gütig,
Adj.
1.
›vermögend, mit konkretem Besitz ausgestattet‹;
vgl.
1
(
das
13.

Belegblock:

v. Groote, Muskatblut
63, 10
(
nobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Die priesterschaff drifft symony, | si sint ouch ubermuͦdich | wer nit hat zuͦ frunde zwene ader dry, | der wirt ouch nymmer guͦtich.
2.
›in einem umfassenden Sinne durch Güte, Frömmigkeit und Hilfsbereitschaft ausgezeichnet (von Personen und Handlungen), hilfsbereit, großzügig, verzeihend, nachsichtig, liebevoll im Umgang mit anderen Menschen‹; speziell im moraltheologischen Sinne: ›gerecht, fromm‹;
vgl. (Adj.) 3.
Gehäuft Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Gegensätze:
, (Adj.) 7, (Adj.), , , , , ; vgl. .

Belegblock:

Schöpper
11a
(
Dortm.
1550
):
Benignus. Guͤtig freundtlich ¶ milt freymilt liberal gastfrey gabreich freygebig gutthätig.
Mendthal, Geom. Culm.
15, 6
(Hs. ˹
preuß.
,
A. 15. Jh.
˺):
der grosmechtige vorste, homeyster, guteger lyphabir der gerechtekeyt, myt stetir sorge by den gescheften synes landes.
Luther, WA
9, 130, 1
(
1518
):
das wir unserm nehsten gutigk und freuntlich seyn.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
1856
(
rhfrk.
,
um 1405
):
Das ir mir nit dan dis male wollent vergeben | Gutteclich und keinen bosen willen beheben.
Jahr, H. v. Mügeln
129, 2042
(
omd.
, Hs.
1463
):
gütlich min ougen liß ich bren | und gap im manchen süßen blik.
Ebd.
134, 2457
:
welch mensch darinne
[Sternzeichen]
wirt geborn, | das darbet list und midet zorn, | gar gütik ist des selben mut, | durch got es gerne gabe tut.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
4, 16
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Guter gewissen, freuntholt, getreu, gewere und zumale gütig was sie gen allen leuten.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
41, 8
(
omd.
,
1487
):
Szollen sÿe ÿre menner [...] mit guttigen vnd glÿmpfflichen wortten abeweißen.
Ebd.
74, 35
:
Szollen doch dye kinder ÿren eldern allzceitt guttiglich, nicht schnúppisch als iúngst vill geschÿtt antwortt geben.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 49
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
wenne wir gutige ding haben in unserm herczen, so ist es von got.
Rupprich, Dürer
1, 44, 61
(
nobd.
,
1506
):
Hie mit sind gütig mit mir vnd czürnt nit so bald.
Vetter, Pred. Taulers
378, 3
(
els.
,
1359
):
Der tuben vederen das sint die luteren, [...], senftmuͤtig, stille und guͤtig, die nach volgent dem senftmuͤtigen unserm herren Jhesu.
Strauch, Schürebrand
14, 4
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
haltent úch frúntliche und frideliche in minnesamer einmuͤtikeit und sint guͤtig und froͤlich und nit surheilig.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel
10, 341, 4
(
Straßb.
1466
):
Es gaben aber gezeugniß die iuden die do warn bey den scitapolitan das sy sy hetten gehabt gutiglich
[Luther
1545
:
das sie jnen Freundschafft bewiesen hetten
].
Bihlmeyer, Seuse
119, 3
(
alem.
,
14. Jh.
):
ein truglicher ablistiger mensch, dú truͦg ein wúlfin herz under einem guͤtigen wandel.
Koller, Ref. Siegmunds
241, 26
(Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
ein keyser sol allewegen gewillig, guͤtig und gereht sin, er sol mit einer hant lihen und mit der ander hant wyder ziehen.
Bachmann u. a., Volksb.
185, 15
(
alem.
,
15. Jh.
):
Du solt ouch güettig und wertsam sin gen allen menschen und uf dem weg die lütt güettlich grüeczen.
Maaler
197r
(
Zürich
1561
):
Guͤtig / Der geneigt vnnd guͦtwillig ist guͦts zethuͦn. [...] Guͤtige / freündtliche / oder angenaͤme liebliche red. [...] Guͤtigklich vnnd duldtigklich einsi radtsbottschafft verhoͤren. [...]. Das glück hat mich Guͤtigklich angesaͤhen. [...] Duldtigklich vnnd Guͤtigklich die kranckheit tragen. Du redst Guͤtigklich vnd freündtlich. [...]. Einem irrende͂ Guͤtigklich die raͤcht straaß zeigen.
Wolf, Norm im sp. Ma.
58, 70
(
oobd.
,
1486
):
dy ministri sullen sy lieplich auf nemen vnd guetigklich.
Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
65, 67
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Aber die lieb [...] die ist gedultig vnd gutig, si erhebt sich nicht.
Luther, WA
17, 2, 116, 32
 f.;
22, 135, 33
;
Jungbluth, a. a. O.
15, 2
;
Gille u. a., M. Beheim
49, 28
;
308, 178
;
Menge, Laufenb. Reg.
1507
;
Koller, Ref. Siegmunds
102, 16
;
Österley, Steinhöwels Äsop
40, 13
;
Jellinek, Friedr. v. Schwaben
7390
;
Bauer, Geiler. Pred.
77, 22
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 53
;
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 204, 23
;
Winter, Nöst. Weist.
3, 579, 11
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
8, 35
;
11, 29
;
61, 26
;
89, 42
;
dies., Imitatio Haller
47, 30
;
Schmitt, Ordo rerum
495, 26
;
497, 20
;
Dasypodius
340r
;
Maaler
197r
;
Hulsius H ir.
Vgl. ferner s. v.  3,  2,  2.
3.
›das Vollkommene seiend, das Gute an sich (in Form von Hilfe, Liebe, Gnade usw.) darstellend und dem Menschen bringend (als Wesensqualität Gottes und der Trinität), barmherzig, liebend, gnädig‹;
vgl.  4.
Texte religiösen und didaktischen Inhalts.
Bedeutungsverwandte:
 1, ,  1, , (Adj.).

