bulen,
V.
1.
›eine Liebschaft haben, Liebeshändel treiben‹; dann auch ›Unzucht treiben, huren‹.

Belegblock:

Mieder, Lehmann. Flor.
106, 5
(
Lübeck
1639
):
Buhlen hat ein suͤssen Anfang / vnd sawer End.
Ebd.
858, 9
:
Wer trinckt ohne Durst / buhlet ohne Lust / vnd isset ohne Hunger / der stirbt.
Dedekind/Scheidt. Grob.
89, 37
(
Worms
1551
):
Ich will nennen den sin̄reichen Poeten Ouidium / hat er nicht das edel außerlesen bůch von der kunst zu Bůlen [...] beschriben?
v. Ingen, Zesen. Ged.
394, 8
(
Breslau
1641
):
Die Nacht das schwartze Kind kam mit Gewalt gedrungen | Mann ging zum Buhlen hin.
v. d. Lee, M. v. Weida. Spigell
36, 4
(
omd.
,
1487
):
dÿ weÿber wollen gemeinlich tantzen und bülen.
Sachs
213, 129, 5
(
Nürnb.
1557
):
Mit pueln und spieln zu gewinnen | Darff auf-mercklicher sinnen.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
12, 11
(
Ulm
1486
):
Mer ain Ergeüdiger bůlender torochter Ritter mit namen Traso.
Barack, Zim. Chron.
3, 526, 28
(
schwäb.
,
M. 16. Jh.
):
so het sich ein Spanier heftig gebraucht, im gesicht zu buelen, wie iren gewonhait.
Gilman, Agricola. Sprichw.
2, 191, 9
([
Augsb.
]
1548
):
Mit dem gesichte Bůlen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
13, 87
(
Basel
1494
):
Der ist eyn narr /der bůlen will | Vnd meynt doch haltten maß vnd zil.
Fuchs, Murner. Geuchmat
1650
(
Basel
1519
):
Wer do bůlt, der sicht nit me, | Vnd ist jm on kranckheiten we.
Winter, Nöst. Weist.
3, 24, 16
(
moobd.
,
1555
):
lass si aftnesen puelen hunz daz der peitl gar vol wirt.
Turmair
5, 49, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
Da war er gar frei, het ain gueten muet mit den jungen edelleuten, die man zu im setzt, trunken, assen, puelten.
Klein, Oswald
55, 45
(
oobd.
,
1431
/
2
):
dorumb ain jeder minner tracht, | damit er bül, das er des schimpfs müg glachen.
Voc. Teut.-Lat. A
aijr
;
Dasypodius
303r
;
Schöpper
71a
;
Serranus
45r
;
Maaler
82r
;
Rot
343
;
Hulsius
C ijr
;
Dietz, Wb. Luther
1, 359
;
Bad. Wb.
1, 364
;
Schwäb. Wb.
1, 1512
f.;
Schweiz. Id.
4, 1187
;
Öst. Wb.
3, 1336
.
2.
›jn. lieben, mit jm. ein Liebesverhältnis haben‹.
Phraseme:
jm. das weib bulen
›js. Weib verführen, jn. mit dessen Weib betrügen‹.
Bedeutungsverwandte:
 3.

Belegblock:

Gille u. a., M. Beheim
270, 4
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Owe der frawen leibe, | [...] geparn zu ainem weibe, | die auff der erden nympt und pult | Ainen geweichten brister.
Ebd.
349, 13
;
her Apselon der schäne | pult seines vater weip.
Roloff, Brant. Tsp.
1229
(
Straßb.
1554
):
Fürwar er ist euch ein schaͤdlich gast | Ir achten nit / das das ander leüt | Von ime warnemen allezeit | Und meynen das er bůl ewer fraw.
Fischer, Eunuchus d. Terenz
28, 15
(
Ulm
1486
):
Du soltest an sehen das der ritter vor dir mich gebůlet hat.
Pfaff, Tristrant
70, 23
(
Augsb.
1498
):
Tristant bůlt die frawen.
Chron. Augsb.
5, 32, 1
(
schwäb.
,
1523
/
7
):
Hans von Hutten hett gar ain schön weib das bůlt im der hertzog.
Ebd.
96, 7
:
er hett arckwon auff den knecht, daß er im sein weib bůlt hett.
Turmair
5, 66, 13
(
moobd.
,
1522
/
33
):
der [künig] ward von ainem, dem er sein weib puelet, erstochen.
Seemüller, Chron. 95 Herrsch.
90, 26
(
oobd.
, Hs.
1. H. 15. Jh.
):
Ich hoffet, si wuͤrd mich fürbaz půlent und lieb habent.
3.
mit präp. Anschluß (
um
) ›um jn./etw. werben, sich bemühen‹.

Belegblock:

Luther, WA
41, 560, 19
(o. J.):
Denn ich fuͤrchte nichts so hoch, denn das nicht der Teufel umb euch bule.
Gille u. a., M. Beheim
300, 2
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Wol drei gesellen gut | dy pulten umb ain maget.
Dienes, E. Gros. Witwenb.
111, 5
(
Nürnb.
,
1446
):
so pult man palt v̈mmb schöne frawen.
Lemmer, Brant. Narrensch.
107, 88
(
Basel
1494
):
Wie zůden megten gselten sich | Die vmb Penolope langzyt | Bůlten / vnd moͤcht jn werden nit.
Turmair
4, 164, 25
(
moobd.
,
1522
/
33
):
sagt, wie er umb si puelt, unêrbar sach an si angesunnen und angemuet het.
Baumann-Zwirner, Augsb. Volksb.
1991, 351
.
4.
mit präp. Anschluß (
mit
) ›mit jm. ein Liebesverhältnis haben‹, dann auch ›mit jm. Unzucht treiben‹; auch ütr.

Belegblock:

Chron. Köln
2, 273, 16
(
Köln
1499
):
Antonius [...] nam Cleopatra [...] zo eme wive, dae Julius vurzitz mit plach zo boilen.
Anderson u. a., Flugschrr.
22, 3, 21
([
Erfurt
]
1525
):
Die groß Babilonisch hůr / auff dem hohen pferd / die mit allen heyden / Fuͤrsten hat gepůlt / sol on al schwerd veryagt werden.
Böhme, Morg.R.
142, 27
(Hs. ˹
schles.
,
1612
˺):
als eine stoltze / wilde / geile und hurische frau / die sich in ihrer brunst immer nach schoͤnen Maͤnnern umbsihet / mit denselben zu buhle.