gegenwärtig,
gegenwürtig,
Adj.,
gegenwärtiglich(en),
gegenwürtiglich(en),
Adv.
1.
›anwesend, zugegen, vorhanden‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 1, .
Gegensätze:
.
Syntagmen:
g. sein
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
245, 1
(
Lübeck
1639
):
Die Liebe macht das abwesend / gegenwertig.
Köbler, Ref. Wormbs
255, 9
(
Worms
1499
):
so mag der schulther oder glaubiger rechtlich clag anfahen vnd fürnemen gegen dē bürgen der gegenwertig ist.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 439, 18
(
Mainz
1605
):
Als dann der zwoͤlff Apostel schar, | Gar behend auch gegenwertig war, | Vnd zum Grab trug die Heilig Bar.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
4, 11
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Wir mügen wol sprechen wandelsfrei, wann wir waren gegenwürtig, do sie geboren wart.
Quint, Eckharts Pred.
2, 294, 11
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
wan swenne diu sunne niht mê gegenwertic enist, sô enhân wir ouch niht mê liehtes.
Thiele, Chron. Stolle
311, 14
(
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das haben mir eyn prister unnd czwene studenten gesagt, die do kegenwertigk gewest worn.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
207, 35
(
thür.
,
1474
):
Daselbist Heinrich Keyser keynwertig gesessin hath.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
7, 6
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Califfus was keginwortik unde groze menyge der sarracenen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
247, 3
(
nobd.
,
n. 1525
):
Wir haben ewer schreyben bey gegenwurtigem ewerm knecht [...] alles verrers inhaltz vernomen.
Trunz, Meyfart. Rhet.
1, 12, 22
(
Coburg
1634
):
sollen sie auff den Feind zuruͤcken / [...] / ein jeglicher seine eigne Tugend dem gegenwertigen General oder Feldherrn darthun.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
628, 32
(
els.
,
1362
):
Do stunt daz folk alles gegenwirtig mit grosser clage.
Chron. Augsb.
4, 65, 14
(
schwäb.
,
v. 1536
):
sind bischoff [...] in iren inflen gegenwirtig gewessen.
Ebd.
8, 432, 6
(
schwäb.
, zu
1556
):
gegenwirdiger hauptman Gintzburger und ich haben des provosen clag laider wol vernomen.
Heydn. maister
5r, 17
(
Augsb.
1490
):
Auch hat er gelernet gegenwertiger vnnd abwesender freünd geleichlich zuͦ gedenken.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
83, 36
(
Ulm
1486
):
von warer schoͤni getzwungen werde in zeloben auch vor dem gegenwürtigen ritter.
Merk, Stadtr. Neuenb.
159, 21
(
nalem.
,
1403
):
die denn in der selben kilchen gegenwirtig sint, gottes dienste mit singen und lesen volbringende.
Koppitz, Trojanerkr.
10318
(Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Gegewirtig uff der ban | Waz der selbe ritter do.
Wackernell, Adt. Passionssp. St.
2, 1416
(
tir.
,
v. 1496
):
Ir juden, kain schuld ich vinden kan | auff Jhesum, den gegenwürttigen man.
Piirainen, Stadtr. Sillein
68, r, 29
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Vnd dy schepfen suͤllen do mit gen dy do czu gegenwuͤrtig sein daz si gezevg sein.
Ders., Stadtr. Kremnitz
71
(
mslow. inseldt.
,
1537
):
Erstlich sollen bemelte pau vnnd Lonherrn pay allem außgeben vnnd Einemmen gemainer stat kegenwirtig sein.
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 179
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 33
;
Schmitt, Ordo rerum
456, 22
;
Schöpper
42a
;
Dasypodius
330r
;
Serranus
78v
;
Maaler
163r
;
Dietz, Wb. Luther
2, 40
;
Dief./Wü.
622
;
Pfälz. Wb.
3, 114
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
124
;
Bad. Wb.
2, 323
 f.;
Schwäb. Wb.
3, 181
.
2.
›vorliegend, eben genannt, erwähnt‹; in Verbindung mit Bezeichnungen für Schriftstücke.
Syntagmen:
der gegenwärtige brief, die gegenwärtige epistel / schrift, das gegenwärtige buch
.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
19, 21
(
Magdeb.
1608
):
Vnter andern aber ward jm auch dis gegenwertige buͦchlein zulesen gegeben.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
16, 8
(
Frankf./M.
1626
):
Diß ist also die kurtze Erzehlung deß Jerusalemischen Krieges / Worbey der wolmeynende Leser wissen muß / daß gegenwärtige Poesie nicht die gantze Geschichte [...] in sich helt.
Küther, UB Frauensee
110, 21
(
thür.
,
1345
):
Wir [...] bekennen offeliche an diseme geynwortigen brieve.
Mitzschke, UB Bürgel
289, 7
(
thür.
,
1373
):
Ich Otto Rappe [...] unde alle unser erben bekennen offinlichen in disme keinwerdigen brive.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
14, 39
(
schles.
,
1395
):
Schreiber, der desen keginwortigen brieff hot gehabt in beuelunge.
Wolf, Norm im sp. Ma.
25, 4
(
schwäb.
,
15.
/
16. Jh.
):
Die regel ewres ordens [...] bestattigen wir euch und mit uatterlicher hilffe der gegenwirtigen geschrifft beuestigen wir sie.
Roth, E. v. Wildenberg
105, 19
(
moobd.
,
v. 1493
):
das aber die unser keiserliche ordnung [...] untzerbrochen beleib, so haben wir den gegenwürtigen brief schreiben [...] geschaft.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
53, 8
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
der geist, miltichleich ze reden, mag genommen werden in dem gegenwurtigen puͤchlein fur ain iegleich ding.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
5, 2
(
tir.
,
1464
):
er [Augustinus] spricht auch fürpas also in seiner gëgenwürtigen epistel.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
23
(
mslow. inseldt.
,
1492
):
das sie dise kegennwertige saczung trewlich; steht; fest vnd vnczebrochenn haldenn.
3.
›derzeitig, jetzig, augenblicklich, momentan (im Orientierungsfeld zwischen
vergangen
und
künftig
)‹; auch: ›nahe bevorstehend‹.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 2.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
205, 14
(
Lübeck
1639
):
Drey ding erhalten freundschafft / wen̄ man einen gegenwertig ehret / abwesend guts nachsaget / vnnd in noͤthen außhilffet.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
233, 5832
(
Magdeb.
1608
):
Auß dem gegenwertigen tod / | Hat mich der Fuchs weyßlich errett.
Gropper. Gegenw.
14v, 9
(
Köln
1556
):
Ir sehen nur vff die gegenwertige schwacheit meiner menscheit.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 188, 3
(
hess.
,
1538
):
sie konten in diser keigenwertigen welt nit eusserlich busse tun.
Froning, Alsf. Passionssp.
5613
(
ohess.
,
1501 ff.
):
das man yn disßer gegenwertige zyt | mochte alle syn gebeyn | ziehen groiß und kleyn.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob
7192
(
omd.
,
1338
):
Daz ungeluk liches streben | Diz kegenwortiges leben | Si nicht wan der sunden phlagen.
Quint, Eckharts Pred.
2, 96, 5
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Allez, daz vergangen ist, und allez, daz gegenwertic ist, und allez, daz künftig ist, daz schepfet got in dem innigesten der sêle.
Küther, UB Frauensee
275, 14
(
thür.
,
1495
):
wir recht unnd redelichenn verlyhen unnd verlassenn gegenwertiglichenn in unnd mit dysem bryffe unsern hoff zum Tenges.
Ebd.
317, 11
(
thür.
,
1512
):
wyr [...] verkaüfft haben genwyrtich yn und myt macht und crafft dyßes bryffs eyn gulden gelts.
Göz. Leichabd.
192, 21
( 
Jena
1664
):
wann / sage ich / zu gegenwärtiger Stunde uns dieses [...] Vornehmen der ältern Welt / ins Gedächtnuͤß steiget.
Weise. Jugend-Lust
97, 10
(
Leipzig
1684
):
Wir koͤnnen den Zwang des gegenwaͤrtigen Ungluͤcks nicht verhindern.
Logau. Abdank.
163, 13
(
Liegnitz
1651
):
Ich sehe nur auff die gegenwertige Zeit und unsern jetzigen Zustand.
Gille u. a., M. Beheim
82, 226
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
darumb, das sich fräweten die | gegenwurtigen und | Gerehten menschen frummen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
485, 9
(
nobd.
