einsetzen,
V.,
auch rückuml.
1.
›etw. in etw. (hinein) setzen, einfügen; jn. an einen Ort bringen‹ (jeweils in einem sehr allgemeinen Sinne); in unterschiedlichen Spezialisierungen und Metonymien z. B.: ›etw. einpflanzen‹; ›(Zugtiere) an ein Fahrzeug, ins Geschirr spannen‹; ›etw. (an einem Ort) lagern, aufbewahren‹; ›in etw. hineinsteigen, den Fuß in etw. setzen‹; ›jn. an einem Ort ansiedeln‹; ›jn. einsperren, ins Gefängnis bringen‹; refl.: ›sich (in der Gesellschaft) festsetzen, etablieren‹;
vgl.  12.
Bedeutungsverwandte:
,  1,  7, (s. v.  1), ,  1, .
Syntagmen:
j. e
. (absolut);
etw
. (z. B.
einen birndorn, das ros
)
e., jm. etw
. (z. B.
den magen
)
e., etw. an etw
. (z. B.
pferde an einen wagen
)
e., etw. in etw
. (z. B.
einen fremden sin in eine rede, den verzicht in ein buch, einen vogel in ein bauer, eine tür in ein tor, das volk in das land, scheiben in die fenster
)
e
.;
etw
. (Subj.)
sich
[wo] (z. B.
leid / zäher in js. leib
)
e
.;
eingesezte schalen
.
Wortbildungen:
einsezschale
,
einsetzer
1,
einsetzung
1a) ›Einfügung, Parenthese‹ (dazu bdv.:  2); 1b) ›Einlagerung (von Waren)‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1521
):
Es
[Vielzahl der kirchlichen Ämter, wie z. B.
Bischoff, Pfarrer, Priester, Capellan
]
ist von menschen gesetzen und ordnung also gemacht und hat sich mit der tzeytt so tieff eingesetzt, das man meynett solch geystlicher stand sey yn der schrifft gegrund.
Ders. Hl. Schrifft.
Neh. 3, 3
(
Wittenb.
1545
):
das Fischthor baweten die kinder Senaa / sie decketen es vnd setzeten seine thür ein
[
Mentel
1466:
schickten
]
/ schlösser vnd rigel.
Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
fuͤrwar ich nuͤber [vber einen bach] muß! | An diesem end einsetzen will, | Da ist das Wasser frumb vnd still.
Loose, Tuchers Haushaltb. (
nürnb.
,
1516
):
dem Veit glaßer fur 62 scheiben [...] in die fenster einczuseczen, dafur 4 ℔.
Goldammer, Paracelsus
4, 243, 21
(
1530
):
hett er [got] gewollt, daß wir nit essen, so hett er uns [...] den magen nicht eingesetzt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Eynsetzen / Hineinthuͦn.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1550
):
welcher [...] seine wepfen
[›Gewebe‹]
nit verkauffen kan, der soll sie an kainem andern ort einsetzen dann im gewelb auf dem Weberhaus.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
das [Parenthesis] ist ain einschliessung oder einsetzung, wen etwa mitten in ain gantze rede [...] ain ander vnd frembder synn [...] eingesetzt würd.
Bauer u. a., Kunstk. Rud.
1115
(
oobd.
,
1607
/
11
):
schalen mit 19 andere kleine eingesetzte [...] und inmitten ein rundes schälein, alles mit silber beschlagen und das man die einsetzschälein kan herausnemmen.
Winter, Nöst. Weist. (
moobd.
, Hs.
1519
):
es sollen auch die bei den insetzung
[›Einlagerung‹]
mit getrait geschiecht den insetzern nit gestatten zu messen, nuer allain durch den geswornen messer.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
Wen man ein krieg anfâhen wolt, so muests [Schöne weisse pferd] der pfarrer an ein heiligen wagen [...] einsetzen.
das volk, so mit pêden vertriben künigen [...] geflohen war, ward an der Thonau [...] eingesetzt in das land, so wir ietzo Ungern haissen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
17. Jh.
):
daß bei jöhrlicher schwendung in der gemain [...] drei piern- und drei öpfldorn sollen aingesezt werden.
Moscouia
D 1v, 32
(
Wien
1557
):
damit hat man den erlichen hertzog Michaeln wider in gefenkhnuß eingestzt / darinnen er auch gestorben.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
40, 25
(
mslow. inseldt.
,
1567
):
dieśe Verzicht. Zue einem ewigen gedachtnuś, in dieśes Buech einśetzen vnnd śchraiben haben laśśen.
v. Keller, Amadis ;
Bauer u. a., a. a. O.
333
;
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
8, 20
;
Ulner
23
;
Vgl. ferner s. v. , (
der/das
2.
2.
›jn. in ein Amt, eine Position, ein Recht u. dgl. einsetzen, einführen‹;
vgl.  17.
Bedeutungsverwandte:
 36, ; vgl.  2.
Gegensätze:
 1.
Syntagmen:
jn
. (z. B.
den babst, testamentarien
),
die obrigkeit e., j. jn
. (z. B.
got könige, ein bischof priester
)
e
.;
jn. in etw
. (z. B.
den kläger in den besiz der güter, die herzogin in das regiment
)
e., jn. zu etw
. (z. B.
personen zu diaconen
)
e
.

