geniessen,
V., unr. abl.
1.
›Freude, Vergnügen an etw. haben, sich an jm./etw. erfreuen, etw. genießen, an etw. Gefallen haben; Liebesgenuss erfahren‹.
Syntagmen:
absolut ohne Ergänzung, mit Gen. d. P./S., Akk. d. S.

Belegblock:

Mannack, Rist. Pers.
225, 29
(
Hamburg
1634
):
Wan ich die allerschoͤnste Creatur der Welt / [...] werde besitzen vnd vollenkoͤmlich geniessen.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
184, 19
(
Magdeb.
1615
):
wil si [Creatur] zu Gott kommen / vnnd seiner geniessen / so muß sie an jhr selbst auffhoͤren zuseyn.
Luther, WA (
1544
):
lieben und nicht geniessen, das moͤchte den Teufel verdriessen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Drumb laßt mich meiner vnschuldt gniessen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
44, 9
(
Frankf./M.
1568
):
Meins Weydwercks ich offt wol geneuß.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 8
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
So geneußt der veiol nicht seiner schönen farbe, seines reichen rauches.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
55, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
des sint eczliche di wollin der [affen] genyzen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
119
(
Nürnb.
1517
):
Mich bedunkt, erfarn ze haben, das dies die arbeten einer hitzigern suese genisen in Christo dann etwan die andern.
Dietrich. Summaria
22r, 42
(
Nürnb.
1578
):
Denn das ander alles ist zeitlich / vnnd wir koͤnnen sein lenger nicht / denn hie auff erden / geniessen.
Sappler, H. Kaufringer
14, 494
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ich haun besunder trawen auf dich; | das soltu laun geniessen mich.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Got helf úns, daz wir diser heiligen tohter und aller siner lieben frúnden geniessen.
Rennefahrt, Recht Laupen (
halem.
,
1471
):
des suͥllent si dan ouch geniessen, als verr und recht ist.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
34, 12
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 186
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 60
f.;
Piirainen, Recht Schemnitz.
1986, 127
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 69
;
Dietz, Wb. Luther
2, 76
f.;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Vorarlb. Wb.
1, 1121
.
2.
›Nutzen, Vorteil von etw. haben, von etw. profitieren, Nutznießer von etw. sein, in den Genuss von etw. kommen, etw. genießen; von etw. Gebrauch machen, etw. in Anspruch nehmen, benutzen, gebrauchen‹.
Bedeutungsverwandte:
 13,  3.
Syntagmen:
mit Gen. d. P./S., vereinzelt auch mit Akk. d. P./S.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
5036
(
Magdeb.
1608
):
Sonderlich der im Mittelstandt / | Dessen geneust daß gantze Land.
Luther, WA (
1540
):
Sic mus ein gast, frembdling sein und geniessen frembder leute, die er nicht kand.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1303
(
mrhein.
,
um 1335
):
Wan eine gude salbe ich han. | Die wil ich vf in giezen. | Ich hoffen es gein gode geniezen.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
di gaben zu guder fruntschaft me dan ses dusent gulden, unde des genoißen si des keisers.
Chron. Köln (
rib.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Got seue hait vns helpe gegeuen, | der wir, off Got wil, soelen geneisen.
Lamprecht, Dt. Wirtschaftsl. (
mosfrk.
,
1409
):
und sal doch unser wasser weide welde zu Ellenz gehorig genießen und gebruchen.
Köbler, Ref. Wormbs
128, 30
f. (
Worms
1499
):
so moͤchte er fuͤrter diss vßzugs nicht gepruchen nach geniessen.
Froning, Alsf. Passionssp.
825
(
ohess.
,
1501ff.
):
Des wel ich uch genisßen lan.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
23, 33
(
omd.
,
n. 1474
):
Her kan ouch weddir fründe noch framde genyssen.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan sie dienent uns dar umbe aleine, daz sie unser geniezen.
Neumann, Rothe. Keuschh.
3155
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
di torechten unnd kuschen | ane liebe waren unnd lissen sich tuschen, | das si der kuscheit nicht genossen.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
823
(
Eisleben
1565
):
So sage ich zu dieser frist / | Das sie deiner sol geniessen.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Leipzig
1537
):
Ach lieber Gott das wollst du thun, | Vnd vns der vorbitt gniessen lon.
Wutke, Schles. Bergb. Cod. Sil. (
schles.
,
1377
):
das anderwo kein pergwerck aufqueme, in welches herrn teile das aufkumpt, der sol sein geniessen so er beste mag.
Gille u. a., M. Beheim
277, 16
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
hilff mir gnad erwerben, | lass mich der freuntschafft gniessen hie.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
112, 19
(
nobd.
,
15. Jh.
):
denselbigen zu behalten also lang, wiß er der herschaft mag genissen.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
79, 15
(
Nürnb.
1548
):
das Christus solche feind vberwunden / vnd wir sein geniessen sollen.
Karnein, Salm. u. Morolf
416, 5
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
edele kunigin, | das sollent ir mich geniessen lan.
Ebd.
737, 3
:
laß mich genießen der tugende din.
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 431, 11
(
Hagenau
1534
):
Mancher muß des entgelten / des er nue genossen hatt.
Sappler, H. Kaufringer
4, 410
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
nun seit ir als tugenthaft | hie gewesen gegen mir, | waͤrlich des geniessent ir.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
so wurd Ir mt. solchs nit allain gemaine stat genedigist genießen lassen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
57, 5
(
halem.
,
1534
/
5
):
das allso dann ein gantze statt / land / und comun / eyner cleinen zal der fromen geniessen mag.
Edlib. Chron. (
ohalem.
,
um 1500
):
wess den jederman jm rechten getruwet ze geniessen.
Primisser, Suchenwirt (
oobd.
,
2. H. 14. Jh.
):
Und huet dich vor unrechter hab! | Mensch, dez volg untz in dein grab, | Dez macht do wol geniezzen.
Klein, Oswald
95, 47
(
oobd.
,
um 1425
):
secht, der geneusst seinr bösen kunst.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
1377
):
swer leibgeding von der stat hat, | der sol seiner brief geniezzen.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
darumb maint er seine kinder solten in sölchs geniessen lassen und ansehen.
Bischoff, Steir. Landr. (
m/soobd.
, Hs. 
v. 1425
):
der genewst dez an seinen rechten.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1443
):
man sol es maissen an steten do man sein süst nicht geniessen mag.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1625
):
fundt aber ainer ain imp auf der frait oder gemain und mecht in genüessen zu seinem nucz, so wär er niemand nichts schuldig.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
79, 11
(
mslow. inseldt.
,
1605
):
Das hauß vnd die übrigen Eckher, śoll ihr haußwirt ebner maßen [...] genießen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
93, 39
;
Thiele, Chron. Stolle ;
Welti, Stadtr. Bern ;
Wyss, Luz. Ostersp.
6784
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Fuchs, Kart. Aggsbach .
3.
›etw. essen, verzehren, zu sich nehmen; von etw. essen‹; in religiösen Texten: ›das Abendmahl, eine Hostie zu sich nehmen‹.
Syntagmen:
mit Gen. d. S., vereinzelt auch Akk. d. S.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
93, 1579
(
Magdeb.
1608
):
Wolt auch gar nichts von dem geniessen / | Was die Kinder hetten gebissen.
Oorschot, Spee. Trvtz-N.
265, 18
(
wmd.
,
1634
):
Hingegen wer sich prüffet vor, | Vnd dan der Speiß geniesset.
Wunderlich, Fierrabr.
88, 7
(
Simmern
1533
):
so habent jr auch in dreien tagen keyn Speyß genossen.
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
176, 15
(
Frankf.
1535
):
dem der da gifft genossen hat.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Mit hungir liden unnd mit schiessen, | musse hunde unde katczen genyesssen.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
63, 17
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
so sint di lute do unde merkin wo sich di aren nidir losin czu genyzen des vleyschis.
Gajek, Seidelius. Tych.
13, 23
(
Breslau
1613
):
Kein Speis vnd Tranck er kund genießen.
Wickram
4, 21, 24
(
Straßb.
1556
):
Als sie nuͤn alle amen gesprochen hand / haben sie die speis mit züchten genossen.
Wyss, Luz. Ostersp.
2463
(
Luzern
1583
):
Das volck Israhel yß Egiptten land | Hatt ouch vff Christum sin verstand, | Dann alls das Osterlamb genossen, | Himmelbrott vnd wasser vom felsen gfloßen.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
da senckt er den spytz gegn der erdt als lang, das der priester das sacrament genoß.
4.
›etw. erfahren, erhalten, erleben, erleiden, ertragen, merken, spüren; an etw. Anteil haben; jm. etw. zugute kommen, zuteil werden lassen‹.
Syntagmen:
mit Gen. d. S., vereinzelt auch mit Akk. d. S.

