eigenlich,
vielfach mit anorganischem
-t
:
eigentlich,
Adj.
– Besonders eng vernetztes Bedeutungsspektrum. Im Folgenden werden die (sehr reichhaltigen) Belege nach den Aspekten gegliedert, die als jeweils dominant interpretiert wurden. Diese Aspekte finden sich schlagwortartig zu Beginn der einzelnen Bedeutungsansätze angegeben, z. B. „abbildlich“ unter 1; semantische Überlappungen sind die Regel.
– Zur vertiefenden Lektüre: [...]. In
Brinker-von der Heyde u. a., Eigentlichkeit [...].
2015, 103-133
.
1.
›abbildlich, einer als sicher vorausgesetzten Wirklichkeit angemessen und entsprechend, eine reale Ausgangsgröße zeichenhaft repräsentierend‹; im Einzelnen: (nach den Maßstäben einer vorauszusetzenden Realitätstreue) ›exakt (auch von Messungen), genau so, wie es ist / war, vollständig, wahrheitsgemäß‹; speziell auch: ›diplomatisch genau, wörtlich‹ (von der Wiedergabe von Schriftlichem); bei Protokollen und mündlich ausgehandelten Verträgen: ›wortwörtlich, genau so, wie etw. ge- bzw. besprochen wurde‹ (genaue Wiedergabe des mündlich Gesprochenen); tropisch dazu: ›nachweislich‹; auch: ›onomatopoetisch‹; ›ähnlich wie eine Vergleichsgröße‹; ›einer Sachlage angemessen, gerecht, passend‹; offen zu 2; 5 und 11.
Gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 45, (Adj.) 8, , , , .
Syntagmen:
jn. e. abmalen, etw. e. abreden / anbilden / angeben / anzeigen / aufschreiben / aufzeichnen / ausdrücken / austeilen / ausweisen / benennen / beschreiben
(mehrfach)
/ einschreiben / erzälen / fächten
(z. B.
masse
)
/ finden / inventieren / nachfragen / träumen / veranlassen / verzeichnen / verzollen,
[wohin]
streichen, zu register bringen, die protestation sich e. in einem gerichtsbuch erfinden, j. etw. e. in einer kopie ausdrücken / berüren, etw. e. in einem buch verklären, etw
. (Subj.)
e. in der geschrift begriffen sein
;
j. eigenlicher x dann y heissen
;
die eigenliche beschreibung / contrafactur / merkung / verfarenheit, das eigenliche register / verzeichnis
.

Belegblock:

Toeppen, Ständetage Preußen
4, 110, 24
(
preuß.
,
1453
):
als sich dan solich protestacion in ewer kaisserlichen gnaden gerichtczpuch eigentlichen erfindet.
Sahr, Dt. Literaturdenkm. II, A, Bd.
1, 7
(
Rostock
1598
):
Abdruck vnd Eigentliche Contrafactur / eines [...] seltzamen Herings.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
solhe liute heizent eigenlîcher vihe dan liute.
Köbler, Ref. Wormbs
278, 18
(
Worms
1499
):
das alles vnd yedes in vnnser Rat oder gerichtes buͦch eigentlich beschriben werden mit anzeig vñ bestymmu͂g des iars tags zyt vnd der persone.
Ders., Ref. Franckenfort
33, 2
(
Mainz
1509
):
der gerichtschryber sol alle gerichts hendel / so jn schrifften oder moͤntlich gehandelt werdenn mit vffmerckendem fleiß eygentlichen vff zeichenen.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 85, 31
(
hess.
,
1535
):
[das ir] was ir bi im findet, eigentlichen aufschriben lassen.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
10, 17
(
Frankf./M.
1568
):
Wie denn in disem Buͤchlin von allen Staͤnden [...] gruͤndtliche vnd eygentliche beschreibung ist.
Ebd.
22, 8
:
Der Handmaler. [....] Ein Heer / [...] | Kan ich so eigentlich anzeygn / | Als stehe es da Leibhafftig eign.
Gerhard, Hist. alde e
1784
(
omd.
,
um 1340
):
Noemi nicht nennet mich, | Sunder mich nennet eigentlich | Maram, daz lut di bittere
(auch zu 3 stellbar).
Jahr, H. v. Mügeln
283
(
omd.
, Hs.
1463
):
wie man eigentlichen sal | die farben in des tichtes gral | strichen mit sines pinsels ort.
Hertel, UB Magdeb. (
nd.
/
omd.
,
1487
):
sal der molnvoit alle, was von bruchen und straffen [...] sich begeben [...] eygentlich, [...] verzceychent zcu regester bringen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
84, 35
(
thür.
,
1474
):
[hat sy] daz alles in der copien des briffs [...] eygintlichin beruret unde ußdrugket.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
sint wir [...] in eygentlich verfarenheit und kunde komen, wie yr [...] in butel fronen lasszet.
Der obgerurten rechinschafft sollen dann die vier vorsteher eyn eygentlich verstentlich register aller uffname und uszgabe [...] von sich uberantworten.
Ermisch, Sächs. Bergr. (
osächs.
,
1509
):
sall ein itzlicher schichtmeister [...] auch eygentlich antzeigen [...] was uffs gedinge ader arbeytter gegangen.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
96, 12
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Die sollen in beisein der erben [...] alle verlassene gueter eigentlich, unterschiedlich und ordentlich inventiren und beschreiben.
Kohler u. a., Bamb. Halsger. (
Bamb.
1507
):
was sich in der vrgicht vnd aller erkundigung findet, sol eigentlich aufgeschriben, dem ancleger [...] eroffent vnd vff sein begere abschrifft gegeben [...] werden.
Cirurgia H. Brunschwig
23rb, 33
(
Straßb.
[
1497
]):
das bruchent alle [...] wund ertzet zuͦ beschirmen [...] die frischen wundenn als eygentlich in dem antidotario her nach geschriben [würt].
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1616
):
die rats und gerichtshandlungen, auch urteilen, conträct [...] eigentlich zu vermerken.
Rennefahrt, Zivilr. Bern (
halem.
,
1485
):
doch harin luter und eigentlich usbedingt und vorbehalten aͧcht maͤß oͤlls.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 13, 5
(
halem.
,
n. 1529
):
wie der babstesel [...] das babsttuͦm abmalet, also malet eigenlich dis muͤnchskalb die apostel und schuͦler des babsts.
Maaler (
Zürich
1561
):
Eigentlich. Aptus, Concinnus. Eigentlich / Grundtlich [...] Proprie. [...]. Ein ding Eigentlich außteilen. Concinne distribuere rem aliquam. [...]. Etwas kunstlich vnd Eigentlichen mache͂. Elaborare aliquid. [...]. Mit fleyß vnd Eigentlich laͤsen.
Liebkosen / Eigentlich wie die hund mitt dem schwantz.
Chron. Augsb. (
schwäb.
,
1544
):
[Nun will ich] denselben [handel] [...] gar aigentlich on abbruch der warhait nach historischer art und mainung [...] gantz ordenlich ertzelen.
Kohler, Ickelsamer. Gram. (wohl ˹
Augsb.
1. Dr. 16. Jh.
˺):
er wendet vnnd traͤhet die buchstaben in seinem mund hin vñ her auff all seyten, vnd findet nichts aigentlichers zu der stym͂, m, dañ die Kuͤe mit jrem brummen, da findet und sihet er nun den buchstaben, m, bey jr gemalet.
Meisen u. a., J. Eck
31, 2
(
Ingolst.
1526
):
darumb will ich die gantze handlunng aigenntlich beschreiben, wie sy sich verlouffenn hatt.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Der priester hett dy zal der stuck des heyligen sacraments aigentleich in gedächtnüsz.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe ; ;
Welti, Pilgerf. v. Walth.
58, 6
;
Löscher, Erzgeb. Bergr.
146, 28
;
Kohler u. a., a. a. O. ; ; ; ;
Lexer, Tucher. Baumeisterb. ; ; ;
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
519
;
Bernoulli, Basler Chron. ;
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. ;
Mell u. a., Steir. Taid. ; ; .
Vgl. ferner s. v.  1,  2,  3.
2.
›ursprünglich, von den Anfängen her, die Geschichte, Genese und innere Logik e. S. oder eines Sachverhaltes berücksichtigend‹ (allgemein; speziell als ideologische Strategie der Historisierung); auf sprachliche Fragen bezogen: ›wortgeschichtlich, etymologisch‹; in einem sehr umfassenden Sinne mit der Konnotation: ›grundrichtig, unverdorben‹; bei Übersetzungen: ›aus der ursprünglichen Ausgangssprache übersetzt‹; offen zu 3.
Bedeutungsverwandte:
1
.
Syntagmen:
e. (von etw.) reden, etw
. (Subj.)
e. aus der natur kommen, aus etw. fliessen, seine geburt e. vom vater haben
,
x
(z. B.
doxa
)
e. y (ere) heissen
(häufig),
x
(z. B.
tropus
)
e. y (gesang) sein, etw
. (Akk.obj.)
e
. [wo] (z. B.
in registern
)
befinden
;
der eigenliche name
.

