dach,
das
;
–/-er
(+ Uml.), selten
-en
oder
.
1.
›Bedeckung; etw. Schützendes, (nach oben) Abschirmendes‹; sehr häufig ütr.
Bedeutungsverwandte:
(
die
1, .
Syntagmen:
etw. zu d. machen, unter ein d. fliehen
;
d. des trones / der eren / freuden / künste, das d. aller creaturen
›Himmel‹;
das schöne / spähe / teure d
.

Belegblock:

Jahr, H. v. Mügeln
374
(
omd.
, Hs.
1463
):
die selbe [die Geometrie] zu dem keiser sprach: | ,ich mak wol sin der künste dach, | sint das min zirkel in sich sloß | alles das uß naturen floß.
Ziesemer, Marienb. Ämterb.
142, 2
(
preuß.
,
1409
):
4 armbrost myt schoͤnem dache.
Vetter, Pred. Taulers (
els.
,
E. 14. Jh.
):
Ein mensche stande under dem tache des goͤttelichen willen in senftmuͤtikeit.
so solte der mensche rechte tuͦn also die lúte so ein wetter kummet, regen und hagel, so fliehent sú under ein tach und beitent bitz das wetter vergat.
Ettmüller, Heinr. v. Meißen
5, 2
;
Thiele, Minner. II,
25, 33
;
Niewöhner, Teichner
563, 62
;
Päpke, Marienl. Wernher ;
Rot
355
.
Vgl. ferner s. v. , .
2.
›Dach; der ein Gebäude oben abschließende, bedeckende und vor Witterungseinflüssen schützende Bestandteil‹.
Phraseme:
unter ein dach eingehen
›ein Haus betreten‹.
Syntagmen:
das d. (ab)decken / besteigen / machen / zerschlagen, in eren halten, die säule das d. tragen
;
das d.
[eine Maßeinheit im Gen., z. B.
zweier finger
]
dik sein
;
durch das d. regnen, auf das dach kommen, unter dem d. erfrieren, unter js. d. eingehen, wasser vom d. herabfliessen, etw. hoch bis an das d. machen
;
dach und gemach
›das gesamte Haus‹,
das hohe / hülzene / rinnende / trockene d.
;
der affe / kranich auf dem d
.
Wortbildungen:
dachbret
›lange Dachschindel‹ (a. 1590),
dachdecker
(a. 1681),
dachgestel
›Dachstuhl‹ (a. 1539),
dachholz
›für den Bau des Daches verwendete Balken, Latten und Sparren‹,
dachnusche
›Abfluß für Dachwasser, Dachrinne‹ (a. 1468; dazu bdv.: ),
dachraffe
›Dachlatte, Dachsparre‹ (dazu bdv.:
1
 1, ),
dachrinne
(a. 1513),
dachspitze
(dazu bdv.: ),
dachstul
(a. 1586).

Belegblock:

˹in Sprichwörtern:
Gilman, Agricola. Sprichw.
1, 66, 16
(
Hagenau
1534
):
Es ist besser eyn sperling inn der handt / denn eyn kranich auff dem dach.
Ebd.
2, 245, 21
([
Augsb.
]
1548
):
Ain unnutzer Amptman und Prelate / ist wie ain Affe auff dem dache
Joachim, Marienb. Tresslerb. (
preuß.
,
1403
):
10 m., das ror uf den kobilstall zu decken, dem dachdecker.
Thür. Chron.
1r, 12
(
Mühlh.
1599
):
Er [Noah] machte sie [die Arche] Dreyhundert Ellen lang / vnd Funffzigê Ellen weit / vnd dreissig Ellen hoch / biß ans Dach.
v. Tscharner, Md. Marco Polo
13, 2
(
osächs.
,
2. H. 14. Jh.
):
Do stunt eyne groze sul mittin ynne
[in der Kirche],
di do truk das gancze dach.
Ebd.
50, 13
:
Der kunig hot do eyn pallas wol groz, das ist bedact mit korlichim golde allinthalben, und das dach ist wol czweygir vinger dicke.
Mylius (
Görlitz
1577
):
Fastigium Dachspitze od’ Wetterhan.
Lemmer, Brant. Narrensch.
64, 79
(
Basel
1494
):
Eym rynnend tach zuͦ wynters fryst | Ist glich eyn frow die zaͤnckisch ist.
Bolte, Pauli. Schimpf u. Ernst (
Straßb.
1522
):
Uf einmal kam ein Dieb uff ein Tach, wolt in das Haus steigen, etwas ze stelen.
Kurz, Murner. Luth. Narr (
Straßb.
1522
):
Die hüser reissen mit den dachen, | Das vom feüer die balcken krachen.
Rennefahrt, Staat/Kirche Bern (
halem.
,
1529
):
daß er den hußrat, tach und gemach in eren halt.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
sie
[die Kriegsknechte]
haben auch vil armer leut mit iren cleinen kindern aus iren stuben mit gewalt gestoßen [...]. die haben under den techern und elenden kemern erfrieren müssen.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
1591
):
Zum neunten soll kainer kain truckens dach uf sein hauß legen bey straf ain halben gulden.
Rot
302
(
Augsb.
1571
):
Dack, vom wort Teges / wirdt auß manicherley materi gemacht / als hanff / lein / pins / past / rc.
Dirr, Münchner Stadtr. (
moobd.
,
um 1365
):
Swer fuͤrpas mit ziegel decket oder gedecket hat, zuͦ dem sol chain sein nachtgepawr mit chainem huͤltzein dache noch mit chainem andern dache dann mit ziegel in ainen nuͦsch decken.
Hör, Urk. St. Veit
232, 18
(
moobd.
,
1445
):
Mer sol daz guet stiftleich legen zwͦ veld, zaͤun vnd graͤben vnd zwͦ haws vnd stall mit taͤcheren besorgen.
A. à S. Clara. Glori (
Wien
1680
):
HErr / ich bin nicht wuͤrdig / daß du eingehest unter mein Dach.
Piirainen, Stadtr. Kremnitz
56
(
mslow. inseldt.
,
1512
):
Das Iederman vnnter seinem dach Im haus od(er) vor d(er) thur stets wasser halten, auch Lättern haben vnnd anndere Instrument bey den Dechern damit so ein fewr, das gott genadiglich verhuette, auskem dester laÿchter dempt wurde.
Grothausmann, Stadtb. Karpfen
59, 18
(
mslow. inseldt.
,
1574
):
Auch das waśśer, śo von des Lorentz Kratky dach, in des Endres hoffśtadt herabfleiśt in śeinen hoff durch ein gräblin abflieśśen śol laśśen.
Dasypodius (
Straßb.
1536
):
Tignus, & Tignum, Ein latte odder dach raffe / dach holtz / balcke.
Joachim, Marienb. Tresslerb. ;
Große, Schwabensp. ;
Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
146, 10
;
Jahr, H. v. Mügeln
1598
;
Gille u. a., M. Beheim
111, 365
;
Bell, G. Hager
475, 3, 5
;
Thiele, Minner. II,
18, 259
;
Loose, Tuchers Haushaltb. ;
Lemmer, a. a. O.
80, 7
;
Welti, Stadtr. Bern ;
Martin, H. v. Sachsenh. Tempel,
852
;
Bastian, Runtingerb.
2, 410, 30
;
Klein, Oswald
104, 67
;
Dirr, Münchner Stadtr. ;
Staub, Qu. Wien
3, 2, 2825, 26
;
Kehrein, Kath. Gesangb. ;
A. à S. Clara. a. a. O. ;
Rechn. Kronstadt
3, 309, 16
;
Bremer, Voc. opt.
5128
;
Voc. rerum
36r
;
Öst. Wb.
3, 913
;
4, 31
;
Dwb, Neub.
6, 43
.
Vgl. ferner s. v.  1,  1,  1,
2
,
1
 17, ,  1, ,  1,  10, , .
3.
›Haus, Wohnung‹; Metonymie zu 2.
Phraseme:
unter ein d. eingehen
.

Belegblock:

Baumann, Bauernkr. Rotenb. (
nobd.
,
n. 1525
):
In der ersten stund des tags hat Wolf von Velperg drey tach zu Lenkerstetten verprent, geplundert und das vieh genommen.
Klein, Oswald
91, 50
(
oobd.
,
1409
):
Dorumb ist, ach, | feuer in dem tach.
Ebd.
44, 34
.
4.
›diejenige Gesteinsschicht, welche unmittelbar auf einem Flötze aufliegt‹ (
Veith, s. u.
126
).

Belegblock:

Veith, Bwb. (
1571
):
Weil solche fletz ir streichen, dach, sohlwerk vnd aussgehen haben.
5.
in der Wendung
von dach
: ›von oben‹.

Belegblock:

Wierschin, Liechtenauer. Fechtk.
130, 6
(
oobd.
,
1. H. 15. Jh.
):
Wann ainer von dach vff dich schlöcht, so schlach den zornhaw mitt der langen schniden.