gach,
gäch,
ga,
(flektiert meist:)
gahe,
gähe,
(seit dem 15. Jh. auch:)
jach, jäch
,
Adj.;
zu
mhd.
gâch
(flektiert:
gahes
),
›schnell, plötzlich, jähe, ungestüm‹
(),
gæhe
(f.); Etymologie unklar (
Pfeifer
2000, 594
).
1.
›schnell, eilig, rasch, ungestüm, voreilig‹.
Phraseme:
gach sein
›eilig sein, Eile haben‹;
auf etw. gach sein
›auf etw. zustreben, nach etw. drängen‹;
nach etw. gach sein
›auf etw. zustreben, drängen‹;
zu etw. gach sein
›auf etw. begierig sein, nach etw. Verlangen haben‹;
jm. gach sein
›jm. am Herzen liegen‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, (Adj.) 1, , , ,
2
(Adj.) 4, (Adj.) 6,  3, , , , , .

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Da gevielen die juden an | und sanden do gae siben man.
Große, Schwabensp. (Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
alsuͤs sol her sin lebent mezent, daz her an deme gerichte zuͤ thrahe noch so zuͤ gahe si.
Pfeiffer, Nic. Jerosch. Chron.
152
(
preuß.
,
um 1330
/
40
):
want im was nâch gûte gáh.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1619
):
ey liebe freundt seyd nit zu gach.
Schöpper (
Dortm.
1550
):
Gehe schnelligklich schnell gehlings gethradt bald leufflingen gerad gering roͣsch flux eilends behend geschwind.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
41
(
mrhein.
,
um 1335
):
So die lude drunken sin [win] | so ist in zuͦ dem dranke gach.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Odir waz mir sagen mag myn mutter, | Keinen gedank han ich dar nach; | Dan zu spielen ist mir gach | Und min wollust zu bestellen.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Da sprach der Hundt: ,weil dir so gach, | Wil ich den dingen trachten nach, | Das du bey meinem Herrn auffs minst | Erlangest etwan auch ein dienst‘.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Ez gebrichet an im niht, wan im ist tûsentstunt gæher ze gebenne wan uns ze nemenne.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
quam in die selben stad gar goch | ein gross reysig gesinde.
Luther, WA (Hs.
1527
):
Also gach ist den leuten vnd yhrem teufel mit yhrem Irrsal, das sie auch durch frembde bucher den selbigen ausbreiten.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Als sie fur schuldt war voller schmertzen, | Kuͤst des Herren Fuͤs von hertzen, | Vnd salbet sie hernach, | Nach der gnaden gach.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Alda sluc man und verbran | Virtusent Lyttown und me. | Das tet der andern undyet we. | Im was uf dy Littown gach.
Hübner, Buch Daniel (
omd.
, Hs.
14.
/
A. 15. Jh.
):
Daz volc vil gahes mutes | Trat hin zu dem kinde na.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Nach der sache was im gach. | Er gienc ir vlizeclichen nach.
Gille u. a., M. Beheim
301, 241
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Sein leut sein so geton: | in rachung sein sy grymig, | gech, zarnig, ungestimig.
Goedeke u. a., Liederb. (
Nürnb.
1534
/
7
):
vil narren laufen hinden nach [...] | vor durst ist in ins bierhaus gach, | biß sie das glas ergreifen.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Vor den floch er eilend und gach | Auß dises finstern waldes thal.
Bobertag, Eulensp. (
Straßb.
1515
):
Die fraw waz goch, vnd gelobt im die hundert ducaten, bei iren eeren wann er das zu wegen brecht.
Barack, Teufels Netz (
Bodenseegeb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Der rebknecht vert hindan nach, | Wan im zuo mir ist gach.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
Ach, käm ich ir so nache, | Das ich ir käm darein, | Darzuͦ so ist mir gache, | Fraw, in die genade dein.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Dem wardt zu gach uf die feindt, ruckt gleich hinfür.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
si sol sin gaͤhe, daz du zehent die sünde sagest so du si getuͤst.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3133
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
All die weg die er was gegangen, | Luff sÿ hin gar gaͤche | Ob sÿ in ienert saͤche.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 368, 3
(
halem.
,
1508
/
16
):
schluͤgend ir leger dishalb dem lezgraben gegen des vigiden her, mantend ilenz die andren Eidgnossen um gechi hilf.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1690
(
Basel
1519
):
Salomon schlug sym vatter noch | Vnd ließ nach buͦlen jm syn goch.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
erparmet euch über mein unschuld, und beget kain gäche rach an mir ellenden magt.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
als der frauen solich trost und hilf von dem herren ward zugesagt, erwaint sy aber von den gahen freiden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wer an der nasen langeu naslöcher hât und dünnen, der ist gæch und ain tor.
von dem spricht man, daz er [stain] den menschen behüet vor dem gæhen end.
Bäumker, Geistl. Liederb. (
oobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
In ward zw oppfern also gach, | in grosser andacht das geschach.
Barack, Teufels Netz ; ; ; ;
Schmitt, Ordo rerum
481, 14
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 232
;
Weber, Oswald. ;
Schmid, R. Cysat
6, 34
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 30
;
Schmid, Pilgerreisen.
1957, 412
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 61
;
Dietz, Wb. Luther
2, 2
f.;
Stieler
1, 637
;
Shess. Wb.
2, 1056
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß f.;
Vorarlb. Wb.
1, 1045
.
2.
›plötzlich, überraschend, unerwartet, jäh‹.
Syntagmen:
der gahe angrif / einfal / tod / wind, das gahe ende / feuer
.

