demütigen,
demutigen,
V.
1.
›jn. / etw. (die Seele) erniedrigen, herabsetzen, bezwingen‹; meist reflexiv; häufig in religiösen Kontexten (als grundlegende christliche Verhaltensweise).
Gegensätze:
,
gros werden
(s. v. , Adj., 14).
Wortbildungen:
demütigung
.

Belegblock:

Pfefferl, Weigel. Ges.
17, 3
(
Hamburg
1646
):
vom baum des lebens eßen, heißet, sich seines willens nicht annehmen, sonder ihn frey vnter Gott laßen, sich selbst verlieren, ihm selbst absterben, von ihm selbst fallen, sich selbst verleugnen, niedrigen, demütigen.
Fischer, Brun v. Schoneb.
4008
(
md.
, Hs.
um 1400
):
wibes zucht und ir schone | demutiget den gewaldigen man.
Eggers, Psalter
76, 6
(
thür.
,
1378
):
Ich demutigete mine sele in der vasten.
Gille u. a., M. Beheim
76, 243
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
das got der czart | walt nider trukn unser hachvart | und sich selb diemutigen.
Gerhardt, Meister v. Prag
223, 17
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
wer sich demutiget als das kint der wirt gros in dem himelreich.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 9
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann die kunst der aigen erkantnuß nydert und diemutigt den menschen und macht in sich selbs versmehen, noch dem als der prophet MICHEAS spricht: Dein demutigung ist mitten in dir.
v. Birken. Erzh. Österreich
68, 7
(
Nürnb.
1668
):
Ulrich von Regensberg [...] ware endlich in aͤuserste armut gerahten und dermassen gedemuͤtigt.
Vetter, Pred. Taulers
164, 15
(
els.
,
1359
):
In disem nidersehende in sine gebresten sol sich der mensche sere demuͤtigen und legen sich fúr die fuͤsse Gotz.
Roloff, Brant. Tsp.
2059
(
Straßb.
1554
):
Do ich aber demuͤtiget mich | Hatt Gott über mich erbarmet sich.
Roth, E. v. Wildenberg
146, 31
(
moobd.
,
v. 1493
):
Also ward auch die edel hertzogin Jacoba vil gediemütigt und genidert.
Bauer, Zist.-Pred. Haller
57, 22
(
tir.
,
1466
):
der da seinen nächsten erhöhen ist vnd sich selbs diemuetigen ist und verschmehen.
Quint, Eckharts Pred.
1, 385, 7
;
Bömer, Pilgerf. träum. Mönch
7560
;
Thür. Chron.
20v, 6
;
Mathesius, Passionale
42v, 30
;
55v, 25
;
Wagner, a. a. O.
2, 12
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
97, 36
;
244, 1
;
Dietrich. Summaria
27v, 9
;
Bauer, Imitatio Haller
96, 5
;
Dies., Haller. Hieronymus-Br.
39, 11
;
Schöpper
11a
.
2.
›sich jm. (bes. Gott) unterwerfen; sich in js. Gewalt begeben‹.
Syntagmen:
sich gegen / unter / vor jn. d
.

Belegblock:

Anderson u. a., Flugschrr.
21, 7, 18
([
Zwickau
]
1525
):
wir sollen vns gegen yederman demutigen.
Rieder, St. Georg. Pred.
245, 7
(Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
wider die hohfart sol man sich demuͤtgen under din obren, under din glichen und under din swechern.
Bauer, Geiler. Pred.
76, 30
(
Augsb.
1508
):
das du gewinnest ainen armen und nidergeschlagenen gaist der sich demuͤtigt under got und under all creaturen.
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
20, 22
(
tir.
,
1464
):
meine liebsten sün, ist das ir arm seit, so sült ir eüch diemüetigen vnder die mëchtig hant gottes.
Anderson u. a., a. a. O.
15, 4, 22
;
v. d. Broek, Suevus. Spieg.
150r, 44
;
Reichmann, Dietrich. Schrr.
95, 3
;
Turmair
4, 226, 9
.
3.
›etw. veringern, vermindern; etw. niedrig machen (auch räumlich)‹.

Belegblock:

Thür. Chron.
7r, 15
(
Mühlh.
1599
):
Folget ferner von der Roͤmer Hoffart / vnd wie sie gedemuͤtiget worden.
Gerhardt, Meister v. Prag
13, 2
(Hs. ˹
nobd.
,
1477
˺):
alle perg vnd puhel werden gedemutiget.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
456, 4
.