geis,
gais,
die
;
-Ø/geisse(n)
, auch
.
›Ziege, Geiß‹.
Zur Wortgeographie von ,Ziege‘ in den rezenten Mundarten s.
Dwa
5
, dazu
Rein, Die Bedeutung von Tierzucht
[...]. In: .
Obd., auch wmd.
Phraseme:
wilde geissen
›Gämsen‹;
springende geissen
eine Art Sternschnuppe; Sprichwort:
alte geissen lecken gerne salz
›auch alte Menschen haben sexuelle Bedürfnisse‹.
Syntagmen:
die g. abkaufen / abschaffen / fressen / halten / hüten / mezgen / schlachten / stechen / stelen / treiben / verletzen; die g
. (Subj.)
scharren; die alte / heimische / junge g
.
Wortbildungen:
geisanke
›Ziegenbutter‹,
geisauge
›Auge der Ziege‹,
geisbacht
›Ziegenkot‹,
geisblatter
›Harnblase der Ziege‹,
geisbube
›Ziegenhirt‹ (a. 1641),
geisfleisch
(a. 1590),
geisgalle
›Gallenflüssigkeit von einer Ziege‹,
geishalt
›Haltung von Ziegen‹,
geishalter
›Halter von Ziegen‹ (2. H. 15. Jh.),
geishaupt
›Ziegenkopf‹ (a. 1522/33),
geishorn
›Horn der Ziege‹,
geishüter
›Ziegenhirt‹ (2. H. 15. Jh.),
geiskopf
›Ziegenkopf‹ (a. 1530),
geiskot
›Ziegenkot‹,
geismolke
›Molke von Ziegenmilch‹,
geiswolle
›Ziegenhaar‹.

Belegblock:

Buch Weinsb. (
rib.
,
um 1560
):
men sclachtet hemmel, geissen, swein und oxsen.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Der solichen stab zu dragen hait lieb, | Er gefiele ir noch nye wol, | Sij hasset yn me dan geiße das messer hassen sol.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
93, 2
(
Frankf./M.
1568
):
Ich kauff Schaffell / Boͤck / vñ die Geiß / | Die Fell leg ich denn in die beyß.
Opitz. Poeterey
21, 19
(
Breslau
1624
):
Die Eclogen oder Hirtenlieder reden von schaffen / geißen.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1449
/
50
):
und brachten ein raub vihs herein, wol 60 küe und vil swein, pfert und geiß und etlich gefangen.
Keil, Peter v. Ulm
209
(
nobd.
,
1453
/
4
):
Wer den harm nit behalten mag, Der nem ein gaiß-plattern vnd prenn sie zu puluer.
Gille u. a., M. Beheim
311, 45
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so lieff ich auff der strassen | wo gaiss und lemer sassen.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
v. 1494
):
Und gibst fur lorper hin geißkot | Und fichtenspen für zimentrinten.
Fischer, Folz. Reimp.
45, 293
(
Nürnb.
1482
):
wan ich gar in fil deutschen recepten die namen verkert gesehen hab [...] für ciminum cimentrinten, für scheißmöllten geißmolken.
v. Keller, Ayrer. Dramen (
Nürnb.
1610
/
8
):
Alt geiß lecken das saltz auch gern.
Karnein, Salm. u. Morolf
91, 4
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Alsus er [Fore] ine versmiden hieß, | die frauwe er sin huten ließ. | da was er also rechte wol behut, | also der sin geiß zu schonen bocken dut.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. (
Straßb.
1650
):
Ein anderer [Poet] verkehrt die Augen alß ein Geyß, deren ein Streich oder Stich worden.
Müller, Stadtr. Ravensb.
217, 5
(
oschwäb.
,
um 1420
):
der mag daz roess, das rind, den esel, die gaiss vertrinken umb ain schiling pfenning.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Grave Michel hett an sein ehrenklaidt, das war ain beschabener belz von gaisse.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1585
):
Sollen alle geißen alhie in ställen oder sonsten gar abgeschafft [...] werden.
Ebd. (
schwäb.
,
1615
):
welcher zwo küe hat, der soll kein gaiß halten bei straff eines guldens.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
Disen laut [das e] gebe die Gayß und Schaff in jrem geschray.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
n. 1437
):
Vindet er aber dehein geiß in sinen reben oder garten, die ist des, der den garten oder reben denn inn hat.
Schnyder, Qu. Zürcher Wirtsch.
908, 321
f.(
halem.
,
1492
):
Es sol keiner swecherrnn anncken als rumpfanncken [...] geißanncken.
Broszinski, Minner. Chir. Parva
72r, 28
(
halem.
,
2. H. 15. Jh.
):
Das núnd ist ein pflaster von geissbacht.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1515
):
ist die satzung, das man den geissen hirtschaft sol han uswaͤndig dem stall.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern (
halem.
,
1530
):
Doch boͤck und geiß koͤpf gantz hindan gesetzt, das sy die weder bim pfund verkouffen soͤllend noch in das fleysch houwen.
Ders., Statut. Saanen (
halem.
,
1598
):
die gende pfand, bis an ein kue oder vier geis, sollent vor den ligenden gütern geschetzt werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Geißwollen (die) Lana caprina.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
welher gaizaugen hât nâch der varb, der ist ain tôr.
sô dunkt uns denne, daz ain flamm spring in dem lufte sam ain gaiz. dar umb haizt daz feur diu springend gaiz.
Von der wilden gaiz, diu haizt Gämz.
wer ain gaizhorn prent daz ez stinkt und habt daz für des nasen, der die vallenden suht hât, der vellt zehant.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
43
(
oobd.
,
1607
/
11
):
hörner, sollen auch von einer gaiß [...] auß Westindien sein.
Haage, Hesel. Arzneib.
9r
(Hs. ˹
noobd.
/
md.
,
E. 15. Jh.
˺):
Wider die flecken der augen nym gaisz gallen und mel von bicken bonen und bestreich dein antlücz.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
15. Jh.
):
von dem schwein ain pfenning, von dem schaff ainen halben, von der gaiss alsam.
Mell u. a., Steir. Taid. (
m/soobd.
,
2. H. 16. Jh.
):
das [...] auch die gaißhalt abgestelt werde.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
,
1694
):
die gaiß sollen auch unbehuet nit außkert werden.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
141, 2
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
man geit von ydem rind 2 den. vnd von aim ful 2 den. vnd von einer gais 2 den.
Skála, Egerer Urgichtenb.
47, 9
(
nwböhm.
,
1563
):
hab er ein schaef vnd ein gaiß vmb ein Pfeiffen getauscht.
Bremer, Voc. opt.
268
;
Schmitt, Ordo rerum
173, 5
;
299, 20
;
Hulsius
G ijr
;
Stieler
1, 638
;
Dietz, Wb. Luther
2, 57
;
Öst. Wb.
3, 1227
.