Belegblock:

Luther, WA (
1522
):
doxa; das heist eygentlich ehre odder glorie, darumb das die gottlich natur eyttel gloria und ehre ist.
Oorschot, Spee/Schmidt. Caut. Crim.
218b, 12
(
Frankf./M.
1649
):
daß auch die Dinge eygentlich vnd alleinlich auß der Natur herkommen.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
Hadmos, heisset eigentlich Priesterlicher Schmuck.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
176v, 12
(
Leipzig
1588
):
Das gute Freundschafft eigentlich heisset: Ein Zusammen neigung / Verknüpfung vnd Verbindung der Hertzen vnd Gemuͤter der Menschen.
Opitz. Poeterey
57, 12
(
Breslau
1624
):
wann wir die eigentlichen namen der Goͤtter vnd anderer sachen / als Jupiter [...] in vnsere sprache braͤchten / wuͤrde sie nicht von allen verstanden werden.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
So doch der sun hot sein gepurt | Eygentlich von dem vater rein.
Harsdoerffer. Trichter (
Nürnb.
1648
):
C. Ist eigentlich kein teutscher Buchstab / und von den Lateinern [...] in unsrer Sprache miteingeflochtē worden. Daher nicht ein Teutsches Wort / dem Grund nach zu finden / das von einē C anfaͤngt.
Maaler (
Zürich
1561
):
Eigentlich vnd geschichtlich von eine͂ ding reden.
Kaͤtzle oder zaͤserle / das bluͤst / als an nusszboͤumen vnnd haselnussen / ist eigentlich zeredē nit bluͤst / gadt aber vor der frucht dahaͤr wie bluͤst / einem meußschwentzlin geleych.
Rot
302
(
Augsb.
1571
):
Curation. Jst eygentlich der Ertzt heylung / versorgung.
Henisch (
Augsb.
1616
):
Academi, Hohe Schul / Vniversitet / Academia, schola uniuersalis, heist eigentlich das ort zu Athen [...] jetzt wird also genandt ein jede hohe Schul.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
doch wizz, daz diu glider an dem menschen aigenleich achsel haizent.
daz der unvernünftigen tier milchwäppel aigenleichen äuter haizent.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
147, 14
(
1438
/
9
):
fleusset aller adel, ambter und wierdikeit eygenleich usz volkomenheit und macht eyns iglichen Romischen keysers.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1532
):
das in den alten urbarregistern aigentlich befunden wirt, darmit die mass zu Obedach und die an der Zeyring gleich sein solten.
Luther.
Hl. Schrifft. Röm. 2, 4
Marg.
Vgl. ferner s. v.
1
(
der
1.
3.
›buchstäblich, wörtlich im sog.
eigentlichen
Sinne eines Ausdruckes (im Unterschied zu
metaphorisch
), im literalen Sinne‹; mit Tendenz zu einem epistemischen Urteil und einem entsprechenden Handlungswert (allgemein): ›einem vorauszusetzenden richtigen / wahren Aussagegehalt gemäß (bezogen auf die Semantik einer Aussage), im wahrsten Sinne des Wortes‹; speziell gemessen an einer vorauszusetzenden allgemeingültigen, oft theologischen Wahrheit: ›wahr, richtig von der Bedeutung des Geschriebenen bzw. (seltener) des Gesagten‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 2, (Adj.) 12, , .
Syntagmen:
e. reden
;
ein wort e. nemen, etw. e. orten / sagen, verstehen
(z. B.
ein wort
),
zu verstehen geben, auf jn. / etw. deuten
;
der eigenliche sin, der eigenlichste name, die eigenliche bezeichung / kraft
.

