demütig,
Adj.
1.
›gottesfürchtig, gottergeben, fromm‹; besonders das Verhalten der Menschen gegenüber Gott kennzeichnend.
Religiöse Texte.
Syntagmen:
d. sein vor got; d. etw. bitten, sich jm. / etw. ganz d. empfelen
;
der demütige mensch / mut, die demütige gebärde / ere / furcht / gelassenheit / pönitenz / sele / traurigkeit, das demütige volk / gebet / herz / kleid / werk / wort
.

Belegblock:

Luther, WA
10, 1, 2, 231, 38
(
1526
):
Ein solch hertz, das so gründtlich demuͤtig ist, wil Got haben.
Rosenthal. Bedencken
21, 24
(
Köln
1653
):
Mach vns Gottseelig / mach vns demuͤtig guter vnd demuͤtiger Iesv.
Ebd.,
32, 5
:
O Gott / [...] / mach vns hertzlich demuͤtig vnd danckbar in der vbung des Heiligen waren Glaubens.
Quint, Eckharts Pred.
1, 358, 9
(
E. 13.
/
A. 14. Jh.
):
swenne sich der mensche dêmüetiget, sô enmac sich got niht enthalten von sîner eigenen güete, er enmüeze sich senken und giezen in den dêmüetigen menschen.
Jostes, Eckhart
56, 5
(
14. Jh.
):
wer sich cheren wil zu der gnaden gots, der sol haben [...] ein rein, dymutig begernde sel zu got.
Eggers, Psalter
35, 13
(
thür.
,
1378
):
Wan du heliz daz demutige volc, vn̄ dy ougen der vbermutigen genederstu.
Kehrein, Kath. Gesangb.
2, 432, 9
(
Bautzen
1567
):
Mach vns from, ghorsam, demuͤttig, | Vnd zu deim dinst geschickt vnd willig.
Böhme, Morg.R.
14, 16
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
Mensch es ist dir gesaget was gut ist / [...] / nemlich GOttes Wort halten / Liebe uͤben und demuͤtig seyn fuͤr deinem GOtt.
Wagner, Erk. Ps.-J. v. Kastl
3, 23
(
nürnb.
,
1. H. 15. Jh.
):
Er ist selig, der do bekennet sein krankheit und sein gepresten, wann die selb kunst wirt im sein ein anfanck und gruntfest einer tugenthaftigen und demutigen traurikeit und klag.
zu Dohna u. a., Staupitz/Scheurl
208
(
Nürnb.
1517
):
darumb wenden wir allen fleis dohin, domit wir uns alsdie gehorsamen mit seiner gehorsam, seiner demütikeit als die demütigen [...] vergleichen.
Dietrich. Summaria
29r, 38
(
Nürnb.
1578
):
Wer also gedultig vnd demuͤtig ist / der wird an Christo einen ruckentrager haben.
Warnock, Pred. Paulis
22, 158
(
önalem.
,
1490
/
4
):
Ich sprich, daz ist daz allerbest, [...], das du habist ain demütige sel und ein senftmütig hertz.
Lauchert, Merswin
14, 25
(
els.
,
1352
/
70
):
zuͦ dirre grosen minnen mag ŏch nieman kvmen, denne mit rehter grvdeloser minnender demuͦtiger zuͦ grvnde sterbender gelosenheit.
Illing, Albert. Sup. miss.
2939
(
els.
,
n. 1380
):
Wo siht man ieze eine gemeinde, die ansehe, wie cristus sich tegeliche opfert in der messen vnd oͮch also sich gotte vfopfere vnd irn eigen willen in rehte temuͤtige gehorsame gebe der gerehtikeit.
Vetter, Pred. Taulers
101, 20
(
els.
,
E. 14. Jh.
):
Daz dis gemuͤte ge mit minnen in, in inniger begerunge, in einem demuͤtigen underwurffe under Got.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
508
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Maria, Gottes muͦter guͦt, | Verlich uns demuͤtigen muͦt!
Bauer, Geiler. Pred.
99, 4
(
Augsb.
1508
):
davon [von diser volkommnen liebe] hab ich dich geleert / in dem anfanng / von dem ersten bühel ainer demuͤtigen penitents.
Eschenloher. Medicus
31, 2
(
Augsb.
1678
):
Jn disem so ellenden Zustand nimbt er sein Zuflucht zu dem heiligen Wunderbarlichen Sacrament beym H, Creutz / vnd befihlt sich demselben ganz demuͤtigst.
Reithmeier, B. v. Chiemsee
14, 8
(
München
1528
):
Darumb sol ain yeder in glawbürdigen dingen [...] vnd also gegen gemainer kirch diemueetig vnnd gehorsam sein.
Bauer, Imitatio Haller
47, 7
(
tir.
,
1466
):
Wenn der diemuetig mensch enpfëcht schmech vnd v̈berlast von den menschen, so ist er in dem frid.
Alberus, Barf.
106, 7
;
Kehrein, a. a. O.
1, 294, 2
;
Quint, a. a. O.
2, 565, 9
;
Werbow, M. v. Amberg. Gew.
1098
;
Strauch, Par. anime int.
98, 8
;
Pfefferl, Weigel. Gn. S. 
98, 16
;
Bihlmeyer, Seuse
85, 34
;
Lauchert, a. a. O.
32, 33
;
Vetter, a. a. O.
23, 6
;
24, 22
;
28, 4
;
Moscherosch. Ges. Phil. v. Sittew.
29, 31
;
Sappler, H. Kaufringer
17, 240
;
Steer, Schol. Gnadenl.
2, 22
;
Turmair
4, 155, 5
;
Bauer, Imitatio Haller
60, 2
;
Bauer, Haller. Hieronymus-Br.
115, 22
;
Schöpper
11a
.
Vgl. ferner s. v. (Adj.) 3, (V.) 6,  1.
2.
›untertänig, unterwürfig, ergeben; bescheiden (vor allem von Untertanen)‹.
Besonders späteres Frnhd.
Bedeutungsverwandte:
(Adj.) 4, .
Syntagmen:
jm. etw. d. enbieten
;
der demütige fusfal / gehorsam, die demütige bitte / neigung / reue, das demütige begeren / wort
.

