dienstman,
der
;
–/-man, -manne(n), -leute
(letzteres dicht belegt);
in allen Bedeutungsansätzen ist die Motivation von
dienen, dienst
und
man
(
der
) her durchsichtig.
– Die Belege setzen in der Regel die genaue Kenntnis der im jeweiligen Quellentext behandelten Situation voraus, enthalten damit kaum Aussagen, die in die Bedeutungserläuterung umgesetzt oder übernommen werden könnten. In einer hohen Anzahl von Fällen ist die Zuordnung deshalb unsicher; man vgl. generell Rwb
2, 906-918
(freilich mit besonders dichter Belegung für das frühe und hohe Mittelalter); Mwb
1, 1285
; Wmu
1, 36
; Dwb, Neub.
6, 1014
 f.
1.
›Person unterschiedlichen, meist niederen oder mittleren sozialen Ranges, die gegenüber einem Höhergestellten im Verhältnis der Unterordnung, der Leistung von Abgaben und Diensten steht‹; auch für
got
unter dem Aspekt seiner Erlösungstat gebraucht;
vgl.  19,
1
(
der
6.
Gehäuft Texte der Sinnwelten ,Recht / Wirtschaft‘ sowie ,Religion / Didaxe‘.
Bedeutungsverwandte:
 8, ,  3,  3, ; vgl.  1.
Syntagmen:
dienstman
(Pl.)
haben, einen d. beklagen, dienstleute abneigen / bezalen
;
die dienstleute gehorsam, zu robaten schuldig sein, in ein kamerampt gehören, sold geben, etw
. (z. B.
haber
)
liefern, gebote glauben, eine ordnung halten, jm. zu gebote stehen, den fürsten / herren dienen, einen eid aufgeben (sollen), gelübde tun, das [...]
;
j. d. werden
;
den dienstleuten verkünden lassen, das [...]
;
bei den dienstleuten mit gaben soviel handeln, das [...], gegen die dienstleute etw
. (z. B.
eine neuerung
)
fürnemen, zu den dienstleuten sprechen
.

Belegblock:

Fischer, Brun v. Schoneb.
387
(
md.
, Hs.
um 1400
):
sage, hat her icht dienstman? | her sprach gar ane undirscheit: | omnes gentes servient ei | im dinen konige und diet gemeit.
Froning, Alsf. Passionssp.
1257
(
ohess.
,
1501 ff.
):
fursten graffen und dinstman | musßen mer [Herodes] alle zu gebode stayn!
Feudel, Evangelistar
16, 11
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
swelcher undir uch der groste wesen wil, der sal werden knecht unde dynstman uwer allir.
Ebd.
43, 33
 ff.:
Do quomen dynest lute czu den bischoͤfen [...], unde sy sprochen czu den dynst luͤten: ,worumme hat ir en nicht bracht?‘ Do antworten dy dynstluͤte: [...].
Anderson u. a., Flugschrr.
20, 5, 7
([
Augsb.
]
1525
):
Wa dienstleütt wern die Fürsten vnd Herrn dieneten die sollñ jren ayd auffgeben.
Päpke, Marienl. Wernher
10755
(
halem.
,
v. 1382
):
Er was ir [Maria] Got, von Gotte kun, | [...] | Ir huͤter und ir versecher, | Ir geselle, knecht und dienstman.
Köbler, Stattr. Fryburg
98, 27
(
Basel
1520
):
Von dienstlüten die nit glouben halten.
Müller, Nördl. Stadtr.
86, 8
(
schwäb.
,
1370
/
75
):
so hat ain ersamer rat alhie fürgenomen und will, das alle bürger, beiwoner, auch dienstleut, [...] ditz nachgeschriben gepot [...] halten sollen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu.
2, 674, 35
(
schwäb.
,
ca. 1568
):
Wir [...] verkünden allen unsern und unsers gottshauß underthonen, [...], es seien huebner, lehner, söldner, dienst-, aigen- oder vogtleüt, [...] dise volgende ordnung.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
50, 29
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Darnach diennstlewt, knecht und diernn, der zway phundt auf ain jar mocht verdienn, soldt geben wochenleich ainen phenning.
Nyberg, Birgittenkl.
1, 206, 35
(
oobd.
,
1546
):
wie itziger vnnser pfleger [...] etliche newerung von wegen ehehafften rechtens vnnd anderer gerichtbarkeit gegen des closters zugehorigen vnd dienstleutten furzunemen vndersteen.
Rintelen, B. Walther
17, 11
(
moobd.
,
1552
/
8
):
nicht schuldig, den Holden oder Dienstman umb solliche ausstendige Dienst zu beclagen.
Ebd.
19, 7
:
was massen die Holden und Dienstleuth von iren Erbgründten und Güettern zu robaten schuldig sein.
Moscouia
C 3r, 9
(
Wien
1557
):
Vor Smolensco hat Hertzog Michael bey dē dienstleutē mit gabē vnd verhaissunge sovil gehandlt [...] das [...].
Wilkes, Sta. Xanten
236, 4
;
Feudel, a. a. O.
10, 30
;
Wopfner, Bauernkr. Tirol
62, 28
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 42
 f.;
Rwb
2, 915
;
Wmu
2, 376
.
Vgl. ferner s. v.  3.
2.
›Militärdienst Leistender, Landsknecht, Söldner, Krieger‹;
zu  11,
1
(
der
4.
Bedeutungsverwandte:
(
der
14,  10, , , ; vgl.  3.
Syntagmen:
einen d. gewinnen, den dienstleuten sold geben, befelen zu [...]
;
der d. im felde liegen, schadhaft werden, einen lezten willen aufrichten
;
ausgaben auf dienstleute tun, sich mit den dienstleuten aufmachen, einen zug mit dienstleuten fürnemen
;
die dienstleute des keisers
;
die bezalung der dienstleute
.

