doch,
Adv.
(1; 2),
Konj.
(3-6),
Modalpartikel
(7-9).
1.
dient als Adv. dem Ausdruck einer Aussage oder einer Prädikation, die der Logik oder der pragmatischen Erwartung einer vorangehenden Aussage bzw. Prädikation widerspricht: ›dennoch, trotzdem, gleichwohl, nichtsdestoweniger‹; mehrfach in der Gedankenfigur ›zwar / obwohl / selbst wenn [...], so [...] doch‹; teils ist Lesung als Konjunktion möglich.
Syntagmen:
ob / obschon / obgleich / wen gleich / obwol / wie wol / wan auch / allein [...], so [...] doch [...]
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
150a, 32
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der win ist guͦt vnde nicht vbele. Man sal in duͦch nicht vber de maze trinken.
Luther. Hl. Schrifft.
Ps. 37, 20
(
Wittenb.
1545
):
Wenn sie [die Gottlosen] gleich sind wie eine köstliche Awe / werden sie doch vergehen.
Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
278, 12
(
Wolfenb.
1593
):
ob schon einer der That vnschüldig ist, bleibet er doch jmmer inn der verdacht.
Ebd.
289, 1
:
wann du auch tol würdest, vnd dich in stücken zerrissest, So bistu doch ein dopperter Hanrey.
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
171, 16
(
Magdeb.
1615
):
daß der Mensch zu trefflichen hohen dingen geschaffen sey / vnd sich doch die vnedlesten dingen lasse auffhalten.
Thür. Chron.
1v, 13
(
Mühlh.
1599
):
Die Arche war im Grunde geviert / vnd doch Lenger dann Weit.
Ebd.
8v, 20
:
Der Affricaner gleubt das nicht [...] / doch eylet er / seinem Volck zu helffen.
Schönbach, Adt. Pred.
21, 6
(
osächs.
,
1. H. 14. Jh.
):
die bletere des olebumes sint grune und doch bitter.
Jungbluth, J. v. Saaz. Ackermann
16, 19
(Hs. ˹
omd.
,
1465
˺):
Du fragest, wo wir sein. Unbeschreibenlich sei wir, und doch unser figure zu Rome in einem tempel an einer want gemalet was als ein man sitzend auf einem ochsen.
Löscher, Erzgeb. Bergr.
69, 32
(
omd.
,
1544
):
ab solchs gleich nicht in der ordenug mochte gefunden werden, so ist dach an e. f. g. unser undertheniges bitten [...].
Dict. Germ.-Gall.-Lat.
120
(
Genf
1636
):
Ob wol die Frommen allhie sich leiden muͤssen / so sollen sie [Doch] wissen / daß [...].
Dreckmann, H. Mair. Troja
17, 12
(
oschwäb.
,
1393
):
dez ward si vor scham rot. doch tet si, alz ir gebot ir vater.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
137, 29
(
oobd.
Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Wie hart die chüniginn sich anet irr tochter, doch man sant sei dahin.
Munz, Füetrer. Persibein
425, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
Si kam schnell dar geganngen, | ains tails doch vorchtigcleich.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
91, 31
(
tir.
,
1464
):
Wie wol das was, das si nicht christen menschen waren, so waren si doch güetig vnd züchtig menschen.
Dies., Imitatio Haller
64, 15
(
tir.
,
1466
):
Schikch vnd orden alle ding nach deinem willen vnd geuallen, so muestu doch albegen etwas leiden in diser welt.
Wyss, Limb. Chron.
68, 4
;
Froning, Alsf. Passionssp.
2269
;
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 19
;
Jungbluth, a. a. O.
2, 2
;
29, 3
;
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
225, 5
;
Sermon Thauleri
30b, 8
;
Dietrich. Summaria
19r, 24
;
29r, 12
;
Menge, Laufenb. Reg.
1667
;
Schmidt, Rud. v. Biberach
82, 7
;
Sappler, H. Kaufringer
4, 20
;
Klein, Oswald
3, 24
;
90, 24
;
Qu. Brassó
5, 510, 18
;
Dietz, Wb. Luther
1, 443
 f.
Vgl. ferner s. v.  10,  8,  12,  6.
2.
›gewiss, bestimmt, deutlich‹.

Belegblock:

Froning, Alsf. Passionssp.
4088
(
ohess.
,
1501 ff.
):
Du sehest doch, herre, woil, | das hie ist aller boßheyt vol.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
236, 6
(
Nürnb.
1548
):
mein hand decket sie [...]. Das ist doch ye ein herrlicher vnd schoͤner trost.
Maaler
91v
(
Zürich
1561
):
Doch gwüßlich. Verum enimuero.
Spechtler, Mönch v. Salzb.
37, 117
(
oobd.
,
3. Dr. 14. Jh.
):
got zaigt dir doch ir [freud] falsch figaur, | das er [got] dich vor ir warnet.
3.
dient als Konj. (satz- oder satzgliedeinleitend) dem Ausdruck einer Gegenaussage, Gegenprädikation gegen das vorangehend Gesagte bzw. pragmatisch Unterstellte oder einer Einschränkung des Gesagten / Unterstellten; semantisch eng an 1 anschließbar: ›dennoch, doch, aber, allerdings; doch so, dass [...]‹.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
176, 5
(
Frankf.
1535
):
Samius vertreibt den schwindel / so man jhn bey jm tregt / vnnd stercket das gemuͤt / doch so hat er das laster / so den ein schwanger geberende fraw an ein beyn oder hüfft hencket / so hindert er die geburt.
Ermisch u. a., Haush. Vorw.
212, 7
(
osächs.
,
1570
/
7
):
du kanst zu jedem thier kommen, das dich es anreucht, doch das du stille stehest und das antzlicht vorbergest.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
118, 26
(
schles.
,
1429
):
Czinsen vnd geuelln̄ [...] zubeczalen vnd zurichten, Doch mit sulchem sundirlichn̄ vndirscheide, das wir [...].
Menge, Laufenb. Reg.
2402
(Hs. ˹
nalem.
,
um 1470
˺):
[v̈be dich] Mässeclich vnd nit zeuil | Doch so ein schweisse komen wil | So höre vnd laße die übunge abe.
Schmidt, Rud. v. Biberach
2, 7
(
whalem.
,
1345
/
60
):
daz ist dvͥ goͤtlich person an im. ,Doch dvͥ menscheit ist ein weg zvͦ der gotheit’. Gang den weg.
Maaler
91v
(
Zürich
1561
):
Ich wil thuͦn was ich mag / Doch so ver daß ich nit wid’ billigkeit handle.
Sappler, H. Kaufringer
13, 251
(
schwäb.
, Hs.
1464
):
ervollet was sein wille | etwie vil und doch nit gar.
Bastian, Runtingerb.
2, 252, 24
(
oobd.
,
1396
):
ich han den gewalt, daz ich ir [der muͤnisser] wol mer seczz, dach mit gesellen nach irm rat.
Weber, Füetrer. Poyt.
155, 6
(
moobd.
,
1478
/
84
):
das ir et pey mir hynnen nicht tŭet peleiben, | doch sollt ir mercken, herr, das ich | euch varlich nicht wil aus von mir vertreiben.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
231
;
Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 203, 19
;
Menge, a. a. O.
145
;
3212
;
Schmidt, a. a. O.
156, 24
;
Edlib. Chron.
18, 35
;
20, 9
.
Vgl. ferner s. v. , .
4.
dient als Konj. dem Ausdruck eines Sachverhaltes, der im Gegensatz zum Erwartbaren steht: ›obwohl‹.

Belegblock:

Wyss, Limb. Chron.
61, 14
(
mfrk.
,
1371
):
bleben uf der walstat siben man oder echte doit, di andern flogen; so doch daz ir zwernt mer was dan der von dem rade.
5.
dient als Konj. der Angabe einer speziellen, damit tendenziell restriktiven Handlung im Rahmen von weiteren Handlungsmöglichkeiten: ›und zwar, nämlich‹.

Belegblock:

Opel, Spittendorf
221, 16
(
osächs.
,
um 1480
):
es wirdt [...] herr Ernst, [...], unser gnediger, lieber herre uffn montagk S. Simonis et Jude, doch nach gewonheit unsers stifts stedte huldunge nemen und auch lehne thun.
Ebd.
233, 18
:
wardt der hornschreyber auch uffs rathaus gebeten und doch gebott darbey gethan, und muste seine register mittebringen.
Chron. Augsb.
2, 64,
Anm. 2 (
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
ob uns unser herre der künig ain zite uffleg gäbe, doch bis die unsern ir habe und guͦte zu iren hannden pringen möchten, daz sy so yemerlichen nit verdürben.
6.
›außer wenn, nur für den Fall dass [...]‹.

Belegblock:

Chron. Nürnb.
1, 116, 23
(
nobd.
,
1385
):
und sol dieselben stat kein zil dovor schirmen also doch, daz dieselben von dem vorgenanten unserm herren dem künig solch quitbrief bringen.
7.
dient als Modalpartikel dem Ausdruck der auf der Beziehungsebene unterstellten Kenntnis eines Sachverhaltes im Sinne von ›ja, bekanntlich, doch, wie man weiß‹.

