brunst,
die
;
-Ø/-e
(+ Uml.).
1.
›das Brennen, die Hitze, Glut‹.
Bedeutungsverwandte:
.

Belegblock:

Belkin u. a., Rösslin. Kreutterb.
152, 12
(
Frankf.
1535
):
Wider die hitzig brunst des wilden feurs sol mann das puluer von glet vnd bleiweiß bereyten mit rosenwasser.
Pyritz, Minneburg
657
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
Uff der selben dinge brunst | Wehset mir kein gantze gunst.
Sachs (
Nürnb.
1562
):
das fewr | Mit hitziger brunst ungehewr | All götter schmeltzt, fraß und verzert.
Lindqvist, K. v. Helmsd.
330
(
halem.
, Hs.
um 1435
):
Das wir von Moÿsi lesen | Dem in dem gruͤnen boͤschen | mit brunst unerloschen | Got schon und loblich erglast.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz feur macht mit seiner prunst etleich weiziu dinch swarz.
der stain [...] senftigt die inwendigen prünst und verstellt den swaiz.
Voc. Teut.-Lat.
zv iijv
;
Voc. inc. teut. t
vijr
;
Hulsius
C ir
;
Schmid, R. Cysat
6, 15
;
Lehmann, Rezeptb.
164
;
Gleinser, Anna v. Diesb. Arzneib.
1989, 69
;
Wiessner, Wortsch. Wittenw. Ring.
1970, 27
;
Dalby, Lex. Mhg Hunt.
1965, 39
;
Dietz, Wb. Luther ;
Preuss. Wb. (Z)
1, 844
;
Schmidt, Hist. Wb. Elsaß ;
Bad. Wb.
1, 349
;
Öst. Wb.
1184
f.;
Vorarlb. Wb.
1, 472
.
2.
›Brand, Feuersbrunst, Schadenfeuer‹.
Syntagmen:
die b. bedenken / verhüten; b
. (Subj.)
aufgehen / ausgehen / entstehen / sich erheben / bedenken / geschehen / schimmern / sich zutragen
.

Belegblock:

