ger,
der
;
–/-(e)n
;
zu
mhd.
gêr
›Wurfspieß; keil-, wurfspießförmiges Stück Land; keilförmiges Zeugstück, das unten an ein Gewand zur Verzierung oder Erweiterung eingesetzt ist, verzierter Teil des Kleides; Schoß, Saum‹
().
1.
›Wurfspieß, Lanze; Speer, an dessen Spitze ein breites Eisen angebracht ist‹; dann auch ›Fischerspieß, meist mit einem Widerhaken versehen, zum Aufspießen von Fischen‹.

Belegblock:

Ettmüller, Heinr. v. Meißen
355, 6
(
md.
, Hss.
14.
/
15. Jh.
):
Waz ob der guldin gêr mich tœtet, | der ofte mich ze stæter liebe nœtet.
Wunderlich, Fierrabr.
41, 11
(
Simmern
1533
):
in seiner hand fuͤrt er einen scharpfen vierecketen gere.
Ebd.
122, 17
:
wie vnsinnige leut schlugen sie vf die Frantzosen / mit Geren.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1489
):
man soll [...] keynen fisch stechen mit dem gern des nachts noch am tage.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Und stach dich durch dez sinnes rant, | Mensch, mit seinem scharffen ger.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
15. Jh.
):
ausgenomen [...] daz [...] meine herren aigen lewt oder ire kind mit ainem ger giengen und koppen viengen.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
die geren flugen gen dem lewen.
2.
Bezeichnung für eine langgezogene, keilförmige Flur- und Ackerform.
Rechts- und Wirtschaftstexte.

Belegblock:

Struck, Cist. Marienst.
942
(
mosfrk.
,
1444
):
1 sat. unter Morsell geren.
Ebd.
943
:
18 h. van dem geren an dem smede.
Struck, Klöster
506, 55
(
mosfrk.
,
1380
/
1
):
In Brechener wege eyn gere 3 m.
Wyss, UB Deutschord. Hessen (
hess.
,
1364
):
Von erst an an deme Butstetin wege legen czwene gern, dy haldin czehen ackere.
Beyer, UB Erfurt (
thür.
,
1326
):
eyn gere myt zcwen ackerin, dy do lyn by Hanese Weyssen und by Bertolde Wusten von der marke gegen deme dorf.
Hauber, UB Heiligkr. (
schwäb.
,
1368
):
zwo juchart gelegen ze Bernloch dar uff stozzet der frowe von Hailikruͥztal ger.
Leisi, Thurg. UB
8, 549, 6
(
halem.
,
um 1340
):
der Ger, lit zwischent dem weg und des Ufhofers gebraiten, git zwen tail.
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Bad. Wb.
2, 334
.
3.
›gefalteter, gefranster Teil des weiblichen Leibgewandes (im Mittelalter); Schoß des Kleides, Schoß; Besatz, Verzierung des Rocks; Borte, Litze‹.

Belegblock:

Ziesemer, Proph. Cranc Ez.
5, 3
(
preuß.
,
M. 14. Jh.
):
nim dovon eyne cleine czal und binde di in den gerin dinis mantils.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
drugen si rocke mit vir unde zwenzig oder drißig geren unde lange heuken.
Di rocke waren unden ane geren.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
leg deine Eyer her | In meinen schoß, in meinen gern.
v. Liliencron, Dür. Chron. Rothe (
thür.
,
1421
):
do hatten sie dann lynen gehren bis uf den enckil unde obin mit eyner snuren zu sampne gezogen.
Erben, Omd. Chrestomathie
81, 28
(
omd.
,
1499
):
Sye schuͤtten ym das gelt wol in den geren.
Sachs (
Nürnb.
1547
):
Der Sachs hilt seinen geren auf.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1648
):
Geren / Falten eines Kleids.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
und nam eine slinge und fünf steine in sinen geren.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Da sy nichtz sprach, da zupft si by dem geren.
Fuchs, Murner. Geuchmat
5, 12, 8
(
Basel
1519
):
ouch sol er ir die aglin vß dem geren schüttelen.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Und sol ez chain mensch in schuͤzzeln oder in dem gern tragen newr in den secken.
Wackernell, Adt. Passionssp. Pf. I,
1182
(
tir.
,
1486
):
Ich zier in dy weiten röckh mit schmalen geren.
Holtzmann, Gr. Wolfdietrich (Hs.
A. 15. Jh.
):
zerrent mir ein geren uz dem hemd und verbindent mir die ogen min.
Voc. Teut.-Lat.
l viijv
;
Stieler
1, 621
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß .