gefar,
die
;
-Ø/-en
.
1.
›Arglist, Hinterlist, Betrug, Missbrauch, Übervorteilung‹;
vgl.  1.
Phraseme:
ane gefar
›aufrichtig, treu, gutwillig‹.
Bedeutungsverwandte:
(
der
2, (
die/das
1, (
die
1, .
Syntagmen:
g. brauchen / spüren / treiben / unterlassen
.

Belegblock:

Brinkmann, Bad. Weist.
14, 21
(
rhfrk.
,
1560
):
darin man sie ires willens walten laßen und gar kein gefahr darunter gebraucht werden soll.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
58
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Beneben dem ist unvorpoten, das ein jeder nach gelegenheit seiner gefar, muhe und arbeit ein zimlichen gewin nehme.
Sappler, H. Kaufringer
17, 5
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
si hett got lieb mit ganzer kraft, | mit luterm herzen oun gevar.
Chron. Augsb.
1, 310, 30
(
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
des wurdens hernach innen, das er von in ze vil mit gevar eingenomen hett wol 137 guldin.
Ebd.
3, 439, 19
(
schwäb.
,
um 1478
):
in sollicher pfleg er sich mercklicher grosser untreu und gefar gebraucht [...] hat.
Ebd.
4, 230, 3
(
schwäb.
, o. J.):
das den glaubigern zuͦ nachtail, gefarr oder betrug raiche mecht.
Merk, Stadtr. Neuenb.
115, 3
(
nalem.
,
1616
):
sollen sie das brot als vierer leib, pfenwert, helbert, allezeit besonder setzen und damit ganz kein gefahr treiben.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
66, 3
(
halem.
,
1537
):
Doch das dieselben abgewechselt und hierin kain gefar triben, dann welche daz täten und ergrifen, wurden irem verdienen nach höchlich gestraft.
Jörg, Salat. Reformationschr.
620, 17
(
halem.
,
1534
/
5
):
ward jn summa kein gfar underlassen vor und nach den gmeynden / bis je der secter tant fürbrach.
V. Anshelm. Berner Chron.
4, 22, 30
(
halem.
,
n. 1529
):
aber die knecht honds in bösem ufgenommen, als ob wir das mit gfar ton haͤttid.
Wyss, Luz. Ostersp.
3337
(
Luzern
1571
):
Alls er [man] mir starb, ist yetz on gfar | Diser zytt vier vnd achzig jar.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
1, 10
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
das ist miner ainfold schuld und soldt nyemants in ubel zugenessen noch mir fur gevar peweist werden.
Winter, Nöst. Weist.
3, 641, 31
(
moobd.
,
1. Dr. 18. Jh.
):
Welcher rain und markstain umbpaut oder mit gefar ausgrueb und umbsezt, der ist zu wandl der herrschaft verfallen.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
284, 40
(
smoobd.
,
1494
):
den ist darin zu erlauben [...] zu gewinnen dachholz und spanholz ôn gevar.
Dasypodius
118v
;
330r
;
Maaler
161r
;
Hulsius
F iijr
;
Henisch
1412
;
Dietz, Wb. Luther
2, 35
;
Schwäb. Wb.
3, 154
;
Schweiz. Id.
1, 878
;
Vorarlb. Wb.
1, 1078
.
2.
›drohendes Unheil, Bedrohung, Gefährdung‹;
vgl.  2.
Bedeutungsverwandte:
(
die/das
2, (
die
2.
Syntagmen:
die g. ausstehen; in der g. sein / stehen / stecken; jn. vor der g. behüten; die äusserste / grosse / sichere g
.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
242, 1
(
Lübeck
1639
):
Die in Gefahr seynd / pflegen zu sagen: Wir stecken im holen Weg.
Ebd.
242, 8
:
Wer der Gefahr frisch vnter Augen gehet / dem entweicht sie.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
267, 23
(
Wolfenb.
1593
):
O nein, Habt nur einen guten muth. Es hat kein gefahr.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
47, 114
(
Magdeb.
1608
):
Fuͤrwar ein Thor derselbig war / | Der lieber ausstund all gefahr.
Rosenthal. Bedencken
27, 14
(
Köln
1653
):
da wir nit nur ohn allen Fall / sondern ohn alle Beschwaͤrnuß vnd Gefahr heilig vnnd selig sein werden.
Ralegh. America
13, 13
(
Frankf.
1599
):
daß die Hispanier / welche von solcher Gefahr nicht eins seyndt gewarnet wordenn / mit boͤsen Blutgaͤngen / vnd dem Rotlauff beschmeyst [...] worden.
Perez, Dietzin
1, 208, 16
(
Frankf.
1626
):
nahm mir derowegen vor / damit ich nicht allein blieb vnd in die Gefahr der Melancholey gerieth / zu einem Dantz zu gehen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
158, 22
(
omd.
,
1554
/
1633
):
wie man der gefahr der arbeiter, so die durchschläge machen, undt anderer möchten vorkommen, daß sie zum wenigsten in gefahr gesetzt, alß es möglichen undt gesein kann.
Göz. Leichabd.
184, 13
( 
Jena
1664
):
Noht / Gefahr und tausend Angst zielt | auf uns von allen Seiten.
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
756, 9
 f.(
osächs.
,
1523
/
4
):
das er seins leibs und guts in gefahre muß gehn vor demselben manne.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 451, 13
(
Bautzen
1567
):
Bitt Gott fuͤr vns, habt vns in acht, | Die wir in Gfahr seyn Tag vnd Nacht.
v. Keller, Ayrer. Dramen
162, 1
(
Nürnb.
1610
/
8
):
Solt ich die Statt setzen in gfahr | Vnd darzu auch die gantz Gemein | Vnd verschonen des liebsten dein.
v. Birken. Erzh. Österreich
72, 14
(
Nürnb.
1668
):
weil sie [...] aus einer grossen gefahr sich errettet sahen.
Behrend, Spangenb. Anbindbr.
16, 97
(
Straßb.
1611
):
Dem Leib für Krankheit und Gefahren | Gesund erhalten und bewahren.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
33, 16
(
Straßb.
1650
):
je mehr ich mich eilete und beflisse, den Leuten auß den Augen, mir aber auß dem gelächter, gespött vnd gefahr zu entkommen, je mehr ich [...] in die brühe gerathen.
Chron. Augsb. 8, 72, anm.
3
(
schwäb.
, zu
1560
):
in was grosser gfahr vnnd noth die Lyflender stecken.
Rauwolf. Raiß
11, 6
([
Lauingen
]
1582
):
Alß solches verricht / vnd nun kein gefahr mehr verhanden war / segelten wir froͤlich mit vollen Seglen.
Wyss, Luz. Ostersp.
10277
(
Luzern
1545
):
was wend ir wetten, etwas gfar | oder etwas seltzamen list | inen begegnet von Jesu Crist.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
533, 40
(
m/soobd.
,
16.
/
17. Jh.
):
wo etwan dem gottshausz oder markt ain gefahr oder noth anstuende.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
7, 10
(
mslow. inseldt.
,
1569
):
So śollen dieśe Leütth, śo den Bihnen nach gehen, oder Ane gefahr finden, keinen Baum auff dieśer Stadt grunndt vnnd Boden abhauen.
Peil, a. a. O.
59, 489
;
264, 117
;
516, 311
;
532, 801
;
540, 1058
;
546, 1244
;
640, 4186
;
683, 5561
.