eingiessen,
einbegiessen,
V., unr. abl.
1.
›etw. wo hineingießen, -schütten‹; ›etw. wo hineinträufeln‹; ›jm. etw. einflößen, zu trinken, schlucken geben‹; refl. (überwiegend bildlich): ›sich wo ergießen, verströmen‹;
zu  1, (V.) 15.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  1,  19,  5, (V.).
Wortbildungen:
eingiesser
1 ›Gefäß zum Eingießen, Kanne‹,
eingus
1 ›Flüssigkeit, die jm. (überwiegend zu Heilzwecken) eingeflößt wird (Medizin)‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1544
):
Gleich als so man eim krancken menschen, [...], wolte wein uber seinen danck eingiessen.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
saltz zu sieden nach laut der zettel der neuen regierunge und auch 4½ zober sole zu einem wercke einzugissen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
als ingússet sich hie Got, als die natúrliche sunne gússet iren schin in die lúft.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
Ich sich: einen gantzen gulden leúchter [...] vnd siben ein giesser
[Var. 1483:
kandeln
;
Wormser Proph.
1527 /
Froschauer
1530:
roͤrlin
;
Dietenberger
1534:
gießfeßlin oder roͤrlin
;
Luther
1545, Sach. 4, 2:
Kellen
]
den lucern.
Cirurgia H. Brunschwig
31ra, 13
(
Straßb.
[
1497
]):
in die wunden do der pfil vß ist gezogen do güß in ein warm viol oͤly.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
sein laug ist den siechen âdern wunderleichen guot, sô man si aingeuzet und trinkt.
man spricht auch, daz [...] ir einguz
[Sud aus Kichererbsen]
ist guot für des zantflaisches smerzen.
Eis u. a., G. v. Lebenstein
50, 8
(
oobd.
,
1. V. 15. Jh.
):
Wer den hohen sichtung hab, dem sol man das wasser zu trincken geben oder eingiessen, so er gefallen ist.
Matzel u. a., Spmal. dt. Wortschatz.
1989, 145
.
Vgl. ferner s. v.  11,  1, .
2.
›jm. etw. zuteilwerden lassen, vermitteln‹; Spezialisierung zu 1; in religiösen Kontexten speziell auf verschiedene Aspekte göttlichen Einwirkens auf Leben, Schicksal und Charakter des Menschen bezogen: ›dem menschlichen Körper eine Seele eingeben, Leben spenden, schenken‹; ›den Menschen als Zeichen der Gnade mit guten, für eine christliche Lebensführung vorteilhaften Kräften, Tugenden, Neigungen ausstatten‹;
zu  1, (V.) 10.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  11,  3, ,  7,  2,  2,  4,  4.
Syntagmen:
got
(Subj.)
jm. etw
. (z. B.
den glauben / rat, die gnade / kraft / liebe / minne / seligkeit / süssigkeit, das wort, die tugenden, die geistlichen freuden
)
e
.,
e. S. etw
. (z. B.
dem leib die sele, der sele die kunst, dem herzen den frieden, das liecht
)
e
.,
got sich jm. e
.,
das leben
(Subj.)
jm. im leib der mutter eingegossen werden
.
Wortbildungen:
eingiesser
2 ›Vermittler, Spender‹ (dazu bdv.: vgl. I, 12),
eingiessung
,
eingus
2.

Belegblock:

Luther, WA (
1518
/
9
):
wen got eynem leydenden menschen sein wort eingeust, da mit er starck wirt alles tzu tragen, dan gottis wort ist almechtich.
Do tritt her die christlich kirch und bitt, gott woͤll jn den glauben yngiesszen.
Aber inn der Junckfrawen Marien empfengknis, wellycher leib mit der zeit nach ander kindlin gewonhait gmacht ist, biß zur eingiessung der seele, ist nicht von noͤtten gewesen, das ein sol lich empfengknus were, denn sie hat künden erhalten werdenn vor der erbsünde biß auff die seele. Aber das ander empfengnis, nemlich die eingiessung der seele, glaubt man miltigklich und seligklich, das es one erbsünde sey zuͦgangen, so das im eingyessen der seele sie auch zuͦgleich mit von der erbsünnde sey gerainniget worden.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
in mîner muoter lîbe, dâ mîn leben mir wart îngegozzen ze dem êrsten.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
576
(
pfälz.
,
1436
):
so sint jne zugegeben worden von got dry götliche tugend vnd jngegossen.
Strauch, Par. anime int.
37, 30
(
thür.
,
14. Jh.
):
di andere kunst Christi di ist creature, daz ist di kunst di sinir sele ingegozzin wart.
Gille u. a., M. Beheim
82, 24
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
[got] ainn menschen dar auss maht, | gancz mit allen geliden, | Und gass dem leichnum ein ain sel.
Ebd.
28
:
Und ers ains măls allaine | hailget mit ein giessung der lieb.
Brett-Evans, Bonaventuras Leg. S. Francisci
125, 18
(
önalem.
,
v. 1478
):
vnd wart enzùndet von hiczigem inbrunst himelscher begird vnd geriet groͤssiklichen enpfinden die goben des goͤttlichen ingusses.
Warnock, Pred. Paulis
12, 77
(
önalem.
,
1490
/
4
):
won er gab inen gott den hailgen gaist, der ain geber ist aller gaben und gnaden, ain lérer und ingiesser aller tugent.
Ebd.
109
:
denn mag uns gott sin gnad nit ingiessen, wir sigint denn vor usgiessen die súnd.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Basel
1497
):
Zünd vns das liecht der synnē an, | ingüß liebe den hertzen wan.
Sappler, H. Kaufringer
17, 238
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
frid sei dem herzen gegossen ein.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
44, 4
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
O du selige drifaltikait | [...] | geus ein das liecht den herzen.
Steer, K. v. Megenberg. Sel
210
(Hs. ˹
moobd.
,
1411
˺):
sy [die sel] wirt von got geschepht vnd in gegossen dem leib, darumb das sy in erkuͤkcht.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
1154
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
Auch glaubten ettleich hayden, es wër in ettleichen pilden ein eingegossene chrafft.
Ebd.
1662
:
Die person [...] die da geyt vnd in gewsset ist der vater.
Bauer, Imitatio Haller
59, 16
(
tir.
,
1466
):
die geistleichen freuden [...] werden eingossen in die lautern gemuet von got dem herren.
Quint, Eckharts Trakt. ;
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
34, 35
;
Vetter, Pred. Taulers ; ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
95, 12
;
Sappler, a. a. O.
25, 144
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
111, 5
;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 365
.
3.
›den Menschen negativ beeinflussen, auf das Böse prägen‹ (vom Teufel bzw. von Personen gesagt, die aus der Perspektive des Sprechers das Böse repräsentieren); Ütr. zu 1.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  3,  1.

Belegblock:

Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
12, 36
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
der tewffel [...] gewst im [dem menschen] zu dem ersten ein die ubeln.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
213
(
Nürnb.
1517
):
die schlangen [...] sich kan verwandelen in einen engel des liechts und under der besten gestalt die ergisten gift eingiesen.
Sappler, H. Kaufringer
16, 25
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
gar hälich und mit stillem sitten | ratt er
[der Teufel]
und giußt dem menschen ein, | zuo den sünden genaigt ze sein.
4.
›jm. etw. eingeben, einprägen, in der Erinnerung verankern‹; Spezialisierung zu 2.
Bedeutungsverwandte:
 1; vgl.  7.

Belegblock:

Hohmann, H. v. Langenstein. Untersch.
59, 40
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
choment vns oft für froͤmde ding mit ainr vnentpfintleichen snellichait, gleich sam sew vns fromdleich werent ingefuͤret vnd ingegossen in vnser gedachtnuͤss.