geprauchen wolle.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
170, 15
(
Ulm
1486
):
und mainet im solt billich grosse belonung auß der mercklichen getat das er dem Cherea zuͦ der buͦlschafft geholfen hette entsteen.
Morgan u. a., a. a. O.
364, 33
;
Chron. Strassb.
2, 779, 8
;
Bernoulli, Basler Chron.
4, 158, 27
;
Chron. Augsb.
2, 192, 20
;
Brandstetter, Wigoleis
235, 24
;
Vock u. a., Urk. Nördl.
2050
;
Fischer, a. a. O.
161, 13
;
Vorarlb. Wb.
1, 1169
.
2.
›gegen das Recht oder die Sitte verstoßende Tat, ungebührliche Handlung; gegen die Lehren der Religion, die Gebote Gottes oder seine Autorität gerichtete Handlung‹, darunter auch ›Rede‹.
Obd.; gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte, auch Chroniken.
Phraseme:
mit getat
›tätlich‹.
Bedeutungsverwandte
(bzw. im Orientierungsfeld): ,  3,  1, , , .
Syntagmen:
die g. fürlegen / rächen / büssen, jm. eine g. abtragen
›wiedergutmachen‹;
die g.
(Subj.)
begeben
›sich ereignen‹,
offenbar werden, für den schultheissen kommen
;
der g. unschuldig sein, läugnen
;
der g
. (Dat.obj.)
nachgehen
;
an einer g. unschuldig sein, jn. auf der g. angreifen, bei einer g. sein, jm
. (!)
mit g. schädigen, mit einer g. in die busse fallen, sich mit g. gegeneinander stellen, um eine g. das recht fordern, von einer g. eren vor dem teufel haben
;
die g. des schwerens, die arge / kundliche / offenliche / frevelliche/ werkliche g
.;
der schuldner der g
.

Belegblock:

Schultheiss, Achtb. Nürnb.
141, 25
(
nobd.
,
1382
):
haben gesworn ze den heyligen, daz sie der stat und dez Hallers [...] umb die getat gut freund wellen sein.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
9, 17
(
els.
,
1362
):
An dem iúngesten tage werdent alle vnser getot offenbar.
Ebd.
145, 12
:
so bitte ich dich daz du [túfel] disem iúngelinge helfest daz er sine begirde erfúlle mit der iuncfrowen, [...], daz ich von dirre getat deste me eren vor dir habe.
Köbler, Stattr. Fryburg
206, 21
(
Basel
1520
):
so hinfür in diser Statt Fryburg [...] zwüschen zweyen oder me personen / freuel handlungen vnd gethatten / mit worten oder wercken begeben.
Welti, Stadtr. Bern
267, 1
(
halem.
,
n. 1437
):
Wer ouch in vnser stat deheinem zuͦ leite mit reten oder mit geteͣten, [...] schedigote.
Chron. Augsb.
2, 25, 13
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
er wolt zu in reiten in ir stat und wolt in die getat abtragen nach irem willen.
Ebd.
5, 352, 18
(
1490
):
das wider ir lib unnd guͦt mit getatt nichtz furgenomen noch gehanndelt werd.
Dirr, Münchner Stadtr.
387, 6
(
moobd.
,
um 1365
):
die daz vestickleichen gelauben, daz er unschuldich sey an der getat.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
26, 28
(
moobd.
,
1478
/
81
):
do sagt sy die geschicht [...] irer hofmaistrin, zaigt auch ir den schuldner sölicher getat.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 43, 16
(
moobd.
,
1524
):
personen, sich mit Fräfeln, gebärden, wortten oder gethaten gegeneinannder stellen.
Chron. Nürnb.
1, 171, 44
;
Gille u. a., M. Beheim
453, 245
;
Koller, Ref. Siegmunds
263, 17
;
Boos, UB Aarau
118, 22
;
Welti, a. a. O.
78, 24
;
118, 19
;
Rwb
4, 603
.
Vgl. ferner s. v. .
3.
›Tat, die durch ihre Außergewöhnlichkeit Aufsehen erregt und den Ruhm und die Ruhmestradition ihres Vollbringers begründet‹; sowohl hohen weltlichen Personen (oft Königen, auch Rittern) wie religiösen Vorbildern zugeschrieben; im Pl. Tendenz zu ›Gesamtheit traditionsbegründender Handlungen einer Person oder einer Personengruppe‹; vereinzelte Tendenz zur Metonymie: ›Bericht über große Taten‹.
Obd.; gehäuft berichtende Texte, darunter Chroniken.
Phraseme:
das buch der getäten
›Apostelgeschichte‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.
1
 56.
Syntagmen:
die g. begehen / tun / volbringen / wagen / beschreiben / äfern
›wiederholen‹
/ erfaren, js. g. erkennen
;
js. g. offenbar / bekant werden
;
manlich an getaten werden, etw. in js. getäten
›Berichten‹
finden, ein held mit g. sein, die stat mit g. gewinnen, um die getäte ein buch machen, von
›über‹
js. getäten lesen / sagen, den sieg zu js. g. achten
›einer Tat zuschreiben‹;
die g. der märterer, des königs
;
die frische / grosse / manliche / ritterliche g
.

Belegblock:

Chron. Strassb.
1, 17, 24
(
els.
,
1362
):
Antheros ein Krieche [...] schuͦf, daz der heiligen marterer getat würde beschriben.
Ebd.
61, 7
:
er [kunig] waz doch des tages ein helt gewesen mit getate.
Ebd.
148, 16
:
wie es deme erging, daz vindet man in den geteten kunig Ruͦdolfes.
Roloff, Brant. Tsp.
2263
(
Straßb.
1554
):
Groß gtat und sachen hab ich [Judas Machabeus] volbracht | Und mit den Roͤmern bundtnüß gemacht.
Chron. Augsb.
2, 245, 20
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
also hat er die Newenstat wider gewunnen mit frischer getatt.
Pfaff, Tristrant
4, 8
(
Augsb.
1498
):
besunder das in frembden landen sein nam und sein getaten [...] erkannt würden.
Brandstetter, Wigoleis
192, 8
(
Augsb.
1493
):
herr jch kan mir selbs den sige zuo keinen er̈en noch manlicher getat achten.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
25, 3
(
moobd.
,
1478
/
81
):
Do ward der jung fürst Theodo, [...], so manlich an ritterlichen getaten, so das er berüembt ward für all fürsten.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
35, 11
(
Venedig
1483
):
het er [ioseph] do gelebt er wer auch ain iuͤnger vnsers herren worden oder man lese etzwas von seinen geteten.
Chron. Nürnb.
3, 73, 6
;
Chron. Strassb.
1, 15, 4
;
231, 26
;
300, 1
;
408, 15
;
Tobler, Schilling. Bern. Chron.
1, 2, 1
;
Brandstetter, a. a. O.
228, 34
;
Spiller, a. a. O.
198, 14
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
141
;
Bad. Wb.
2, 401
;
Öst. Wb.
4, 914
.
Vgl. ferner s. v.  2.
4.
›Würde‹.

Belegblock:

Pyritz, Minneburg
2991
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Reht als in [helm] wirdiclichen trug | Mit gezirde und mit getete | Der edel Gamurete.