Belegblock:

Luther, WA (
1523
):
lesen wyr doch Act. 4., das ynn gar viel eym geringern ampt auch die Aposteln selbs nicht thursten personen zu Diacon eynsetzen on der gemeyn wissen und willen.
Anderson u. a., Flugschrr.
17, 11, 30
([
Wittenb.
]
1523
):
soll keyn Bischoff yemand eynsetzen on der gemeyn wal.
Köbler, Ref. Wormbs
108, 3
(
Worms
1499
):
Wie der cleger vff vngehorsam des verclagten in besitz der guter soll ingesetzt werden.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
105, 872
(
Zwickau
um 1540
):
Die Keyser muͤssen aus meins hertzen schrein / | Gewelet werden und gesetzet ein.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
168r, 2
(
Leipzig
1588
):
er [Prophet Daniel] spricht: Gott setzet Koͤnige abe / vnd setzt Koͤnige ein.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
da wart eingesetzt maister Hannsen Lochners sun [...] zu einem pfarrer.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. (
moobd.
,
1478
/
81
):
der hertzog ward all der länder [Holland, Hönigaw, Seeland und Friesland] eingesetzt an irrung.
Anderson u. a., a. a. O.
10, 30
;
22, 6, 34
;
Köbler, Stattr. Fryburg ;
V. Anshelm. Berner Chron. ;
Rwb  f.;
Vgl. ferner s. v. .
3.
›etw. als Pfand einsetzen, jm. etw. verpfänden‹;
zu  1.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  16,  2,  2, .
Wortbildungen
einsetzung
3 (dazu bdv.:  2, ).

Belegblock:

Köbler, Ref. Franckenfort
59, 9
(
Mainz
1509
):
Wo die bezalung zu bestimpter zeit nit geschee / dz dan̄ B solcher jnsatzunge vn̄ pfantschafft nach geen sol.
Ders., Ref. Nürnberg
175, 26
(
Nürnb.
1484
):
vnschedlich den Jhenē. die [...] elltere einsatzung oder verpfenndung hetten.
Anderson u. a., Flugschrr.
30, 3, 17
([
Straßb.
1522
]):
wiltu mir das gutt einsetzen zu pfandt [...] so wil ich dir xx. gülden leihen.
Welti, Stadtr. Bern (
halem.
,
1414
):
wer der ist, der jeman ein pherit oder me [...] verkouft vnd ime daz in phandes wise wider ingsetzet wirt, [...].
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
So auch dem schuldner [...] sin guͦtt [...] verkoufft wirt / so sollēt alle die so ingesetzte pfand [...] vff solich guͦt haben vor vnserm gemeinen guͦt vnd vor mengklichem vorgan.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1587
):
Es soll auch keiner kein gut [...] zu underpfand einsetzen und verschreiben, bei straf eines grossen frevels.
Zingerle, Inventare (
tir.
,
1420
):
iiii markch hat im der Werberger daz mozz ingesaczt, dar vmb er áin brief hat.
Weingart u. a., Seelb. Rhodt
338, 20
;
Bastian, Runtingerb.
2, 165, 26
;
Cirullies, Rechtsterm. Anh.
1981, 135
.
4.
›etw. einführen, initiieren, begründen, stiften, ins Leben rufen; etw. festlegen‹;
vgl.  7.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  6, .
Wortbildungen:
einsaz
4,
einsetzer
2 (dazu bdv.:  1).

Belegblock:

Luther, WA (
1530
):
Gottes wort stifftet und macht sie zu Goͤttern und wirfft alles unter sie. Drumb sollen sie nicht uber dasselbige, das yhr einsetzer und stiffter ist, faren, Sondern yhm unterthan sein.
Österley, Kirchhof. Wendunmuth (
Frankf.
1603
):
Es sollten [...] alle Christen [...] wol lehrnen [...]; woher die sünde entsprungen; wie gott sein reich eingesetzt.
Thür. Chron.
14v, 6
(
Mühlh.
1599
):
Anno 216. Hat Babst Calixtus die Weichfasten eingesetzt.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Bautzen
1567
):
Aus grosser lieb vor seinem end, | Setzet er ein das Sacrament.
Anderson u. a., Flugschrr.
10, 8, 10
(
Zürich
1524
):
wir wellend den gyt vnnd gutzel wuͦcher [...] vnder laßen / vnd dis helig sacrament allein bruchen nach dem ynsatz Christi / das ist die mes erst ingesetzt aber die mes Christi / nit die mes d’ gitigen baͤpstlere͂.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
166, 1
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
in der substancien heiltet sich die getat materilichen zuo der ordenunge, die da ingesetzet wirt von der oberresten mach.
Andreae. Ber. Nachtmal
250, 5
([
Augsb.
]
1557
):
wie Christus einmal eingesetzt vnnd gestifftet hab / sein Leib zü essen.
Kehrein, a. a. O. ;
Bell, G. Hager
635, 6, 9
;
Vgl. ferner s. v.
1
 1,  4.
5.
›jn. / etw. zu einem bestimmten Zweck verwenden, gebrauchen‹;
zu  1.

Belegblock:

Ralegh. America (
Frankf.
1599
):
es waren etliche darunder die Berrheo auß andern Laͤndern mit jhm hatte gebracht / vnd da eyngesetzt / die geborne Eynwohner der Jnseln zu vnderdrucken / vnd auffzureiben.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1523
/
7
):
sie [lerchen] waren tod, nicht daß man sie einsetzen wolt
(wohl ›zur Nachzucht nutzen‹).
6.
›wo angreifen, auf jn. losgehen; in eine Gruppe von Gegnern vordringen‹;
zu  2.
Bedeutungsverwandte:
vgl. ,
4
 2, (V.) 12.

Belegblock:

Kurz, Waldis. Esopus (
Frankf.
1557
):
Darnach die Voͤgel all gemein | Setzten zum gwaltigen hauffen ein. | Die Thier wurden in die flucht bracht.
Neubauer, Kriegsb. Seldeneck
113, 16
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
so sollenn die schuczenn hinder der feind banner einseczenn vnd treffen.