dingen,
V.;
Fortsetzung von
ahd.
dingen
und
dingoͦn
,
mhd.
dingen
›hoffen‹
und
dingen
›Gericht halten‹
(vgl. Splett, Ahd. Wb.
1, 1, 157
; Lexer
1, 437
; Mwb
1, 1308
;
1310
);
semantische Unterscheidungen in diesem Sinne sind im Frnhd. nur partiell sinnvoll: Die Ansätze 8, 9, 11, 12 schließen unmittelbar an die Verwendung von
ding
als Rechtswort an; 1-4 sowie 6 besitzen eine Komponente der (rechts-)verbindlichen bzw. vertraglichen Regelung einer Sache und weisen somit ebenfalls einen Bezug zum rechtssprachlichen Gebrauch des Nomens auf.
1.
›jn. (gegen eine vereinbarte Bezahlung) in Dienst nehmen, einstellen, für die Erledigung einer Aufgabe engagieren‹;
vgl.  16.
Gewisse Beleghäufung für Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 4,  10, (V.) 3,  10; vgl.  7,  2.
Syntagmen:
j
. (z. B.
ein wirt, meister
)
jn
. (z. B.
einen arbeiter, eine magd
 )
d., jn. d., das [...], jn
. [wie] (z. B.
auf eine genante zeit, mit einem geding, um ein genant geld, zum knecht
)
d., jn
. [wohin] (z. B.
in einen weingarten
)
d., j
. (z. B.
die bauerschaft
)
sich / jm
. (z. B.
der gemein
)
jn
. (z. B.
einen hirten
)
d., jm. seinen knecht aus seiner gewalt d., j
. (z. B.
ein werkman
)
jn
. (z. B.
einen lerknaben
)
zu sich d
.;
ein gedingter arbeiter / knecht
›auf längere Zeit beschäftigter Dienstbote‹ (vgl.
gedingt
, Adj., 1 und Rwb
2, 958
)
/ zimmerman, eine gedingte magd
.
Wortbildungen:
dingknecht
,
dingnis
3,
dingung
1 ›Abschluss eines Lehr-, Dienstvertrages‹.

Belegblock:

