eisen,
eisern,
Adj.
– Aufgrund endungsloser Schreibungen ist eine sichere Differenzierung zwischen adjektivischen Fügungen (1; 2) und substantivischen Zusammensetzungen (vgl. ,
das
, 12356) nicht immer möglich.
1.
›Eisen enthaltend‹ (bezogen auf Eisenerz, Eisenrückstände, Roheisen u. Ä.);
vgl. (
das
2.

Belegblock:

Henisch (
Augsb.
1616
):
Eisen schlacken / zunder [...]. ¶ Eisener stahel / weicher als der kernstahel.
2.
›aus Eisen bestehend oder gefertigt‹; konkret die Materialbeschaffenheit von geschmiedeten Gegenständen aller Art bezeichnend; im Einzelnen:
a) bezogen auf Eisenwaren; Werkzeuge, Geräte, (chirurgische) Instrumente, Messinstrumente; Hausrat (z. B. Öfen, Gefäße, Behältnisse, Bildnisse); religiöses Zubehör; Bauteile (insbesondere Schutzvorrichtungen, Barrieren wie Tore, Türen, Gatter u. Ä.);
vgl. (
das
3.
Phraseme:
eine eisene tür anhängen / anhenken
›etw. nachsehen, dulden‹;
auf einen eisenen ambos ein eisener hammer gehören
.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): (Adj.), (Adj.), , ,  17.
Syntagmen
(in Auswahl):
etw
. (Subj., z. B.
die rinne
)
e. sein
;
der eisene auftrit / drat / hammer / löffel / ofen / riegel / stab, die eisene gabel / stange / tür, das eisene assach
›Gefäß‹
/ bild / gatter / instrument / kreuz / tor / (werk)zeug, die eisenen brunnenketten / flaschen / gelote
›Gewichte‹
/ gitter / platten / radschienen / reifen / truhen / züge
.
b) bezogen auf Waffen, Kriegsgerät, Rüstungen bzw. Teile davon; auch ütr. auf Körperteile, Gewalthandlungen, dann (teils mit mixtura verborum): ›eisenbewehrt; mit einer Wehr aus Eisen ausgestattet‹; vgl. (
das
5.
Bedeutungsverwandte:
, ,  17.
Syntagmen:
der eisene kolbe, die eisene bruch
›Hose‹ /
büchse, die eisenen gewand / handstreiche / horn / klauen / kugeln / schuhe / wagen / wappen
;
die pferde mit der eisenen stirn
.
c) bezogen auf Strafinstrumente, Folterwerkzeuge; vgl. (
das
6.
Syntagmen:
der eisene hammer / rost / sessel, die eisene bank / geisel, das eisene halsband, die eisenen bande / haken / ketten / kräueln / lätze
›Fesseln‹
/ ringe / zangen
.

Belegblock:

Zu a):

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
184, 20
(
thür.
,
1474
):
eyne wage met yren iserin zcuchten.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
[ein gedultig man] Hütt sich vor unnützen gezäncken, | Derselb thut eysern thür anhencken.
Cirurgia H. Brunschwig
31va, 12
(
Straßb.
[
1497
]):
So nim dann das iserin instrument / das do heisset ein storcken schnabel.
V. Anshelm. Berner Chron. (
halem.
,
n. 1529
):
Do nun der babst Gregorius, so wider den keiser blîne und isne kruͤz, Ave Maria, und salveglocken angericht hat.
Barack, Zim. Chron. (
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
zu dem mögte es [fenster] mit einem ansehenlichen, starken eisenen getter versorgt werden.
Rauwolf. Raiß ([
Lauingen
]
1582
):
[vnser Schiffman] stach mit einer eysnin zincketen gabel einen Visch.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Kunst ist in gluͤck ein zier / | Im ungluͤck ein eisern thuͤr
[wohl ›Mittel zur Geduld, Nachsicht‹]
. | Wer wol vberhoͤren kann / | Der henget eisen thŭr an.
Dirr, Münchner Stadtr. 420, Art. (
moobd.
,
um 1365
):
niemant an der stat maur [...] pawen sol, daz dew eysnein stang [...] beruͤren muͤg.
Helbig, Qu. Wirtsch.
2, 134, 18
;
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
61, 4
;
Ralegh. America ;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. ;
Dirr, a. a. O. ; ;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
11, 9
;
Lehmann, Rezeptb.
199
.
Vgl. ferner s. v. , ,  1, (Adj.).

Zu b):

Luther. Hl. Schrifft.
Micha 4, 13
(
Wittenb.
1545
):
Denn ich wil dir eisern Hörner / vnd eherne Klawen machen.
Karnein, Salm. u. Morolf
731, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Ich smacke tutsche iserin gewant.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Nürnb.
1631
):
Die eysen Hand vnd Backenstreich, | Sein Haupt vnd Antlitz schlugen weich.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
da gos man dem hertzog [...] eissin kuͦglen zuͦ den büchsen.
Kummer, Erlauer Sp. (
m/soobd.
,
1400
/
40
):
er [mein herr] traͤt ein eisneineu pruͦch an, | deu ist ıͤm von großm zorn | duͤrchl vor dem ars warn.
Ziesemer, Marienb. Konventsb.
287, 7
;
ders., Marienb. Ämterb.
21, 10
;
Luther. a. a. O. Jos.
17, 18
;
Rauwolf. Raiß ;
Vgl. ferner s. v.  1.

