demütiglich,
Adj.,
meist adverbial gebraucht.
1.
›gottesfürchtig, gottergeben, fromm‹; besonders das Verhalten der Menschen gegenüber Gott kennzeichnend.
Besonders älteres Frnhd.; religiöse Texte.
Syntagmen:
sich d. bekennen / opfern / unterbeugen / unterwerfen, jn. d. anbeten, (um etw.) bitten, jm. etw. d. auftragen, etw. d. erzeigen / sprechen, d. mit got reden, d. etw. würdigen, d. nach etw. ringen, sich d. gegen got in andacht erzeigen
.

Belegblock:

Kehrein, Kath. Gesangb.
1, 11, 2
(
Bautzen
1567
):
Wir bitten dich demuͤttiglich, | Was wir habn gethan wider dich, | Das vergib vns aus guͤttigkeit.
Lauchert, Merswin
14, 1
(
els.
,
1352
/
70
):
do sprach si [die mvͦter gottes] demvͦtekliche: ich bin ein dirne gottes.
Vetter, Pred. Taulers
14, 32
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Also sol der mensche [...] in einer gelassener lidunge sich demuͤtekliche under boͤigen und liden in einer entslaffener wisen.
Illing, Albert. Sup. miss.
2941
(
els.
,
n. 1380
):
alle saczunge vnd ordenunge der heilgen cristenheit, vnder die gehorsame alle moͤnschen schuldig sint vor allen dingen sich temuͤtekliche vnderzewerfende vnd irn eigen willen ze gebende in den willen gottes.
Anderson u. a., Flugschrr.
14, 7, 16
(
Straßb.
1524
):
Alle die das hochwürdig sacrament zuͦ trost vñ frid ires hertzen vnnd gewissen begeren zuͦ entpfahen / sollen sich zuͦvor wie arme sünder vor Gott beklagen / vmb gnad vnnd barmhertzigkeit demuͤtigklich bitten.
Päpke, Marienl. Wernher
630
(
halem.
,
v. 1382
):
Ze dem altar es sich naigte, | Demuͤteklich es erzaigte | Zegebette andæchteclichen.
Schmidt, Rud. v. Biberach
36, 17
(
whalem.
,
1345
/
60
):
vnd ist es zimlich, das vnser geist hin wider diemvͤteklich vnd suͤzzeklich mit grosser danknemenkeit vnd andacht mit gotte rede.
Kummer, Erlauer Sp.
2, 170
(
m/soobd.
,
1400
/
40
):
so wil ich auch komen dar | und wil des chindleins nemen war | und wil es auch mit guͦten siten | diemuͤtichleich an piten.
Bauer, Imitatio Haller
73, 15
(
tir.
,
1466
):
Der weg ist vil gewisser czue got, da der mensch sich diemuetikchleichen pekchennen ist.
Quint, Eckharts Pred.
540, 64
;
Sermon Thauleri
10ra, 32
;
Langen, Myst. Leben
197, 9
;
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 15
;
Illing, a. a. O.
2654
;
Steer, Schol. Gnadenl.
5, 148
;
hail. altvaͤter
77v, 15
;
Arndt, biechlin
C iiijr
;
Spechtler, Mönch v. Salzb.
40, 26
.
Vgl. ferner s. v.  7.
2.
›untertänig, unterwürfig, ergeben; bescheiden (vor allem von Untertanen)‹.
Gehäuft Chroniken.
Syntagmen:
d. antworten, sich d. neigen, etw. d. aufgeben / bitten / ersuchen / klagen, jn. d. anrufen / bitten, jm. d. dank sagen / zu fus fallen
.

Belegblock:

Koller, Ref. Siegmunds
156, 2
(Hs.
um 1474
):
was man in fursetzet, mugen sye essen, das soll auch sein weyp thunn; zuchtiglichen, demutiglichen und gehorsamlich leben, das zympt einer yetlichen ee.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
78, 15
(
omd.
,
1487
):
sollen sich kinder gegen ÿren eldern nach anweÿsu̇ng ÿrer vornu̇fft so vill zcÿmlich demutiglich entschuldigen vnd [...] gehorsam halden.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
521, 8
(
nobd.
,
1525
):
Durchleuchtiger, hochgeborner furst, gnediger herr! Ich zaig ewer furstlich gnaden diemutigklich clagend an.
Chron. Augsb.
2, 375, 12
(
schwäb.
,
1431
):
so bitten wir ewer kuniglichen mächtikait mit undertänigem vleys diemutiklich und ernstlichen.
Ebd.
5, 154, 13
(
1523
/
7
):
also hat doctor Martinus diemietigklich geantwort, er sei berait und genaigt, seine schrift und biecher nit allain kai. mt. und dem reich, sonder dem allerwenigsten zuͦ underwerfen.
Turmair
4, 1077, 17
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Die Gotlender [...] patten diemüetilich, das er [der kaiser] in im römischen reich etwa ein ort ehem der Thonau eingäb.
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
1842
;
5025
;
Chron. Nürnb.
2, 75, 19
;
Roder, Stadtr. Villingen
97, 25
;
Dreckmann, H. Mair. Troja
13, 1
;
Turmair
4, 535, 26
.
Vgl. ferner s. v.  9,  8,  1.
3.
›gnädig, herablassend; milde (vor allem von Herrschern)‹.
Bedeutungsverwandte:
 2, .

Belegblock:

Dienes, E. Gros. Witwenb.
33, 1
(
Nürnb.
,
1446
):
der pobst Georgius ging über die stat, do Trayanus hat also dümütiglich sich beweist vnd was parmherttzig gewest über die witwe.
Sachs
1, 65, 13
(
Nürnb.
1553
):
Ach du trewer vatter und Got, | Wie soll wirs verdienen umb dich, | Das du kumbst so demütiglich | Zu uns elenden an diß ort.
Steer, W. v. Herrenb. Büchl.
252
;
Lindqvist, K. v. Helmsd.
1152
.