Belegblock:

Luther, WA (
1527
):
Denn das er nennet ,Gottes kinder‘, ist eygentlich zu deuten auff die menschen, auff den stam und linien von Seth, Adams son.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swaz eigenlich gewortet mac werden, daz muoz von innen her ûz komen.
Gropper. Gegenw. (
Köln
1556
):
Die gotlosen Ketzer wenden grossen fleiß an / ob sie yrgent in der Heiliger Schrifft / einiche rede fynden moͤchten / die dieser rede gleich foͤrmig sey / vnd aber nit nach jrem artlichen vnd eigentlichen syñ / sonder Metaphorisch vnd figurlich verstanden werde.
Ebd. :
das sie dardurch auch disse gantz Heitere wort des Herrn / von jrem rechten vnd eygentlichem syñ / vff eynen Metaphorischen / Figurlichen vnd frembden verstandt / nach arglistiger vnd Sophistischer weiß / überzwergs ziehen.
woͤrtlin [...] die jrer art nach / ein Wesenlich Selbstendig dyng / das die Lateyner
Substantiam
nennen / anzeigen / vnd doch noch nit eygentlich zu verstehe͂ gebe͂ was das sei / biß dasselbig vort in der Proposition oder rede gemelt [...] wirt.
Ebd. :
das diese gemeine woͤrtlin / jrer eigentlicher krafft vnd deutung nach / nit bezeichnen eyn sonder dyng / woͤlches eyner anderer natur sey / dan daß jhene ist so dar durch gezeigt wirt.
welcher artickel die krafft hat vßzutrucken / die ware vnd eigentliche bezeichung des woͤrtlins.
Dweil aber daneben nit geleügnet werden mag / das diese worter auch recht vnd eigentlich von dem Heiligen Sacrament des Leibs vnd Bluͦts Christi zuuerstehen sein.
ob die wort der Schrifft nach jrem rechten vnnd eigentlichen siñ / wie sie nach der Litter stehen vnd lauten / oder aber Methaphorischer vnd Figurlicher weiß zuuerstehen sein.
Strauch, Par. anime int.
33, 9
(
thür.
,
14. Jh.
):
hi ane ist uns bewisit di grundelose materie dissis kindis, und ist diz sin eginlichiste name.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
last vns auch auff den verstand vnd auff die eigentliche meinung der woͤrter achtung geben.
Goldammer, Paracelsus. B. d. Erk.
40, 9
(
obd.
, Hs.
n. 1570
):
des wort gottes / welches noch gewisser / vnd aigentlicher ist / auch seliger.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
166, 23
(
Nürnb.
1548
):
Darum͂ hat auch Simeon so eigentlich seine wort woͤllen setzen / vñ spricht / Meine augen haben deinen Heyland gesehen.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
1359
):
Dis wort mag man von unser froͮwen aller eigenlichest nemen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Braschlen / Knastlen / Wirt eigentlich vom fheŭr geredt / so es in seinem gwalt ist. [...]. Das Braschlen oder knastlen / als wenn ein baum falt / oder sunst etwas bricht.
Eerengab / ein eerenschencke / Ein gastschencke / so man einem guͦten frúnd gibt jn zuͦ erfroͤuwen / eigentlich aber eine͂ froͤm͂den gast.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
100, 24
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
daz von der personen des sunes gottis eigentlichen gesaget wirt der nam got.
Rot
330
(
Augsb.
1571
):
Murmur, Ein gemürbl / gebrümbl / getoͤß / eygentlich aber das getoͤß vñ rauschen des wassers.
Baptist-Hlawatsch, U. v. Pottenst.
251
(
moobd.
,
A. 15. Jh.
):
schepphen aygenleich zu reden ist etzwaz von nichte machen, aber wurchen hat vor im ain matery.
Jostes, Eckhart
11, 19
;
Gropper. a. a. O. ;
Perez, Dietzin
1, 203, 7
;
Opitz. Poeterey
29, 21
;
Reichert, Gesamtausl. Messe
93, 21
;
Andreae. Ber. Nachtmal
18v, 20
;
Höver, Bonaventura. Itin. A
289
;
Rot
355
.
4.
›in Wirklichkeit, in einem tieferen Sinne wahr, im Grunde genommen, die wahre Intention (oft im Unterschied zu einer vorgeschobenen) unterstreichend, den wahren Sinn, den wahren Grund für etwas hervorhebend; das implizit tatsächlich, hintergründig Gemeinte einleitend‹; oft mit der Präsupposition, dass zuvor etwas verborgen, verschleiert wurde.
Bedeutungsverwandte:
 1, (Adj.) 10, , .
Syntagmen:
etw. e. befinden / sehen / wissen / wollen, ein greuel heissen, einen dünkel / traum zum abgot machen
;
j. e. des sinnes sein, etw
. (Subj.)
e
. [wie]
ergehen
, [wohin]
zielen, etw
. (Subj., unterschiedliche Bezugsgrößen)
e. eine staude, ein vorbote, des teufels werk, das wort / js. got sein
;
die eigenliche beschaffenheit / materie
.

Belegblock:

Luther, WA (
1524
):
Denn die schrifft heisset die Abgotter eigentlich ein grewel, darumb das Gotte dar fur eckelt und grawet.
das solche Lere sey eigentlich das rechte Gottes Wort, von Himel offenbaret.
Was heist ein Gott haben [...]? Antwort: [...] Worauff du nu [...] dein hertz hengest und verlessest, das ist eygentlich dein Gott.
Daruͤmb die Heiden eigentlich yhren eigen erdichten duͤnckel und trawm von Gott zum Abgott machen und sich auff eitel nichts verlassen.
Ebd. (
1535
):
es ist eigentlich des leidigen Teufels werck und getrieb.
Ralegh. America iijv, (
Frankf.
1599
):
Ich probierte sie [Stein] von stundt an / aber befunde eygendtlich / daß es nur Marcasita waren.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
124, 18
(
omd.
,
n. 1474
):
Wan daz wellen eigentlichen wir unde blöslichen, daz wir nach der frigen bescheidenheit wellen.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
169r, 31
(
Leipzig
1588
):
Wie denn solche vnd andere Zeichen eigentlich gewisse Vorboten sein / die vns die letzte Zukunfft des HERRN mit dem ernsten gestrengen / Gerichte [ankündigen].
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
wenn wir im Gegentheil die eigendliche und unbetruͤgliche Beschaffenheit solches theuren Standes bei uns ergruͤnden.
Gille u. a., M. Beheim
13, 49
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Vernemt es recht und wol, das dy weis aigentleich | da haisset und ist ein verwandlung zwore, | [...] | [...] doch [...].
Sachs (
Nürnb.
1562
):
Als er eygentlich sehen wil, | Welcher der adelichen menner | Wer der best stecher.
Michels, Murner. Badenf.
16, 60
(
Straßb.
1514
):
Vff diser erden ward kein ort, | An dem got nit ir stimmen hort | [...] | Eygentlich in allen dingen.
Jörg, Salat. Reformationschr.
290, 28
(
halem.
,
1534
/
5
):
was der hertzog von Wirtenberg mit denen von Zürch practiciert [...] mogend wir eygenlich nit wüssen.
Maaler (
Zürich
1561
):
Es ist Eigentlich also ergangen. Facti certa fides est. [...]. Jch bin Eigentlich deß siñs. Mihi certum est.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
286, 2
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
Ez ist zemerken, daz begriffung sprichet in zweier hande wis. Ein wis: eigentlichen, nach dem unde etwaz inbeslozen wirt in dem begriffenden.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
Rosarius haizt ain rôsenpaum, aber ez ist aigenleicher ain staud.
Munz, Füetrer. Persibein
89, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ir wisst aigentlichen wol, | das gedänck vnnd wunsch man nyemant mag verpietten.
Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
6, 4
;
Göz. a. a. O. .
5.
›unterscheidend, klar, diskriminativ; etw. im Detail, in den Einzelheiten erfassend, Unterschiede zu Ähnlichem herausarbeitend und abgrenzend; ernsthaft abwägend; nachvollziehbar; genau, sorgfältig erfassend (in der Rezeption von etw.)‹; mit vereinzelter Tendenz zu: ›deutlich, bis in einzelne Gründe hinein verstehend bzw. verständlich, offensichtlich‹; auch: ›deutlich sichtbar / vernehmbar, konturiert (z. B. vom Gesang, von Farben); nachdrücklich‹; ütr.: ›eindringlich, intensiv (im Verhör)‹; eng anschließbar an 1.
Bedeutungsverwandte:
 1, , , (Adj.) 11, , , (Adj.) 12, .
Syntagmen:
j. e. handeln / reden, sich e. bedenken, etw
. (Akk.obj.)
e. ausstreichen
(z. B.
schilte
)
/ beschauen
(z. B.
den turn
)
/ besinnen
(z. B.
js. tugend
)
/ betrachten / erfinden / erkennen
(z. B.
gift
)
/ ermessen
(z. B.
eine ere
)
/ erspähen / sehen
(z. B.
ein angesicht, einen kampf
)
/ singen
(z. B.
die horas
) / ˹
überlesen / übersehen
˺ (z. B.
urteile
) /
unterscheiden / vergleichen
(z. B.
die verdolmetschung
)
/ verstehen
(z. B.
eine satzung
)
/ wissen
(z. B.
die unterscheide
),
war nemen, jn. e. verhören, e. bereden, das [...], e. von etw. reden, e. erwägen, acht haben, ob [...], e. nachforschen, wie [...], der komet e. auf etw. / jn. weisen
;
die eigenliche erklärung / unterscheidung
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
5, 22
(
Hamburg
1646
):
wer da eigentlich erkennet vnd weis die eigenschafft der Bildnis.
Luther, WA (
1529
):
ich wil die Ampt und beruff eigentlich unterscheiden.
Da sihet man eigentlich den Teuffel als leibhafftig jnn jnen herrschen und sie [...] treiben.
Koller, Reichsreg. Albr. II.
131, 26
(
1438
/
9
):
dise wapen, schilte und cleynat, als dann die in der mitte disz gegenwertigen unsers brieffs gemalet und mit farwen eigentlicher usgestrichen sind.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch (
rhfrk.
,
um 1405
):
Wie ich davon dun bichtonge | Durch eigentliche underscheidonge.
Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
83, 9
(
Frankf./M.
1568
):
Der Spiegler. [...] FeuwerSpiegel mach ich darbey / | Darinn das Angsicht groß erschein / | Daß mans sicht eigentlich vnd fein.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
80, 6
(
omd.
,
n. 1474
):
do man die horas canonicas so herlichin, so eygintlichin, so distincte vnd pausatym vnd dorzcu alzo vornemelich synget.
Strauch, Par. anime int.
102, 2
(
thür.
,
14. Jh.
):
hirumme invinde ich daz bilde der drivaldikeit nirgin alse eginliche alse in mime gemude.
Mathesius, Passionale (
Leipzig
1587
):
WEnn wir aber eigentlich vnd gar deutlich dauon reden sollen vnd wollen / so ist dis Capitel eine Weissagung.
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
155v, 37
(
Leipzig
1588
):
ein Comet [...] / welcher gar eigentlich geweiset hat auff das Teufflische Geschwuͤrm [...] der Widerteuffer.
Hoffmeister, Kuffstein. Gef.
A vr, 22
(
Leipzig
1625
):
Es war gemelter Thurn so kunstreich erbawet / daß [...] ich [..] gienge derowegen jhne eigentlichen zu beschawen.
Roloff, Naogeorg/Tyrolff. Pamm.
13, 40
(
Zwickau
um 1540
):
weil obgedachter Herr Thomas des buͤchleins Tichter mein verdolmetschung / durch ihn auffs eygentliche gegen seinem Latein vorglichen / ihm dermassen hat gefallen lassen.
M. Cunitia. Ur. Prop. (
Öls
1650
):
Weil allein erfordert wird eigentlich zuverstehen / wz Tempus æqvale [...] und Tempus apparens [...] worin sie unterschieden.
durch was mittel eygendlich zuerfin⸗den sey das jenige moment der Zeit / in deme die liechte Sonnenscheibe [...] verdecket.
dabey ist eygentlich acht zuhaben / ob die distantz vom nonagesimo gegen Morgen oder gegen Abend sey.
Sachs (
Nürnb.
1531
):
Handel aygentlich und fürsichtig, | Das im darauß kein nachrew wachs.
Goldammer, Paracelsus
7, 35, 3
(
1530
):
nun schauen wir auf, dieweil der prophet so oft und stark anzeigt ir wesen, ir gift, daß wirs gar eigentlich erkennen.
Merk, Stadtr. Neuenb. (
nalem.
,
1463
):
daz wir da die benanten beide partien [...] in clage, antwurt, rede und widerrede eigentlich verhört hand.
V. Anshelm. Berner Chron.
5, 221, 23
(
halem.
,
n. 1529
):
So den haben wir gar eigenlich beredt und entlich beschlossen, dass [...].
Bachmann, Haimonsk. (
halem.
,
1530
):
Wan ermessend ir recht eigentlichen die eer und frŭntschaft, so er ŭch ertzeigt hat.
Jörg, Salat. Reformationschr.
383, 17
(
halem.
,
1534
/
5
):
[schrifften Zwinglis] der maas eygenlich / das ein kind [...] hat mogen bgryffen / Zwinglin uff sand gbuwen han.
Köbler, Stattr. Fryburg (
Basel
1520
):
Es moͤgen ouch demnach all andre vnser Satzungen / so wir testaments halb fürgenomen / deß ordenlicher gesetzt / vnd eigentlicher verstanden werden.
darumb sol sich der annemer gar eigentlich bedencken / ee er zuͦ diser wal griffet.
Maaler (
Zürich
1561
):
Außsprüchligkeit (die) die krafft wol vnd eigentlich zereden / Wolsetzung vnnd zierung raͤcht zereden.
Ein ding eigentlich vnnd wol betrachten.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
Jos Kramer, der ist dorbei gewesen und hat alle ding selb gesehen und gehört und hat es alles aigentlichen und wol gewißt.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
wirt in diser Comedi das argument für ainen prologum zuͦ noch aigentlicher erklerung beschriben.
Brandstetter, Wigoleis
195, 19
(
Augsb.
1493
):
Wigoleys hoeret dieses geren vnd forschet eygentlichen nach. wye [...].
Ebd.
201, 8
:
Ez wz auch [...] ein gestuel dar auf herren vnd frawen vngejrrt den kampf eygentlichen sehen moechten.
Rot
338
(
Augsb.
1571
):
Perpendirn, Eygentlich vnd wol erwegen / besinnen vnd betrachten.
Klein, Oswald
87, 13
(
oobd.
,
1417
):
Ir wort, gepär ringt mir die swër, | wenn ich das aigenlich beschaw.
Hohmann, H. v. Langenstein. Quästio
195, 189
(
moobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
das man wiss aygenleich dy vnderschayd der tugent vnd dy recht weys, mazz vnd gestalt der warhait der rechten tugent.
Rueff, Rhein. Ostersp.
5
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
224, 39
;
Neumann, Rothe. Keuschh.
54
;
Küther, UB Frauensee
389, 5
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew. ;
Luginbühl, Brennwalds Schweizer Chron.
1, 200, 10
;
Lauater. Gespaͤnste
24r, 13
;
31r, 29
;
Chron. Augsb. ; ; Anm. 2; Anm. 2;
Drescher, Hartlieb. Caes. ;
Mell u. a., Steir. Taid. ;
Munz, Füetrer. Persibein
435, 7
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron. ;
Zingerle, Inventare .
6.
›ausführlich, detailliert‹ (von Texten, Beschreibungen); eng anschließbar an 1 und 5.
Syntagmen:
e. schreiben / sprechen
,
e. merken
(mit folgendem Hauptsatz);
etw. e. beschreiben
(z. B.
die belagerung, den glauben
)
/ erklären, j. e. bereden, das [...]
.

Belegblock:

Dünnhaupt, Werder. Gottfr. v. Bullj.
16, 16
(
Frankf./M.
1626
):
Beschreibt [vnser Poet] also hernach nur eygentlich die Belagerung fuͤr Jerusalem.
Böhme, Morg.R.
145, 23
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Verstehe dies / wie es sey / hie mercke eigendlich. Erstlich [...].
Opitz. Poeterey
3, 19
(
Breslau
1624
):
Weitleufftiger vnd eigentlicher zue schreiben hat mich nicht allein die enge der zeit / [...] verhindert.
Gille u. a., M. Beheim
72, 126
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
noch sprichet aigentleicher | Im andern puch, [...] | der maister von den hohen synn.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1450
/
80
):
als hie vor aigentlicher davon erklert ist.
Chron. Strassb. (
els.
,
A. 15. Jh.
):
do inne der cristen gloube von der gotheit und menschheit gar eigenliche ist beschriben.
Enders, Eberlin (o. O.
1523
):
Die priester sollen weyber haben, darumb so eygentlich beschrieben wirt .Leuit. xxi.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
Zürch müest gar verloren worden sein, also hernach aigentlicher geschriben stat.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron. (
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Vindet man bey seiner vanncknus und erledigung aigenntlich geschriben, darum ich solich an der stat unnderwegen las.
7.
›einzeln, eigenständig, gesondert, eigens, extra, besonders‹ (sinnlich, kognitiv, sprachlich von unterschiedlichen Einheiten gesagt); von sprachlichen Aussagen: ›explizit, ausdrücklich‹; anschließbar an 1; 5.
Bedeutungsverwandte:
.
Syntagmen:
etw. e. ansehen
(z. B.
jedes wort
)
/ aufschreiben
(z. B.
geld
)
/ benennen
(z. B.
die habe, das getreide
) /
nennen, vorschreiben, die rechtung e. ausweisen, wie [...], j./ die schrift e. von etw. reden, sich e. unterreden, ob [...]
;
die eigenliche vermerkung
.