Luther, WA
26, 263, 12
(
1528
):
durch den hausvater, der erbeiter ynn seinen weingarten dinget.
Kollnig, Weist. Schriesh.
126, 17
(
rhfrk.
, o. J.):
Man dingt jährlich den nechsten montag nach St. Martinstag die schützen [...], das sie sollen hüten denselben tag angehend bis wider St. Martinstag außgehend.
Skála, Egerer Urgichtenb.
194, 9
(
nwböhm.
,
1577
):
hab den Schindeler dingtt dz er Im nach brott gehtt.
Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
57, 12
(
nobd.
,
1341
/
42
):
Wer auch die loͤn steiget, also daz er dem andern sin gedingten erbeiter uzzer hant zuͤhet, [...], der sol geben 60 ₰ zuͦ buͦzze.
Ebd.
209, 48
(
1490
):
es were das yemant [...] einen gedingten zymmerman in sein hauß bestelt hett.
Dinklage, Frk. Bauernweist.
112, 34
(
nobd.
,
15. Jh.
):
wenn die herschaft zu Lantzperg einen knecht dingen wil, der ein butel sal sein, daz sal [...].
Sachs
17, 219, 26
(
Nürnb.
1560
):
Wolt mir denn kauffen küh und roß, | Mir diengen knecht und mayde groß.
Eichler, Ruusbr. steen
354
(
els.
,
sp. 14. Jh.
):
Ouch mv́gent ir merken, daz etlich menschen die gaben gottes enphahent alse gedingete knehte gottes vnd etlich ander alse getruwe knehte.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 251, 9
(
Straßb.
1522
):
Uf einmal wolt einer durch ein Wald gon und dingt ein Buren [...] umb ein genant Gelt, das [...].
Welti, Stadtr. Bern
164, 4
(
halem.
,
1425
):
dinget und beruͤffet der werkman einen lerknaben zuͦ im, inn sin handwerk ze lerend.
Rennefahrt, Zivilr. Bern
255, 31
(
halem.
,
um 1540
):
Wellicher dienst, knecht oder junckfrouw durch jemandts [...] gedinget wirt, allso das sy den dienst eynanderen ufrecht und redlich verprechend.
Boner, Urk. Aarau
844, 7
(
halem.
,
1571
):
Es wird ihm zugestanden, das er, sine erben vnd nachkhommen, auch ire ding⸗ vnd dienstknecht ewigklich stür⸗, wach⸗ vnd dienstfry sitzen söllend.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 867, 39
(
schwäb.
,
1484
):
die paurschaft [...] soll jährlich der gemain einen tougenlichen hürten dingen.
Chron. Augsb.
2, 323, 10
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
Jörg Hüenerkeufel soll auch gesagt [...] han, daß in die von Augspurg bestelt und gedingt haben und haben im darumb gelt verhaißen ze geben.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 301, 49
(
schwäb.
,
1625
):
die zörung bei [...] dingung der hirten, so gewohnlich am Weißen Sontag beschicht.
Ruh, Bonaventura
333, 3
(
oschwäb.
,
2. V. 15. Jh.
):
Also ist zewissen, das wir got eer erpietten söllen in dreyerlay weiß: zu dem ersten als ain vatter, [...]; zu dem andern als ain herren, der vnns erkaufft, widerkaufft, gedingt hatt.
Dirr, Münchner Stadtr.
352, 3
(
moobd.
,
1340
):
Dingt ein wirt einen ehalten umb ein lon auf ein genantew zeit.
Wedler, W. Burley. Liber
63r
(
moobd.
,
v. 1452
):
Pericles dingt im ainen, der in solt lernenn, auf der swegl pfeyffen.
Wutzel, Rechtsqu. Eferding
60, 5
(
moobd.
,
1612
):
Ehe vnd dan aber solch dingnus angheet, soll zuuor der leerjunger seinen ordentlichen gebuertsbrief haben.
Ebd.
70, 12
(
1599
):
wann ain maister ain lehriunger [...] zudingen vorhabens vnd willens ist, soll solches alwegen vor maister vnd gesellen der huefschmit beschechen.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid.
18, 36
(
m/soobd.
,
1443
):
Das chainer, [...], von ainem gedingten knecht ân seins herren willen und wissen nichtz kaufen noch verkaufen sol.
Luther, WA
51, 539, 35
;
Peil, Rollenhagen. Froschm.
591, 1701
;
Kollnig, a. a. O.
69, 39
;
Dedekind/Scheidt. Grob.
141, 21
;
v. Keller, Ayrer. Dramen
123, 21
;
Koller, Ref. Siegmunds
136, 8
;
Geier, Stadtr. Überl.
457, 36
;
Vetter, Pred. Taulers
28, 25
;
Graf-Fuchs, Ämter Interl./Unterseen
442, 13
;
Müller, Stadtr. Ravensb.
191, 10
;
Chron. Augsb.
2, 318, 4
;
Wintterlin, a. a. O.
1, 60, 6
;
2, 167, 12
;
Wutzel, a. a. O.
84, 19
;
Vogel, Pract. Alg. Ratisb.
183, 1
;
Rechn. Kronstadt
3, 317, 5
;
Schmitt, Ordo rerum
121, 4
;
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 548
;
Türk, Wortsch. Dietr. v. Gotha.
1926, 20
.
Vgl. ferner s. v.  2, ,  2,  1, .
2.
›(bei jm.) einen Dienst antreten; etw. (eine Arbeit, einen Auftrag) annehmen‹ (konvers zu 1); in 1 Beleg: ›jn. verdingen‹;
vgl.  12.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  13,  5,  4.