Belegblock:

Luther, WA
8, 517, 28
(
1521
):
Wer aber tzum sacrament fruchtbar gehn soll, der muß glauben [...], das er eyn gnedigen, guͤtigen gott habe.
Rosenthal. Bedencken
23, 28
(
Köln
1653
):
WJr haben desto mehr vrsach dem guͤtigsten Herrn zu dancken / weil er die seinigen so staͤttlich begabet.
Dubizmay, kurß zu Teutze
52, 4
(
hess.
,
1463
):
Gutiger got vnd starcker vnd milter got gedeinck an mich here eyle mir zu helffen.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
94
(
Nürnb.
1517
):
Christus, der unser sünd wegkniemet, vertilgt und die laster der breut mit einer gütigen ruten ernstlicher strafet.
Goldammer, Paracelsus
4, 251, 3
(
1530
):
So guetig ist unser got und so gerecht: so wWr gerecht seindt gegen ihm, so ist gar kein unguete in ihm.
Päpke, Marienl. Wernher
280
(
halem.
,
v. 1382
):
Des nim du [Got] guͤtteklichen war | Und geruͦch doch oͮch erbarmen | Uber mich gnaden armen.
Wyss, Luz. Ostersp.
297
(
Luzern
1583
):
Allmechttig sind wir [Pater Æternus] von ewigkeitt, | Guͤttig, gwallttig, starck vnd bhend.
Luther, WA
4, 653, 6
;
9, 125, 25
;
10, 3, 304, 15
;
52, 336, 36
;
Dubizmay, a. a. O.
95, 11
;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 64
;
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
5, 28
;
Langen, Myst. Leben
160, 5
;
zu Dohna u. a., a. a. O.
90
;
Goldammer, a. a. O.
6, 187, 13
;
Wyss, a. a. O.
3520
;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 15, 28
;
Bihlmeyer, Seuse
426, 26
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
32, 38
;
37, 121
;
Rudolf, Peuntner. Sterbek.
151ra, 27
;
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst. Vorr.
31
.
Vgl. ferner s. v. ,  4,  2,  1.
4.
›in friedlichem Einverständnis mit jm., freundschaftlich, um gütliche Einigung, Schlichtung bemüht (im Unterschied zur Regelung vor Gericht)‹, teils im Gegensatz zu  3, dann: ›ohne Anwendung der Folter‹.
Rechtstexte.
Phraseme:
in gütigen sachen
›bei Vergleichsverhandlungen‹.

Belegblock:

Rennefahrt, Recht Laupen
491, 9
(
halem.
,
1526
):
das (!) sandtwurf, so an siner matten [...] die Aren geworfen, guͤtigklich vergoͤnnt und nachgelaͧssen, solichs zuͦ aͤffern.
Chron. Augsb.
9, 78, 1
(
schwäb.
,
1544
/
45
):
also hat die erber gemaind die sachen in hoffnung ainer bösserung bis zu seiner zeit gietigklich lassen ersitzen.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 745, 44
(
schwäb.
,
1580
):
So ainer des andern vich uff dem seinen findt, es were tags oder nachts, und sich nit güetiglichen mit ime vertragen woͤllt, sollen sie zu baider seyten erber lewt erbiten.
Spechtler u. a., Frnhd. Rechtstexte
1, 2, 87v, 24
(
moobd.
,
1524
):
Weibs pilder die nit Eemannen haben, [...] sollen in guettigen und ansechlichen sachen [...] Anweiser haben.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
469, 35
(
m/soobd.
,
1612
):
Renweger [...] und Arzensperger, von denjenigen so auf dem Ebenwalt zue treiben [...] mit irm oxvich recht haben ain güetiger und nottwendiger vergleich gemacht.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
45, 4
(
mslow. inseldt.
,
1503
):
So lang das Er śich vor vnns güettiglichn miot den obgenanten [...] gemittlt hat.
Meisen u. a., J. Eck
28, 5
;
Grothausmann, a. a. O.
92, 19
;
Rwb
4, 1334
.
5.
›nett (von einer Erzählung); wohlkingend (von Musik)‹.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus
2, 30, 91
(
Frankf.
1557
):
Als er nun sprang ins Meer hinunder, | Hub sich ein guͤtig seltzam gschicht, | Welchs doch leichtlich zu glauben nicht.
Bachmann, Haimonsk.
111, 6
(
halem.
,
1530
):
das nie kein lyrren nach psalmen so güettygklichen thonttend, als die dry bruodern sungend.
6.
›gut, wohl, wahrscheinlich‹.

Belegblock:

Leidinger, V. Arnpeck
620, 10
(
moobd.
,
v. 1495
):
es ist auch gütiglich zu glauben, das solhen sig von got erworben haben di priesterschaft in seinem land und in sonderhait seine frome hausfrau.