Belegblock:

Alberus, Barf. (
Wittenb.
,
1542
):
Ein vnkeuscher Pfaffe hatte eine sonderliche andacht gegen Francisco / der genos er auch.
Neumann, Rothe. Keuschh.
566
(
thür.
,
1. H. 15. Jh.
):
der selben tragkeit sy genossen | das sy vorsümeten di barmherzikeit.
Lemmer, Schernb. Frau Jutte
1201
(
1565
):
Denn sie sol je des geniessen / | Das sie sich nicht hat lassen verdriessen.
Weise. Jugend-Lust (
Leipzig
1684
):
Die geniessen der Vergebung nicht unbillich.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
2265
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
Dez loß in, herre genisen | und / lo den zorn zeflißen, | den du pillich zu im treist.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
268, 24
(
Nürnb.
1548
):
Wie denn Got allenthalb verheist / wir sollē es mit reichlichē segen geniessen.
Sappler, H. Kaufringer
3, 42
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
wann sein karkait was so gros, | das sein iemand icht genos.
Ebd.
3, 53
:
er gab die siben opfer sein | und den zehenden oun alle pein. | sunst genos sein niemant vil.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
wie hat sie die gemeind dessen genießen lassen?
Eschenloher. Medicus (
Augsb.
1678
):
Folget ein [...] Specification [...] der Indulgentzen vnd Ablaßen / die [...] zu geniessen vnd zu erlangen seynd.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
23, 184
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
laß geniessen mich, | das dir uß deiner seiten floß | das wasser und das pluͦt.
Klein, Oswald
104, 46
(
oobd.
,
1429
):
Da sweigen was mein besste schanz, | got sei gelobt, wes ich genoss.