Belegblock:

Holland, H. J. v. Braunschw. V. e. vngerat. Sohn
378, 6
(
Wolfenb.
1594
):
Ach wolte Got, Das jhr noch leben, oder, das jhr jetzunder wider das leben bekommen möchtet, Wie demütig, Wie gehorsamblich wolte ich mich gegen euch bezeigen.
Peil, Rollenhagen. Froschm.
83, 1262
(
Magdeb.
1608
):
Sie traten zu der rechten all / | Mit eim demuͤtigen fußfall.
Toeppen, Ständetage Preußen
3, 661
, ?? (
preuß.
,
1453
):
embieten wir ritter, knechte, land und stete, burgermaister, rethe und gemainde der vereynunge des bunds im land zeu Prewszen diemutige al unsers vermogens irbietunge mit frundlichen dinsten stetis czuvor.
Weise. Jugend-Lust
136, 1
(
Leipzig
1684
):
Cloeb. Viel Tausend haben sich aus demuͤthiger Reue unter unsern Schutz begeben.
Baumann, Bauernkr. Rotenb.
522, 4
(
nobd.
,
1525
):
Ewer furstlich gnaden diemutige Margretha von Menzingen zu Reinspurg.
Grossmann, Unrest. Öst. Chron.
215, 16
(
oobd.
,
3. Dr. 15. Jh.
):
Die fraw tett der red vast erschrecken und sprach mit demutigen wortten: „O durchleuchtiger, grosmechtiger kunig und herr [...]“.
Schorer, Sprach-Verd.
31, 15
;
Weise. a. a. O.
95, 7
;
Schlosser, H. v. Sachsenh.
3941
;
Chron. Augsb.
5, 155, 19
;
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
184, 11
;
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
38, 19
.
Vgl. ferner s. v.  1, (
das
6.
3.
›gnädig, herablassend; milde (von Herrschern)‹.
Bedeutungsverwandte:
,  14, (Adj.) 3,  2, (Adj.) 1.
Gegensätze:
(Adj.) 1.
Syntagmen:
d. gegen jm. sein
;
der demütige fürst / her
.

Belegblock:

v. Birken. Erzh. Österreich
80, 13
(
Nürnb.
1668
):
Wie er [Rudolphus] ein demuͤtiger Herr ware / und ihm selber nicht viel zueignete / also achtete er sich viel zu unwuͤrdig / uͤber soviel Fuͤrsten und Herren zuherrschen.
Chron. Strassb.
1, 346, 19
(
els.
,
A. 15. Jh.
):
dirre keyser Tytus was also milte und guͦt und also demuͤtig, das er hies ,der werlte fröude‘.
Turmair
5, 544, 7
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Herzog Ludwig im part von Ingolstat [...] war ein demüetiger fürst gegen den armen, aber gegn andern fürsten etwas stolz.
Asmussen, Buch d. 7 Grade
664
;
Spiller, Füetrer. Bay. Chron.
208, 18
;
Turmair
5, 596, 13
.
Vgl. ferner s. v.  6.
4.
›gering, schlicht, einfach‹.

Belegblock:

A. à S. Clara. Glori
53, 23
(
Wien
1680
):
so ich befrage in einem Schatten⸗reichen Garten etwan ein demuͤtiges Veigele / oder ein geschaͤmige Rosen / oder ein keusche Lilien.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat.
184, 23
.