gelassen,
part. Adj.
1.
von Personen: ›hinterblieben, durch Tod zurückgelassen‹; von Sachen: ›als Erbe hinterlassen‹;
vgl.  1112.
Urkunden, Rechtstexte.

Belegblock:

Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 5149, 72, 81
(
moobd.
,
1486
):
Die clager haben nicht furbracht, des zu recht genueg ist, dass die phandt der Aichlpergerin aigen gelassen guet sein.
Rintelen, B. Walther
44, 15
(
moobd.
,
1552
/
8
):
Doch ist des Verstorbnen gelassne Wittib nicht schuldig, den Erben die Güetter abzetreten.
Moscouia
E 1r, 24
(
Wien
1557
):
so was graff Steffan in Zipps [...] gelassne witib ain geborne hertzogin von Teschn / aines grossen gemuͤets.
2.
›gottergeben, demütig‹;
vgl.  5.
Texte der Mystik.
Bedeutungsverwandte:
 1, (Adj.).

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
4, 18
(
Hamburg
1646
):
Darumb sol sie sich auch ihres Wesens, Könnens, Vermögens, Wißens, Lebens nicht annemen sondern bloß vnter Gott gelaßen stille halten.
Vetter, Pred. Taulers
67, 1
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Nu enhaltent dise grossen vernúnftigen menschen dicke den anstos in den sinnen vil eigenlicher wan ein edel gelassen mensche.
Ebd.
102, 4
:
do wurt der mensche [...] me gelossen in allen dingen.
Fellmann, Denck. Schrr.
2, 31, 17
(
Augsb.
1526
):
Im gefellt aber sünd nit, sonnst hett er sy nit verbotten, so wirt er sy auch in kainem gelassnen menschen würcken.
Bihlmeyer, Seuse
168, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
Ein gelassener mensch bildet enkein ungelúk in sich.
Ebd.
170, 7
:
Ein gelassenr mensch soͤlte alle siner sel krefte also gezemmen.
Ebd.
515, 8
:
so ennym dich nummer mer an, das du syest eyn gelaszen mensche.
Rieder, St. Georg. Pred.
195, 3
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
Got minnen úber allú ding und demuͤtig sin und gelassen an Got.
v. Maren, Marquard. Ausgabe
83, 16
(
Venedig
1483
):
Man vindet vil lewt die sich selber gar fuͤr gelaßen menschen schatzen.
Dietz, Wb. Luther
2, 60
;
Schwäb. Wb.
3, 259
.