Belegblock:

Karnein, Salm. u. Morolf
70, 2
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Also gewan der kunig Salmon | manigen werden dinstman.
Brunner, Rechtsqu. Krems u. Stein
148, 9
(
moobd.
,
1490
):
daz wir unnsern getrewn Sigmund Hager zu unnserm hawbtmann zu Krembs aufgenommen und unnsern dinstlewten [...] bevolhen, demselben Hager [...] glübd von irs dinsts wegen zu unnsern hannden ze tun [...], daz ir mitsambt demselben Hager sölh glübd von den bemelten unnsern dinstlewten [...] aufnemet.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
142, 13
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
pald nach Phingsten macht des kaysers hawptmann, [...], mit des kaysers diennstlewten veld fur Eppenstain.
Ebd.
143, 28
:
Der macht sich pald auff mit den dinstlewten, als mit 200 pharden und mit 500 fuesknechten.
Uhlirz, Qu. Wien
2, 3, 4721, 10
;
Grossmann, a. a. O.
236, 7
;
Rwb
2, 916
.
Vgl. ferner s. v.
3
 14.
3.
›um
minne
Werbender, Minnedienst Leistender‹;
vgl.  5,
1
(
der
5.
Bedeutungsverwandte:
vgl.  5.

Belegblock:

Thiele, Minner. II,
15, 68
(Hs. ˹
wobd.
,
15. Jh.
˺):
wie kumt es das din [gott] fröwe hat | irn zwifelichen argwan | geleit an iren dienstman | und spricht also ich sy nit stet.
Ebd.
18, 41
:
minß hertzen trost minr fröden spil, | das solt dü län geniesen mich | [...] | so wil ich sin din dienst män.
Munz, Füetrer. Persibein
524, 2
(
moobd.
,
1478
/
84
):
secht her Fraw Mynne, | secht ewern dienest man! | vnnd sind das mynn gewynne? nach mynn vnmynn, das istt et ewer lon! | so sol mein diennst sich allzeit von euch verren.
4.
›Amts- und Funktionsträger unterschiedlichen hierarchischen Ranges‹;
vgl.  8,
1
(
der
23.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld ohne klare Abgrenzungsmöglichkeit): , , , , , , , .
Syntagmen:
die dienstleute bei iren freiheiten bleiben lassen
;
die dienstleute
(Subj.)
gegen jn. betragen sein sollen, jn. überlisten
;
die dienstleute der stat, des gotteshauses
(oft);
die freiheiten, die eidespflicht der dienstleute
.

