Präfix;
durch Unbetontheit in verbalen Derivaten vokalisch abgeschwächte Variante des (Nominal)präfixes
ur-
(vgl.
); dient zur Ableitung untrennbarer, meist deverbaler Präfixverben (vgl.
), teils sind Bildungen auch auf ein Basisadjektiv (z. B.
ermüden, ersauern
) oder seltener ein Basissubstantiv (z. B.
ergäuchen, ernarren
) beziehbar. – Der semantische Beitrag des Präfixes wird in schematisch abstrahierender Form beschrieben, die durch das Wortbildungselement erzeugte Modifikation variiert in Abhängigkeit von der zugrunde liegenden Basis. Das Präfix kennzeichnet die Lokalisierung bzw. Direktivität einer Verbalhandlung (
1), wirkt häufig transponierend in Bildungen, die im weitesten Sinne eine Zustandsveränderung ausdrücken (
2), signalisiert vielfach das Einsetzen (
3) oder den Abschluss einer Handlung (
4) sowie das Erreichen eines Ziels (
5); weiterhin charakterisiert
er-
Handlungen des Herauslösens bzw. Hervorbringens (
6) und markiert Bildungen, die den Aspekt des Wiederholens oder Ersetzens (
7) beinhalten. Bei einer Reihe von Bildungen besteht im Sinne einer Intensivierung nahezu Bedeutungsübereinstimmung mit dem entsprechenden Basisverb (
8), wobei das präfigierte Verb oftmals nur Teile des semantischen Spektrums übernimmt (z. B.
träumen
vs.
erträumen
), sodass keine vollständige funktionale Äquivalenz zwischen Simplex und Präfixbildung besteht; dies kann sowohl mit einer veränderten Aspektualität (d. h. allgemein durch Herbeiführung von Telizität bzw. Perfektivität durch das Präfix) als auch mit einer syntaktischen Modifikation des Basisverbs einhergehen (z. B. reflexiver Gebrauch von
erkosen
gegenüber intrans. Gebrauch von
kosen
), hier kann Funktionsüberschneidung mit 3 bestehen. Verben, die sich auf dem Wege der Idiomatisierung befinden bzw. als idiomatisiert beurteilt werden können (z. B.
erfaren
(V.) 5; 8,
erholen
4,
erlauben
(V.) 1,
erörtern
), sind vielfach ebenfalls einer Präfixfunktion zugeordnet, sofern diese (noch) erkennbar ist (vgl. auch
). Höher frequente sowie semantisch komplexe
er-
Verben werden in separaten Artikeln dargestellt.