Belegblock:

Luther, WA (
1543
):
Wer aber des lesens leufftig und fertig ist, der [...] fasset den synn, ungeacht, ob er etliche buchstaben oder wort nicht eigentlich ansihet.
Chron. Mainz (
rhfrk.
,
15. Jh.
):
Want nu die rachtunge [...] eiglichen ußwiset, wie man sich in den stucken ir furnement halten sulle.
Laufs, Reichskammergo.
144, 27
(
Mainz
1555
):
Und soll der bottenmeyster sollich gelt jedesmals eygentlich aufschreyben.
Stambaugh, Milichius. Zaubert.
12, 30
(
Frankf./M.
1563
):
[Dieweil] die Schrifft so eygentlich darvon redet / so ist gewiß daß [...].
Löscher, Erzgeb. Bergr.
146, 28
(
omd.
,
1554
):
werden die ursachen sambt den anbrüchen im ambt alleczeit neben den inventarien, was vor vorrathe vorhanden, eigentlich vorschreiben.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
15, 21
(
thür.
,
1474
):
habe unde gud [...], daz er eygintlich in syner vorrede benant unde bedutit hat.
Ebd.
104, 22
:
ap dy geczugen in ußsagunge yres geczugkeniß also gar eygintlichin nicht benant habin daz getreyde.
Jörg, Salat. Reformationschr.
45, 28
(
halem.
,
1534
/
5
):
hatt ouch Vincencius Gallus [...] gar eygentlich an offnen predyen und cantzlen gseytt von jetziger truͤbselickeytt und jrrung.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
für paz well wir sagen von ainen iegleichen tier aigencleichen.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
die alle von einander underschaiden warn mit aygentleichen vermerckungen als chorherren.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
266, 18
;
V. Anshelm. Berner Chron. ; ;
Jaspers, St. v. Landskron
16r, 31
;
Mollwo, Rotes Buch Ulm ;
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 156
 f.
8.
›sicher, wirklich, bestimmt, mit Sicherheit, gewiss‹ (meist auf die Sicherheit der Erkenntnis einer Handlung oder eines Sachverhalts bezogen); anschließbar an 5.
Bedeutungsverwandte:
2
 1,  12.
Syntagmen:
sich e. bewären
(von Sachen gesagt),
j. etw. e. erfaren
(z. B.
den grund
)
/ vermerken / (für gewis) wissen, jn. e. erkennen, e
. [wo]
wonen
(z. B.
got in der vernunft
),
(nicht) e. erkennen, ob [...], wissen, wie [...], etw
. (Subj.)
e. zu etw. dienen
;
es ist e. war, das [...]
.

Belegblock:

Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Niergen wonet got eigenlîcher dan in sînem tempel, in vernünfticheit.
Franz u. a., Qu. hess. Ref.
4, 39, 25
(
hess.
,
1531
):
Das ist ja eigentlich ware, das er mere dan funf oder sex mal in offentlichen luegen ergriffen.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
165, 36
(
thür.
,
1474
):
Jorge [...] saget, er habe eß gethan addir habe eß nicht gethan (daz er nicht eygintlich wisse).
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1629
):
können aber darauf nicht eigentlich erkennen, ob [...].
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
1438
):
aber warumb das geschehen sey hab er bis auf dieselb zeit niht eygenlich erfaren mugen.
Strauch, Schürebrand (
els.
,
E. 14. Jh.
):
daz ist úch fruhtberer und nützer und dienet úch gewerlicher und eigenlicher zuͦ eime vollekomenen erlúhteten lebende.
UB Zug
738, 34
(
halem.
,
1430
):
nach sag Herttensteins brief, der gar eigenlich wiste, wie man die losung tun soͤlte.
Maaler (
Zürich
1561
):
Man weißt das nit Eigentlich / oder für gewüß. [...].
Chron. Augsb. Anm. 1 (
schwäb.
,
1458
):
und künnen doch nicht eigentlich den grunt erfaren.
Ebd. (zu
1563
):
nachdem in solicher haimsuchung Gottes die krancken von den gesunden nit aigentlich erkennt, darumb [...].
Niewöhner, Teichner
435, 118
(
moobd.
1360
/
70
):
daz bewaͤrt sich aigenleichen | daz man loben sol daz guͦt | daz got selben geben tuͦt.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Ja, ich wais das gar aigentlich und gar wol.
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
Bachmann u. a., Volksb. ;
Schmidt, Rud. v. Biberach
77, 24
;
9.
›ureigen, im Wesen, im tiefsten religiösen, speziell mystischen Kern, im Wesen e. P. / einem Sachverhalt eigen, nach den zugrunde liegenden Eigenschaften e. S. wesenseigen, das ureigenste Wesen e. P. / e. S. ausmachend / zum Ausdruck bringend‹ (sehr häufig im mystischen Sinne); ›von Natur aus; wahrhaftig, die tiefe Wahrheit e. S. seiend‹.
Texte der Sinnwelt ,Religion‘, speziell der Mystik; gehäuft älteres und mittleres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
, .
Syntagmen:
der heilige geist e. sein, etw. e. im innersten sein, die gebärung e. in den dingen sein, kein ding von im selben e. gut sein, minne / wille e. des menschen sein, die sele
[wo]
eigenlicher sein, dan [...], etw. eigenlicher ein sein, dan [...], j. got e. gleich sein, die speise mit jm e. ein sein, jm. etw. (die barmherzigkeit) e. sein
;
got sich e. geben, sich sein selbes e. verzeihen, der menschheit etw
. (Subj.)
e. angehören, der sele etw. e. gegeben sein, j. den geist e. erkunden wollen, etw. e. erkennen, e. in seinen ursprung gehen, j. jn
. (z. B.
got
)
e. ausecken / fassen, j. got nicht e. gebilden können, von got nicht e. sprechen mögen, seinen adel e. auswirken
;
die eigenliche gabe / weisheit / weslichkeit
.
Wortbildungen:
eigenlichkeit
1 ›Eigenschaft, Charakter, Natur e. S.‹.

