gestüppe,
gestübe,
das
;
-s/–
;
zu
mhd.
stieben
(Lexer
2, 1188
).
1.
›Staub, Staubkorn (wie es im Sonnenlicht sichtbar wird); Staubwirbel; Abfall, Schmutz, Unrat, Unreinigkeit; Schuppen; Nichts, Nichtigkeit, Trugbild‹; ›Erde‹; poetisch auch für ›Mensch, Erdenkloß‹.
Gehäuft Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
1
 2,
1
 2, ,  12,
2
,  1, , ,  1, .
Syntagmen:
das g. abwischen / auskeren / hinwegtun / aufrüren, ein g. von der hand blasen
;
das g. unzälig sein, das g. in der sonne sein / scheinen
;
j. ein g. sein, etw. gegen jn. ein g. sein
;
jn
. (z. B.
den abgot
)
zu g. vertilgen
;
das g. der erde, der sünden
;
das arme / grosse g
.;
das ummekleid von einem g
.
Wortbildungen:
gestüplach
,
gestüpnis
(dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc
351, 30
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
Josyas warf darnidir dy abgote, [...], und vortilgete sy zu gestuppe.
Helm, H. v. Hesler. Apok.
132
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
Von diser sunden gestobe
[genitivus explicativus]
| Nim uns, Got, in dinen tron.
Ebd.
21311
:
Zu mischende die starken art | Siner ewiclichen gotheit | Zu im und nam ummecleit | Von sim armen gestippe, | Do zu daz her gesippe | Menschen nature worde.
Fischer, Brun v. Schoneb.
3276
(
md.
, Hs.
um 1400
):
keret zu daz vil alde gestuppe | daz gar unvletige spinnewuppe.
Chron. Köln
2, 307, 34
(
Köln
1499
):
so haven si an ire wagen gehencht groisse risachtige boeume, die welche boeume uproirten ein groisse gestubbe in dem velde.
Voc. Ex quo A
815
(
rhfrk.
,
1414
):
Athamus fligende staub [...] gestopnis.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
172, 12
(
Frankf.
1535
):
wann den stein einer reibt an dem har auff dem kopff / so zeucht er die rißlenn vnd gestüpen ann sich / als der magnet das eisenn.
Hübner, Buch Daniel
781
(
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Golt, silber, er, der selbe mast | Glich wart deme gestuppe.
Ebd.
6044
:
Da von en [weder] der reboc trat | Glich gestuppe an der stat
[
Luther
1545, Dan. 8, 7:
wurff jn (wedir) zu boden / vnd zutrat jn
].
Eggers, Psalter
37, 14
(
thür.
,
1378
):
ich wel sy minneren als eyn gestuppe vor dem antlicze des windes.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 259, 37
(
schles.
,
1528
):
die koler sollen in die korbe rechte gute kolen, nicht gestube prende oder sunst unreinigkeit zufuel einschutten.
Gille u. a., M. Beheim
161, 317
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
als uncz alberlich samen | Das gestupp in der sunnen schein.
Matthaei, Minner. I,
8, 111
(Hs.
15. Jh.
):
waz man von wirde noch ye gelaz, | daz waz gein uns gestuͤppe.
Bihlmeyer, Seuse
28, 7
(
alem.
,
14. Jh.
):
alles daz klein gestuplach, daz in der sunnen glanz schinet.
Ebd.
554, 19
:
daz ich armer mentsch bin ein ungenemes gestúppe und ein krankes fleisch.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
3, 243, 14
(
Straßb.
1466
):
Streck dein hande vnd schlach das gestúppe
[Var. um 1475-1518:
staub
;
Luther
1545, 2. Mose 8, 16:
Staub
]
der erd.
Sappler, H. Kaufringer
16, 634
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wänt ir, das ditz gesank sei | ain gestüpp und ain laichnei.
Barack, Teufels Netz
12380
(
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
[si] Land darin [korn] die aker schollen, | Und wend es nit suber wannen, | Das sollichs gestüb gang dannan.
Maaler
341v
(
Zürich
1561
):
Sagspaͤn / Gestüpp vom Sagen oder boren
(hier: ›Bohrmehl, Sägemehl‹).
Gille u. a., a. a. O.
435, 52
;
Bihlmeyer, a. a. O.
307, 23
;
Vetter, Pred. Taulers
125, 27
Var.;
Schmidt, Rud. v. Biberach
80, 4
;
Wackernell, H. v. Montfort
6, 2
;
Maaler
197r
;
v. Bahder, Wortwahl [...].
1925, 71
 f.;
Schweiz. Id.
11, 1149
;
Schwäb. Wb.
3, 567
 f.;
6, 2032
.
Vgl. ferner s. v.  1,  4.
2.
›in den giesz- und schmelzhütten die klein gestoszenen mit lehm gemischten kohlen, davon der herd oder platz vor dem schmelzofen gefüllt oder gemacht ist‹ (so Dwb
4, 1, 2, 4260
).
Wortbildungen:
gestübmach
›Herstellung der Kohlen‹.

