disputieren,
V.;
gelegentlich dispitieren
; aus
lat.
disputare
›etw. genau erwägen, erörtern, Gründe und Gegengründe vorbringen‹
(Niermeyer
).2002, 1, 449
1.
›streiten‹ (allgemein); überwiegend gebraucht für Formen verbaler Auseinandersetzung: ›etw. (kontrovers) diskutieren, erörtern; gegen etw. argumentieren‹; speziell: ›ein gelehrtes (theologisches) Streitgespräch führen‹; gelegentlich ironisch: ›etw. zerreden; fachsimpeln‹.Phraseme:
mit fäusten disputieren
›handgreiflich werden‹.Syntagmen:
j
. (z. B. Jesus, Natura
[pers.], ein ketzer, die barfüsser / heiligen / philosophen / römer
) d
. (abs.); j. d., das [...] / ob [...]
; j
. [wo] (z. B. in der hohen schule von Paris
) d
., j. mit jm
. (z. B. mit got, mit dem teufel, mit den gelerten / juden / meistern / zeugen, mit den tugenden
) d., über / um / von / wieder etw. d
.; offenlich, nach der länge d
.Wortbildungen:
disputant
disputat
disputieren
das
) 1 ›Streit(gespräch), Wortgefecht; wissenschaftliches Colloquium‹; disputierer
disputierung
Belegblock:
Mit disputiren vnd zancken verleuret man Recht vnd Wahrheit.
Will jemand mit dir disputieren / | So muͦß er wol sein sach verlieren.
und mangelt an wenigem, sie hetten mit fäusten disputieret.
Hie in des buches anefan | zu disputiren hebet an | Natura mit den tugnden gar.
vnnd nach dem [...] Carthago Zerstoͤret war / sassen die Roͤmer zu Raht / [...] Disputirten fast dauon / vnd Frolocketen.
Als ich solches gehoͤret / wolte ich [...] mit ihm weiter nicht disputiren.
er predigt neur allain auß irn puͤchern ebreisch und leget es darnach alls teutsch auß, und er begeret all tag [...] mit in [den jüden] darnach zu dispotiern und argawiern.
Da plaib daz kint Jesus nach dem | haimlichen zu Jerusalem, | umb das er tispütiret | Mit den gelerten in der ee.
Und wollen uns also behende | In die hohen schulen gen Paris wenden, | Darinne wollen wir lernen und disputieren | Und uns an künsten zieren.
Ain disputieren zwüschent der minnenden sel und unserm heren
(Überschrift).
Ob das war sei oder nit, woͤllen wir jetz nit disputieren.
man bedarff nit weytter von disen sachen reden oder disputieren / dan̄ dise yrthumb synd vor etlich hundert jaren [...] verdampt vñ außgereūt.
der [anticriste] wirt mit in
[den zwei Zeugen]
strittend mit krieg vnd mit disputieren. Disputat. Der handel / Argument / cauß vnnd vrsach daruon man Redt.
Ain burger und ain hofman | begunden tispietiern.
er wolt nicht voligen irem willen und sprach, er wolt daruͤber mit in disputiern.
Es was ein chriechischer chëczer, der tispotiret aines tages offenleichen mit ainem priester in der chirchen zu Jerusalem.
Ebd.
100, 2
: da man wider den selbigen chëczer furpracht in der tisputierung die heilig lëre vnd geschrift des erbirdigen Jeronimi, da [...].
2.
›etw. von verschiedenen Seiten betrachten; etw. in gelehrter Weise abhandeln, darlegen, vortragen‹ (auf die Kompetenz einer Person bezogen); speziell: ›die Kunst der scholastischen Argumentation beherrschen‹; negativ ironisierend, gelegentlich mit Bezug auf scholastische Methoden der Wahrheitsfindung: ›versponnene Theorien vertreten, schwafeln‹; eng an 1 anschließbar.Syntagmen:
j. d
.; j
. [wo] d
. (z. B. in der schule / stat
), j. von etw
. (z. B. von der verheissung des neuen testamentes, von der verwandlung des brotes in den leichnam Christi, von hohen dingen
) d
.; klug / stark / (zu) subtil / weitläufig d
.Wortbildungen:
disputator
disputieren
das
) 2, disputierer
disputierung
Belegblock:
Ein Disputierer thut offt nicht anders / als daß er den fuͦnfften Zipffel am Sack sucht.
zu jungest vunden si in sitzen | under den lerern mit witzen | in der schule vil stark disputiren | und al sulche rede parliren.
Da er von der Verheissung des Neuwen Testaments [...] weitleüffig Disputiert [...].
Man soll aber nicht gar zu subtil disputieren und fragen, warumb unser gott [...].
da du zuvor fuͤr einen scharpffen vnd geschwinden disputatorn bist gehalten worden / so hastu jetzund den Nahmen eines gewaltigen Saͤuffers.
Wann anfangs [...] fing er an zu disputieren, worumb got geboten, sich zu enthalten von EINEM holz des paradeiß, und doch die andern alle zugelassen het.
und lossen och sin frogen und dispitieren sin, ob es Got si das ime sich inwendig engegen treit.
Wyter hat mā nit vnbillich anfahen zwyflen an dem das von verwandlūg deß brots in lychnam Christi ist disputiert worden.
Conuersirn, hin vnnd her keren / disputiren.
Nicht essen, nichtt trincken, nicht bey schönen frawn ligen, nicht vil gericht gueter visch machent ain süeß leben, aber ain nüechte disputierung.
Ir sint vil, die da lesen swere ding [...] vnd sint klükleichen dispotieren vnd sint gesëczte wort reden.
Was ist dir das nucz, das du tisputierest von höhen dingen.
‒
Vgl. ferner s. v. .3.
›etw. in Frage stellen, anfechten, streitig machen‹.Wortbildungen:
disputierlich
Belegblock:
und wann das war sol sein, | so würd sie sich auch laßen ein, | mein verlübnus zu disputiern, | so müst ich als die letzt verliern.
doch darbey aller fablen / vnnützen tant / auch disputierlich sachen / daran den Christglaubigen [...] zuͦ wissen on nott ist.