Belegblock:

Luther, WA (
1535
):
wollen [...] Gott jnn seiner Maiestet so eigentlich fassen und ausecken.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Sin selbes wille, der in treit | Zu eigenlicher wisheit.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Waz daz aller beste ist und daz aller hœhste, daz sint eigenlîche gâbe und in dem aller eigensten.
dâ diu sêle minnet, dâ ist si eigenlîcher, dan dâ si leben gibet.
Waz eigenlîche ein bilde sî, daz sult ir merken an vier stücken.
Dar umbe muoz der mensche getœtet sin [...] und niemane glîch sîn, sô ist er gote eigenlîche glîch.
wir enmügen von gote niht eigenlîche sprechen.
Der sich sîn selbes eigenlîche verzige, der wære eigenlîche gotes, und got wære eigenlîche sîn.
Quint, Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
allez, daz in dem menschen sînem willen undertænic ist [...] ist gemein der sêle und dem lîbe und enist niht eigenlîche in der sêle aleine.
Jostes, Eckhart
23, 24
(
14. Jh.
):
Nu nement si in alz er ein ist, wan ein daz ist eigenlicher ein dan daz da eint.
Ebd.
54, 18
:
war an mag ich eigenlichen uzwurchen meinen naturlichen adel dan an dem, daz mir aller glichest ist.
Strauch, Par. anime int.
2, 4
(
thür.
,
14. Jh.
):
an disin wortin bewisit brudir Erbe [...] funf eyginlichkeit an Christi geburt.
Ebd.
57, 31
:
[die spise] ist gewandilit in min bluit [...] und in mim nature [...], und ist also eginliche ein mit mir alse daz mit mir geborin wart.
Ebd.
97, 17
:
e dan he bekenne oder wolle, so fluzit fon der eginlichkeit gotlicher nature alse in deme vadere ist, di zwo personen.
Ebd.
109, 30
:
daz ist der sele also eginlich gegebin daz ez ein stucke ist der sele.
Ebd.
133, 34
:
ez inist kein tir, ez inhabe eine sundirliche eginlichekeit for allin anderin tirin.
Ebd.
134, 3
:
daz ime allir eiginlichis ist, daz ist barmherzikeit.
Sermon Thauleri
1vb, 26
(
Leipzig
1498
):
Also ist des me͂sche͂ laufft aller edelst vnd aller volkõmest wan er aller eigenligst in seinen vrspru͂gk gehet.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
275
(
nobd.
, Hs.
A. 15. Jh.
):
der erste grad horet aigenlich die an.
Mönch v. Heilsbronn. Fronl.
19b, 19
(
nobd.
,
E. 14. Jh.
):
schol mã betrahten [...] seine͂ iemerlichen tot vnd allez daz man vinden mac Daz in eigenlich an gehoͤrete nach der menschait.
Bihlmeyer, Seuse (
alem.
,
14. Jh.
):
Daz sterben dez geistes lit dar an, daz er underscheides nit war nimt in siner vergangenheit an der eigenlichen weslichkeit.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
do sich Got zuͦmole wesenlichen und persoͤnlichen und eigenlichen und werlichen git.
Eichler, Ruusbr. steen
62
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
wan got ist ein geist, den nieman eigenlich gebilden enkan.
Illing, Albert. Sup. miss.
1930
(
els.
,
n. 1380
):
Der heilge toͮf der ist eigenliche [...] wider die erbesúnde.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
1347
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Wie doctor Steffan mit einem gekreützten brief den geist eigentlich erkunden wolt.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
es enist enkain ding daz aigenlich des mentschen si, won wille und minne.
daz ist von Got guͦt, und enkain ding ist guͦt von im selben aigenlichen, won Got ist aller ding guͦti.
Lemmer, Brant. Narrensch.
66, 121
(
Basel
1494
):
Das er well wissen froͤmde ding | Vnd die erkennen eygentlich | Vnd kan doch nit erkennen sich.
Morgan u. a., Mhg. Transl. Summa
23, 15
(
schwäb.
,
14. Jh.
):
also ist ez offenbar, daz es aller eigentlicheste zuobehöret der persone, ufzenemen die nature.
Ebd.
366, 18
:
[ist] geberunge [...] eigentlichen in den lebenden dingen.
Quint, Eckharts Pred. ;
Strauch, a. a. O.
76, 14
;
Vetter, a. a. O. Anm. 8;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
3261
;
Lauater. Gespaͤnste
24r, 13
;
Höver, Bonaventura. Itin. B
480
.
10.
›persönlich, selbst, in eigener Person; aus eigener Kraft‹; in der Kommunikation: ›von Person zu Person‹.
Syntagmen:
j. sich e. erkundigen, wie [...], etw. e. besehen
(z. B.
das schwert
) /
besichtigen / bestimmen / durchgründen
(z. B.
das gewissen
)
/ einnemen
(z. B.
eine mark
)
/ verhören
(z. B.
briefe
)
/ vernemen, jm. etw. e. bringen / künden / sagen, eine ursache geben, jn. e. befragen, jm. e. zeigen, wo [...]
;
die eigenliche freundschaft
.

Belegblock:

Bobertag, Schwänke (
1563
):
zeiget in in dem mit der hand eigentlich wo sie hinauß müßten.
Quint, Eckharts Pred. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Als lange disiu driu in mir sint, sô enist got in mir niht noch enwürket in mir niht eigenlîche.
Ebd. Eckharts Trakt. (
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
Nieman enkumet eigenlîche ze dem sune, als er sun ist.
sprichet der selbe meister [...], daz diz ein mit nihte eigenlîcher vriuntschaft enhât dan mit juncvrouwen.
wan díe gnâde vindest dû in dem sacramente und niendert anders als eigenlîchen, daz dîne lîplîchen krefte dâ werdent geeiniget.
Köbler, Ref. Wormbs
95, 14
(
Worms
1499
):
In solicher clag soll der vormund eigentlich bestymmen wes er vßgelegt. warumb. zu welcher zyt. vnd wem er solichs geben hab.
Ebd.
346, 4
:
der gesagt hett von einer sach er were daby vñ mit gewesen. vnd darnach desselben laugnet. swenckt. oder abfiele. so er eigentlich gefragt würde. sagt Er wisst des nit. den mag man pynlich fragen.
Schmidt, Frankf. Zunfturk. (
hess.
,
1579
):
der ort sey dan vorhin von unsern bawhern und werckleuten eigentlich besichtiget.
Welti, Pilgerf. v. Walth.
56, 24
(
omd.
,
n. 1474
):
so ich das [swert] uß der scheydin geczogin vnd eygintlich besehin habe.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil. (
schles.
,
1538
):
du wollest uns zu gnedigem gefallen dich eigentlich erkundigen, wie [...].
Gille u. a., M. Beheim
80, 192
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
wann ein mensch auff sich | selber merket und aigentlich | offt durch grundett sein gwissen.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
1517
/
8
):
Hin eiltens da | Vom grab [...] | Den seinen jüngern gar | Dy ding zw künden eigentleiche.
Bachmann u. a., Volksb. (
alem.
,
15. Jh.
):
hat uns früntlich gebeten, das wir es dir eigentlich seittend.
Päpke, Marienl. Wernher (
halem.
,
v. 1382
):
Niement sol geben aigenlich | Sinen fiendden ursach wider sich.
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen (
halem.
,
1409
):
so sin ouch wir alle [...] hin uff gevaren [...] die zilen und marchen eigenlich ingenomen und geschoͤwet [...] und ouch des vorgenanten gotzhuß briefe eigenlich verhoͤret.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
59, 7
(
moobd.
,
1473
/
8
):
so sendt nach meinem wirte – | von dem hab ich’s heint aigentlich vernommen.
Welti, a. a. O.
66, 14
;
Welti, Stadtr. Bern ;
UB Zug
638, 8
.
11.
›den Besitz e. S. / e. P. kennzeichnend und in Anspruch nehmend, jm. als Eigentum zugehörig, eigen‹; speziell von Menschen: ›leibeigen, hörig, dienstbar‹; ›jm. verwandtschaftlich zugehörig oder durch Zuneigung verbunden‹.
Syntagmen:
j. e. werden, vereignet sein, in js. banden gewesen sein, js. erbe e. behalten, j. etw. e. haben, als e. märken
(z. B.
sachen
),
j. jm. (den edelen) für e. dienen, etw. nicht e. erkriegen mögen, nichts eigenliches haben sollen, das haupt e. js. sein, das tier jm. e. geboren sein, jm. etw. e. geben
;
der eigenliche wille, die eigenliche gewer / mutter, das eigenliche gut
.
Wortbildungen:
eigenlichkeit
2 ›Eigentumsgewere‹.