Zu c):

Gille u. a., M. Beheim
99, 290
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
etlich hat er [Trakel waidal] henken enpăr | an eisnÿn ketin lassen.
Ebd.
449, 313
:
mit grossen eisenn hăken sie [teüfel] in [ritter] schurn begunden.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
[er] leget dem teuffel nachmals | Ein eißren halsband umb den hals, | Ließ ihn also am pranger stehn.
Williams u. a., Els. Leg. Aurea
183, 10
(
els.
,
1362
):
Do hies der keiser sant Jgnacien sinen rúcken mit iserinen crowelen zerzerren.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
323b
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Mit scheren vnd mit eysin zangen | Zuͦ schweigen sye den bruͦder zwangen.
3.
im Anschluss an Eigenschaften von
eisen
(
das
) 1 in verschiedene Richtungen ütr.; im Einzelnen:
a) ›fest, stabil; undurchdringlich, unüberwindlich, schützend‹.
Phraseme
eisene berge umwerfen
(dazu bdv.:
bäume ausreissen
);
durch einen eisenen berg fliehen
;
mit eisenen bergen an etw. halten
›beharrlich an etw. festhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
, , (Adj.),  17.
Wortbildungen:
eisenberg
2 ›etw. Undurchdringliches‹.
b) ›hart, unbeugsam, unnachgiebig‹; ins Positive gewendet auch: ›beharrlich, standhaft‹; ›tapfer, kriegstüchtig‹ (auch als Beiname von Personen).
Bedeutungsverwandte:
,  134; vgl.  4.
Wortbildungen:
eisenart
,
eisenfest
(dazu bdv.: , Adj., 3).
c) ›stark, mächtig; streng; gewaltig‹ (von einer Regierungsgewalt, Herrschaft).
Bedeutungsverwandte:
 5,  3.

Belegblock:

Zu a):

Luther, WA (
1528
):
Ein geist sihet, feret und hoͤret durch ein eiserne maur so hell und leicht als ich durch die lufft odder glas sehe odder hoͤre.
Ebd. (
1535
):
wil man eiserne berg umb werffen und beumen ausreissen.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Ein boͤß gewissen flohe wol durch ein eisenberg / wo es muͤglich were.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
110, 2064
;
Vetter, Pred. Taulers ; ;
Anderson u. a., Flugschrr.
2, 11, 3
;

Zu b):

Lappenberg, Fleming. Ged. (
1632
):
Beherzet doch die Zeichen! | Doch ihr seid Eisenart, euch kan doch nichts erweichen.
Luther, WA (
1543
):
Aber diese Steinhertzen und Eisene seelen dich so troͤtzlich verspotten.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
4296
(
rib.
,
1444
):
Sij vant syne hende gewapent als stijff | Dat sij meynte dat yseren were alle syn lijff.
Wyss, Limb. Chron. (
mfrk.
, zu
1336
):
Der selbe lantgrebe Henrich was genant zu anamen der isern.
Sachs (
Nürnb.
1563
):
der geyßbock auß hochmuth | Deucht sich so eysenvest und gut.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Kinder, diese ding alle, [...], die muͤssent mit einem scharphen flisse, der isenin si, ab geschorn werden.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Eiserne hertzen.
Vgl. ferner s. v.  3.

Zu c):

Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1582
):
Du solt die leut [...] | [...] deiner herrschafft vnterzwingen | Mit einem eisnen scepter guͦt.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
die erste crone ist yserin, das betütet das ein keyser oder künig sol starg und mehtig sin.
4.
in der Fügung
das eiserne pfand
: ›Sicherheit, Bürgschaft mit Bezug auf bewegliches Gut aus Eisen (Waffen)‹; vgl. (
das
35,  4; eng anschließbar an 1.
Wortbildungen:
eisenpfand
.

Belegblock:

Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
,
A. 16. Jh.
):
werß aber schreinphant, so sol man in [schuldiger] das schetzen in vierzehen tagen. ist aber daß eisnen phant, daß mag ligen jar und tag.
Ebd. (
1630
):
ists aber eisenpfant, das stehet jahr und tag.
Rwb  f.; ; .
5.
in der Fügung
der eisene brief
: ›Moratorium (vertraglich vereinbartes Aufschubabkommen)‹.

Belegblock:

Rwb ; 1509f. (a. 
1573
).
6.
in Fügungen wie
eisener zins, eisene pfennige
u. Ä.: ›ewige Abgabe‹; speziell in der Fügung
eisene ku
: ›ewige Viehrente; Verpflichtung zum Halten bestimmter Tiere und zur Leistung von Abgaben‹; zur Ausdifferenzierung s. f.
Wortbildungen:
eisengülte
›ewige Abgabe‹ (a. 1576),
eisengültrecht
(a. 1494),
eisenhauptgut
›Stammkapital zur ewigen Abgabe‹ (a. 1505),
eisenku
(a. 1410).

Belegblock:

Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
9561
(
rib.
,
1444
):
Sij [Woicher] kan smeden [...] | Eyne koe [...] | Ind [...] | Deyt sij sij nennen yseren koe.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1486
):
die herren des uͥssern convents zuͦ Inderlappen den frowen des innern convents [...] ein guͦte zal ysinen kuͤgen zu halten pflichtig sind gewesen.
Ebd. (
1505
):
wie dann [...] soͤliche guͥlt und pension fuͥr ein ysin guͥlt [...] jaͤrlichen soͤlle ußgericht werden.
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp.
2, 276, 16
;
Rennefahrt, a. a. O. ;