disciplin,
die
;
-Ø/-e, -en
;
zu
mhd.
disciplîne
›Züchtigung, Bußübung‹
(Mwb
1, 1316
), dies aus
mlat.
disciplina
›Wissen, Lehre; Zucht, Züchtigung‹
(vgl. Niermeyer
2002, 1, 442
 ff.).
1.
›körperliche Züchtigung; Bußübung, Kasteiung (als Teil monastischer Frömmigkeitspraktiken)‹; auch: ›Bestrafung‹; speziell: ›Geißelung‹; mehrfach ütr. (damit offen zu 2): ›Enthaltsamkeit, Askese‹.
Gehäuft wobd.; seit dem 14. Jh.; Texte religiösen Inhalts.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
3, 1107
.
Syntagmen:
˹
(eine) d. einnemen / nemen
˺ ›sich körperlich züchtigen‹,
jm. (eine) d. geben
;
disciplinen
(Subj., hier Pl.)
eine medizin sein
;
in d. leben, dem leichnam mit disciplinen einen hamen anlegen
›den Leib durch Kasteiungen disziplinieren‹,
sich zu der d. auf das blut streichen
;
die gemeine / gute / scharfe / starke / strenge d
.

Belegblock:

Luther, WA
46, 660, 16
(
1537
):
Darnach sind andere Schuͤler des Gesetzes, die es angreiffen, arbeiten, leben in harter Disciplin und martern sich selbes.
Bihlmeyer, Seuse
36, 17
(
alem.
,
14. Jh.
):
so nam er
[Seuse]
aber ein disciplin und negelt sich mit herzklicher begierde zuͦ sinem herren an sin krúzz.
Ebd.
135, 26
:
Eins tages gie er
[Seuse]
uf die canzell under sin gewonlich crucifixus und nam uf sinen blossen ruggen ein stark disciplin, daz im daz bluͦt dur na trang.
Vetter, Pred. Taulers
425, 13
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
obe du sihst daz er [der lichame] úbelen wil, so lege im einen hamen an mit scharpfen disciplinen.
Fuchs, Murner. 4 Ketzer
813
(˹wohl
Straßb.
˺
1509
):
Wann du [...] | Dich strichen würst [...] | Bitz vff das bluͦt zur disciplin.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 44, 31
(
Straßb.
1522
):
Der Apt [...] ließ dem Gastmeister ein guͦt Disciplin geben mit der Ruͦten.
Vetter, Schw. zu Töß
23, 6
(
halem.
, Hs.
15. Jh.
):
Sy nam och dik vil streng disciplinen.
Meijboom, Pilgerf. träum. Mönch
10704
;
Rieder, St. Georg. Pred.
245, 1
;
Fuchs, a. a. O.
869
;
Schweiz. Id.
13, 2011
 f.;
Ising, Spätmal. Schriftdialekte
1, 1968, 109
.
Vgl. ferner s. v.  1.
2.
›sittliche Erziehung bzw. das aus ihr resultierende Verhalten; Zucht; Selbstdisziplin‹.
Bedeutungsverwandte:
, , ; vgl. ,
2
 2,  1,
2
 1, ,  4,
1
 13.

Belegblock:

Österley, Kirchhof. Wendunmuth
3, 131, 14
(
Frankf.
1602
):
Er hette aber durch gute disciplin und unterricht von jugent auff die laster und untugent zu vermeiden gelernet.
Sachs
3, 294, 21
(
Nürnb.
1536
):
Disciplina
[hier als Eigenname der personifizierten sittlichen Erziehung]
bin ich genandt, | Ein mutter der sitlichen tugendt. | Ich zug das alter samt der jugendt | Von allem ubel zu dem gutn. | Des trag ich tafel, zaum und rutn.
Henisch
715
(
Augsb.
1616
):
Disciplin / zucht / regierung / die sitten vnd willen belangend.
Schweiz. Id.
13, 2011
.
3.
›Ordnung, Regelwerk‹; aus der Perspektive des Regelempfängers: ›Gehorsam, normgerechtes Verhalten‹.
Bedeutungsverwandte:
 1210; vgl. (subst.),  1, (
der
1, .

Belegblock:

Luther, WA
16, 19, 20
(
1524
/
27
):
Darnach
[Moses]
der Kinder von Jsrael Hertzog, Heubtman und Heerfuͤrer ward, der [...] ein eigen Koͤnigreich aus inen zurichtete, Religion, Gottesdienst und Weltliche Policey, Gesetze, Zucht und disciplin inen fuͤrschreib und ordnete.
Ebd.
33, 92b
, 8 (
1530
):
Aber ich sage, es sey wol auch ein wille Gottes die eusserliche Disciplin, das man den Eltern gehorsam und der Obrigkeit unterthenig sey.
Ebd.
51, 166, 40
(
1546
):
Gleich wie ein Hausvater die kinder erst fasset, Zwinget sie in ein ordnung und disciplin, helt sie zur Schulen, leret sie.
Reichert, Gesamtausl. Messe
8, 30
(
Nürnb.
um 1480
):
Du [priester] hast dein buerde nicht geleychtert, aber hoecher bist du yetz gebunden mit dem band der disciplin.
Henisch
715
(
Augsb.
1616
):
Disciplin [...] der gesetz gebrauch.
4.
›Fachdisziplin, Wissenszweig‹.
Zur Sache: Lex. d. Mal.
3, 1108
 f.
Bedeutungsverwandte:
; vgl.  4,  1.

Belegblock:

Göz. Leichabd.
268, 12
( 
Jena
1664
):
man koͤnne jo etwan in einer Disciplin oder Facultaͤt es zu einiger Vollkommenheit bringen.
Sudhoff, Paracelsus
7, 292, 25
(
1529
):
So nun so ganz in die astronomei und in die philosophei die arznei gesezt wird und mit nichten dem eignen verstand zugeben, ist beschehen aus ursach, das nie kein disciplin, so von got verordnet ist, in solcher gestalt sol gelernet werden.
Schweiz. Id.
13, 2011
.