Belegblock:

Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs.
14. Jh.
):
Er was in undertenec, | Daz gentzlich in im gelac | Swaz eigenliches willen phlac. | Sin selbes wille der was tot.
Karnein, Salm. u. Morolf
242, 1
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
din heubet ist eigentlichen min. | Das heiße ich dir abeslagen.
Wyss, UB Deutschord. Hessen (
hess.
,
1362
):
duͦn kuͦnt, daz wir virkauft han eines rechten stragken virkeuffens [...] den herrin gemeinlichin dez Duͦtzschin husis by Margburg ewecliche und eigentlichen zu habinde unde mit ym zuͦ brechin und zuͦ buͦzsende, zu tuͦnde und zuͦ lazsinde als mit andern irn eygen ludin von gotz lehende.
Sievers, Oxf. Benedictinerr. (
hess.
,
14. Jh.
):
Allez sal iz in in gemeine sin, noch ir keine insal nit eigenliches han.
Behrend, Magd. Fragen (
omd.
,
um 1400
):
Mag man des czinses eygintlicheit noch abeloszunge mit gerichte nicht geczugen [...]. Wil der czinsforderer des nicht leiden, so mag her und ist nehir, syn erbe eygintlicher were selbsebinde an dem czinsze zcu behalden.
Thiele, Chron. Stolle (
thür.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
nam syne eygentliche mutir an synen arm unnd kuste sy.
Opel, Spittendorf (
osächs.
,
um 1480
):
das er die aussleuffte und kothzinse, [...] eygentlich nicht mögen erkriegen.
Palm, Veter Buoch (
schles.
, Hs.
E. 14.
/
A. 15. Jh.
):
Ich bin ein munch von egipto vnd bin von kindes iugende vf gewesn eigentlichen in drier hande herren banden.
Pyritz, Minneburg
1716
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
,Ich bin eygen‘, daz sprich ich, | Und bin vereygent eygentlich | Und kan niht eygener werden.
Maaler (
Zürich
1561
):
Einsi sach Eige͂tlich verston als ob es sein eigen ding waͤre.
Niewöhner, Teichner
296, 69
(Hs. ˹
moobd.
1360
/
70
˺):
dw da muezzen zu aller vrist | den edeln dienn fuͤr aygenleich.
Piirainen, Stadtr. Sillein
137a, 22
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
man sol eynen man auz von seynen eygenleiche͂ geweren weysen von gerichtez halben.
Küther, UB Frauensee
170, 9
;
Haas u. a., Erasmus/Jud. Klag
5v, 23
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen ; ;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Piirainen, a. a. O.
92b, 5
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
102, 3
;
12.
mit Tendenz zu relativierender Modal- bzw. als Modal-, Gesprächspartikel.

Belegblock:

Rueff, Rhein. Ostersp.
1408
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
wer weis eigentlich wie iß sy? | ich bin nit gewest darby.
Strauch, Par. anime int.
26, 8
(
thür.
,
14. Jh.
):
he sprach eiginliche: „nim daz kint und di mudir!“.
Berthold u. a., Zwick. Stadtrref.
58, 19
(
osächs.
,
1542
/
70
):
Dan eigenlich, welches gemute furnemlich nicht dahin, sondern nur auf eigen nutz gericht ist, bei dem ist weder gluck noch heil.
Göz. Leichabd. (
Jena
1664
):
Was eigentlich der Abgott [...] ans Licht legen wollen / wil sich allhier nicht auskuͤnsteln lassen.
Pyritz, Minneburg
1403
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Die ist fur war eygenlich | Einer muln gar gelich.
Vizkelety, Spangenberg. Glücksw.
21
(
Nürnb.
1613
):
Drumb dunckt mich [...] | Ich koͤnnt noch wol ein Landtsknecht geben / | Wann ich nur wuͤst / wo der Hauptman / | Eigentlich sey?
Qu. Schweiz. Gesch. (
halem.
,
1470
):
habe er im gseit, wie er zuͦ Underwalden eigentlich von den gewaltigen daselbsten verstanden, das die obristen [...].
Ich gloub aber eigentlich, das er uß sinem angebornen frevel disen zug [fürgenommen].
Menge, Laufenb. Reg.
1250
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
Do sichstu eigenlichen wie | Yeglichs zeichen sunderbar | Eines gelides nymet war.
Lauater. Gespaͤnste
21v, 20
(
Zürich
1578
):
do sy im soͤlichs abschluͦg / satzt er jm eigentlich für / er woͤlte sich selbs hungers toͤden.