Belegblock:

Kopp, Volks- u. Gesellschaftsl.
78, 27
(Hs. ˹
pfälz.
,
M. 16. Jh.
˺):
wann du dann kombst herwider, | dein kind leg etwo nider, | ding in ein ander haus.
Schmidt, Frankf. Zunfturk.
2, 238, 24
(
hess.
,
1572
):
daß nun hinfuro kein maister [...] mher dann ainen baw auff ain mal dingen und annemen [...] soll.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst
1, 10, 10
(
Straßb.
1522
):
Der Knecht sprach: ,Ich wolt gern zuͦ euch dingen, so wil mir mein Her nit Urlaub geben.‘
Ebd.
58, 26
:
Auf ein Zeit het ein Dochter gedient in einer Stat und leid vil Anfechtung von den Mannen, da wolt sie fliehen und dingt uff ein Schloß.
Chron. Augsb.
2, 123, 17
(
schwäb.
, Hs.
16. Jh.
):
der [meins vatern brueder] ließ mich gen schuel gan in die Reisnitz und dinget mich in die kost zu ainem biderben man.
Ebd.
393, 21
:
si haben sich an ain offenn wirtt gedingt, yeder ain jaur umb XXVIII guldin.
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 551
;
Schwäb. Wb.
2, 214
.
3.
›im
gedinge
arbeiten, in einem festgelegten Akkord arbeiten‹; fachsprachlich im Bergbau;
vgl.  4.

Belegblock:

Ermisch, Sächs. Bergr.
126, 2
(
osächs.
,
1499
/
1500
):
wu auch auf fündigen adir andern gruben zu dingen an den geswornen gesonnen wirdt, die sollen sich ane wegerung dorzu begeben.
Wutke, Schles. Bergb., Cod. Sil.
21, 35, 17
(
schles.
,
1534
):
Demnoch George Klerer ezliche lochter zu treiben gedingt hot auf dem erbstollen.
Veith, Bwb.
128
;
Rwb
2, 960
;
Dwb, Neub.
6, 1094
.
4.
›über e. S. verhandeln, etwas aushandeln, (vertraglich) vereinbaren, festlegen‹;
vgl.  16.
Bedeutungsverwandte:
 1,  2, ; vgl.  5,  4.
Syntagmen:
j
. [wie] (z. B.
falsch
)
d., j
. (z. B.
der rat
)
mit jm
. (z. B.
mit den boten
)
d
.;
etw
. (z. B.
einen aberwandel
 )
d
., [eine Stadt] (z. B.
Augsburg
)
mit jm. um etw
. (z. B.
um einen zins
)
d., j
. (z. B.
die herschaft
)
jm
. (z. B.
dem kastner
)
etw
. (z. B.
die wendung des getreides
)
in seinen lon d., j. sich etw
. [einen Betrag]
d., etw. um etw
. [einen Betrag]
gedingt sein
;
der gedingte gesindelon / zins, die gedingte frist / zeit, das gedingte geschäft
(vgl. , Adj., 2).
Wortbildungen:
dinger
3 ›Händler, Käufer‹,
dingung
2 ›Übereinkunft‹ (dazu bdv.: vgl. ).

Belegblock:

Helbig, Qu. Wirtsch.
4, 94, 4
(
md.
,
1488
):
Martin Romer dinget umbe das kopher eyn jar zu kouffen und wil nicht mer fur eynen Fribergisschen zcentener gebin dann VI gulden I ort.
Loesch, Kölner Zunfturk.
2, 147, 25
(
rib.
,
1465
/
1500
):
Ouch en sall gein underkeufer [...] in einichen kouf gain, dae ander underkeufer of burger in gedinkenissé stunden, die dinger en weren eirst dairvan.
Kurz, Waldis. Esopus
3, 51, 58
(
Frankf.
1557
):
Moͤcht vns nur diese Reyß gelingen; | Zu Landt wolten wir mit jm dingen | Vnd mit eim klein zu frieden stellen.
Lichtenstein, Lindener. Katzip.
327
(o. O.
1558
).
Der machte einsmals einer zarten frawen [...] ain spinnredelein, das umb viertzig gulden angefrömbt und gedinget war.
Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
86, 9
(
thür.
,
1474
):
Also sich danne Barttel Rysener iczunt erbutit zcu geczugen in gedingeter zcyt unde frisst.
Stackmann u. a., Frauenlob
5, 71, 6
(Hs. ˹
nobd.
,
3. V. 15. Jh.
˺):
swa triuwe nicht gein triuwen stat, da hat der valsch gedinget.
Mon. Boica, NF.
2, 1, 30, 20
(
nobd.
,
1464
):
kein herrschaft eynem castner des getreydes wendung in seinen lone dingen solt, suͤnder sulchs von irem gelt bezalen lazen.
Gerhardt, Meister v. Prag
31, 2
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
mein freunt jch thu dir nicht vnrecht, du hast mit mir gedingt vmb ein pfennig.
Chron. Strassb.
1, 145, 28
(
els.
,
1362
):
do dingete der kunig von Tennenmarken mit des riches botten.
Köbler, Stattr. Fryburg
161, 32
(
Basel
1520
):
Stirbt der ihen / dem solich gedingt geschefft / geordnet ist / ee das die fürwort zuͦ fall kōmen / so [...].
Langmantel, Schiltb. Reiseb.
98, 3
(
oobd.
,
n. 1427
):
Wann sie [die Gorgetter] ein junckfrauen wollen verheyraten, so dingen des preutgams vater und muter mitt der prautmuter, das ir tochter ain rayne jungkfrau sey.
Schmitt, Ordo rerum
254, 24
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Pactum [...] dingung.
Dirr, Münchner Stadtr.
332, 13
(
moobd.
,
1340
):
Hat ein wirt einen i(n)man oder ein hoffrawen ein seiner herberg umb einen gedingten zins.
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
144, 2
(
moobd.
,
1478
/
81
):
zu der jüngsten vart waren sy mächtigklich in dem landt zu Bayren, [...] heten die landt ser gewüest, also das Augspurg und ander vil stet mit in dingen muesten umb ir järlich zins.
Chron. Mainz
1, 61, 26
;
Grosch u. a., a. a. O.
113, 30
;
Mon. Boica, a. a. O.
44, 1
;
Köbler, Ref. Nürnberg
350, 15
;
Chron. Nürnb.
2, 268, 3
;
Köbler, Stattr. Fryburg
86, 8
;
Sappler, H. Kaufringer
20, 40
;
Müller, Welthandelsbr.
163, 21
;
Auer, Stadtr. München
101, 3
;
Rechn. Kronstadt
3, 418, 21
;
Wedler, W. Burley. Liber
45v
;
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 555
.
Vgl. ferner s. v.  2.
5.
›jm. etwas zusagen, versprechen, zugestehen‹.
Bedeutungsverwandte:
(V.) 1; vgl.  2, (V.) 1,  3.

Belegblock:

Matthaei, Minner. I,
1, 31b
(Hs. ˹
nalem.
,
1459
˺):
es ward erlöbt, sie tett mir dingen | alles das mir zuͦ recht nöt wer.
Doubek u. a., Schöffenb. Krzemienica
584
(
schles. inseldt.
,
1477
):
vnd hot ÿm awch gedinget, das her sal haben eynen freyen weg.
Große, Schwabensp.
67a, 2
;
Leman, Kulm. Recht
2, 5, 45
.
6.
›etw. (z. B. ein Grundstück, Gebäude) mieten, pachten‹.
Bedeutungsverwandte:
 18; vgl. ,  8,  3.
Wortbildungen
dinger
4 ›Mieter, Pächter‹ (dazu bdv.: ,  4, ).

Belegblock:

Schöpper
84b
(
Dortm.
1550
):
Conductor. Jnhaber haußman / bestender dinger.
Luther, WA
37, 223, 22
(
1533
/
34
):
[er]
hat ein eckerlin, wislin gedinget, hat ein hutlin auffgericht.
Dirr, Münchner Stadtr.
355, 15
(
moobd.
,
1340
):
Swer ein haws, ein stadel, ein garten oder swelcherlay aigen dingt oder bestet [...], der sol daz diu gedingten zeit haben und niezzen.
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 554
.
7.
›Berufung einlegen, sich in einer rechtlichen Angelegenheit an eine höhere Instanz wenden; ein Urteil, rechtliche Vorschriften anfechten‹;
vgl.  13.
Vorwiegend ˹moobd.; Rechts- und Wirtschaftstexte˺.
Bedeutungsverwandte:
, (V.) 6,
1
 10, ; vgl.  8.
Syntagmen:
j. d
. (abs.);
j. wohin d., etw
. (z. B.
ein urteil
 )
d., etw
. (z. B.
ein urteil, eine beschwerung
)
auf etw
. (z. B.
auf die herschaft
),
für etw
. (z. B.
für die regierung
),
gegen etw
. (z. B.
gegen den hof
 )
d
.;
an etw
. (z. B.
an die notel
 ),
für jn
. (z. B.
für unsern gnädigen hern
),
wieder jn
. (z. B.
wieder das concil
 )
/ etw
. (z. B.
wieder eine handfeste
)
d., von etw
. (z. B.
von einem urteil
 )
auf etw
. (z. B.
einen rechtssaz
)
d
.
Wortbildungen:
dingbrief
2 ›Berufungsschrift‹ (a. 1473),
dinger
5 (dazu bdv.: ),
dingmässig
im Beleg substantiviert: ›der, der Berufung einlegt‹,
dingung
3 ›Berufung‹.

Belegblock:

Ermisch, Freib. Stadtr.
76, 19
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
he muz dingen an des munzmeistirs genade.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin
1, 28, 145
(
schwäb.
,
1471
):
Man dinget nun vnd appelliert, | Was ietz zu recht gesprochen wirt | Dardurch der arm wirt dick verfürt.
Herzog, Landsh. UB
165, 42
(
moobd.
,
1322
):
vnd mag ein iesleich man [...] an di selben notel wohl dingen.
Ebd.
216, 41
(
1335
/
38
):
Dar uͤber so sol nieman wider der stat hantvest noch wider ir saͤtz fuͤrbas dingen.
Dirr, Münchner Stadtr.
404, 21
(
moobd.
,
um 1365
):
Swer ein urtail dingt gen hof, der sol swern, daz er durch chainer lengrung noch durch chain verziehen der urtail nicht ding.
Turmair
5, 565, 31
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Waigert und dingt darauf wider das concili gên Rom für pabst Eugenium.
Winter, Nöst. Weist.
4, 259, 16
(
moobd.
,
1549
):
dasselbig
[Rechtssprechung des Dorfgerichtes]
soll macht und kraft haben, doch dem beschwerten thail die dingung in das marktrecht gehn Valckennstain vorbehalten.
Mell u. a., Steir. Taid.
60, 39
(
m/soobd.
,
nach 1590
, 1. Hs.
1. H. 17. Jh.
):
wer zu appellirn vermaint der mügs auf die regierung gelangen lassen, angesehen das inen [...] bevelch zuekomen sein, das nun alle appellationes von denselben für hochgedachte regierung gedingt sollen werden.
Siegel u. a., Salzb. Taid.
50, 45
(
smoobd.
,
17. Jh.
):
dieselb appellation soll aufgeschriben und versigelt werden [...]; darein soll der dinkmässig geben die zwai tail und der ander den drit tail.
Ebd.
231, 36
(
1624
):
Wo [...] ainer der urtail nit wais ist, so mag er woll etlich ab dem ring nemen und der bezeugen und benemen, wohin er dingen wëll.
Ebd.
232, 37
:
So sich ainer aines urtails beschwärt und will sich dës beruefen und davon auf seinen rechtsatz dingen.
Ebd.
233, 2
:
der dinger oder appellant.
Winter, a. a. O.
2, 662, 28
;
Turmair
1, 432, 12
;
4, 786, 24
;
Mell u. a., a. a. O.
103, 38
;
133, 37
;
Siegel u. a., a. a. O.
322, 34
;
Bischoff, Steir. Landr.
15
;
133
;
Rwb
2, 946
 f.;
965
;
Schweiz. Id.
13, 546
.
8.
›Gericht halten, Recht sprechen‹; selten auch: ›eine Rechtssache, einen Rechtsstreit an jn. (zur Urteilsfindung) übergeben, weiterleiten‹;
zu  13.
Gehäuft Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 4, ; vgl.  1.
Syntagmen:
j
. (z. B.
der burggraf, der richter und die schöffen
) [wann, wie oft] (z. B.
des morgens, alle vierzehen tage
)
d
.;
etw. an / für jn. d
.;
j
. (z. B.
der untervogt
)
jn
. (z. B.
den schreiber
)
d. heissen
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Nicod.
839
(
nrddt.
,
14. Jh.
):
als er [rihter] wolde dingen, | man must zuhant bringen | an den stul des riches vanen.
Leman, Kulm. Recht
2, 2, 15
(
Thorn
1584
):
Der richter vnd dy scheppen sullen dyngen des morgens.
Aubin, Weist. Hülchrath
95, 32
(
rib.
,
1369
):
in dieme Sielhoyve to Cleynenbroiche mach der drosete van Lydberch all jairs dry hogedinge besitten ind dingen.
Buch Weinsb.
1, 121, 36
(
rib.
,
um 1560
):
A. 1538 uff godestag nach druzehnmess hat man zu Dormagen gedingt.
Loersch, Weist. Boppard
50, 28
(
mosfrk.
,
v. 1563
, Hs.
1589
):
der lehn herren vaigt dingt, und was er dingt, das sall meines gnedigsten hern vaigt richten.
Ermisch, Freib. Stadtr.
212, 21
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Ist, daz he [undervoit] uzritet unde heizet den schriber dingen [...] an siner stat, der mac wol dingen.
Bretholz, Liechtenst. Herrsch.
233, 30
(
smähr. inseldt.
,
1414
):
Wes se aber nicht erfinden mugen, des dingent se an mein herrn auf die ausser hawsprukk, vnd sullen dann mein herrn darumb niderseczen ritter vnd knechtt vnd das recht erfinden lassen.
Aubin, a. a. O.
152, 23
;
Kisch, Leipz. Schöffenspr.
1, 22
;
Stackmann u. a., Frauenlob
11, 3, 10
;
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
82, 42
;
Piirainen, Stadtr. Sillein
70a, 39
;
Rwb
2, 949
 ff.
9.
phras.:
auf ein gut / die güter dingen
›ein Gut, Güter einziehen, (vorübergehend) in Besitz nehmen‹.
Bedeutungsverwandte:
, .