Belegblock:

Hoffmann, Würzb. Polizeisätze
70, 25
(
nobd.
,
1344
):
Auch sullen di burger zu Wirtzburg dez gotzhause dynstleut, amptleut, muntzer, smide [...] bei iren freiheiten unn rehten beleiben lazzen.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
148, 7
(
nobd.
,
n. 1525
):
umb eröffnung gemainer statt Rotemburg innemens und ausgebens, zum andern umb behendigung ains innern und und
[sic!]
ewssern rats, auch aller gemainer statt dienstlewt und verwandten aidspflichten.
Müller, Alte Landsch. St. Gallen
274, 15
(
halem.
,
1490
):
so söllen die benanten unser herren abt, techand und convent, ir ambt und dienstlüt, och die gotzhuslüt alle [...] der sach halb gegen und miteinandern [...] betragen sin.
Gehring, Würt. Ländl. Rechtsqu.
3, 220, 37
.
5.
›Ministeriale, Person, deren ursprüngliche Abhängigkeit in den Belegen mehrfach durchscheint, die aber in gehobener, wirtschaftlicher, administrativer, militärischer, politischer Position steht und die die Stellung als Vasall annehmen kann‹;
vgl.  10,
1
(
der
6.
Rechts- und Wirtschaftstexte.
Bedeutungsverwandte
(bzw. Orientierungsfeld): ,
1
 1, , ,  1, , , ,  679,  4510,  2, .
Syntagmen:
einen d. geniedern, dienstleute haben, einen d. frei, bei dem dienst
›Abgabe‹
bleiben lassen
;
der dienstman / die dienstleute eigen heissen, ein gut / recht, den sechsten herschild, zwing und ban haben, nicht über freie / grefen urteile finden mögen, nicht an js. ere / gut / leib sprechen mögen, ein d. von ritters art sein, zu jm. mit briefen / eiden verbunden sein
;
mit den dienstleuten rat haben
;
der d. des abtes / keisers / reiches / eines fürsten, eines gotteshauses
;
der angeborene d
.

Belegblock:

Große, Schwabensp.
46a, 37
(Hs. ˹
nd.
/
md.
,
um 1410
˺):
der romesche konigh hat den ersten herschilt. [...] de vrien heren den vierden. § middel vrien den viften. § denestman den sesten.
Ebd.
59a, 15
:
denne sal sin vrowe [...] sin beste pert vnde sin beste harnsch vnde sin beste swert sime heren geben, ob her eyn dienestman was.
Ebd.
107a, 35
:
den sember vrien gift man tach ses wochen, den mittel vrien vier wochen, deme deinstmanne vnd allen luͦten zuͦ wochen.
Ebd.
142a, 31
:
let eyn len vorste sinen denestman vri, der von ritheres art ist.
Ebd.
182a, 17
:
dar suͦlen se ire offene breuͦe senden mit ireme Jngesegele bi ireme angeboren dienstmanne.
Ebd.
222a, 2
:
DEs riches dienstman vnde ouch der vorsten ne mogen nicht ober greben noch ober vrien ortele vinden noch gespechen der drier dinge, dar iz in an ir lip oder an ir ere oder an ir guͦt gat.
Voc. Teut.-Lat.
s vv
(
Nürnb.
1482
):
Lehenman. feodalis od’ lehenfrawe. od’ dinstman. feodarius.
Koller, Ref. Siegmunds
277, 17
Var. (Hs. ˹
Basel
,
um 1440
˺):
vil graven, fryen, ritter und kneht
[Var. G; Hs. 16. Jh.:
dienstleüt
]
die sint abgetretten, die nuͦ oͮch zwing und benn hant.
Geier, Stadtr. Überl.
51, 28
(
nalem.
,
1397
):
Und gebieten dorumb allen und iglichen fúrsten, geistlichen und werltichen, grafen, freien, herren, dinstleuten, rittern, knechten amptleuten, burgermeistern, reten und burgern gemeinlich der stete, [...], das sie [...].
Rieder, St. Georg. Pred.
43, 10
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
man sprichet [...]: ,des kaisers dienste man ist groͤsser denne ein grâf‘.
Rennefahrt, Stadtr. Bern
179, 21
(
halem.
,
1363
):
Die herschaft von Oͤsterrich hat och uss genomen und vor behept alle die herren, stette, lender und luͥte, zuͦ den sie vormales mit eiden oder mit briefen verbunden sint, und alle ir man, dienstman, burgman und diener und ir landstette.
Leisi, Thurg. UB
7, 637, 22
(
halem.
,
1388
):
etlich, die abt Cuͦnen dienstmannen warend.
Ebd.
8, 610, 37
:
raͮt, den wir in unserm capitel mit unsern lieben und getrúwen raͤten und dienstlúten menigvaltenklich darumb hetten.
Dirr, Münchner Stadtr.
552, 15
(
moobd.
,
1353
):
darumb gebieten wir allen unsern grafen, freyen, dienstläuten, rittern und chnechten, steten und märgten und gemainleichen arm und reichen.
Roth, E. v. Wildenberg
125, 8
(
moobd.
,
v. 1493
):
des fürsten understuͦnden sich ein herr von Abensperg und ein herr von Laber und auch etlich dinstlewͦt von Obern-Beirn und regirten den jungen fursten nach irem gefallen.
Rintelen, B. Walther
10, 20
(
moobd.
,
1552
/
8
):
ob dann gleich der Grundt bei seiner Innhabung besser wirdt, so mag doch der Grundherr derwegen keinen neuen Grundtdienst darauf schlagen [...], sonder er ist den Dienstman bei dem alten Dienst beleiben zu lassen schuldig.
Piirainen, Stadtr. Sillein
54b, 24
(
sslow. inseldt.
,
1378
):
Er [bischolf] legt auch aus daz recht daz der dynstman pei freien weibern chein tochter vrei moͤcht gewinnen.
Foltz, UB Friedb.
1, 328, 11
;
449, 42
;
Leisi, a. a. O.
512, 6
;
Klein, Oswald
12, 86
;
Herzog, Landsh. UB
591, 41
;
Rwb
2, 906
 f.;
Schwäb. Wb.
2, 200
.
6.
›Person, die in herausgehobener Position in der persönlichen Nähe eines Herrschers oder (selten) einer Gruppe anderer steht und in diesem Zusammenhang Dienste leistet‹.
Bedeutungsverwandte:
 1.
Syntagmen:
einen d. fürchten, j. dienstman
(Pl.)
haben
;
die dienstman
(Pl.)
dem könig, den herren dienen, klage füren, lon haben wollen
;
den dienstleuten ein essen machen
;
mit dienstmannen von dannen ziehen, samt den dienstmannen
[wo heraus]
springen
.

Belegblock:

Feudel, Evangelistar
27, 11
(
omd.
,
M. 14. Jh.
):
wer undir uch der groste wil wesyn, der sy uwir dynstman.
Ebd.
139, 19
:
do machte her [Herodus] eyn abynt ezzen den fursten unde den dynstluten unde den ersten von Galylea.
Karnein, Salm. u. Morolf
12, 3
(
srhfrk.
, Hs.
um 1470
):
Da ging ir anderthalp bi | vil manig schones megetin fri, | nach ir vil manig dinstman | inn ritterlicher wette.
Ebd.
101, 5
:
so forcht ich noch vil sere | Morolff sinen dinstman.
Banz, Christus u. d. minn. Seele
141
(
alem.
,
1. H. 15. Jh.
):
Hie wider so fürent min dienstman so groß clag, | Das es nieman vol sagen mag, | Wie vil si der welt gnad umb mich erwerben.
Ebd.
2028
:
Got fund noch mangen dienstman, | Der gern der XII boten wölt han.
Fichtner, Füetrer. Trojanerkr.
50, 3
(
moobd.
,
1473
/
8
):
Priamus zogt von dannen | mit urlaub all der werden | mit chinden und dienstmannen.
Sachs
3, 203, 21
;
15, 103, 30
;
Banz, a. a. O.
148
.
7.
s.  1.