Belegblock:

Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
20, 161, 38
(
schles.
,
1508
):
Die stubmachern mussen das gestube, so viel man bedarf, bereiten und das voll fleissig auf der leschen ziehen, alle ufen anwermen, samstages zu nacht und des sonntages ihn der hütten zusehen und wachen, die aschen zum treiben zubereiten und allen lem zu den ufen machen.
Ebd.
21, 173, 7
(
1617
):
2 trettenesiebe 1 altes tretenes sieb zum gestuebmach 2 aschersiebe.
3.
›Splitter, Staubkorn (im Auge des Menschen)‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl. .

Belegblock:

Wolf, Rothe. Ratsged. F,
104
(
thür.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
Dise augen (sullen) bliben clar, | Daz keine gestüppe daryn var.
Bechstein, M. v. Beheim. Evang. Lk.
6, 41
(
osächs.
,
1343
):
waz sihes du ein gestuppe
[
Mentel
1466 /
Eck
1537:
agen
;
Froschauer
1530:
spryssen
;
Luther
1545:
Splitter
]
in dînes brûder ouge, abir den balkin in dîme ougin ist, inmerkis du nicht?
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 211
(
halem.
,
15. Jh.
):
als ain luter oͧge nit mag liden ain gestüppe, es vstribet es mit sinen fliessenden traͤhen.
Feudel, Evangelistar
108, 19
;
21
.
Vgl. ferner s. v.  1.
4.
›Gewürz als Handelsware; aus Gewürzen hergestelltes Pulver für Zwecke des religiösen Ritus sowie für Zauberzwecke‹; ütr.: ›Zauberei, Zauberglaube‹.
Obd. und östl. Inseldt.
Bedeutungsverwandte:
; ›Aberglaube‹.
Syntagmen:
g. finden / feil haben / machen, jm. g. zu einem geschmacken opfern
;
blut mit g. tragen
;
das edle / teure g
.
Wortbildungen:
gestüpbeutel
›Gewürzbeutel‹.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
235, 131
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Noch vint man mancher hand gestup, | da ich nit furbas innen grup.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
2, 50, 9
(
schwäb.
,
1471
):
Sy machen vsz krautt ain gestüpp, | Das ist guͦt zu der lüpp!
Buijssen, Dur. Rat.
58, 7
(
moobd.
,
1384
):
so legt er denn rauch mit dem segen in daz rauchvas und bedewtt daz der priester der alten ee trueg pluͤt und choller mit gestupt.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
297, 33
(
oobd.
,
1349
/
50
):
ich wolt, daz si
[Akk.obj.:
würmel,
als Mittel gegen
unkäusche gelust
]
all gaistleich läut
(Subj.)
æzen für ander gestüpp.
Munz, Füetrer. Persibein
39, 1
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Ain pfaff in ain gestüppe | im macht von Zauber groß, | da er noß das gelüppe, | des ward der knab zúe hannd der witze bloß.
Mollay, Ofner Stadtr.
70, 7
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Auch sullen dÿ selbigen gwelb herren kainerrlay gestüpp oderr gewürtz vnder einem margk turren verkauffen.
Rechn. Hermannst.
384, 15
(
siebenb.
,
1503
):
do ÿst gegangen auff prod, veyn, gestyp vnd ander czerung flor. 3.
Rechn. Kronstadt
2, 97, 7
(
siebenb.
,
1528
):
vmb czwen gestep peytel asp. 10.
Ebd.
3, 321, 18
(
1556
):
vor saffer, aÿmber, pfeffer, gestepff (gestep) fl. 10 asp. 36.
Pfeiffer, a. a. O.
293, 21
;
Euling, Kl. mhd. Erz.
562, 4
;
Buijssen, a. a. O.
10, 27
;
59, 2
;
Mollay, a. a. O.
176, 4
;
Rechn. Kronstadt
2, 608, 15
;
3, 324, 24
.