Belegblock:

Loersch, Weist. Boppard
195, 31
(
mosfrk.
,
1660
):
Da aber einer [...] nit zu gebuirliger zeit lieferen würde, was verwurket derselbig? [...] Es mag die herschaft auf die gueter dingen und dieselbe einrichten.
Grimm, Weisth.
4, 159, 1
(
els.
,
14. Jh.
):
dar nach
[Ausbleiben des Zinses]
sol ein meiger vff das guͦt dingen jar vnd tag vnd da nach sol er es zihen mit einre vrien hant oͮch zuͦ minren froͮwen seleguͦt.
Rwb
2, 951
.
10.
›Zeugenschaft, Eidesleistung u. dgl. von jm. verlangen; jn. als Zeugen vor Gericht rufen‹.
Halem.; Rechts- und Wirtschsaftstexte.
Bedeutungsverwandte:
 2,  1,  2, .

Belegblock:

Rennefahrt, Stadtr. Bern
261, 20
(
halem.
,
1398
):
das die getzügen wol und recht haben geseit [...] als der [...] schultheis von Berne an si gedinget und getzüget hat.
Ders., Statut. Saanen
298, 21
(
halem.
,
1598-1647
):
Welicher vor gricht an kundschaft oder vorsäger dinget oder sonst jemands zubejagen sich verwigt.
Gagliardi, Dok. Waldmann
2, 96, 11
(
halem.
,
1489
):
meister Hans Bind [...] den rechttag [...] gesuͦcht und begert hat, sidmalen und sy selbs uff kuntschaft hinder sich gezogen und gedingt hand.
Welti, Stadtr. Bern
601, 29
(
halem.
,
1538
):
Ein ieder, an den kundtschafft [...] vmb ein sach gedinget wirt, soll vnnd mag zum dritten mal vmb ein sach kundtschafft redenn, aber nit wytter.
Ebd.
646, 8
(
1539
):
Welcher an sins gegennsechers hannd dinget, der ist dem gricht ouch 10 ₰ d. verfallenn.
Ebd.
604, 10
;
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 546
.
11.
›vor Gericht verhandeln, prozessieren; jn. verklagen, etw. einklagen‹; auch speziell: ›sich in einer rechtlichen Angelegenheit an jn., eine Instanz wenden; eine (bestimmte) Gerichtsbarkeit für sich in Anspruch nehmen, einfordern‹;
vgl.  1315.
Phraseme:
˹
ausser dem loch / zaun ist gut dingen
;
es ist besser dingen aus dem stok wan in dem stok
˺ ›in Freiheit ist es leichter, zu verhandeln als in Gefangenschaft‹.
Bedeutungsverwandte:
 4, ; vgl.  1,  6,  12,  1,  2.

