götte,
götti,
der
,
für 2 wohl
die
;
–/-Ø
;
sehr variable, die Ansetzung einer Normalform und Unterscheidung von
gotte
erschwerende Graphie: medial häufiger
-tt-
als
-t-
;
-i-
Suffix halem. und baslerisch (dazu: Henzen, Dt. Wortbildung.
1965, 144
). – Hinsichtlich der Verbreitung des Worts in den rezenten Mundarten s. Dwa 4; dazu wie zur Wortgeschichte: R. Hildebrandt, in: H. H. Munske u. a., Festschr. L. E. Schmitt
1988, 661
-676. Vgl. auch die etymologischen und wortgeschichtlichen Bemerkungen im Schweiz. Id.
2, 531
.
1.
›Taufpate, männliche Person, die bei der Taufe die Mitverantwortung für die christliche Erziehung des getauften Kindes übernimmt‹; zu möglichen weiteren Funktionen des Taufpaten, z. B. als Taufzeuge oder bei der Firmung, vgl. die Belege.
Bedeutungsverwandte:
, , .
Wortbildungen:
götbrot
(14. Jh.),
göttibrot
(um 1480), jeweils: ›feines Backwerk, in der Regel als Patengeschenk verwendet‹,
göttigeld
›Geldgeschenk des Taufpaten an den Täufling (häufig im Taufkleid eingenäht)‹.

Belegblock:

Bremer, Voc. opt.
3065
(
wobd.
,
seit 1329
):
Patrinus gotti [...] goͤtti [...]. Patrinus [...] est, qui aliquem de sacro fonte leuauit. Et dicitur a patre, quia est pater spiritualis. [Vel eciam ille, qui ad confirmandum aliquem duxit].
Menge, Laufenb. Reg.
2068
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Den [kunste] söllent wir volgen alle zyte | Wonn vnns sú gott zů götten gyt.
Geier, Stadtr. Überl.
507, 23
(
nalem.
,
2. H. 16. Jh.
):
wie es hinfürter mit den gastungen, einstricken oder göttigelt [...] gehalten werden soll.
Spanier, Murner. Narrenb.
4, 133
(
Straßb.
1512
):
Vnser goͤtte by dem tonff
[sic!]
| Lernendt offt den narren louff | Die selben kindly, die sy heben.
Bernoulli, Basler Chron.
4, 371, 5
(
alem.
,
um 1400
):
ein kind in einer wagen; des goͤtti was der bischoff von Bassel.
Ebd.
5, 307, 16
(
1436
):
Und was sin goͤtthy her Hanns von Engen.
Ebd.
391, 14
(
1535
):
Was goͤtti Bastian Hügli miner herren knecht, und warent goͤttenen fraͧw Agnes Hertzogin, und Madlen Hort von Haltingen.
Bachmann, Morgant
161, 6
(
halem.
,
1530
):
lies ich min dochtar Elssbyett duffen, und getti min nachbar Hans Werlin, [...], und gotta dye alt Schrinerin.
Bachmann u. a., Volksb.
137, 16
(
alem.
,
15. Jh.
):
Und ward der bapst und die burgrafin der kunigin göt und göttin, und dar nach der keyser und die aller wirdigosten wurdent der andren götti und got.
Ebd.
231, 24
:
ich bitt dich sunderlich, Gamalratt, min herczelieber götte, ein kunigk von Morach: laß [...].
Bächtold, H. Salat
30, 14
(
halem.
,
1536
):
göti Jost Haldermeyer, goten die alt Closin.
Maaler
188v
(
Zürich
1561
):
Goͤtte / Der ein kind auß taufft hat. Arbiter initiationis.
Rennefahrt, Wirtsch. Bern
451, 20
(
halem.
,
1594
):
und soll zům ersten einen vatter haben wie obstat, demnach einen pfaffen, zwen götti und ein meßmer; die mögent in dann touffen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern
920, 5
(
halem.
,
1643
):
ist ... geordnet, dz ein götti oder gotten dem kind, was standts doch die elteren sind, nit mehr ynbinden sölle, dann ein silber oder goldt cronen.
Barack, Zim. Chron.
2, 34, 35
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
der ander gfetter oder götte des jungen herren, Wolf Behem, der ist nie verheirat gewest.
Bernoulli, a. a. O.
5, 308, 10
;
Bächtold, a. a. O.
30, 22
;
Barack, a. a. O.
1, 157, 27
;
Schmitt, Ordo rerum
79, 2
;
80, 2
;
Henisch
1673
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß
152
;
Schweiz. Id.
5, 960
;
6, 829
;
Schwäb. Wb.
3, 764
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›Taufpatin‹.

Belegblock:

Golius
10
(
Straßb.
1597
):
Commater, Goͤtte.
Kammerer u. a., Urk. Isny
92, 4
(
schwäb.
,
1502
):
[Schuhmacher Benntz Lenntz und der Frau Bienntz Lingg, ihrer]
götten
oder
dotten.
3.
›Patenkind, Kind (in der Mehrzahl der Belege: Junge; in 1 Beleg: Mädchen), für dessen christliche Erziehung ein Pate, eine Patin die Mitverantwortung übernimmt‹.
Bedeutungsverwandte:
, .

Belegblock:

Holtzmann, Gr. Wolfdietrich
223, 4
(Hs.
A. 15. Jh.
):
Sant Jerge gab im funfhundert und der amme ein vingerlin, | daz sie dester gerner züge den lieben göten sin.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 342, 18
(
Straßb.
1522
):
Da fand er ein Kneblin ston, das was sein goͤtlin und brůntzlet in den Kessel mit dem Weihwasser.
Bachmann u. a., Volksb.
118, 14
(
alem.
,
15. Jh.
):
Und nam syn götti, des graffen sun, und wolt in han fur syn eygen kynd.
Ebd.
231, 27
:
Da antwort kunigk Gamaloratt und sprach: „Myn lieber götte, ich wil dich geniessen lan, das du mir gehulfen hast“.
Bremer, Voc. opt.
3068
(
moobd.
,
15.
/
16. Jh.
):
Filiolus [...] pfetter [...] doͤtti [...] doͤttlein [...] gotti [...] qui ab aliquo levatur a baptismo vel ducitur ad confirmandum [...] goͤtti.
Ebd.
3070
(
schwäb.
,
M. 15. Jh.
):
Filiola [...] göt.
4.
›Trottel, Tölpel, stumpfsinniger Kerl‹.
Bedeutungsverwandte:
, (
der
2.

Belegblock:

Schöpper
8a
(
Dortm.
1550
):
Obtusus ingenio. [...] ¶ vnuerstendig grob härtsinnig dumhirnig stoͮlpisch dumm stumpff grobkoͤpffig ¶ grober troll goͤtte ruͤdischer eselischer doͤlpell.