Belegblock:

Boon, St. Prätorius
49, 4
(
Ülzen
1579
):
Jst doch einem Menschen nach geholter Absolution nicht anders zu mute / als [...].
Gropper. Gegenw.
7r, 33
(
Köln
1556
):
das Christus selb vff seinem waren Leib am holtz vnser sunde [...] getrage͂ habe / Wie doch der H. Petrus bezeugt.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
755
(
mrhein.
,
um 1335
):
Doch brediget ich vch vffenbere | in dem tempel mange lere.
Kurz, Waldis. Esopus
4, 82, 33
(
Frankf.
1557
):
weiß ich doch, das er offt kewt | An armetey.
Edlib. Chron.
17, 33
(
ohalem.
,
um 1500
):
won doch dz ein ungehörtte sach ist, das jemmen dem andren, vm dehein sach spricht, darummb er doch nützit vff in kommen ist.
Chron. Nürnb.
2, 134, 14
(
nobd.
,
1449
):
darzu in doch nicht außtregenlicher noch volkumener antwort geben ist.
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
27, 1
(
Straßb.
1650
):
weil sie vorgab, daß sie Zähne hätte, vermeynte sie, sich dardurch jünger [...] zu machen, da doch vor mehr als 30. Jahren sie ihre Zähne schon verlohren.
Maaler
9v
(
Zürich
1561
):
Ach / Ey was ellender me͂sch bin ich doch.
Bauer, Geiler. Pred.
462, 20
(
Augsb.
1508
):
in siner haubt historien. die da genant ist Historia tripartita in lateyn geschriben / die doch vil weit und brait von ym saget.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
26, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Secht, lieben gespilen mein, | nun pin ich doch dy herste – | wes solt das gold zue recht pillicher sein?
Munz, Füetrer. Persibein
33, 5
(
moobd.
,
1478
/
84
):
ich pin et sehens auch doch nicht erplenndet, | wer gicht er sech des ich nicht sich.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
118, 11
(
tir.
,
1464
):
v̈berflüssikhait der chöstleichen speis vnd chlaider, das doch vnzimleich vnd schëdleich ist leib vnd sel.
Schade, Sat. u. Pasqu.
3, 108, 33
;
Gropper. a. a. O.
12r, 25
;
Redlich, Jül.-Berg. Kirchenp.
2, 1328
;
3586
;
6315
;
7580
;
Anderson u. a., Flugschrr.
8, 5, 29
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 250
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
1, 28
.
Vgl. ferner s. v.
2
,  1.
8.
dient als Modalpartikel der Bitte, eine gewünschte Handlung zu vollziehen: ›bitte, du mögest [...]‹.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. Weibe
265, 8
(
Wolfenb.
1593
):
Wenn jhr in die Stadt kommet, So lasset euch doch nach ewrem Auge sehen, vnd brauchet doch rath, Dann sie haben mir gesagt, Es were gar ein kunstreicher Balbierer in der Stadt.
Rueff, Rhein. Ostersp.
783
(
rhfrk.
,
M. 15. Jh.
):
SALME dicit: | Nu sagent uns dach, waz ist gescheen?
Logau. Gott
156, 6
(
Breslau
1644
):
Schaw [Gott] vns doch an / wie wir gedrucket werden Durch viel Beschwerden.
Reichmann, Dietrich. Schrr.
213, 31
(
Nürnb.
1548
):
bedencke doch / was du fuͤr ein vortheyl vbergibst.
Eschenloher. Medicus
39, 25
(
Augsb.
1678
):
daß er
[Probst]
ihme doch einen seiner Finger / in Krafft deß Allerheiligisten Wunderbarlichen Sacraments in seine verstopfte Ohren lege.
Schützeichel, Mrhein. Passionssp.
1001
;
Logau. a. a. O.
157, 5
.
9.
dient als Modalpartikel dem Ausdruck einer nachdrücklichen Aufforderung, einer Verwunderung, eines Vorwurfs, jeweils von Haltungen, die der Veränderung bedürfen: ›nur, bloß‹.

Belegblock:

Luther. Hl. Schrifft.
Jer. 12, 1
(
Wittenb.
1545
):
Warumb gehets doch den Gottlosen so wol?
Ebd.
Mt. 16, 8
:
was bekümmert jr euch doch / das jr nicht habt Brot mit euch genommen?
Tiemann, E. v. Nassau-S. Kgn. Sibille
124, 34
(
rhfrk.
,
um 1435
):
Ach Richart dü lieber bruder wystest du dach das ich in so grossem bedrübnis bin es erbarmet dich.
Froning, Alsf. Passionssp.
6001
(
ohess.
,
1501 ff.
):
ach o we, wer mer [Maria] das leben myn | neme, das eme dach bliebe syn!
Allg. Schau-Buͤhne
42, 12
(
Frankf.
1699
):
hat er mit seinen vertrauten Freunden rathzuschlagen angefangen / wie er doch zu seinen vorigen Wuͤrden und Ehren wieder gelangen / [...] moͤchte.
Maaler
91v
(
Zürich
1561
):
Was sol ich Doch thuͦn? [...]. Was ist es aber Doch?
Dietz, Wb. Luther
1, 444
.