Belegblock:

Peil, Rollenhagen. Froschm.
587, 2555
(
Magdeb.
1608
):
Ausser dem Zaun ist dingen gut / | Gefengniß raubet Hertz vnd Muth.
Chron. Köln
2, 113, 30
(
rib.
,
1. H. 15. Jh.
):
er leude si in sine kamer dri verzendage und dingde up si zu Puppelzdorp.
Palmer, Tondolus
1333
(
Speyer
um 1483
):
eß spricht der spruch eß ist vill besser dingen vß dem stock wan jn dem stock.
Ermisch, Freib. Stadtr.
121, 3
(
osächs.
, Hs. 
v. 1325
):
Nu man wolle dingen umme den dip.
Bindewald, Texte schles. Kanzl.
150, 3
(
schles.
,
1455
):
Vor vns ist komen Jngehegtim dinge Hanns Slegil [...] vnd dingete Jm der Stat recht, gnade vnd wilkore.
Lexer, Tucher. Baumeisterb.
308, 34
(
nürnb.
,
1464
/
75
):
so dingte er sich des an den erberen Hannsen Graser [...], der von rats wegen darzu gegeben worden were, das er der eltsten manne vier dorumb verhoren solt.
Welti, Stadtr. Bern
97, 19
(
halem.
,
1401
):
Ob einer vff einen burger klaget vmb sachen, die beschehen sint, eb er burger wurdi, vnd die sach an inn zuͥhet vnd dinget.
Bindewald, a. a. O.
152, 3
;
Rwb
2, 949
 ff.;
Schweiz. Id.
13, 546
.
Vgl. ferner s. v. (Adv.) 3.
12.
›etwas verlangen, fordern‹.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  1, (V.) 3, , ,  1.

Belegblock:

Grosch u. a., Schöffenspr. Pössneck
82, 33
(
thür.
,
1474
):
also her darnach eynen andern satcz vorbrenget unde dinget ym nach rede unde replicerunge.
Turmair
5, 389, 14
(
moobd.
,
1522
/
33
):
herr Johans [...], probst zu Halberstat in Saxen [...] dinget auf ein freie ganze samblung der christenhait; aber vergebenlich.
13.
›nach etw. streben, auf etw. hin streben; etw. (zuversichtlich) erwarten, auf etw. hoffen, vertrauen‹;
vgl.  19.
Nur älteres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  1,  2, ,  6.

Belegblock:

Kochendörffer, Tilo v. Kulm
5145
(
preuß.
,
1331
):
Gar alles menschlich kunne, | Daz mit sunden was verstalt, | Als ein echter ouch verczalt, | Daz czu dingen der son hat | Bracht mit sines vater rat.
Fischer, Brun v. Schoneb.
8568
(
md.
, Hs.
um 1400
):
ich wil durch gotes werde | mine ougen widir ufswingen | und kegen dem hemil dingen.
Langen, Myst. Leben
227, 4
(
nobd.
,
1463
):
da werdent alle schawer plindt [...] vnd hye hat hoffnung noch dingen die creatur.
Strauch, Schürebrand
41, 9
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
der lies ein schiffelin und ein zerbrochen garn und dingete mit gotte und duhte in gar billiche, daz ime got gar vil großes guͦtes widerumb geben solte.
Vgl. ferner s. v. .