Lemmer, Amman/Sachs. Ständeb.
68, 7
(
Frankf./M.
1568
):
In Kirchen vnd auff dem Sal brangn / | Raͤuchfesser vnd die Messing Spruͤtzen / | Die man thut in den Bruͤnsten nuͤtzen.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
Da von Got herre, als du weist, | Durch czen gerechte wolde | Irbarmen sich, Got der holde, | Uber vumf stete leyden brunst | Zuvorderst durch der menge gunst.
Fastnachtsp. (
nobd.
,
v. 1486
):
ein pose rott hat sich zusamen geselt, | Prunst, rach die schacher han bedacht, | Die hie behausen tag und nacht.
Chron. Nürnb. (
nobd.
,
15. Jh.
):
Anno dni. 1341 [...] was die groß prunst am Heumargkt zu Nürmberg.
Kurrelmeyer, Dt. Bibel (
Straßb.
1466
):
sy selb die stat verdarbt er in der brunst.
Schade, Sat. u. Pasqu. (
els.
,
1521
):
wann wetter oder prunst in etwan schaden thůt, so thůt in die herschaft ain ablaßung der gült.
Baumann, Bauernkr. Oberschw. (
schwäb.
,
v. 1542
):
Anno domini 1493 [...] da was ain grosse brunst hie, das feur gieng auf in des Waydmans hauß.
Chron. Augsb. (
schwäb.
, zu
1548
):
Gott, dem allmechtigen sei lob, ehr und preiß, daß es also ergangen, und daß kain prunst geschehen ist.
Wintterlin, Würt. Ländl. Rechtsqu. (
schwäb.
,
um 1600
):
Wie es in brunsten gehalten werden soll.
Geier, Stadtr. Überl. (
nalem.
,
A. 16. Jh.
):
wann brunsten oder sunst ufrůren bi nechtlicher weile beschechen.
Koppitz, Trojanerkr. (Hs. ˹
noschweiz.
,
15. Jh.
˺):
Alle türne und iere tach | In Troye man in brunste sach.
Jörg, Salat. Reformationschr.
653, 14
(
halem.
,
1534
/
5
):
damit zů verhuͤtten zerstoͤrung / verderbung / brunst / und unwiderbringlich schaden.
Weissthanner, Urk. Schäftlarn
167, 33
(
moobd.
,
1344
):
swenn dieselben vrbar pavfellich vnd oͤd werden von vnfrid oder prunst oder von swelherlay sach daz geschæch.
Vogel, Urk. Heiliggeistsp.
1, 122, 6
(
moobd.
,
1348
):
derselb brief was in abgangen vnd verlorn von pruͤnst vnd von gotz gewalt.
Drescher, Hartlieb. Caes. (
moobd.
,
1456
/
67
):
Do die gar grosz, unbeschaiden prunst zu pischoff Adolfs zeitten doselbs zu Kóllen geschach.
Turmair (
moobd.
,
1522
/
33
):
An etlichen enden sach man groß weit flammen und prunst schimern in der vinster.
Siegel u. a., Salzb. Taid. (
smoobd.
, Hs.
17. Jh.
):
ob sich ain ungewiter, ain prunst oder ain rumor zuetrieg und begäb.
Bischoff u. a., Steir. u. kärnt. Taid. (
m/soobd.
,
1506
):
dardurch leichtlich die wälder mit prunst schaden leiden möchten.
Mollay, Ofner Stadtr.
251, 4
(
ung. inseldt.
,
1. H. 15. Jh.
):
Mit der stuͤrm gluckenn schol man nÿmer leuthen, den czu den großen feÿr tagen vnnd czu auff laüffen Vnd czu prunsten yn derr staͤdt.
Qu. Brassó
5, 376, 8
(
siebenb.
,
1599
):
Am 14. Tag Januarii ist ein brunst in der Portzengass geschehen und einem Mann 6 Ross verbrennt.
3.
›Schwaden, Nebel, Dampf‹.
Bedeutungsverwandte:
 1, .

Belegblock:

Strauss, A. v. Villanova dt.
152v, 17
(
obd.
, Hs.
1421
):
Es spricht Auicenna, daz der luft gut ist vnd nütz, der daz nicht vermischet ist mit keyme dampf oder bruͤnst.
Eis, Gesundheitsl.
128, 35
(
oobd.
,
1520
/
30
):
Das wasser sol seyn von subtilen schwaden oder brünsten geboren; darümbe mer gelobt ist das regen wasser.
4.
›Brand, Feuer, Glut (als Zustand, Haltung des Menschen)‹; ütr. zu 1.
Syntagmen:
die b. leschen; des hungers / jamers / zorns, der begierde / minne / sorge / sünde / tugend b.; böse / brunstliche / geistliche / grosse / heftige / hitzeliche / höllische / keusche / lüsterne / mächtige / säldenreiche b
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Her ensi der tur uns gereit | Siner milden barmherzikeit | Uf wite zu sliezene, | Daz olei dar uz zu giezene | Sines heiligen geistes brunst, | Uz der uns ran der gnaden runst.
v. Ingen, Zesen Rosenw.
69, 2
(
Hamburg
1646
):
Weistu nicht / was Forsthold davon schribe / als er in solcher haͤftigen brunst in den taͤlern heruͤm irrete.
Luther, WA (
1544
):
Aber es thut es die grosse mechtige brunst und hitze des Geistes.
Und leuget doch daran, sondern hette freilich ynn der brunst den mangel nicht geachtet, den er nu achtet.
Opitz. Poeterey
42, 29
(
Breslau
1624
):
so feuchtet meine brunst | Der zehren bach.
Karsten, Md. Paraphr. Hiob (
omd.
,
1338
):
sunder er wirt sich da verlemnden | Den er mit helfe und mit gunst | By stunt in der sunden brunst.
Reissenberger, Väterb. (
md.
, Hs. 
v. 1406
):
Ir tet so we dez jamer prunst | Das si ir selbs vergas.
Pyritz, Minneburg
2030
(
nobd.
, Hs.
um 1400
):
lesch mir miner sorgen brunst | Mit diner gnaden troppfen.
Gille u. a., M. Beheim
451, 25
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
daz kumpt von zornes prunst.
Mayer, Folz. Meisterl. (
nobd.
,
v. 1496
):
Das auch mit lernung wurd erfolt | Mein hercz in hiczelicher prunst.
Sachs (
Nürnb.
1530
):
Wie groß ist ewer beder kunst | Inn wercken und der tugend brunst.
Fischer, Eunuchus d. Terenz (
Ulm
1486
):
Das ist die aller unsanfftest brunst do ainer on hoffnung lieb hat.
Schmidt, Rud. v. Biberach
126, 5
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dv minne volget nach der geht vnd der brunst der begirde.
Rieder, St. Georg. Pred. (Hs. ˹
önalem.
,
1387
˺):
din hertze sol reht brinnen von goͤtlicher tugend, und in der brunst solt du die gnad enphahen.
Klein, Oswald
24, 24
(
oobd.
,
1431
/
2
):
die forcht kompt, wie ich sterbe, | grausslicher wirt die kunst, | das ich dort nicht verderbe | in engestlicher brunst.
5.
›starke Hinwendung, Inbrunst‹; ütr. zu 1.
Syntagmen:
der liebe / minne b
.

Belegblock:

Helm, H. v. Hesler. Apok. (
nrddt.
,
14. Jh.
):
Sin geist uns noch irluchte | Mit siner heiligen brunst, | Daz war ruwic runst | Uz siner waren minne | Durch uns nider rinne.
Kehrein, Kath. Gesangb. (
Köln
1610
):
All vnser sinn vnd gmuͤte sonst, | Entzuͤndt in deiner Liebe brunst, | Darauß der Christlich wandel stracks, | Vnd andere tugendt mehr erwachs.
Gille u. a., M. Beheim
63, 12
(
nobd.
,
2. H. 15. Jh.
):
Kan er die chunst | aus herczen prunst | recht masse geben.
Haltaus, Liederb. Hätzlerin (
schwäb.
,
1471
):
So wär ain tail der prunst | Erlöst, damit ich bin entzündt.
Schmidt, Rud. v. Biberach
32, 9
(
whalem.
,
1345
/
60
):
Dvͥ meditacivn meret vnd kreftiget disvͥ zwei mit ir brvnste.
Adrian, Saelden Hort
8130
(
alem.
, Hss.
E. 14.
/
15. Jh.
):
got zoch us und inne | von erbermd in sólich minne | daz ir gehúgg, will, fúrnunst | warent stæt in minnender brunst.
Leidinger, A. v. Regensb. (
oobd.
,
um 1430
):
sein gepet mit prunst allerlauteristen lieb.
Klein, Oswald
4, 37
(
oobd.
,
1431
/
2
):
Wer gaistlich prunst | mit arbait lieplich in sein herz well stossen.
6.
von Tieren, ›Paarungszeit, Brunft‹.

Belegblock:

Küther, UB Frauensee
415, 17
(
thür.
,
1540
):
so wir die churfurst und hertzogenn zu Sachssen etc. die geholtze in der hirschfeiste ader brunst jagenn ader durch unsere jeger jagen lassenn wollen.
Pfeiffer, K. v. Megenberg. B. d. Nat. (
oobd.
,
1349
/
50
):
daz geschicht allermaist, wenne diu katz den katern suocht in der prunst irr unkäusch und allermaist jung katzen, die sich noch niht ervarn habent.