1
geisel,
die
,
auch
der
;
–/-n
, auch
;
zu
mhd.
gîsel
›Kriegsgefangener, Geisel‹
(); die nhd. Unterscheidung von
Geisel
und
Geißel
ist (laut
Pfeifer
2000, 415
; anders unausgesprochen
Kluge/S.
2002, 340
) als Homographentrennung (gegen die Etymologie) zu verstehen.
Sie ist im Frnhd. zumindest noch nicht systematisch vollzogen,
s-
und
ss-
Schreibungen begegnen also für beide Wörter.
1.
›Bürge, Leibbürge, Gefangener, lebendiges Pfand‹.
Bedeutungsverwandte:
 1,  1,
1
 3, .
Syntagmen:
die g. einsetzen / fordern / geben / halten / legen / nemen, jn. für eine g. küren / setzen; eine erbare g
.

Belegblock:

Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1400
):
5 firdung eyme furmanne, der 6 geysel von Samayten ken Strosberg [...] furthe.
Ebd. (
preuß.
,
1402
):
1 m. [...] eyme knechte, der dem furmanne den geysel half bewaren.
Toeppen, Ständetage Preußen
2, 22, 34
(
preuß.
,
1436
):
das man nu nest czum Brieszke Heinrich Vorrath vor eyn geisel hat gekoren.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
,
2. H. 14. Jh.
):
iglich slug sich selber mit siner geiseln unde lißen di geiseln zu beiden siten gan ober di asseln.
Gerhard, Hist. alde e
5281
(
omd.
,
um 1340
):
Er was gisel in Rom der stat, | Heimlich daruz zoch er mit rat.
Turmair (
Nürnb.
1522
):
die burger zu Regenspurg schwuren nit allein, sonder musten auch geisel geben.
Karnein, Salm. u. Morolf
767, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
des wurdent die cristen | zu gisel in die heidenschafft gegeben.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1531
):
Demnach ettwas unordnung bißhar gebrucht ist worden durch die, so zuͦ fuͦß und roß gysel und leystung gehalten hand.
Pfeiffer-Belli, Murner im Glaubensk.
2, 12, 6
(
Luzern
1526
):
reden [...] wie dir das geleit het wellen geysel geben vnd geleits lüt von allen orten wie du wellest.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
auff das ward an sy begert, die obgenannten zwen, die zu geisel stuenden, auch ledig zu lassenn.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Bei den alten Teutschen gaist geisl pürgen und lebendig pfand des frids zwischen den herren.
Bremer, Voc. opt.
268
;
Schmitt, Ordo rerum
255, 31
;
Hulsius
F irr
;
Stieler
1, 827
;
Dietz, Wb. Luther
2, 51
;
Vorarlb. Wb.
1, 1095
;
2.
›gegenständliches Pfand, z. B. Geld, Ländereien, Gebäude‹.

Belegblock:

UB ob der Enns
10, 3, 31
(
moobd.
,
1381
):
darumb haben wir zu fürphant vnd zu geysel ein gesaczt vnd geantwurt vnserm obgenanten herren herczog Albrechten [...] dy vestt vnd gesloz.
Ebd.
7, 38
:
Darumb haben wir im zu furphant vnd zu geisel geseczt zwelif tausent phunt.