,
n. 1525
):
rat und gemainden zu Rotenburg an der Tawber sich in diser gegenwurtigen uffrur der [...] bawrschaft angenomen.
Ruh, Bonaventura
355, 38
(
orhein.
,
um 1480
):
als ob du vnder den engelschen scharen stúndest [...] dem göttlichen anblick opfferest gegenwúrtiklich.
Vetter, Pred. Taulers
98, 12
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Also der heilige geist gegenwerteklichen sinen wunneclichen glantz [...] mag unmittellichen in den grunt giessen.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
28, 7
(
Straßb.
1650
):
der gegenwertigen zeit gebrauchen sie, der vergangenen haben sie vergessen.
Chron. Augsb.
5, 36, 22
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
und machten ain ewigen frid und pundtnus zuͦsamen wider all ungelaübig und ir gegenwirtig und künftig feind und anfechter.
Barack, Zim. Chron.
4, 150, 22
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
ein ander liecht möcht in die küchen gepracht werden, das vil förmlicher, besser und sicherer, dann das gegenwürtig imer sein mechte.
Bauer, Geiler. Pred.
105
 f., 5 f. (
Augsb.
1508
):
er ist milt / im sind unverborgen alle vergangne / gegennwirtige unnd künfftige ding.
Glatz, Chron. Bickenkl.
47, 20
(
önalem.
,
um 1640
):
uf dis gegenwürtige jar wolte ich eüch herzlich gern noch bösser versorgenn.
Buck, U. v. Richent. Chron. Conz.
69, 9
(
alem.
,
um 1430
):
des hailigen concilium, das man gegenwirteklich ze Costentz haltet.
Lauater. Gespaͤnste
16v, 13
(
Zürich
1578
):
kam aber der Herr selbs daß er sy vß gegenwirtiger gfaar erloßte.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
132, 27
(
moobd.
,
1471
):
das gegenwurtig jar bey den stetten der aufsleg halben gar kain antzug gewesen ist.
Roth, E. v. Wildenberg
104, 6
(
moobd.
,
v. 1493
):
darumb sei wissenlichen allen cristen und des keisertumb getrewͦen, gegenwürtigen und konftigen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
489, 3
(
m/soobd.
,
um 1600
):
wir behalten uns auch in all weeg vor das wir [...] die gegenwüertige unser ordnung andern.
Bauer, Imitatio Haller
56, 32
(
tir.
,
1466
):
wand die gegenwürtig czeitt die czerget vnd volget nach die truebsal vnd anuechtung.
Chron. Augsb.
1, 181, 39
;
2, 311, 24
;
312, 31
;
4, 65, 14
;
7, 322, 32
;
326, 6
;
8, 432, 27
.
4.
›anwesend, gegenwärtig; bewusst‹; Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl. (Adj.) 3.
Älteres und mittleres Frnhd.; Texte religiösen, oft mystischen Inhalts.

Belegblock:

Sievers, Oxf. Benedictinerr.
10, 13
(
hess.
,
14. Jh.
):
Daz kundiget uns der prophete, wie got unsen gedenken ummer gegeinwordich ist.
Vetter, Pred. Taulers
56, 29
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
das der herre verboͤrgenliche gegenwertig ist in unserm gebette.
Strauch, Schürebrand
24, 11
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
der sol úch billiche alle zit gegenwertig sin in rehter minnender truwe.
Morgan u. a., MHG. Transl. Summa
153, 35
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
so mag etwenne daz geminte gegenwertig sin dem minnenden.
Bauer, Geiler. Pred.
82
 f., 37 (
Augsb.
1508
):
daz du alle auswendige ding alwegen also ansehest / das dir got in allen dingen gegenwirttig sey.
Bihlmeyer, Seuse
14, 15
(
alem.
,
14. Jh.
):
si [wisheit] waz gegenwúrtig und doch verborgen; si liess mit ir umb gan, und moht si doch nieman begriffen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
6, 16
(
whalem.
,
1345
/
60
):
ir [der sel] allein dv́ ding gegenwvͥrtig sint.
Bauer, Imitatio Haller
53, 21
(
tir.
,
1466
):
Benn Iesus gëgenwürtig ist, so sint alle ding guet.