Belegblock:

Chron. Magdeb. (
nrddt.
,
1565
/
6
):
Dieselbe nacht darnach als diese 5 des morgens umbracht waren, starb der Jude gehes todes.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, Hs.
2. H. 16. Jh.
):
da starp her Johan von Isenburg herre zu Budingen eins snellen geen dodes.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
bekeret vch hvite, das vch der gehe tot icht begrife als ein diep.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
Weil er auch so geh hat beraubt | Meim schwager Caraman sein leben.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Steh du vns bey O HErre Gott, | Vnd bhuͤt vns fuͤr dem jaͤhen Todt.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
11, 21
(
els.
,
1362
):
do vant men des iúnglinges vatter vnd muͦter tot des gehen todes in eim ǒgenblicke.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Vil ding die auß gehem einfall und wunderberm zekommen geschehend die werdent got zuͦ gemessen.
Darumb bringt yetzo das zuͦfallent gaͤch geschrai dem alten man des mer beschwernuß.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
15. Jh.
):
das uns got behüt vor eim gächen end.
Ebd. (
schwäb.
, zu
1504
):
9. junii was zuͦ Fenedig also ain geher wind auffgestanden.
Roder, Hugs Vill. Chron. (
önalem.
,
1508
):
Es was allso ain grulich gech fur, das ie kain man gesechen hat.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Ainen tod er im erkoss, | Daz waz ain geches sterben.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Symon [...] | Dem was ze kinde allaine | Ain tochter, maget raine, | An die kam der vil gæche tot.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
erwaͤgten sich die Puͤnter, [...] gaͤch und fraͤch ir viend einsmals hinden und vor anzegrifen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
346, 4
(
halem.
,
1534
/
5
):
so jch nun sotte bas us legen / jst mir die sach so gaͤch uff den halls gleytt / das ich mich nit tarf sumen.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
303, 6
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Er kom gehurtet ein mit sein genossen, | recht wie ein gähe wolckenprunst.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
36, 67
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
den gähen tod wend sunderlich, | geschos, würf, sleg und stich.
Piirainen, Stadtr. Sillein
39a, 24
f. (
sslow. inseldt.
,
1378
):
Der dritte ist daz ich yn beschirmen wil vor dem gehen tod.
3.
›unbeherrscht, jähzornig‹.
Phraseme
(Sprichwort):
ein gaher man sol esel reiten
.
Syntagmen:
ein gaher man / zorn
.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1557
):
wir sindt gnug gewitzigt worn | Vor seinem grimmen gähen zorn.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1621
):
Fuͤr die Todsuͤnd deß Zorns gach, | Sey sanfftmuͤtig, laß bald widrumb nach.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Darumb gehe Luͤt solten Esel reiten.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Hitzig koͤpf vnd gehe daten, | Die hoͤren warlich in kein rat.
Schlosser, H. v. Sachsenh.
5489
(
schwäb.
,
1453
):
Ain geher man ain esel sol | Mitt stecken riten, waistu wol.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
E. 15. Jh.
):
Cuͦnrat Ilsung was burgermaister und was ain gäch, irrig man.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
Er ist ain seltzamer junger herr bei zeit seins lebens gewest, insonderhait gechzornig, ungotzförchtig.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
du solt dich huͤten vor gehem zorn.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
n. 1437
):
Der dem andren in eim gechen zorn diep oder andre scheltwort zuͦ redett.
Leidinger, V. Arnpeck (
moobd.
,
v. 1495
):
di frauen liess er enthaubten in seinem gahen zoren durch ainen arkbon, den er het zu ainem frumen ritter.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
wer aber ainen vaizten hals hât, herten und starken, der ist zornich und gæch.
4.
von Felsen, Bergen: ›steil (aufsteigend, abfallend)‹.

Belegblock:

Sachs (
Nürnb.
1563
):
Daran sie ab dem gebirg kamen | Die gehen felß mit irer wehr.
Haszler, Kiechels Reisen (
schwäb.
,
n. 1589
):
ein pur lautter fölls, so glatt als ein wand, und so geh, daß ich genug zu thun hatte, solchen uffzuklettern.
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 286, 3
(
halem.
,
1508
/
16
):
der berg was so hoch und gech.
Hulsius
F ijr
;
Schmid, Pilgerreisen.
1957, 412
;